5. und letzter Rundbrief aus der Slowakei von Tobias Helbing

1. Oktober 2009 von tobias.helbing

Rundbrief  V

Ein fröhliches Hallo an meine Familie, Freunde, Bekannte, Unterstützer, Entsender Mitfreiwilligen und alle die das hier sonst noch lesen.

Meine Zeit in der Slowakei ist vorbei. Diesen Rundbrief habe ich bereits in Deutschland geschrieben. Aber das dürften eh schon alle wissen. Also, was habe ich denn in den letzten Monaten gemacht?

Der Abschied begann für mich schon im Juni. Meine ganzen Studentenfreunde sind in ihre wohlverdienten Ferien gefahren. Aber es hat eine Menge Spaß gemacht, sich mit ihnen noch einmal zu treffen und einfach nur rumzublödeln, was zu trinken oder auszunutzen, dass ich mein Auto in der Slowakei hatte, um mit Miška, Kika und Majka nach Wien zu fahren. Es hat zwar geregnet, war aber trotzdem ein superschöner letzter Ausflug… bzw. es war auch der erste Ausflug den wir zusammen gemacht haben, weil wir uns vorher immer nur im UPeCe getroffen haben. (:-P)

Da meine Mitbewohnerin Silvia Lehrerin ist und die 2 Monate Sommerferien in der Slowakei schon früh angefangen haben, haben wir alle (Silvia, Miška, Zina und ich) beschlossen, einen letzten gemeinsamen Abend mit Hot Dogs, Bier und einer großen, leckeren Melone zu verbringen. Klingt vielleicht etwas ungewöhnlich (auch für Slowaken), aber mit etwas slowakischer Volksmusik im Hintergrund, zu der später auch ein bisschen getanzt wurde, war es ein sehr lustiger Abend. Danach war Silvia auch schon weg. Mit Miška und Zina bin ich dann kurz vor meiner eigentlichen Abreise noch einmal gemütlich in einem Restaurant essen gegangen, und danach haben wir uns gemeinsam Ice Age 3 im Kino angeguckt. Auf Slowakisch versteht sich. Ich muss sagen, ich bin schon ein wenig stolz darauf, dass ich ungefähr 90% von dem Film verstanden habe. (:-))

Am Tag meiner Abreise habe ich es mir natürlich dann auch nicht nehmen lassen, Silvia noch einmal anzurufen, um ihr auf Wiedersehen zu sagen. Aber von meinem letzten Tag später mehr.

An meinem letzten Wochenendbesuch in Banská Bystrica bzw. Špania Dolina (Zentralslowakei) besuchte ich mit meiner guten Freundin Katka Banská Štiavnica, ein hübsches Städtchen ganz in der Nähe. In dem Jugendzentrum in Špania D. erlebte ich eine so genannte `Silencia`. Um das einmal kurz zu erklären: In der Zeit, in der ich dort war, beendeten ca. 30 Jugendliche ihre Animatorschulung. Sie hatten über eine Woche mit viel Arbeit und Party hinter sich. Damit sie wieder ein bisschen zur Ruhe kommen und noch einmal in sich gehen zu können, so wurde mir erklärt, war Stille (Silencia) angesagt. Wenn gesprochen wurde, dann nur im Flüsterton. Beim Essen sollte man eigentlich gar nicht sprechen, und es wurde Musik im Hintergrund gespielt. Die Betonung liegt hierbei auf sollte. 30 Jugendliche, die beim Essen still sein sollen, das ist kaum zu schaffen. (;-))

Wie das bei dem Jugendzentrum schon so häufig vorkam, konnte ich auch an diesem letzten Besuch wieder neue Freunde kennen lernen: Lucia und Anna. Von ihnen wurde ich zu einem lustigen Grillabend im UPeCc in Banska Bystrica eingeladen, was dann dazu geführt hat, dass ich noch eine Nacht länger dort verbracht habe und am nächsten Tag erst später zur Arbeit kam Das war aber dank meiner super Oberschwester Boženka kein Problem. Die Direktorin Raslova musste davon ja nichts mitbekommen. (;-))

3 Wochen vor meiner Abreise kam mich dann noch meine Freundin Barbara aus Deutschland besuchen. Wir hatten ein paar wunderschöne Tage zusammen und besuchten die nahe gelegene Burg Devin, die Eishöhlen in der Zentralslowakei, und für einen Tagesausflug nach Wien war auch noch Zeit. Dieses Mal hatten wir sogar schönes Wetter. (:-))

Eine Woche später wollte ich dann eigentlich ein letztes Mal nach Banska Bystrica fahren, um dort mit ein paar Freunden ein Konzert einer guten slowakischen Band zu besuchen. Leider erfuhr ich aber während dem Besuch von Barbara, dass meine Oma gestorben war, was dazu führte, dass ich noch einmal für eine Woche, nach Deutschland flog.

Die ganze letzte Woche in der Arbeit gab es dann kein anderes Thema mehr, außer meinem Abschied. Ich hatte mir viele Vorstellungen gemacht, wie dieser denn aussehen könnte. Und natürlich kam Alles anders als ich gedacht hatte. Durch meinen unerwarteten Deutschlandaufenthalt war es mir zum Beispiel zeitlich nicht mehr möglich, eine letzte Stunde mit meiner Deutschgruppe zu halten. Schade, aber was soll man machen. So weit ich weiß, fanden das meine Schüler auch nicht sooo schlimm, da ich eigentlich noch angekündigt hatte, einen kleinen Abschlusstest mit ihnen zu schreiben. (;-))

Im Altenheim aber hatte ich einen schönen (traurigen) Abschied. Am vorletzten Tag wurden alle Klienten, denen es möglich war, in den Speisesaal gerufen. Dort gab es dann für alle Kaffee und Kuchen. Für mich gab es Abschiedsgeschenke… mehr als ich erwartet hatte. (:-P) Unter anderem konnte ich mich über einen Fresskorb (in Form eines Kartons (;-)) mit slowakischen Spezialitäten, eine Slowakeifahne (welche jetzt an der Decke in meinem Zimmer hängt), 3 T-Shirts und einem Kopfgrauler freuen. Die Direktorin hat sich bei mir für meine Arbeit bedankt, und ich habe mich, auf Slowakisch versteht sich, ebenfalls bei allen für die super Zeit herzlich bedankt.

An meinem letzten Tag war ich dann sehr müde, da ich am Abend zuvor noch mit Zuzka, meiner Slowakischlehrerin, und ein paar Freundinnen von ihr unterwegs war und Abschied gefeiert habe. Es wurde aber zum Glück weniger hochprozentiger Alkohol getrunken ,als ich gedacht hatte, sodass ich am nächsten Morgen nur müde war und mich nicht über einen schlimmeren Kater beklagen musste. (:-))

Am späteren Nachmittag war es dann endgültig Zeit für mich, mich von den Klienten zu verabschieden. Zum Andenken gab es für jeden ein Foto von mir. Zusammen mit Boženka bin ich von Zimmer zu Zimmer gegangen und habe die Bilder verteilt und auf Wiedersehen gesagt. Boženka hat ungefähr die ganze Zeit über geweint, während ich es irgendwie noch geschafft habe, mich zu beherrschen. Ich werde aber vermutlich nicht so schnell vergessen, wie eine Klientin beim Abschied gesagt hat, dass sie nicht weinen, sondern für mich beten werde. Und keine Sekunde später war sie dann diejenige welche, neben Boženka, am meisten weinte und auch mir damit die Tränen in die Augen getrieben hat.

Viele Umarmungen und letzte Worte später war ich dann wieder in meiner Wohnung und am nächsten Morgen auf dem Weg zum ANEM – Lager.

Meine letzten Tage in der Slowakei war also ich im ANEM-Lager, dort, wo slowakische Jugendliche die Chance haben, Deutsch zu lernen, Spaß zu haben und den christlichen Glauben erleben zu können. Wir waren in Nitrianske Rudno, ein Ort direkt an einem Stausee gelegen. Ich habe Deutschunterricht für Jugendliche gegeben, mich viel unterhalten, jeden Tag eine heilige Messe (auf Deutsch!) mitgemacht, aber natürlich auch das alternative Programm genossen. Z.B. gab es Workshops oder den internationalen Abend. Ein Abend, an dem sich jeder in einzelnen Gruppen, z.B. mit Spielen, am Abendprogramm beteiligen konnte. Bei einem Spiel z.B. hatte ich, zusammen mit drei anderen Jungs, plötzlich nur noch Frauenklamotten an. (:-D)

Die große Abschlussparty konnte ich allerdings leider nicht mehr miterleben, da ich schon früher wieder abreisen musste. Meine Heimreise nach Deutschland stand an. Aber zusammen mit den Betreuern des Lagers wurde mein Abschied bis spät in die Nacht in kleiner Runde gefeiert. Hierfür wurde extra, wegen des absoluten Alkoholverbotes, NUR Kofola (die slowakisch-tschechische Cola, wie ich es liebevoll nenne) eingekauft (zwinker zwinker).

Meine letzte Nacht in der Slowakei verbrachte ich allerdings noch einmal in Bratislava, bevor ich am nächsten Morgen meine restlichen Sachen zusammengepackt und in meinem Auto verstaut habe. Nach Hause bin ich dann zusammen mit Benni, einem Freund aus Deutschland, gefahren. Da wir ja durch mein Auto recht flexibel waren, haben wir es uns nicht nehmen lassen, über Prag nach Haus zu fahren. Wir konnten uns die wirklich wunderschöne Stadt ein wenig ansehen (ich beschloss spontan dort mein nächstes Auslandsjahr zu verbringen) und abends unsere tschechischen Kronen in einem teuren Restaurant für ein leckeres Essen ausgeben.

Als ich dann am 21.08, also Freitagmorgens, wieder in Deutschland war, bin ich erst mal zu Barbara gefahren, bevor es dann am Nachmittag auch mal nach Hause ging. (:-P) Dies allerdings auch nur, um kurz mein Auto auszuladen, denn bis Samstag waren noch Freunde aus der Slowakei in Deutschland, und ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, mich mit ihnen zu treffen, slowakisch zu sprechen und sie am Samstagmorgen zum Flughafen zu bringen.

Am Montag begann dann in Linz/Rhein meine Erzieherausbildung.

Ich hatte wirklich eine super Zeit in Bratislava. Es war die beste Idee meines Lebens, ins Ausland zu gehen, und ich kann gar nicht sagen wie sehr ich euch allen, die mich dabei unterstützt haben, dafür danke! Ich konnte dort noch einmal ganz von vorne anfangen und die Zeit nutzen, an mir selbst zu arbeiten.

Sicher vermisse ich die Slowakei, mein Leben und meine Freunde dort wirklich sehr. Aber ich bin auch froh, mit meinen gemachten Erfahrungen wieder in Deutschland zu sein. Außerdem ist die Slowakei auch hier noch sehr präsent. Z.B. ist mein halbes Zimmer (welches übrigens kleiner ist als mein Zimmer in der Slowakei) slowakisch eingerichtet und in Kürze werde ich für die Deutsch-Slowakische Partnerschaft Slowakischunterricht geben.

Ich bin schon wieder voll drin, in meinem ‘neuen’ alten Leben in Deutschland und freue mich schon darauf, nächsten Monat zwei Tage Schule zu schwänzen und für ein verlängertes Wochenende wieder ‘nach Hause’ zu fahren.

Wer sich das oben Gelesene einmal bildlich angucken will, braucht nur auf www.Ursel.wordpress.com zu gehen. Dort sind viele Bilder von mir hochgeladen worden.

Viele Grüße also, diesmal wieder aus Kruft!

Mit einem fröhlichen AHOJ verabschiede ich mich,

Euer Tobi

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