Ruanda: 2. Rundbrief von Silvia Grundmann

23. April 2009 von silvia.grundmann

Fohe Weihnachten – Noheli nziza!

Seit ich meinen letzten Rundbrief geschrieben und schließlich abgeschickt habe, ist einige Zeit vergangen. Was ist seitdem passiert? Sehr viel.

In Deutschland hat wieder ein neues Schuljahr angefangen, Schülerinnen und Schüler haben die Herbstferien verbracht, der erste Herbst, den ich nicht erlebt habe, mit vielen bunten Blättern auf den Wegen, kühlem Wind und letzten Sonnenstrhalen, einige Freunde haben die theoretische Führerscheinprüfung bestanden, in Amerika haben Präsdientschaftswahlen stattgefunden, viele meiner Freunde und Freundinnen sind umgezogen in Wohnungen, die ich noch nicht kenne und haben im Oktober zu studieren angefangen, meine Mama und einige Freunde hatten Geburtstag, dann wandelte sich der Herbst in Winter, wie jedes Jahr gab es in den Kindergärten Martinszüge, es gab den ersten Schnee, die Weihnachtszeit mit Adventskranz, Nikolaus, Weihnachtsmärkten und jetzt steht das Weihnachtsfest vor der Tür!

Sicher fragt ihr euch, was sich denn bei mir getan hat. Es ist zu viel um alles niederzuschreiben, aber ich werde besonders wichtige Momente auswählen, um euch daran teilhaben zulassen.

Mittlerweile bin ich fast seit 5 Monaten hier in Ruanda. Und ich bin froh hier zu sein. Dankbar, dass ich ein Jahr meines Lebens hier verbringen und soviel lernen darf. Und das ist es wirklich was ich hier spüre: Leben. Ich fühle mich in der Tat sehr lebendig. Und das ist es doch, was das Leben ausmacht. Dass man tief in sich Leben spürt und Leben ist eben vielfaeltig, es gibt schöne und es gibt weniger schöne Momente. Und beide haben sich in der letzten Zeit recht regelmäßig hier in Ruanda abgewechselt.

Mein erster Rundbrief kam ungefähr nach zwei Monaten. Damals war noch vieles so neu und ich war noch ganz euphorisch, mittlerweile hat sich mein Blick etwas geändert, ich bin kritischer geworden und lerne Menschen, Situationen und Arbeit besser einzuschätzen

Die Arbeit. Die Kinder im Strassenkinderprojekt lerne ich immer besser kennen und schließe sie sehr ins Herz. Im Oktober habe ich angefangen Kinyarwanda zu lernen. Ich habe mir eine Lehrerin gesucht, mit der ich mich echt gut verstehe, da macht der Unterricht richtig Spass! Trotzdem war es zum Teil echt anstrengend, bis 17 Uhr Arbeit und danach noch eine Stunde Kinyarwanda! Die Vokabeln sind so anders als all die deutschen Wörter, aber auch als Englisch, Französisch und Spanisch, es ist wirklich ein vollkommen anderer Kulturkreis! Um die Vokabeln zu behalten, muss ich immer wieder wiederholen aber je mehr man redet desto besser klappt es! Ich merke, dass ich mich mit den Kindern im Projekt schon viel besser verständigen kann. Es sind keine tiefen Gespräche, sondern Frage-Antwort, Scherze…, aber ich bin optimistisch, dass ich langsam langsam “buhoro, buhoro” die Sprache immer besser lernen werde. Denn das ist es wirklich was ich möchte – den Menschen begegnen können und mit ihnen reden – und auch mit den Menschen die eben nicht das Glück hatten eine Schule zu besuchen und daher keine Fremdsprache erlernen konnten. Trotzdem erchweren die fehlenden Sprachkenntnisse noch immer die Arbeit. Gerne wuerde ich manche Spiele erklären, Völkerball, Brennball, oder einfach weitergehende, tiefergehende Gespräche mit den Kindern führen, aber die fehlenden Sprachkenntnisse machen es manchmal unmöglich.

Es fällt mir noch oft schwer das ganze Projekt zu durchschauen. Es sind so unglaublich viele Kinder, das erschwert das Namenlernen und das Kennenlernen. Seit November bis Mitte Januar sind Ferien, das heißt die Kinder, die Familie haben sind bei ihren Familien und die anderen bleiben im Zentrum – trotzdem haben wir noch immer 70 Kinder da! Während der Schulzeit sind es dann manchmal weit über 100 Jungs…. Manche Kinder kommen nur hin und wieder ins Zentrum, andere verbringen Tag und Nacht dort. Diese Unregelmäßigkeit ermöglicht engen Kontakt nur zu wirklich wenig Kindern.

Ebenso ist es nicht einfach die Struktur des Projektes zu durchschauen. Angebote für die Kinder, zum Beispiel organisierte Fussballspiele, Singen, Filme gucken, Spiele, finden unregelmäßig statt und überhaupt ist die Arbeitsmoral der Mitarbeiter anders als bei uns. Ich habe begonnen auch andere Strassenkinderzentren zu besuchne, um zu vergleichen und auch Impulse für meine Arbeit zu bekommen und der Vergleich hat leider bestätigt, was ich bereits vermutet hatte. Das Projekt ist nicht wirklich gut organisiert. Es fehlt an vielem. In meiner Beschäftigung mit den Kindern merke ich immer wieder, dass es an Ausstattung fehlt – oder es gibt sie, sie wird nicht genutzt und ich weiß noch nichts davon. Ich habe es mir für mich zur Aufgabe gesetzt, da zu sein und einfach Zeit mit den Kindern zu verbringen. Wir machen Sport (“gukina umupira” – Fußball spielen ist wirklich besonders beliebt im ganzen Land und da bin ich es, die viel von den Kindern lernen kann…, erzählen so weit meine Sprachkenntnisse mir das erlauben, malen, spielen Karten oder andere Spiele. Manchmal helfe ich auch bei der Büroarbeit, da auch hier Organisation fehlt bzw. erst im Anbruch ist. Ich habe neulich mit den Jungs bunte Handabdrücke auf Papier gemacht, habe ihnen einen Adventskalender mit 24 kleinen Säckchen genäht, habe Material besorgt und möchte jetzt mit ihnen einen Kalender für 2009 gestalten. Ich werde schauen, ob es mir gelingt nachmittags feste Angebote anzubieten. Sport, Filmnachmittage, Malen…

Wir, die wir in Deutschland aufgewachsen sind und kaum existenzielle Probleme kennen, können es uns wohl nur schwer vorstellen, was Straßenkind zu sein bedeutet. Jeden Tag im Advent gab es für die Kinder ein Säckchen von meinem Advetnskalender mit einer kleinen Überrasschung drin, Haribos, Rittersport, Bonbons, Flummi, Seifenblasen… Da es viele Kinder aber nur ein Säckchen pro Tag waren, habe ich Lose gemacht, die sie ziehen mussten. Bei der Verlosung gab es immer ein Riesenchaos, jedes Kind wollte den Zettel mit dem richtigen Datum ziehen und schließlich haben die Jungen angefangen die Zettel zu fälschen. Daraufhin habe ich das System geändert und mehr Ordnung und Disziplin in die Verlosung gebracht. Zunächst haben mich diese Vorfälle sehr enttäuscht und geärgert, aber dann habe ich mir nochmal klar gemacht, dass es Kinder sind, die nichts oder nur wenig besitzen und sich über jede kleine Überraschung freuen und wenn nötig und möglich sogar dafür kämpfen. In den Schlafräumen gibt es Stockbetten mit Matratzen – Moskiotnetze und Bettwäsche sind keine vorhanden, weil die Jungen, sobald sie etwas haben, was einen gewissen Wert hat, auf die Strasse gehen und es verkaufen. Das macht die Arbeit und Erziehung sehr schwer.

Ich bin davon überzeugt, dass man den Kindern ein gutes Vorbild sein und mit Liebe und Verständnis begegnen muss. Ich bin sehr überrascht, wie selbstverständlich Glaube hier in Ruanda ist. Ich kennen hier wohl kaum jemanden, der nicht jeden Sonntag oder sogar jeden Morgen zur Kirche geht und auch bei mir im Projekt wird auf Glaube großen Wert gelegt. Jeden Morgen gibt es ein Gebet mit den Kindern, das ich sehr liebe. Wir singen, tanzen und ein Mitarbieter liest aus der Bibel und erläutert. Da sich die christlichen Werte mit meiner Wertevorstellung decken und ich finde, dass man sich auch in der Erziehung daran orientieren sollte, hat es mich sehr überrascht und tage-, vielleicht sogar wochenlang beschäftigt, nachdenklich, traurig und wütend gemacht, wie Erziehung im Projekt dennoch manchmal stattfindet. Als ein Junge einem anderen Kind Kleidung gestohlen und auf der Strasse verkauft hatte, wurde er mit dem Rohrstock dafür bestraft. Dieses furchtbare Bild hatte ich lange im Kopf, es ließ mich nicht mehr los und trieb mir immer wieder Tränen in die Augen. Es war nicht das erste Mal, dass ich diese Form der Bestrafung im Projekt erlebt habe, aber damals war es die härteste. Ich habe viel nachgedacht, mit anderen Freiwilligen geredet, mit einem Priester, der mich betreut, habe mir Rat geholt bei meinem Vorgänger aus Ruanda und habe mit meiner japanischen Mitfreiwilligen bei mir im Projekt gesprochen und danach beschlossen den Vorfall in einem reunion anzusprechen. Leider ist das nicht wirklich gut gelaufen. Zunächst habe ich meine Meinung dargelegt, aber ich habe direkt gemerkt, dass die Mitarbieter dieses Thema nicht sehr mögen. Sie haben mich unterbrochen und wir haben angefangen zu diskutieren. Sie haben wohl verstanden, dass es für mich als Europäerin schwer fällt,  das zu akzeptieren und zu verstehen und dass ich es auch gar nicht erst versuche will, aber sie haben darauf beharrt, dass es hier in Afrika, in Ruanda eben anders ist. Meine Argumente schienen sie gar nicht zu hören, bzw. hören zu wollen…. Diese herbe Enttäuschung war schwer zu verdauen und ich wollte nicht glauben, dass meine Stimme, die ich so überzeugt erhoben hatte, gar nicht gehört werden wollte. Seit dieser Versammlung habe ich einen solchen Vorfall nicht mehr beobachtet, aber ich weiss, dass sich in den Köpfen nicht viel geändert hat. Die japanische Freiwillige Etsuko, die schon einmal 2 Jahre im Projekt verbracht hat und jetzt noch einmal für 5 Monate hier ist, hat mir berichtet, dass sie schon so oft mit den Mitarbeitern diskutiert hat und sich nie etwas geändert hat. Aber vielleicht war es mal wieder ein Denkanstoß, und wenn nötig werde ich noch viele Denkanstöße geben! Manch einer hat mir danach unter vier Augen noch versichert, dass alle wissen, dass Schlagen nicht gut und keine Lösung sei, aber von jetzt auf gleich sei das nicht zu ändern… Ich finde nicht, dass diese Form der Erziehung, wenn man es denn überhaupt Erziehung nennen kann, Teil der Kultur ist, denn was wäre das für eine Kultur, die es zu bewahren gilt, die auf solche Mittel zurückgreift, aber dennoch merke ich, wie tief das in den Köpfen der Menschen verankert ist. Diese Vorstellungen zu erneuern ist ein Prozess und ich verstehe, dass das Zeit braucht – und auf Ratschläge von Weißen zu hören ist für manche Menschen hier auch nicht einfach, da es der Stolz nicht immer zulässt, und auch ich möchte mit Blick auf die Geschichte, Stichwort Kolonialismus, vorsichtig sein. Ich weiß aber, dass ich jeder Zeit wieder das Gespräch suchen werde, falls sich der Vorfall wiederholt. Erst hatte ich Sorge, dass sich mein Verhältnis zu den Mitarbeitern dadurch sehr verschlechtert. Zunächst bin ich ihnen danach auch mit großer Distanz begegnet, aber das hat sich wieder gelegt (leider fühle ich mich noch nicht ganz als Teil der Gruppe). Ich schätze die Arbeit der Mitarbeiter trotzdem sehr. In anderen Strassenkinderzentren gehen die Kinder abends in die Familien zurück und erfahren dort wenigstens etwas Liebe und Zuneigung. Bei uns fehlen vielen Jungen diese Familien und das Leben auf der Straße hat sie sehr sehr hart gemacht.

Letzte Woche habe ich ein Kind zu Hause besucht. Diesen Besuch werde ich nie vergessen. Wir sind fast anderthalb Stunden bis zu ihm nach Hause gelaufen. Zunächst durch verschiedene Viertel Kigalis und dann ging es aufs Land, auf die Hügel Kigalis. Unvorstellbar, dass Cyprien diese Strecke zwei Mal am Tag läuft um ins Zentrum zu kommen! Er lebt in einer kleinen Hütte mit seiner Mutter und seinem Bruder. Der Vater ist vor zwei Jahren gestorben und 5 seiner Geschwister leben auch nicht mehr.

Da auch in Gahange im Behindertenzentrum Ferien waren und von den verhältnismäßig wenig Kindern noch weniger da waren, ist es mir in diesen Wochen gelungen zu manchem Kind ein besseres und tiefes Verhältnis aufzubauen. Das freut mich sehr. Vor zwei Wochen hatten wir dann einen sehr traurigen Tag im Projekt. Ein Junge, ca. 18 Jahre ist gestorben. Er hatte im Kopf eine Krankheit, aber nicht wirklich schlimm, er war der Fitteste von allen, aber ist eines Morgens einfach nicht mehr aufgewacht. Es war ein komisches Gefühl den Wagen, der den Leichnam des Jungen zu seiner Familie bringen sollte, davonfahren zu sehen…

In meiner Freizeit bin ich wieder viel rumgekommen, habe viel von Ruanda und auch von den Nachbarländern gesehen und Zeit mit meinen Freunden verbracht. Zu Beginn meines Freiwilligendienstes bin ich oft auf dem Land bei meiner Mitfreiwilligen Sophie gewesen. Anfang Oktober hat sie beschlossen zurück nach Detuschland zu fliegen. Dieser Abschied ist mir sehr sehr schwer gefallen, da ich in ihr eine sehr gute Freundin und Vertrauensperson gefunden hatte. Danach sind auch die Besuche in Nyagatare weniger geworden, aber dennoch bin ich hin und wieder da, um Priester Salvian und andere Bekannte zu besuchen.

Anfang Oktober bin ich in Kampala, der ugandischen Hauptstadt, gewesen, weil ich eine gute Freundin von mir wiedersehen wollte, die Freiwilligendienst in Uganda macht. Kampala ist eine unglaulbich große, dreckige, hektische und volle Stadt. Als ich dort ankam, hatte ich nicht bedacht, dass es dort eine Differenz von einer Stunde gibt – und so haben meine Freundin und ich uns verpasst. Sie hatte schon eine Stunde am Taxipark in Kampala auf mich gewartet, als ich ankam, war es bereits dunkel, ich hatte noch kein ugandisches Geld, kein Guthaben mehr auf dem Handy und wusste nicht, wie ich mich in dieser mir von Anfang an unsymphatischen Stadt zurecht finden sollte. Mein Sitznachbar aus dem Bus hat mir sehr bei der Suche nach Katharina geholfen und als wir uns endlich gefunden hatten, haben wir uns zwei schöne Tage in Kampala gemacht. Abends waren wir bei einem Empfang der deutschen Botschaft (es war der 3. Oktober), wir hatten viel Zeit zu reden, waren am Victoria-See….

Im November wollte ich dann die Familie eines guten Freundes, dem Koch aus unserer Pfarrei besuchen, aber leider bin ich krank gewesen und ich musste eine Woche lang das Bett hüten und konnte nicht mit. Wir werden den gemeinsamen Besuch aber im neuen Jahr nachholen!

Einen ganz besonderen (Urlaubs-) Tag hatte ich im November mit Eva und Jakob, meinen beiden Freiwilligen-Freunden, und anderen deutschen Besuchern. Wir sind in ein Ferienhaus von einer deutschen Ordensschwester gefahren an einem See, Lac Muhazi, gefahren und haben da einen wunderschönen Tag verbracht. Es war strahlender Sonnenschein und die deutschen Besucher hatten ein richtig tolles Picknick vorbereitet. Eva und ich sind in Einbaum-Booten (die heißen so, weil sie aus nur einem Baum gefertig wurden) mit kleinen Fischerjungen gefahren, das war ein einmaliges Erlebnis! Man musste auf jede Bewegung achten, um nicht samt Boot zu kentern. Danach sind wir noch im See schwimmen gewesen.

Ende November stand meine lang ersehnte Reise an. Ich bin mit einer Gruppe ruandischer Jugendliche nach Nairobi gefahren. Dort fand ein internationals Taizétreffen statt. Bei meinen bisherigen 4 Aufenhalten in Taizé habe ich dieses kleine Dörfchen mit den Brüdern dort und all den wunderbaren Menschen sehr lieben und schätzen gelernt und habe dort viele gute Freunde gefunden. Meine Erfahrungen waren an diesen Ort in Frankreich gebunden und als ich nach Nairobi aufgebrochen bin, habe ich mich gefragt, wie ein Taizé-Treffen wohl in Nairobi sein würde. Als ich ankam und das vertraute Gesicht von Frère Alois gesehen habe, der uns begrüßt hat, war ich selig. Es war wieder wie nach Hause, diese beglückende Gefühl willkommen und angenommen zu sein. Über jede Taizékette, die ich gesehen habe, habe ich mich gefreut, über jedes Lächeln… Da habe ich gemerkt, dass dieses Gefühl sich zu Hause zu fühlen überall möglich ist, dass es nicht vom Ort abhängt, sondern in der Tat von den Menschen. Wir waren in Gastfamilien untergebracht. Ich wohnte bei Familie Kumai, die Eltern mit 6 Kindern haben 3 Besucher aufgenommen, mich und zwei Jungs aus Tansania. Noch einige Zeit nach der Ankunft fiel es mir schwer RICHTIG anzukommen. Mich auf dieses Treffen und die Menschen einzulassen. Es war anders als in Taizé in Frankreich; wir haben sehr viele Lieder auf Kiswahili gesungen und nur wenige echte Taizé-Lieder, während den Gebeten war es sehr unruhig, mir ist es schwer gefallen mich zu besinnen, die Gebete hatten mehr fröhlichen als meditativen Charakter, es wurde sehr viel getanzt (die Vorstellung in der Kirche von Taizé so ausgelassen zu tanzen wie in den Zelten von Nairobi war mir sehr fremd) und viele Besucher kannten Taizé gar nicht. Irgendwann habe ich aber endlich einfach annehmen können, dass ich in Kenia bin und habe mich an diesen Unterschieden gefreut und sie als sehr bereichernd empfunden. Nachdem es mir gelungen war anzunehmen, habe ich die Tage mit 8000 anderen jungen Menschen sehr genießen können und habe auch eine neue sehr gute Freundin gewonnen.

Den Morgen haben wir immer in den Gemeinden, wo wir untergebracht waren, verbracht. Bei mir war das Christ The King. Es gab das Morgengebet und danach Programm. Einmal haben wir ein Waisenhaus besucht. Als die Kinder, die keine Eltern mehr haben, trotzdem voller Lebensfreude und Dankbarkeit “We’re happy every day to see another day” gesungen haben, habe ich eine Gänsehaut bekommen und war tief gerührt. Nachmittags gab es auf dem großen Gelände von Queen of Apostles Mittagessen, Mittagsgebet, Workshops und abends wieder Essen und Gebet. Danach sind wir zurück in die Familien gefahren. Der Abschied ist mir wie immer sehr sehr schwer gefallen – aber von meiner Freundin Katharina musste ich noch nicht Abschied nehmen, ich habe sie noch in Uganda besucht.

Eigetnlicht sollte der Bus in ihr Dörfchen um 15 Uhr abfahren. Als ich um 15 Uhr aber noch immer in meiner Pfarrei saß und kein Shuttelbus in Sicht war, habe ich mir – noch immer nicht an die afrikanische Zeit gewöhnt – ein Auto organisiert, das mich und andere zum Busplatz bringen sollte. Meine Unruhe war allerdings vollkommen unbegründet, der Bus nach Uganda ist erst um 10 Uhr abends los gefahren….. In Mbale, dem Dorf, wo Katharina arbeitet, hatten wir eine sehr schöne Zeit zusammen, die aber leider von schlechten Nachrichten für sie aus Deutschland getrübt wurden.

Von ganzem Herzen wünsche ich euch allen nun fröhliche Weihnachten. Ich wünsche euch, dass ihr es fernab von Hektik und Stress, in Ruhe und Besinnlichkeit mit Menschen, die ihr liebt, begehen könnt. Meine beiden besten Muzungu-Freunde (weiße Freunde), die Freiwilligen Eva und Jakob, sind zur Zeit in Burundi und ich dachte bis heute Morgen, dass ich hier in Kigali bleiben und Weihnachten verbringen werde. Dann wäre ich am 24. abends mit den Priestern zur Messe gegangen und hätte den 1. Weihnachtstag, auf den hier besonders viel Wert gelegt wird, vielleicht bei einer Taufe von Bekannten und mit meinem lieben Freund Theo verbracht. Ich hatte auch die Möglichkeit mit nach Burundi zu fahren, aber da ich die Familie dort nicht kenne, habe ich abgelehnt. Dann gab es noch die Einladung von Priester Salvian nach Nygatare. Er arbeitet dort an einer neuen Schule, aber auch die Schüler und die Umgebung kenne ich nicht. Letztes Wochenende hat mich eine Freundin aus Nyagatare, Dalia, zu ihrer Familie eingeladen. Da für mich lange feststand, dass ich in Kigali bleiben werde, mit Theo, habe ich gar nicht weiter darüber nachgedacht. Heute ist mir dann aber bewusst geworden, dass es doch nicht das ist, was ich will. Der Abend in der Pfarrei würde mich wohl nicht erfüllen, da wir uns untereinander nicht wirklich gut kennen, und der afrikanischen Mentalität zu Folge wusste ich auch nicht, ob es mit Theo wirklich klappt. Außerdem wollte ich so gerne Weihnachten in einer Familie mit vielen Leuten verbringen und daher habe ich mich spontan entschieden zu Dalia zu fahren. Ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung und freue mich jetzt sehr auf Weihhnachten. Morgen früh fahre ich erst Mal in die Stadt und hole das Weihnachtspäckchen von Mama und Oma ab und danach fahre ich dann nach Nyagatare.

Lasst es euch gut gehen und geniesst jedes Weihnachtsplätzchen, jedes Weihnachtslied, jede Schneeflocke doppelt, denn all das fehlt mir dieses Jahr!

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