Bolivien: 1. Rundbrief von Simone Wengenroth
9. Januar 2009 von simone.wengenrothHola aus Bolivien!
Hier ist mein erster Rundbrief!
Die Zeit in Bolivien verfliegt schnell, ständig strömen neue Eindrücke und Erlebnisse auf mich ein und bisher ist es mir nicht gelungen diese auf Papier zu bringen, bzw. in eine Mail zu packen. Doch jetzt nach fast 9 Wochen wird es Zeit, schließlich möchtet ihr gerne an meinem Leben in der Ferne teilhaben.
Abschied und Ankommen …
Nach vielen herzlichen und traurigen Abschiedsmomenten und nach unzähligen Reisestunden wurden wir (zwei weitere Freiwillige und ich) herzlich und neugierig am Flughafen in Sucre empfangen. Hier warteten sowohl unsere Gastfamilien, als auch die Mitarbeiter der “Fundacion Treveris” auf uns.
Die ersten Wochen habe ich in der Familie “Rosado-Campos” gelebt, dazu gehören Silvia und Bernardo und die beiden Kinder Micaela (11) und Matilde (6). Hier habe ich eine tolle Gastfreundschaft erlebt und wurde schnell in die Familie integriert. Die Familie wohnt in einem neuen, noch nicht ganz vollendeten Haus und ist sehr europäisch eingerichtet. So musste ich in den ersten Wochen weder auf die Mikrowelle noch auf die Waschmaschine verzichten.
Das Leben in einer Familie erleichtert den Einstieg und das Ankommen in einem fremden Land sehr. Hier wurde ich mit bolivianischen Gewohnheiten vertraut gemacht und lernte viel über die Stadt und ihre Menschen.
Parallel zum Leben in der Familie habe ich einen Sprachkurs besucht. Auch hier wurde neben Grammatik und Sprache viel über das Leben der Menschen und die Kultur Boliviens vermittelt. Jetzt übe ich mich fleißig im Sprechen.
Die Stadt …
Sucre ist die Hauptstadt Boliviens und hat ca. 225000 Einwohner. Wegen ihrer vielen barocken und neoklassizistischen, weiß getünchten Bauten wird sie auch die “weiße Stadt” genannt. Sucre liegt auf 2790 m und ist zum Akklimatisieren in Bolivien ideal. Der Stadtkern hat eine schöne Plaza und viele sehenswerte Gebäude und Kirchen. Die Stadt liegt über viele Hügel verteilt, so dass man ständig steil bergauf oder bergab unterwegs ist. Sucre bietet viele Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten und zahlreiche gemütliche Cafes und Bars, sowohl für Einheimische als auch für Touristen.
Eingekauft wird hier hauptsächlich auf dem “Mercado Campesino”. Dieser erstreckt sich über viele Straßenzüge und es reiht sich ein Verlaufsstand an den anderen. Hier gibt es alles zu kaufen von Obst, Gemüse, über Fleisch, Käse und Eiern (die den ganzen Tag in der Sonne stehen), Kleidern, Haushalts- und Hygieneartikeln. Es macht Spaß über den Markt zu schlendern und das bunte Treiben zu beobachten. Ein völlig anderes Einkaufsgefühl als bei uns im Supermarkt.
Auch der Straßenverkehr und seine Verkehrsmittel sind erwähnenswert. Taxi fahren ist hier recht preiswert und somit sind tausende von Taxen auf der Strasse unterwegs. Noch viel spannender und praktischer ist die Fahrt mit einem “Micro”. Das sind kleine Busse die ohne Haltestellen und Fahrplan auf einer festgelegten Route unterwegs sind. Möchte man mitfahren, stellt man sich an den Straßenrand, signalisiert dem Fahrer durch winken das er anhalten soll, steigt ein, bezahlt 1 Boliviano und fährt so lange mit, bis man das Ziel erreicht hat. “Parada, por favor” (bitte anhalten) signalisiert dem Fahrer, das man gerne aussteigen Möchte. Ich hab mich schnell an diese Art Bus zu fahren gewöhnt.
Ansonsten sind die Strassen hier sehr voll und der Verkehr regelt sich durch wildes Hupen, Ampeln und Verkehrspolizisten.
Die Organisation und meine Arbeit …
Die “Stiftung Solidarität und Freundschaft Chuquisaca-Trier, kurz Fundacion Treveris, ist die Partnerorganisation des “BDKJ Trier ” und hat ihren Sitz in Sucre. Hier befindet sich ein Büro- – und Verwaltungsgebäude und eine Wohnung für die jeweiligen Freiwilligen. Dort wohne auch ich seit einigen Tagen. Die Institution unterhält, unterstützt und fördert 33 Internate und Ausbildungszentren auf dem Land in Chuquisaca. Hier wird Kindern und Jugendlichen die fern ab einer Schule wohnen Bildung ermöglicht.
In der Zeit nach dem Sprachkurs bin ich jeweils mit einem Mitarbeiter der Organisation in verschiedene Zonen von Chuquisaca gereist und hab die einzelnen Internate und Zentren besichtigt. So habe ich eine Vorstellung von der Arbeit bekommen und konnte mich entscheiden, in welchem der Zentren ich tätig sein Möchte.
Seit gestern steht fest, dass ich in einem Ausbildungszentrum für junge Frauen vom Land mitarbeiten werde. SIPAS genannt. Hier haben 15 – 25 jährige Mädchen und Frauen die Möglichkeit eine Ausbildung als Schneiderin, Weberin, etc. zu machen. Das Zentrum liegt in Padilla, einem kleinen Städtchen ca. 4 Bus-Stunden von Sucre entfernt. Nächste Woche geht es los und ich bin schon ziemlich neugierig was mich dort erwartet.
Zwischen der Fundacion Treveris und dem BDKJ Trier finden jährlich Dienstgespräche statt. In diesem Jahr kam der BDKJ-Vorstand nach Bolivien gereist und ich hatte die Gelegenheit an deren Rundreise und an einigen Versammlungen teilzunehmen. So habe ich viele neue Einblicke und Eindrücke in die “Partnerschaft Trier – Bolivien” gewinnen können.
Die ersten Reisen …
Die Besichtigungstouren durch die Zentren hatten den tollen Nebeneffekt, dass ich schon ganz viel vom Departamento Chuquisaca gesehen habe und die Menschen erleben konnte. Wir waren tagelang auf holprigen Wegen im Jeep unterwegs und haben unbeschreibliche Landstriche gesehen: kahle, braune Berge, bewachsene Berge, felsige Berge, Tiere, Flüsse, Schnee und Eis, kleine Bergdörfer, einzelne Wohnhäuser, kleine Städtchen, viel Staub und immer mit Sonne und strahlend blauem Himmel.
Wir waren in Regionen auf ca. 2000 – 4400 m Höhe unterwegs, haben mal gefroren, mal geschwitzt und waren oft wegen Sauerstoffmangel außer Puste. Wir haben mit Kindern im Fluss gebadet, frisch geangelten Fisch gegessen, Apfelsinen und Mandarinen geerntet, viel getanzt und gesungen und die Landschaft genossen.
Ausblick …
In der kommenden Woche werde ich nach Padilla fahren und meine Arbeit im Projekt beginnen. Ich werde wohl immer einige Wochen im Projekt verbringen und dann mal wieder für kurze Zeit in der Wohnung in Sucre sein. Ende Oktober findet schon das erste Zwischenseminar für uns Freiwillige statt. Und dann gibt es auch sicher den nächsten Rundbrief aus Bolivien.
Danke und Tschüss …
Auf diesem Wege sage ich DANKE für all die lieben Wort und Aufmerksamkeiten zu meinem Abschied, sowie die ideelle und finanzielle Unterstützung meines Dienstes. Und natürlich für all die Mails, Briefe, Telefonate und Päckchen die mich schon erreicht haben.
Ich freue mich auf Mails und Rückmeldungen und beantworte gerne all die aufgekommen Fragen.
Liebe Grüsse aus Bolivien
Simone Wengenroth