Ruanda: 1. Rundbrief von Simon Ney

5. September 2009 von simon.ney

Liebe Freunde und Unterstützer, lieber Solidaritätskreis !

Mehr als einen Monat bin ich jetzt schon hier und fernab von allem, was zusammen wohl meine „Heimat“ ausmacht.

Ich nehme diesen Zeitpunkt nun zum Anlass, euch mal ein bisschen genauer darüber zu berichten, was ich hier so tue und wie mein „Alltag“ denn so aussieht. Falls ich hier überhaupt so etwas wie Alltag habe/haben werde. Denn bisher sah kein Tag wie der vorherige aus.

Die Zeit ging verdammt schnell. Ein Leben voller Höhen und Tiefen (nicht nur im geographischen Sinn) im Land der Tausend Hügel.

Wo also beginnen, bei so vielen Eindrücken, die ich alle in meinem blauen Büchlein (Danke, Mareike & Leonie!;) ) notiert habe ?

Die erste Woche war sehr chaotisch. Alles neu, alles anders, alles sehr spontan. Schon die erste Nacht verbrachte ich ungeplant in Kigali, nachdem mein Koffer am Flughafen nach der Ankunft nicht auffindbar war. Teresa, meine Mitfreiwillige, und ich wurden von Salvain, unsere Ansprechperson für unseren Freiwilligendienst und gleichzeitig der Schulleiter der Schule, an der Teresa arbeiten wird, und vielen anderen Menschen empfangen. Waren es wohl schon auf der Hinfahrt zum Flughafen zu viele Leute in Salvains rotem Pickup, so mussten jetzt auch noch wir beide samt Gepäck dazu. Dass man die Zahl der Leute, die in einem Fahrzeug mitgenommen werden, mindestens mit 2 mit den dafür vorgesehenen Sitzplätzen multiplizieren kann, war eine der ersten, für Ruanda so charakteristischen, Lektionen, die ich lernen sollte. Und schon tauchten wir in das ruandische Leben ein. Ich saß da, ließ das bunte Leben Kigalis an mir vorbeirauschen und staunte. Sah die Menschen, die vielen Autos und noch mehr Motorrad-Taxis, den insgesamt total chaotischen Verkehr, die Palmen am Straßenrand, die Häuser, die unbeleuchteten Straßen. Ich denke, dass die  stockfinstere Nacht dem ganzen noch einmal eine ganz eigene Dynamik gab, die die aufgeregte Freude und das gleichzeitige Bewusstsein, dass man sich hier in der absoluten Fremde, in einer absolut ungewohnten Umgebung, befindet, verstärkte. Zum ersten Mal ließ ich mich in Ruanda „in den Wogen treiben“. Ich denke dieses Bild trifft es irgendwie ganz gut, man lässt sich mitziehen, ist gespannt was wohl als nächstes kommen wird, man hat absolut keinen Plan, was gerade passiert, wohin man fährt, aber man vertraut den Leuten, die aus dieser Stadt, aus dieser Kultur, aus diesem Leben kommen. Spontan –ebenfalls typisch für die ruandische Mentalität- wurde beschlossen, die Nacht in Kigali zu verbringen und nicht, wie ursprünglich geplant, noch drei Stunden in den Osten des Landes zu fahren, nach Matimba, die Gemeinde in der ich leben und arbeiten werde. Schließlich kamen wir in das Viertel, indem sich das „Hotel“ befand, in dem wir die Nacht verbringen sollten. Ich war in diesem Moment, so völlig neu in diesem so anderen Leben, und in dieser Gegend wirklich sehr froh bei Salvain im Auto zu sitzen und nicht alleine zu fuß unterwegs zu sein:

Wir fuhren nicht auf geteerten Straßen, sondern auf holprigstem Boden aus roter Erde, mit vielen sehr sandigen Stellen und großen spitzen Steinen, die aus dem Boden herausragten. Und das in einer Stadt! Ohne Straßenbeleuchtung, sodass die komplette Umgebung nur durch unser Scheinwerferlicht, das fast vollständig von der staubigen Luft „geschluckt“ wurde, ein bisschen erhellt wurde. In dieser absoluten Dunkelheit machte unser Lichtkegel das sich unmittelbar vor dem Auto abspielende Gewimmel so vieler Menschen in dieser Straße sichtbar. Menschen die sehr unterschiedlich aussahen, mache freundlich, mache zwielichtig, mache arm, mache reich, manche verzweifelt und alleine, andere in Gruppen um in das Nachtleben Kigalis zu starten. Bestimmt hätte jeder von ihnen eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen.

Da es auch am nächsten Morgen nichts neues von meinem Koffer gab, ging es ohne ihn weiter nach Matimba. Das geschäftige Treiben  Kigalis wurde auch auf den Landstraßen fortgesetzt: Viele Fußgänger am Straßenrand, die Wasserkanister (die Jelly-Cans genannt werden) auf dem Kopf oder ein Kind auf dem Rücken tragen und  dazu viele Fahrradfahrer, die entweder noch eine Person auf dem Gepäckträger dabei haben oder mit abenteuerlich-improvisierten Konstruktionen Sonstiges auf dem Fahrrad transportieren, wie zum Beispiel ein Bettgestell oder 2 Schafe. Wer mag kann das ja gerne selbst mal ausprobieren;) Auch total überladene Autos sind keine Seltenheit: Sich bis in den Himmel türmende Berge von Säcken aller Art auf dem Dach oder beladen mit 36 Matratzen (wie ich auf einem meiner Fotos nachzählen konnte), ja sogar eine Kuh, die auf die Rückbank eines normalen PKWs gedrückt war, habe ich schon gesehen. Auch typisch sind Obststände an der Straße. So haben wir auf der Fahrt eine Bananenstaude gekauft. Und Salvain hatte Recht: „the firtst banana is always the best!“ Meine erste frische Banane in Ruanda…Ein Erlebnis, das sich zu so vielen neuen Erlebnissen, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann, einreiht. 10 Km vor der ugandischen Grenze und ungefähr die selbe Entfernung zum Akagera-Nationalpark in Tanzania entfernt, erreichen wir schließlich Matimba. Auf der Kuppe des Hügels, an dessen Fuß der Ortskern liegt, befindet sich, ein wenig Abseits vom Ort, die Krankenstation, die große, schlicht und funktionell gebaute Kirche, sowie das Pfarrhaus in dem ich leben werde. Nach unserer Ankunft gehen wir in die Kirche, in der gerade ein riesengroßer Gottesdienst gefeiert wird, bei dem 120 (!) Kinder getauft werden. Da können deutsche Pfarreien nur neidig werden;) Die Täuflinge haben natürlich zu diesem besonderen Ereignis ihre ganze Familie mitgebracht, die Leute stauen sich bis weit vor die Tür. Wir betreten den Raum und spüren wie sich 2000 Augenpaare (ich habe sie nicht gezählt, aber ich denke, ich übertreibe nicht) sich zu einem drehen, anschauen und mustern. Wir nutzen diese Gelegenheit um uns gegen Ende des Gottesdienstes der Gemeinde vorzustellen. Ich glaube es war das erste Mal, dass ich zu so vielen Leuten sprach und dann auch noch in meinen paar, bis dahin gelernten, Brocken Kinyarwanda, der Landessprache.

Der Weg von Kigali nach Byumba ist ziemlich eindrucksvoll: Kaum hat man die Vororte Kigalis hinter sich, geht es Berg hoch und hört gar nicht auf. Wie ein kleiner Pass in den Alpen, nur dass der komplette Berg von Menschen bewirtschaftet wird. In jeder noch so kleinen Ecke werden Früchte angebaut und die komplette Straße den Berg hoch, laufen Fußgänger hoch und runter. In Byumba angekommen, war der Bischof „grad nicht da, sollte aber bald wieder kommen.“ Also setzten wir uns hin und warteten. Nach 5 langen Stunden war der Bischof wieder im Haus und empfing uns in seinem privaten Wohnzimmer. Das Warten hatte sich gelohnt: Er machte uns auf und bot uns einen Platz auf seiner gemütlichen Couch an, brachte selbst zubereitete Käse- und Wursthäppchen, dazu servierte er uns einen deutschen Rotwein.

Mein erstes Wochenende verbrachte ich dann mit Teresa in Kigali bei unserer Vorgängerin Silvia, was uns die Möglichkeit gab uns noch vor Ort persönlich auszutauschen. Und gerade in den schwereren Zeiten ist es Hoffnung und Motivation zu sehen, dass  Silvia hier in gewisser Weise „angekommen“ ist, wie sie Probleme gelöst hat, wie sie sich am Ende in der komplexen Landessprache ausdrücken konnte, wie glücklich sie jetzt am Ende wirkt und wie schwer es ihr nun fällt, sich aus Ruanda zu verabschieden.

Daher denke ich, dass auch für mich der beste Weg wohl nicht immer der einfachste ist. Denn einfach war für mich der erste Monat wirklich nicht: Obgleich ich auch in meiner theoretischen Vorbereitung in Deutschland schon wusste, dass ich oft der „Muzungu“, der Weiße sein werde , belastet mich das jetzt, in den  realen Situationen, je nachdem wie es mir gerade geht, schon sehr. Denn sobald ich aus dem Haus, indem ich wohne, draußen bin, bin ich Jemand besonderes, Jemand für den es sich lohnt, jegliche momentanen Tätigkeiten zu pausieren, Jemand, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. – Ein Muzungu.

„Muzungu!”  Dieser Ausruf begegnet mir ständig auf der Straße. Er kann durchaus wertungsfrei und einfach erstaunt gemeint sein. Ich bin hier weit draußen, auf dem Land am nördlichsten Zipfel Ruandas. Fernab von der Hauptstadt und dem Geld, da wo sich die meisten Weißen hier im Land aufhalten. Daher versuche ich ein Verständnis für die Leute (und ihr häufig auf Geld reduziertes Bild der Weißen) zu haben, grüße freundlich und denke, gerade bei kleinen Kindern, dass ich vielleicht der erste Weiße bin, den sie sehen. Leider wird mir aber tagtäglich der Unterschied zwischen Eigenwahrnehmung (ich bin hier als Freiwilliger und möchte ein Jahr lang mit den Menschen leben, sehe mich nicht als „besonders“ in diesem Sinne an) und Fremdwahrnehmung (Ich bin weiß, ich bin etwas „besonderes“) vor Augen geführt, daher freue ich mich immer ganz besonders wenn mir statt dem „Muzungu“ ein nettes „Seimon“ von einem bekannten Gesicht zur Begrüßung zugerufen wird.  Ich finde das Interesse und die Kommunikationsfreudigkeit der Leute echt eine tolle Sache: Man grüßt sich, ob man sich kennt oder nicht, und auf fast jeder Busfahrt werde ich in häufig auch sehr schöne und aufschlussreiche Gespräche verwickelt. So kommt man in Austausch miteinander, was ja auch Motivation und fester Bestandteil meines Dienstes ist und sein sollte. Trotzdem ist man manchmal einfach zu müde und nicht mehr in der Lage, 100 Leute anzulächeln, zu grüßen, und kleine nette, lustige oder manchmal auch schlagfertige Worte parat zu haben. Das sind die unangenehmsten Augenblicke, gerade wenn man alleine, also ohne Begleitung von hier, unterwegs ist:  Es bildet sich eine Menschentraube um einen herum und man fühlt sich den Blicken und Worten der Menschen ausgeliefert.

Gerade in so Situationen ist es deprimierend und Gift für einen wenn man daran denkt, dass sich dies auch in dem Jahr auch nicht ändern wird. Man kann Veränderungen im persönlichen Umfeld schaffen, doch außerhalb Matimbas, werde ich wohl immer „Muzungu, Amafaranga!“ (Weißer, Geld!) zu hören bekommen. Dieses Thema ist in dieser Ausführlichkeit Bestandteil meines ersten Rundbriefes, da es mich hier in meiner bisherigen Zeit viel beschäftigt hat, doch weiß ich mittlerweile, dass man zum Glück mit der Zeit lernt, gelassener damit umzugehen. Man gewöhnt sich daran, geht lockerer damit um, es fällt einem häufig auch gar nicht mehr so auf und je mehr man sich in der Sprache ausdrücken kann, desto mehr Spaß macht einem dann auch der Smalltalk. Auch kommt das hier vorherrschende Bild der Weißen ja nicht von ungefähr:

Viele Weiße, Mitarbeiter von NGO’s,  Geschäftsleute oder Menschen die im gehobenen oder höheren auswärtigen Dienst tätig sind, verdienen nun mal nicht gerade schlecht und etablieren sich hier auch einen westlichen Lebensstandart. Einen Luxus, der für die meisten Ruander unerreichbar ist.

Und auch nicht alle Freiwillige hier in Ruanda leben so direkt mit den Leuten zusammen wie ich. Auch wenn die Mentalität, in der ich lebe, gerade jetzt am Anfang, nicht immer einfach für mich ist, so hat sie auch ihre sehr positiven Seiten. Die Menschen sind in ihrer Tagesgestaltung sehr flexibel und man kann sich ohne Probleme auch mal mit mehr Zeit einer Sache widmen, die mehr Zeit braucht, als ursprünglich gedacht. Auch bin ich sehr positiv berührt von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die einem überall begegnet.

Nun möchte ich euch noch ein bisschen was zu meiner Arbeit hier erzählen:

Ich unterstütze da wo ich kann, helfe im Moment insbesondere bei der Instand-Setzung/Haltung von Computern, bespiele sie mit  Anti-Virensoftware, gebe Photoshopkurse und habe aber auch schon auf der Bananenplantage der Pfarrei mitgeholfen. Bei meiner eigentlichen Arbeit, der „Entwicklung von Autoorganisation in der Jugendarbeit der Pfarrei“ bekomme ich ein sehr hohes Maß an Eigenverantwortung zugestanden, was zwar sehr schön, aber auch sehr anstrengend ist. Denn häufig finde ich mich hier in der an mich gestellten Erwartung wieder, dass ich eine gewisse  Erklärerrolle einnehme. Dazu sehe ich mich nicht immer fachlich in der Lage, außerdem kenne und verstehe ich Jugendarbeit immer als Teamwork und sehe mich ja selbst auch nicht als Entwicklungshelfer oder Lehrer, der „den Leuten was beibringt“. Vorgestern habe ich offen mit 200 Schülern über Aids geredet, ein Thema, zu dem die meisten wirklich erschreckend wenig Ahnung haben. Doch was ich gerade in der Jugendarbeit möchte, ist, gemeinsam mit den Jugendleitern vor Ort, Ideen entwickeln um so das ein oder andere Projekt durchzuführen.

Die Untergemeinden liegen hier weit voneinander entfernt und ein Gottesdienst in einer der weiter entfernten Gemeinden wird so zur Tagesaktivität für die Priester: auf dem Hinweg findet man erst nach eineinhalb Stunden einen Bus, der noch einen freien Platz hat, der Bus fährt dann aber doch nicht genau dahin, wohin man möchte, und man muss noch eine halbe Stunde laufen. Stundenspäter (Gottesdienste können hier wirklich sehr, sehr lange sein) findet man dann gar keinen öffentlichen Bus in die Richtung in die man muss. Ich habe so etwas einmal mitgemacht, wir sind 2 Stunden zurückgelaufen und haben uns dann für die letzten Kilometer noch ein Motorradtaxi genommen. Als wir schließlich wieder zurück in Matimba waren, war es schon dunkel, wohl gemerkt, die Messe begann morgens um Neun. Beziehungsweise hätte „planmäßig“ um 9 beginnen sollen, wir kamen ja selbst erst gegen 10 Uhr.

(…)Hier in Ruanda ist leider nur die Primary School (die ersten 6 Jahre) kostenfrei, danach wird die Secondary School kostenpflichtig, aus meiner Erfahrung im Durchschnitt um die 300 Euro im Jahr. Geld, das viele Leute, besonders die, die Subsistenzlandwirtschaft betreiben, hier nicht aufbringen können, weshalb  ein erhöhter Bildungsgrad leider häufig Privileg der höher gestellten Schicht bleibt. Doch auch trotz des Schulgeldes ist die Bildungssituation in vielen Schulen desolat. Leider ist es keine Seltenheit, dass Schüler trotz mehrjährigem Englischunterricht nicht in der Lage sind, sich mit mir in Englisch zu unterhalten, viele verstehen selbst die einfachsten Fragen nicht. Das ist kein Wunder wenn man von den Schülern erfährt, wie Unterricht häufig abläuft: Der Lehrer kommt, schreibt an die Tafel an und geht wieder, am Ende der Stunde wird kontrolliert, ob alle abgeschrieben haben. Dieser Missstand lässt sich wohl auch darauf zurückführen, dass vor ein paar Jahren die Sekundarschule –im Zuge der Globalisierung- abrupt von Französisch auf Englisch umgestellt wurde. Viele der plötzlich „arbeitslosen“ Französischlehrer wurden zu Englischlehrern, an denen es massiv mangelte, umgeschult. Die logische Konsequenz daraus war in der Praxis, dass viele Lehrer nicht mehr in der Lage waren ihr Wissen -in der auch für sie neuen Sprache- angemessen zu vermitteln und auch die Schüler verstanden nichts. Natürlich kann man das nicht alles pauschalisieren und zum Glück kenne ich auch Schulen, an denen es hier anders läuft, doch das ist leider die Ausnahme, wie mir sowohl von Schülern als auch von Lehrern bestätigt wurde.

An zwei Tagen der Woche werde ich an einer hier ansässigen Primaryschool mithelfen, durch Förderunterricht und Diskussionsrunden in Englisch. Dann nehme ich selbst Kinyarwanda-Unterricht und helfe den Krankenschwestern in der Krankenstation Englisch zu erlernen.

Ansonsten spiele ich zur Zeit viel mit den jüngeren Kindern der Gemeinde, manche Tage hier erinnern mich sehr an ein Pfingstlager der KSJ. Meistens beginnen diese Tage sehr spontan. Man geht mit 3 Jonglierbällen aus dem Haus und nach 5 Minuten hat man so viele Kinder um sich, dass man ein ganzes Fußballturnier veranstalten könnte.

Ich lebe hier mit 2 angehenden- und 2 Pfarrern zusammen in unserem netten Pfarrhaus. Wir kommen sehr gut miteinander klar, verbringen sehr viel lustige Zeit zusammen und ich kann zum Glück auch gut und offen mit ihnen reden.

Religion spielt eine wesentlich größere Rolle als bei uns und ist grundsätzlich fester Bestandteil der Kultur, an dem man nicht „drumrum kommt“, egal ob in Kigali oder auf dem Land, in Sport oder Politik, in kirchlichen und weltlichen Freiwilligenprojekten. So wird  selbstverständlich auch in der Kneipe vor dem ersten Bier oder auf dem Fußballplatz vor Beginn des Spiels gemeinsam gebetet.

In der Sofia-Vorbereitung war von einer „Schwarzbrot“-Phase die Rede. Eine Phase nach der Anfangseuphorie, in der man sich plötzlich mit dem harten Alltag vor Ort konfrontiert sieht, eine Phase in der man sich plötzlich nach Dingen aus Deutschland sehnt, nach denen man sich davor nie gesehnt hat, da es unscheinbare Dinge des alltäglichen Lebens sind, eine Phase die von Tiefen und Nachdenken bestimmt ist, in der man einfach „die Flemm hat“ und in der man sich in vielen Vorurteilen bestätigt sieht. Ich denke in dieser Phase befinde ich mich gerade.

Ich habe hier wirklich sehr viel Zeit, Zeit zum nachdenken und auch auf irgendeiner Weise zu mir selbst zu finden. Dass es nach dem Führerschein-, Abitur- und Ausreisestress irgendwie ruhiger werden würde, war ja auch abzusehen. Mir ist bewusst geworden, dass sich mein Umfeld ja im doppelten Sinne gewandelt hat. Ich bin aus Deutschland nach Ruanda und aus einer Stadt in ein kleines Dorf gezogen. Und ich glaube es würde mir auch nicht einfach fallen, in Deutschland in einem kleinen Dorf zu leben.

Nicht desto trotz bin ich so dankbar über all die Erfahrungen (die angenehmen wie die unangenehmen), die ich hier sammeln kann und die mich so bereichern. Auch sehe ich, an wie vielen Stellen man sich hier einbringen kann und wie viel Unterstützung hier in vielen Dingen auch notwendig ist. Das gibt Kraft und Durchhaltevermögen, auch wenn es einem mal nicht so gut geht.

Zuletzt wollte ich mich noch bei euch allen für die letzte, für mich so schöne, Zeit in Deutschland bedanken. Ihr gebt mir das Gefühl, dass ich nun sicher weiß, wo mein „Platz“ ist, auch wenn ich für diese Erkenntnis erst in die Ferne musste. Danke, für all die Unterstützung, besonders von meiner Familie und Astrid, meiner Freundin.

Gerade den Leuten aus meiner Stufe wünsche ich einen guten Start in die Zukunft, ob Studium, Ausbildung oder Zivildienst, und auch dem Rest wünsche ich ein gutes und erfolgreiches Jahr

Bis wir uns wieder sehen !

Simon!

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