Bolivien: Rundbrief 2,5 von Simone Wengenroth
10. März 2009 von simone.wengenrothLiebe RundbriefleserInnen!
Damit ihr nicht so lange auf die Folter gespannt seid, hier ein Bericht von meinem Weihnachten in Bolivien.
Weihnachten in Bolivien
Ich habe das Weihnachtsfest, also Heiligabend und den ersten Weihnachtsfeiertag in meiner Gastfamilie in Sucre verbracht. Den Heiligabend haben wir im Elternhaus meiner Gastmutter mit all ihren Geschwistern und Familien (insgesamt 22 Leute) gefeiert.
Das Weihnachtsfest, die heilige Nacht, beginnt hier in Bolivien um Punkt 24:00 Uhr mit dem traditionellen Weihnachtsgericht “Pikana“: Rindfleisch und Hühnerfleisch in einer leckeren Suppe mit Kartoffeln und Maiskolben. Echt Lecker! Wir haben mit der ganzen Familie an einem festlich gedeckten Tisch gegessen und auf Weihnachten angestoßen. Anschließend ist es Brauch vor dem Jesuskind in der Krippe zu tanzen (spezieller Weihnachtstanz). Erst nach dem Tanzen, wurden spät in der Nacht die Geschenke überreicht.
Der Weihnachtsbaum ist eine bunt-blinkend geschmückte Plastiktanne und die Krippe überfüllt mit Jesuskindern, Tieren und kitschigen Weihnachtsgegenständen. Ein wenig gewöhnungsbedürftig!
Überrascht und überfordert haben mich die Menge an Geschenken, ich hab noch nie sooooo viele Weihnachtsgeschenke unter einem Baum gesehen. Hier hat jeder jedem was geschenkt und bei der Anzahl an Personen kommen eben auch richtig viele Geschenke zusammen…
Sicher ist diese Familie aber kein Maßstab für alle Familien in Bolivien, vielleicht aber für Sucre.
Am ersten Weihnachtstag hab ich mit den beiden Mädels und meiner Gastmutter den Weihnachtsgottesdienst besucht. Hierhin bringen alle Familien ihr (meist aber doch mehrere) Jesuskind aus der Krippe mit, um es segnen zu lassen. Das ist echt ein schöner Brauch. Anschließend fand das Familienweihnachtsessen bei den Eltern von meinem Gastvater statt.
Am Nachmittag haben wir gemeinsam einen Ausflug nach Tarabuco, einem kleinen Ort auf dem Land, unternommen. Hier ist es Brauch in verschiedenen Häusern zu tanzen und auf Weihnachten anzustoßen. Das könnt ihr euch so ähnlich wie “Bäumchengucken” der KJG in Pluwig-Gusterath vorstellen. Viele Haustüren stehen offen, man geht rein, wünscht sich “Feliz Navidad”, tanzt vor dem Jesuskind und bekommt etwas zu trinken.
Ihr seht, ich habe ein ganz anders Weihnachten wie all die letzten Jahre erlebt. Und sicher gestaltet jede bolivianische Familie ihr Weihnachten ein wenig anders… Familien auf dem Land werden das Fest sicher ganz anders begehen, als die Familien in der Stadt.
Mir haben an diesem Weihnachten die Gemütlichkeit, Besinnlichkeit, der Duft von Plätzchen, Kerzen und Tannen gefehlt und natürlich meine Familie…
Auch wenn ich unsere Art Weihnachten zu feiern schöner finde, bin ich froh, dass ich ein bolivianisches Weihnachtsfest in einer Familie erleben durfte. Das gehört schließlich zu meinem “Abenteuer Bolivien” dazu. Ich freue mich schon auf das kommende Weihnachten in meiner vertrauten Umgebung.
Euch sage ich DANKE, für die netten Mails und die gelungenen Überraschungen im Adventskalender und den Weihnachtspäckchen.
Liebe Grüße nach Hause
SIMONE