Rundbrief IV – Tobias Helbing – Slowakei

29. Juli 2009 von tobias.helbing

Rundbrief IV

Ein fröhliches Hallo an meine Familie, Freunde, Bekannte, Unterstützer, Entsender Mitfreiwilligen und alle, die das hier sonst noch lesen,

Ich will wie immer nicht lange um den heißen Brei herum reden, also:

In meiner Arbeit läuft es sehr gut. Vielleicht erinnern sich manche noch an die Klientin welche ich Anfang des Jahres versehentlich mit einer Tür umgestoßen, und ihr dadurch drei Wochen Krankenhaus und REHA beschert hatte. Ich berichtete, wie sie todunglücklich an den Rollstuhl gefesselt zurück kam. Ich wollte die Projektstelle nicht eher verlassen, bis dass es ihr wieder besser geht. Diesen Punkt kann ich beruhigt abhaken. Die Gehübungen auf dem Flur werden immer besser, das Weinen ist einem Lachen gewichen, und sie nervt uns alle wie eh und je (und das ist durchaus positiv! J ).

Ich hatte mir vorgenommen, bei den Bastelstunden der neuen Therapeutin Zlata (ich kann mir endlich ihren Namen merken (:-P) eine feste Aufgabe zu bekommen. Allerdings war es mir nicht möglich, eine, wie ursprünglich von mir angedacht, sehr selbständige, kreative Aufgabe zu bekommen. Das lag ganz einfach daran, dass ich durch meine anderen Aufgaben keine Zeit dafür hatte. Ich hatte auch keine Lust, ein paar von diesen Aufgaben aufzugeben, da ich sie alle sehr, sehr gerne mache und nicht missen will. Also habe ich für Folgendes angefragt: Einen Tag möchte ich bei Zlatas Arbeit helfen (sie ist immer drei Tage in der Woche da). Das heißt, in der Zeit, wo wir zusammen mit den Klienten arbeiten, habe ich auch keine sonstigen Aufgaben. Also wird sich jetzt jeden Donnerstagmorgen mit dem Frühstück und der Desiata beeilt und etwa von 9 bis 11 Uhr nehme ich dann zusammen mit ein paar Klienten an Zlatas Programm teil. Es werden zuerst Auflockerungsübungen gemacht, dann viel gebastelt und dabei auch mindestens genauso viel geredet. Wie gesagt, nicht das was ich mir anfangs vorgestellt hatte, aber durchaus zufrieden stellend. Außerdem gefällt es den Klienten und Zlata freut sich über meine Hilfe J.

Sonst hat sich an meinem Arbeitsalltag wenig geändert. Frühstück – Desiata – Bozenka (der Oberschwester) helfen + sonstige Arbeiten – Mittagessen – Mittagspause – Kaffee – ein bisschen dies ein bisschen das + gammeln – Abendessen. Das alles in einem Zeitraum von halb 7 bis etwa halb 5.

Damit es mir im Altenheim auch sonst nicht langweilig wird, verstecke ich ab und zu die Zigaretten von meinen Kolleginnen, hänge über ein Foto von mir das slowakische Wort für Engel (Anjel) – neben Tobiasko, Tadeasch, Janko und lieber Junge (mily chlapec) einer meiner Spitznamen(;-)) oder wette mit Bozenka das sie es nicht schafft bis zum Ende meiner Dienstzeit 8 Kilo abzunehmen. Die Tafel Schokolade gehört so gut wie mir (;-)).

Der Deutschunterricht in Samaria läuft auch sehr gut. Hier hat sich nur geändert, dass ein paar Klienten weg, und andere neu dazu gekommen sind. Aber meine Unterrichtsmethode funktioniert überraschenderweise ganz gut, und bisher hat es noch jeder neue Schüler geschafft, gut in die Themen mit einzusteigenJ.

Fleißige Leser meines letzten Rundbriefes erinnern sich vielleicht auch noch daran, wie ich ein bisschen frustriert darüber geschrieben habe, dass meine Freunde hier so gut wie keine Zeit hatten, um sich mit mir zu treffen. Aber auch hier hat sich alles zum Positiveren gewendet. Ich habe zum Beispiel festgestellt dass das UPC (das pastorale Universitätszentrum) ein idealer Ort ist, um sich mit ganz vielen von meinen Freunden zu treffen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich mich im Moment dort aufhalte, um mit meinen Freunden in die Messe zu gehen, Kofola zu trinken, sich über Gott und die Welt zu unterhalten, Kicker und Tischtennis zu spielen oder, oder, oder. Mit dabei ist auch oft Miska (welche ja leider keine Zeit mehr hatte, um sich mit mir regelmäßig montags zu treffen und ihr Deutsch zu verbessern). Auch Mili und Ondro treffe ich sehr häufig. Aber sie dürften jetzt nur einigen Leuten von der Partnerschaft bekannt sein. Weiterhin gehe ich mehr oder weniger regelmäßig zu den Anem-Treffen, und donnerstags habe ich nach wie vor bei Zuzka Nachhilfe in Slowakisch. Eine Woche ist im Moment wirklich schnell verplant und am Wochenende nutze ich die Zeit nach wie vor viel, um lange zu schlafen, ins Internet zu gehen, meinen Kolleginnen beim Mittagessen unter die Arme zu greifen oder kleine Ausflüge in die Stadt oder andere Teile der Slowakei zu machen.

Ich bin im Moment wirklich zufrieden mit meinem Leben hier.

Einzig allein mein bevorstehender Abschied nervt mich im Moment doch sehr. Bzw. die Tatsache, dass ich seit ungefähr 5 Monaten von meinen Kolleginnen und Klienten vorgerechnet bekomme, wie lange ich denn noch habe. Dabei stellen sie immer wieder die Frage, was sie denn nur ohne mich machen würden und dass sie weinen würden, wenn ich weggehe. Das ist zwar total lieb, und ich bin richtig gerührt, wenn ich so was höre, aber wie gesagt, nach 5 Monaten nervt es doch schon irgendwie. Im letzten Rundbrief wollte ich mich deshalb mit dem Thema noch nicht näher beschäftigen. Aber durch den Beginn meiner Ausbildung zum Erzieher nach meinem Auslandsjahr (damit jetzt auch mal jeder weiß was ich so vor habe), werde ich quasi dazu gezwungen, meinen Dienst um 1 bis 2 Wochen zu verkürzen, was dann letztendlich dazu geführt hat, dass ich mich ausführlich mit dem Thema: “Meine letzten Tage in der Slowakei“ beschäftigt habe. Folgendes ist dabei heraus gekommen: Mein letzter Tag in der Arbeit wird der 14.8. sein. Vom 15. – 19.8. werde ich bei dem Sommerlager von Anem teilnehmen und dort unter anderem Deutsch unterrichten. Am 20.8. kommt ein Freund aus Deutschland zu mir nach Bratislava, und wir fahren gemeinsam zurück in meine deutsche Heimat. Ich habe allerdings noch keine Ahnung, wie ich mich genau von allen hier verabschieden und z.B. meinen letzten Tag in der Arbeit gestalten werde. Aber das hat ja alles noch Zeit und kommt dann im nächsten Rundbrief.

Was habe ich denn sonst noch so gemacht?

Nun, im März stand mein Zwischenseminar in Rumänien an. Ich habe mich zusammen mit vielen anderen Freiwilligen aus Europa in der schönen Altstadt von Sighisoara getroffen, viel reflektiert, berichtet, Erfahrungen ausgetauscht, jede Menge Spaß gehabt und ein bisschen von Rumänien kennen gelernt. Das muss jetzt leider schon über mein Zwischenseminar reichen, da eine ausführliche Ausführung über das Zwischenseminar vermutlich über mehrere Seiten gehen würde, und ich habe keine Lust, die zu tippen (:-P).

Ganz interessant war vielleicht noch, wie ich Ostern hier in der Slowakei erlebt habe. Ich hatte keine Lust auf ein hochkatholisches Ostern mit Freunden und habe es von daher vorgezogen, bis Ostermontag allein zu bleiben und mich unter die von dem guten Wetter angelockten Touristen in Bratislava zu mischen. Ostermontag stand dann ein Grillen mit der Anem-Gruppe an, wozu ich eingeladen wurde. Hier hatte ich die Gelegenheit, die sehr lustige Ostertradition mitzubekommen, wenn die Männer ihre Frauen mit Wasser nass spritzen und – sie sollten es eigentlich nur leicht tun – mit Rutenstöcken schlagen, damit sie schön und gesund werden/bleiben (ein alter heidnischer Brauch). Viele Freundinnen haben sich allerdings danach bei mir beschwert, dass sie durch das ganze Wasser krank geworden sind. Ich habe es mir dennoch nicht nehmen lassen, mit zwei Wasserspritzen am nächsten Tag in der Arbeit durch die Gänge zu laufen und die Tradition an meinen Kolleginnen auszuprobieren. Allerdings haben sich diese dann in der Mittagspause bei mir gerächt, sprich: ich durfte mich umziehen weil ich klatschnass war (:-P). Es war aber doch cool, dass ich von jeder Kollegin, die ich sie ein bisschen nass gemacht hatte, Schokolade bekam, was zur Tradition dazu gehört, sofern sie welche hatte J. Um das Thema abzuschließen, interessant war auch, dass manche von den Klientinnen darauf bestanden, dass ich sie ein bisschen mit Wasser bespritze und als Ersatz für den Rutenschlag mit der flachen Hand (ganz leicht versteht sich) z.B. die Beine oder Arme tätschele, damit das auch ja alles gesund bleibt.

Zum Schluss meines Rundbriefes würde ich gerne noch kurz von der 72-Stunden-Aktion in Deutschland berichten, an der wir mit einer Deutsch-Slowakischen Gruppe teilgenommen haben. (Jungendgruppen aus halb Deutschland haben drei Tage Zeit mit einer sozialen Aufgabe verbracht, die Welt ein bisschen besser zu machen.) Zusammen mit meinen slowakischen Freunden bin ich also, mal wieder (;-), nach Deutschland gefahren. Die soziale Aufgabe unserer Gruppe war, für einen Kindergarten einen Bachlauf aus Holzstämmen zu gestalten. Eine richtig coole Aufgabe, die wir in drei Tagen erfüllen mussten. Ich konnte in der Zeit sehr viel Deutsch sowie Slowakisch sprechen und musste auch schon das ein oder andere Mal den Dolmetscher spielen, was sogar einigermaßen funktioniert hat J. Ich war insgesamt 4 Tage in Deutschland. Zum dritten Mal seit Beginn meiner Auslandzeit, und ich habe die Zeit mit meinen Freunden wieder sehr genossen. Allerdings musste ich mich dann schon wieder von allen für eine längere Zeit verabschieden, was dann schon ein bisschen anfing, zu nerven.

Nach Hause, in diesem Fall also in die Slowakei, bin ich dann mit meinem eigenen Auto gefahren, mit dem ich jetzt noch die letzten beiden Monate durch Bratislava und die Slowakei tuckern werde J.

Bis August also,

Euer Tobi=)

auf-terasse-mit-klienten-und-oberschwester auf der Terrasse

bastelstunde-im-altenheim Bastelstunde

klientin-und-ich Klientin und ich

deutschunterricht Deutschunterricht

treffen-mit-anem-2 Treffen mit Anem 1

treffen-mit-anem-1 Treffen mit Anem 2

ich-im-bratislaver-zoo Im  Zoo von Bratislava

gruppenbild-zwischenseminar-rumanien Gruppenbild aus Rumänien

anna-und-ich-in-rumanien

Anna (Rumänienfreiwillige) und ich in Rumänien

zwei-andere-freiwillige-christoph-und-ich-in-rumanien1

Christoph (links, ein Freiwilliger in Syrien) + zwei andere Freiwillige (nicht von SoFiA) und ich in Rumänien

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