Bolivien: 2. Rundbrief von Kristina Schuck
3. August 2009 von kristina.schuckHallo an alle, die wie ich jetzt in Deutschland sind und an die im Rest der Welt. Heute ist ein grauer, nieseliger Tag und um 7.20 Uhr ist es schon dunkel.( Was ein Gegensatz zu Bolivien!). Seit einem Monat bin ich wieder in Trier und mache sozusagen Arzt- Weihnachtsurlaub.
Meine Zeit in Deutschland
Am 8. Dezember bin ich aus dem Sommer in Sucre losgefahren und wurde von meinen Mitfreiwilligen mit Luftballons, Kuchen, Plakaten und Laolawellen verabschiedet. Von dort aus ging es dann im Überlandbus ( flota) eine Nacht lang nach Santa Cruz. Im Bus war die Verabschiedung natürlich Gesprächsthema Nr. 1 und ich konnte fast gar nicht traurig werden, weil jeder auf mich eingeredet hat und alles von mir wissen wollte. Natürlich platzte nachts 2 mal der Reifen, und ich konnte nicht gut schlafen und wurde immer nervöser. Schließlich kam ich dann 5 min. bevor der Schalter schloss am Flughafen an. Über Sao Paulo ging es dann direkt nach Frankfurt. Im Flieger hörte ich zum erstenMal wieder deutsche Musik, sah Filme auf deutsch und es gab deutsches Essen. Tja und Mittwochmorgen war ich in Deutschland.
Das Erste, was ich mitbekommen habe war, wie meine Mutter rief “Da ist sie ja!“ und meine Schwester auf mich zugerannt kam und mich umarmte. Ich habe mich wie ein Paradiesvogel gefühlt, Deutschland war so kalt und so anders!! Und mir wurde immer wieder gesagt: „ Mensch bist du aber braun!“ Kaum angekommen ging es auch schon zum Arzt und dann für ne Woche ins Krankenhaus. Mein Hundebiss war nicht richtig verheilt, durch ihn hatte ich Bakterien bekommen und musste mich von den ganzen Medikamenten erholen. Jetzt geht es mir wieder gut und ich warte darauf wieder voll durchstartenzu können. Die ganze Zeit hier denke ich an Bolivien, „meine“ Kinder in Potosi und Sucre und was die gerade so machen, wenn ich nicht öfter gestoppt würde, würde ich die ganze Zeit davon erzählen… Ein bisschen Ablenkung hatte ich durch die bolivianischen Freiwilligen, die vor kurzem hier ankamen, um ein Jahr in Deutschland zu verbringen. Zusammenmit Anderen habe ich sie in Frankfurt vom Flughafen abgeholt und dann die folgenden Tage in Trier verbracht. Außerdem kamen bolivianische Lehrer nach Deutschland, unter anderem auch einige aus der Schule in Potosi und ich habe mich so gefreut sie wieder zu sehen und konnte natürlich direkt auch noch testen, ob ich noch Spanisch kann, mit ein bisschen Übung hat es dann auch ganz gut funktioniert.
Der Schluss in Potosi
In Potosi habe ich zum Schluss noch in der gleichen WG mit Bolivianern und anderen Freiwilligen gewohnt, drei Tage in der Woche habe ich im Kindergarten mitgeholfen und zwei Tage Englisch unterrichtet. Leider war ich ständig krank und habe mich deshalb, als ich in Sucrewar, um mein Visum abzuholen, dazu entschlossen zum Arzt in Sucre zu gehen. Dieser meinte dann ich solle besser da bleiben, also wurde von SoFiA, meiner bolivianischen Verantwortlichen und mir beschlossen, dass ich nach Sucre wechsle… Der Abschied viel mir nicht leicht und heute noch vermisse ich die kleinen, schüchternen Mädchen, die dann auf einmal gar nicht mehr so schüchtern sind, wenn sie mich in der Stadt sehen, losrennen und sich an mein Bein klammern, um mich dann ganz stolz ihrer Mama zu präsentieren.
Eso es Sucre…
Die weiße Stadt in den Anden gilt als eineder schönsten Städte Südamerikas, ist nicht zu hektisch, warm( im Vergleich zu Potosi) und ziemlich voll von Geschichte. Sie hat ungefähr 240.000 Einwohner und liegt auf ca. 2800 m. Hier wurde die Unabhängigkeit des ganzen spanischen Südamerikas 1825 erklärt. Seit 1899 ist Sucre nur noch nominell die Hauptstadt, regiert wird in La Paz.
Mit Hilfe von Olga war schnell auch ein neues Projekt gefunden, in dem ich mitarbeiten darf.
Tata San Juan de Dios
In diesem Kinderheim auf einem Hügel Sucres arbeite ich. Es wird von argentinischen Nonnen geleitet und nimmt die neugeborenen Kinder, die keine Eltern mehr haben( weil diese sie nicht wollen, oder gestorben sind, oder einfach kein Geld für sie haben) aus den umliegenden Krankenhäusern auf. Manche haben noch Eltern, zu denensie ab und zu gehen können. In meiner Gruppe leben ca. 15- 20 Babys und Kleinkinder von 0-2 Jahren. Spätestens wenn sie 2 sind, kommen sie nach unten zu den 2- 5 jährigen.
Ich arbeite Mo-Frvon 7.30- 12.00 Uhr und von 15-18 Uhr dort. Ich spiele, füttere, wickle … und bin fasziniert davon, wenn sie anfangen zu krabbeln, sitzen, laufen oder ihre erstenWorte sprechen( Mama, nein, meins, Kekse). Da das Heim einen Vertrag mit einer Organisation aus den USA und England hat, ist es super ausgestattet und quillt von Spielzeug und Kleidung über. Es gibt viele Leute, die sich um die Kinder kümmern können, so dass es manchmal vorkommt, dass ich die ganze Zeit mit 1-2 Kindern verbringen kann & meineAufmerksamkeit nicht auf 40 Kinder gleichmäßig verteilen muss.
Es gibt trotzdem immer Dinge, die mich daran erinnern, dass ich nicht in einem Kindergarten in Trier bin, sondern in Bolivien. Die Kinder verlassen bis sie 2 sind fast nie das Haus ( Spielplatz? Für sie Fehlanzeige!) , es gibt kein gemeinsames Spiel, Sport, singen,… mit allen und die Babys liegen fast den ganzen Tag in ihren Maxicosys, und dürfen nicht auf den Arm genommen werden. Dafür kommen aber jeden morgen 2 Physiotherapeuten, um die Babys zu bewegen, da sie in ihrer körperlichen Entwicklung zurückliegen. Außerdem war ich dann doch sehr verwundert, dass die Milch immer mit super viel Zucker gesüßt wird und dass es manchmal auch Kaffee gibt, natürlich mit Zucker. Mittlerweile weiß ich dann auch, warum die Kids mit 4 dann schwarze Zähne haben, denn in der Regel ist es so : Zucker im Überfluss ja; Zähneputzen nein!
Außerdem bin ich die erste Freiwillige, die für ein Jahr dort bleiben will/soll und nicht nur für 4-8 Wochen. Deshalb müssen sich die Mitarbeiter erst daran gewöhnen, dass sie auch mal meinen Namen lernen und ich als einzige Ausländerin Spanisch verstehen kann, also mich auch mit ihnen unterhalten kann.
Nach der Arbeit
Ich wohne 2 Minuten vom Kinderheim entfernt im Freiwilligenhaus der Nonnen. Bis jetzt habe ich alleine gewohnt, aber im Januar müssten 2 Mädels aus Argentinien und eine Frau aus Kanada angekommen sein.
Ansonsten kannte ich Sucre ja schon aus meiner Sprachkurszeit. Meine familia boliviana (Gastfamilie) wohnt in Sucre, 2 Mitfreiwillige von SoFiA haben ihre Wohnung dort, auch wenn sie außerhalb arbeiten und mein Patenkind(Alain, 8 Monate) wohnt hier und so viele mehr.
Ich kann mich nur wiederholen, dass ich sie alle total vermisse ….
Doch zum Schluss kommt nun die gute Nachricht: Ich werde wieder fliegen und mein Jahr dort zu Ende machen!!!! Wann es soweit ist? Wahrscheinlich am 11. Februar…..
Ich bin dann mal (wieder) weg und grüße euch / Sie
Kristina