3. Rundbrief David Neugebauer

19. Februar 2010 von david.neugebauer

Hallo liebe Freunde,

Schon ist die Hälfte meines Aufenthaltes hier vorbei! Die Zeit vergeht hier wie im Flug auch wenn es in den letzten 2 Monaten nicht gerade einfach war.

Es war Weihnachten, Silvester und Fastnacht. Manchmal hatte ich ein bisschen Sehnsucht nach zu Hause und nach euch meine Freunde. Aber ich wurde hier auch gut abgelenkt.

Die Weihnachtszeit war ganz anders als in Deutschland. Wenn man durch die Straßen ging bemerkte man gar nicht das Weihnachten ist, alles war wie immer an jedem normal Wochentag. Aber die Messe am Heiligen Abend war dann doch was besonderes. Die Kirche war gerammelt voll und es wurde ein modernes Krippenspiel aufgeführt. Nach der Messe war ich zu Humphrey und Isa eingeladen (ein Kenianer und ein Malawier). Und später sind wir noch in die Stadt gegangen. Leider trinken viele Malawier zu viel, wenn sie in eine Kneipe gehen. Es kommt mir so vor, als sei es manchmal nicht möglich einfach nur ein Bier zu trinken und dann wieder zu gehen. Also haben wir besonders am Heiligen Abend ziemlich viele betrunkene Leute getroffen aber es war trotzdem ein schöner Abend. Am 2. Weihnachtstag war ich dann noch bei einem meiner Chefs zum Essen eingeladen und ich hatte für jeden meiner Chefs eine Tüte Maissamen und eine Tüte Haribo als Geschenk dabei.

Meine Mitbewohner hatten über Weihnachten ihre Kollegen aus ganz Malawi eingeladen. Der DED (Deutscher Entwicklungs Dienst) hat über 40 Freiwillige in Malawi und an Weihnachten waren bei uns etwa 30 von denen. Mir war das alles zu viel und ich hab mich größtenteils woanders aufgehalten. An Silvester dann waren wieder alle weg, auch meine Mitbewohner, also hatte ich sturmfrei und hab ein paar Freunde zum Abendessen eingeladen und dann sind wir später in die Stadt gezogen. Das war eigentlich wie zu Hause und auf jeden Fall ein guter Start ins neue Jahr.

Am 2. Januar bin ich zu meinem Zwischenseminar gefahren. Ich war der einzigste Junge unter 6 Mädels aber es war okay. Wir waren zuerst 5 Tage in in einem Seminarhaus und dann noch übers Wochenende am Malawisee zum Schnorcheln und Entspannen.

Zurück vom Seminar gab es noch eine Weihnachts- und Neujahrsfeier in Nchenachena (ein kleines Dorf 40 km von Rumphi weg). Das war ein sehr schönes Erlebnis. Es wurde getanzt und gesungen. Nachmittags mussten wir uns dann beeilen das wir noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurückkommen. Die Straße dorthin ist nicht geteert also brauch man für die 40 Kilometer etwa eine Stunde.

Die Weihnachts- und Neujahrszeit wurde aber auch von Problemen begleitet. Es ist eben nicht einfach zwischen 2 Projekten zu stehn. Jedenfalls wurde in dieser Zeit viel diskutiert und eins hab ich gelernt: Malawier sind nicht gerade die einfachsten Menschen und man muss aufpassen wie man was sagt.

Auch hat das Auto Probleme gemacht. Es ist nicht immer angesprungen, also habe ich gedacht, lasst uns mal eine neue Batterie kaufen. Aber man konnte mich 3 mal überreden doch keine Batterie zukaufen. Lad die Batterie erstmal richtig auf, dann glüh lange genug vor und kipp heißes wasser über die Kontakte. Das hat alles immer ab und zu geklappt aber nach 2 Wochen hab ich dann einen meiner Chefs überredet einfach eine Batterie der gleichen Marke zu kaufen. Leider hat er eine andere Batterie gekauft die natürlich keine Garantie hatte und auch nur 2 Tage funktioniert hat. Also bin ich dann wieder losgezogen und habe eine andere Batterie gekauft. Leute ich kann euch sagen: dat war was ohne witz.

Im Großen und Ganzen is das Auto nicht gerade in nem guten Zustand und ich bin manchmal echt froh wenn ich mit allen Autoteilen wieder zu Hause ankomme. Das ist echt anstrengend. Also sind wir zur Zeit am überlegen wie es mit dem Auto weitergeht. Bis was entschieden ist werd ich wohl noch die ein oder andere Fahrt machen aber es macht ja auch Spaß mit so nem Pickup durch den Sand und Matsch zu düsen. Wenn aber die kindliche und männliche Leichtsinnigkeit nachlässt, dann wirds anstrengend.

Im Januar und bis jetzt hab ich insgesamt etwa 1000 kleine Fruchtbäume ( Mango, Orange, Limette, Papaya, Banane) und normale Bäume in die Dörfer gebracht und teilweise mit den Leuten zusammen gepflanzt. Wir haben auch ein paar Fußpumpen zum Wasser pumpen in die Dörfer gebracht.

Und in den letzten Wochen saßen immer mehr kranke Menschen an der Straße und haben darauf gewartet, dass sie jemand mit ins Krankenhaus nimmt. 2 Mal hab ich auch jemanden mitgenommen ins Krankenhaus. Beim Ausliefern der Bäume und Pumpen und den Fahrten zum Krankenhaus sind die Leute dann immer sehr sehr dankbar gewesen. Wenn man diese dankbaren schwarzen Augen sieht kann man einfach gut schlafen und vergisst alle Schwierigkeiten und Strapazen.

Im März bekomme ich noch Besuch von einer Mitarbeiterin von SoFiA, die mein Projekt besucht und mit mir versucht ein paar Probleme zu lösen. Also die anstrengenden Zeiten sind jetzt vorbei.

Viele Grüße

David Neugebauer

Bilder Im Anhang

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