Bolivien: Rundbrief 1 von Franziska Martin

12. November 2008 von franziska.martin

Mein erster Rundbrief :

Abschied, Flug und die ersten paar Tage!

Nach dem schweren Abschied von meinen(m) Liebsten am Flughafen und einem ewig langen Flug, endlich angekommen in Santa Cruz, wo wir zwei Tage Zwischenstopp machen wollten, wurden wir SofiA-Freiwillige , das erste Mal von der Herzlichkeit der Bolivianer überrascht: Die ganze Vorhalle des Flughafens stand voller Leute, die gekommen waren um uns zu begruessen.

Aus dem Flugzeug nach La Paz hat man schon eine unglaubliche Aussicht auf diese beeindruckende Stadt, eingebettet in den Anden.

Endlich in La Paz angekommen…

Das erste Wochenende verbrachte ich dann nicht wie erwartet in einer Gastfamilie, sondern in einem Hotel. Allerdings kümmerten sich Freiwillige, die schon laenger in La Paz sind ganz rührend um mich und Thomas, der auch das Vergnügen hatte im Hotel zu übernachten. Sie kochten Coca-Tee fuer uns ( der – fragt man die Bolivianer – gegen alles hilft ) und zeigten uns gleich schon die schönsten Plätze der Stadt.

Am Montag dann, sollte ich in meine Gastfamilie ziehen. Naja Gastfamilie war zuviel gesagt: Ich wohnte also die nächsten vier Wochen mit einer jungen Frau zusammen, die den ganzen lieben langen Tag arbeitet und so nicht viel Zeit mit mir verbringen konnte.

So habe ich leider in den ersten vier Wochen , in denen ich sehr viel Zeit mit den restlichen deutschen Freiwilligen verbracht habe, recht wenig spanisch gesprochen. Konnte aber so La Paz entdecken und als eine sehr chaotische aber auch sehr vielfältige Stadt mit sehr viel Verkehr ( allerdings gibts im Zentrum der Stadt fast nur Minibusse und Taxis, Privatautos gibts fast nur in der zona sur, dem Bonzenviertel La Pazs.) kennen und schätzen lernen. Deshalb war ich auch ganz froh als ich nach vier Wochen hier bleiben konnte, als die anderen zu ihren Projekten im ganzen Land aufgebrochen sind.

Als Freiwillige der Pastoral Juvenil, das ist in Bolivien DER Jugendverband, hatte ich die Möglichkeit nach Cochabamba zu einem Treffen der Vertragsverhandlungen zwischen dem BDKJ Hildesheim, BDKJ TRier und der PJV zu reisen. Dort knüpfte ich Kontakte zu bolivianischen Jugendlichen aus dem ganzen Land. Momentan besteht für euch die Moeglichkeit diese kennenzulernen. Sie sind gerade im Bistum Trier mit einer Begegnungsreise unterwegs.

Das Projekt

Mein Projekt ist echt der Wahnsinn. Es liegt in einem kleineren Ort, Huajchilla, eine Stunde entfernt von La Paz. Die Busfahrt dahin geniesse ich jeden Tag: Diese wunderschönen Berge, dann das Tal mit dem Fluss, der jetzt erst in der Regenzeit Fluss wird und im Tal gibts wirklich GRUEN ( vermisse ich in La paz ernsthaft).

Mein Projekt ist eine Schule, in der es Kinder von 6 Monaten bis zum Abitur gibt. Als ich das erste Mal durch das Tor getreten bin, dachte ich: “Wie eine Oase in der Wüste”

Die ersten vier Wochen im Projekt arbeitete ich mit den Vorschulkindern zusammen, “Kinder” , wie es hier heisst. Es gibt zwei Klassen davon und ich arbeitete im Wechsel in beiden. Die Kinder sind sehr herzlich und anhänglich. Die Arbeit war einerseits sehr anstrengend, weil die Kinder sehr laut sind und weil es bei 35 Kindern von 5-6 Jahren nur eine reguläre Lehrkraft gibt, anderersits war es mir ein bisschen zu wenig , weil ich nur eine Hilfskraft war und mich nicht wirklich einbringen konnte. Diese Arbeit sollte ich jedoch nur einen Monat lang machen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern.

Jetzt arbeite ich im Kindergarten des colegios, im Wechsel bei den Pre-KIndern und bei Bebes, was eine schöne Abwechslung ist. Bei den Grossen gefällt es mir sehr mit ihnen rumzutoben und das das schönste Gefühl ist, wenn ein Baby in meinen Armen einschläft.

Meine Wohnsituation

Eigentlich sollte ich bei den Schwestern des Ordens wohnen, die die Schule leiten, allerdings hat das nicht geklappt. Deshalb wohne ich jetzt in La Paz in einer Wohnung für mich selbst. Erst hatte ich Bedenken deswegen, weil ich eigentlich das Dorfleben in Bolivien kennenlernen wollte. Allerdings haben sich diese Bedenken erledigt, nachdem mich die Mädels vom Kindergarten eingeladen haben auf der Dorfentrada, das ist eine Art Prozession, Morenada mitzutanzen.

Eine Begegnung…

In la Paz lernt man schnell Leute kennen. Aber von einer Person möchte ich gern berichten, weil die Begegnungen mich immer sehr nachdenklich stimmen:

Ich hab Felix kennengelernt. Felix ist Schuhputzer und ist gerade mal so alt wie ich. Er ist immer an der San Francisco anzutreffen. Da sind auch richtig kleine Kinder von 4-5 Jahren, die dir die Schuhe putzen wollen. Mit Felix kann man sich richtig gut unterhalten ,wenn er nicht gerade high ist vom Schnüffeln. Diese Woche hat er sogar sein Schnüffelzeug vor mir ausgepackt, hatte er vorher noch nie gemacht. Und genau das ist jetzt mein Problem: Helfe ich den Schuhputzer damit wenn ich meine Schuhe putzen lasse und ihnen somit ein wenig helfe ein Dach über den Kopf zu bekommen? Oder helfe ich ihnen mehr, wenn ich mir nicht die Schuhe putzen lasse und sie sich somit kein Schnüffelzeug kaufen können???

Ganz viel danke…

Am ende möchte ich jetzt gern noch danke sagen:

Danke an meinen Solidaritätskreis, der soviel Geld zusammengebracht hat , dass es jetzt schon reicht, danke euch =)

Danke an dich Hanna und die anderen Freiwilligen, weil ihr euch so nett um mich gekümmert habt am ersten Wochenende

Danke euch , Christian und Carina, die ihr mir die ersten vier Wochen versüsst habt mit ganz vielen Gesprächen und Lachen

Gracias a las princesas, die mir meine Wochenenden verschönern

Danke Jovanna und ihr andern, dass ihr noch an mich denkt und mir soviel schreibt

Danke Mama, dass du mich so unterstützt und für den Dosenlyoner =)

Danke Alex, dass du diese Zeit durchstehst und mir noch den Rücken stärkst, wenn es mir schlecht geht, danke, ICH LIEBE DICH

Schlagworte:

Kommentieren ist momentan nicht möglich.