Kerstin Becker, Burkina Faso (1)

15. April 2009 von kerstin.becker

La Colline de la Rencontre – Emmaüs

„Verschiedene Erfahrungen auf geistigem Niveau und die Begegnung mit Jugendlichen haben mir deutlich gemacht, dass diese jungen Menschen danach verlangen, dem lebendigen Christus zu begegnen. Denn nach der Firmung sind viele sich selbst überlassen und schaffen daher nicht den Übergang von kindlichem zu erwachsenem Glauben. Sie wollen mit dem Herrn Kontakt aufnehmen, ihm persönlich begegnen, wollen zu ihm beten, aber wissen nicht wie. Hier musste etwas für die Jugend geschehen, um in der heutigen Welt bestehen zu können, die oft gezeichnet ist von Ungerechtigkeit, Korruption und Unmoral.

Ich habe diese Ergebnisse meinem Bischof vorgelegt und ich erinnere mich noch gut an seine Worte im September 1999: „Genau das wünscht der Papst für unsere Jugend für das Jahr 2000. Geh ans Werk!“

Also ging ich ans Werk. Im Februar 2000 wurde uns am Ufer des Flusses Mouhoun ein freier Platz mitten im Busch angeboten. Der Weg war frei, das Abenteuer mit den Jugendlichen zu wagen.“ (Br. Herbert Schwarz – Afrikamissionar)

9 Jahre später…

Aus dem „freien Platz mitten im Busch“ ist der Hügel der Begegnung geworden. Ein Ort des Auf- und Hinhörens für junge Menschen, die nach Wegweisern für ihr persönliches Leben suchen. Eine Lebensschule, die Mut geben soll anzupacken, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und nicht nur auf die Geschenke des Himmels zu warten. Eine Gelegenheit sein Leben, die Natur und Umwelt neu zu entdecken.

All das sind schöne Worte, die ein großes Ideal verkörpern, doch wie sieht das im Alltag aus? Wem begegne ich dort und was steht aktuell so an?

Neben der spirituellen Begleitung, der Begegnung mit dem Herrn, sich selbst und anderen, ist unser Ziel, dass das Projekt sich eines Tages selbst trägt. Momentan sind wir immer noch auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen und da wir weder vor der Pfarrei noch von den Weißen Vätern finanzielle Unterstützung bekommen, leben wir nur von Spenden. Wir wollen jedoch Schritt für Schritt versuchen davon unabhängiger zu werden und die laufenden Kosten des Projekts durch Eigenerzeugnisse zu decken. Also was tun wir dafür?

Die Kleinviehzucht (Elevage)

Unsere Farm besteht aus zwei größeren Hühnerställen mit Hof und einem großen Kaninchenstall mit Heuschuppen. Dort befinden sich um die 15 Hühner mit einigen Küken, momentan leider nur eine Ente, 8 Kaninchen mit 20 kleinen Häschen und 10 Schafe mit 2 neugeborenen Lämmern. Seit ich im August hier angekommen bin habe ich die Verantwortung für die Farm übernommen. Zuerst soll der Tierbestand erweitert werden und ich hoffe, dass wir irgendwann auch Fleisch oder frische Eier aus eigener Produktion erwerben können. Nachdem ich mich ein wenig dort eingearbeitet habe (ich weiß jetzt wie lang ein Huhn die Eier brütet, was welche Tiere fressen, wie die Kaninchen sich fortpflanzen…) können wir nun auch kleine Erfolge vorweisen. Leider gibt es momentan jedoch immer wieder die große Frage nach Futter, da man während der Trockenzeit kaum etwas im Busch findet. In einer Farm gibt es immer Arbeit, die Tiere müssen schließlich mehrmals am Tag gefüttert werden und auch am Wochenende muss sich darum gekümmert werden. Diese Verantwortung unseren Jungs beizubringen ist nicht einfach, wer läuft in seiner Freizeit schon gerne über den Markt und sammelt alte Kraut- und Salatblätter vom Boden auf?

Das Windrad (Éolienne)

Ca. 200m vom Colline entfernt befindet sich eine tiefe Bohrung, die das ganze Jahr über genügend Wasser hat. Dort haben wir nun ein 12m hohes Windrad aufgestellt, um das Wasser zu pumpen. Das Windrad wurde in zwei Teilen mit Hilfe eines LKWs hochgezogen und nun muss noch das Rad angebracht werden. Von dort aus wird dann eine Wasserleitung aus Plastikrohren gelegt, die uns, besonders auch den Garten um die Kapelle, mit Wasser versorgen kann.

Foto rechts: Prosper und ich auf der Éolienne, von dort hat man einen klasse Ausblick!

Die Bewässerungsanlage (Irrigation)

Diesen Sommer haben wir auf einem Stück Feld (ca. 1,5ha) von unserem Grundstück mit Gartenanbau und Bewässerung angefangen. In der Nähe befindet sich ein 17m tiefer Brunnen, wo nun mit Hacke und Schaufel eine 10m tiefe Rampe ausgehoben wird, um eine Wasserpumpe zu installieren, die das Wasser in ein 28 m3 großes Wasserbecken pumpt. Von dort aus wird das Wasser durch Kanäle auf dem ganzen Feld verteilt. Nach und nach haben wir nun Zwiebeln, Kraut, Tomaten, Bohnen, Salat und Kartoffeln angepflanzt. Die zusätzlichen Investitionskosten sind dadurch nun auf ca. 5000 Euro gestiegen, aber wir hoffen auf längere Zeit uns damit selbst versorgen und sogar durch Verkauf die laufenden Kosten des Projektes decken zu können.

Die Kapelle (Chapelle)

Unter strahlend blauem Himmel, mitten im Busch auf einem kleinen Hügel ragt eine Kapelle hervor, das Herzstück unseres Collines. Im Jahr 2006 wurde mit den Bauarbeiten angefangen und seit über einem Jahr steht sie nun dort und wartet darauf endlich fertig gestellt zu werden. In der Öffnung vorne wird momentan ein großes Glasfenster eingebaut, welches in mehrere kleine Fenster geteilt ist, die sich wie Drehtüren öffnen lassen. Außerdem sind wir dabei um die Kapelle herum Blumenbeete anzulegen, wofür uns jedoch noch das nötige Wasser fehlt. In den letzten Wochen habe ich angefangen ein paar Ideen für die Innengestaltung auf Papier zu bringen. Von Zeit zu Zeit sitz ich mit Herbert zusammen, wir tauschen Ideen aus, überlegen wie sie umzusetzen sind, philosophieren über die Gestaltung eines Tabernakels oder einer Christusskulptur, die vor dem großen Fenster schweben soll. Wir träumen gemeinsam von unserer Emmaüs-Kapelle und ich hoffe, dass wir Ostern schon die Messe in ihr feiern können.

„Wenn ihr arbeitet er füllt ihr einen Teil des kühnsten Traumes der Erde,

der euch anvertraut wurde, als dieser Traum entstand.

Und indem ihr euch Mühsalen unterzieht, erweist ihr dem Leben eure Liebe.

Und das Leben durch die Arbeit lieben heißt mit dessen innerstem Geheimnis einst zu sein.“ (Khalil Gibran – Der Prophet)

Und was sonst noch so geschah…

30.01.2009 Joyeux Anniversaire – « Aujourd´hui tu as 20 ans «

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