1. Rundbrief aus Burkina Faso

14. September 2009 von alexander.fickel

Lieber Solidaritätskreis,

ich bin vor vier Wochen hier in Burkina Faso gelandet und habe schon viel zu berichten.

Gleich bei meiner Landung gab es eine Überraschung am Gepäckband, denn einer meiner beiden Koffer war nicht aufzufinden. Deshalb ging ich mit Bruder Herbert, meinem neuen Chef in ein Büro um das Gepäckstück als vermisst zu melden. Am nächsten Tag tauchte der Koffer in Ouagadougou auf und ein Bekannter Herberts brachte den Koffer nach einer Woche mit nach Dédougou, eine Stadt circa 230 km vom Flughafen entfernt.

Jetzt bin ich à la Colline (auf dem Hügel), 12 km entfernt von Dédougou. Jede Autofahrt hierher ist ein echtes Abenteuer, fast mit der Rallye Dakar zu vergleichen, mitten durch den Busch und Wasserlachen. Momentan herrscht hier die Regenzeit und es ist keine Seltenheit, dass man mit dem Auto irgendwo im Nirgendwo stecken bleibt. So ist es auch mir schon ergangen, doch es kam ein Burkinabè auf einem Fahrrad vorbei, der uns aus dem Schlamm, in dem wir steckten, half. Diese Hilfsbereitschaft des Fremden war eine sehr schöne Erfahrung. Neben den Straßenverhältnissen verlangt auch das Klima meinem Körper viel ab. Da es sehr heiß ist, bin ich oft sehr schnell müde. Noch dazu habe ich mir bei meiner Ankunft die Malaria eingefangen, die letzte Woche bei mir ausbrach. In den letzten Tagen hatte ich deshalb oft Albträume, war schlagartig müde und matt.

Nichtsdestotrotz verbringe ich eine sehr spannende Zeit à la Colline. Die Mitarbeiter Bruder Herbert, Sylvanna, Kerstin und Giumille sind sehr nett und unterstützen mich. Außerdem arbeiten auf dem Hügel noch zwei Schweißer und ein Hausmeister als fest Angestellte. Die meiste Zeit kommen auch Jugendliche aus Dédougou dazu, um hier etwas Geld zu verdienen und auch die Woche über hier im Zentrum zu wohnen. Die Arbeit mit ihnen macht sehr viel Spaß, auch wenn mich bisher die sprachliche Barriere noch etwas plagt. Ohne Wörterbuch gehe ich hier noch nicht vor die Tür!

In diesem Zentrum packt jeder dort an, wo er gerade eine Aufgabe sieht. Damit ich meinen Blick dafür schärfen kann, orientiere ich mich im Moment noch sehr oft an allen anderen. So habe ich in meinem ersten Monat schon sehr viele verschiedene Aufgaben kennen gelernt, z.B. den Acker mit dem Esel pflügen, Wände neu streichen, Paprika anpflanzen und die Tauben füttern.

Jedoch ist mein langfristiges Ziel ein festes Aufgabenfeld zu finden für das ich mich voll einsetzten kann.

Am 15.08, einem Samstag, haben wir Maria Himmelfahrt gefeiert. Morgens haben wir in Dédougou den Gottesdienst besucht und danach haben wir D’olo, ein für Burkina Faso typisches Hirsebier, getrunken. Ich wurde an diesem Tag sogar zweimal von Mitarbeitern de la Colline zum Essen bei ihnen zu Hause eingeladen. Trotz der Herzlichkeit und der Erfahrungen hier in Burkina Faso vermisse ich hier vieles, was vorher für mich selbstverständlich war. Wir haben hier nur zwei Stunden Strom am Tag, aber nur wenn unser Stromaggregator auch funktioniert. Außerdem ist die Küche hier nicht mit der Deutschen zu vergleichen, doch auf diese Art ernähre ich mich auch wesentlich gesünder als vorher. In Deutschland war ein Steck nichts Besonderes für mich, doch hier habe ich bisher nur einmal ein Stück Fleisch gegessen.

Alles in allem verbringe ich hier eine gute Zeit, die jedoch noch sehr fremd und anders erscheint.

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