Rundbriefzusatz Reisebericht

26. Juli 2010 von johannes.doerrenbacher

Syrien, Deutschland, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Syrien

Nach tausenden Kilometern zwischen dem Asiatischen Kontinent, dem Europäischen und für etwa eine Stunde sogar auf dem afrikanischen Kontinent, nach einer drei Tägigen Reise von Rumänien nach Syrien auf Gleisen, Straßen, und in der Luft, kam ich nach 26 Tagen gemeinsam mit meinen Eltern in Latakia an.

Dieser Rundbriefzusatz handelt von meiner kleinen Rundreise und ist in weiten Teile schlichtweg der schon seit einigen Tagen veröffentlichte Blogeintrag von www.insyrien.wordpress.com .

SYRIEN, LATAKIA

Bevor es los ging wurde ich noch sehr liebevoll verabschiedet. Mittags traf ich Sadeek einen Freund von mir und gegen nachmittags kam Abouna Habib und ein anderer Freund zum Busbahnhof um mich zu verabschieden.

(Ahmad und ich am Busbahnhof)

Bei dieser Verabschiedung wurde mir ganz flau im Magen, denn urplötzlich wurde mir bewusst, dass mein Freiwilligendienst nun schon zur Hälfte zu Ende ist und somit auch das endgültige Ende sichtbar wird. Aus der zu Beginn unendlichen Zeit wurde eine nun vermutlich ganz schnell dahin fließende endliche Zeit.

SYRIEN, DAMASKUS

In Damaskus angekommen, blieb mir nichts anderes übrig als eines der Taxen zunehmen um zu meinem CouchSurfer zu kommen. Anstatt mich über den vollkommen überzogenen Preis zu ärgern, konfrontierte ich den Taxifahrer viel lieber damit, dass ich sehr wohl wissen würde, dass er nur mich als Tourist abzocken würde. Die Reaktion war ein breites Grinsen, ansonsten nahm der Taxifahrer wohl kaum Notiz von meinen gestammelten Sätzen. Ich dagegen bildete mir ein, es dem Taxifahrer mal ordentlich gezeigt zu haben und klar gestellt zu haben, dass ich nicht so blöd bin wie ich aussehe. Eigentlich wollte ich am kommenden Tag noch einmal durch die engen Gassen der Altstadt gehen, doch ich verschwatzte den gesamten Tag mit Freunden und dem äußerst interessanten und hilfsbereiten Couchsurfer, bei dem ich für eine Nacht unterkam. Mit ihm und seinen Freunden verbrachte ich zwei sehr interessante Abende und wurde letztendlich um kurz vor Mitternacht zum Flughafen gebracht.

(aus dem Fenster des CouchSurfers, Außenbezirk von Damaskus: Wiese, Beton, Stein-/ Sandwüste, Schnee)

DEUTSCHLAND, DÜSSELDORF

Morgens landete die Maschine mit etwas Verfrühung in Düsseldorf und ich betrat nach über sechs Monaten wieder Deutschen Boden. Schon einige Wochen vorher hatte ich mir überlegt wie sich das wohl anfühlen würde. Meine Erwartungen, dass mir etwas ganz Spannendes wiederfahren würde, wurden leider enttäuscht. Es tut mir Leid das sagen zu müssen, aber Deutschland ist langweilig. Es ist wie ein Zahnrad einer Maschine. Natürlich gibt es hier und da auch große wie kleine Mängel, aber im Grunde kennt man den Ablauf dieser Maschine. Alles nimmt seinen Lauf. Der Bahnhof am Düsseldorfer Flughafen ist ein normaler Bahnhof wie es tausende in Deutschland gibt und auch die Strecke von Düsseldorf nach Köln zeigte mir nichts, was ich so noch nie gesehen hätte. Dagegen kann ich noch zehn Mal nach Baqto in die Berge Syriens fahren und niemals wird diese Strecke langweilig werden, jedes Mal fallen mir Dinge auf, die ich zuvor so noch nicht wahrgenommen hatte. Eine syrische Straße hat für mich ganz einfach mehr Neues zu bieten als eine Deutsche.

DEUTSCHLAND, KÖLN

Aber eines überraschte mich dann doch, als ich in Köln durch die Straßen ging. Ist für die Syrier BMW, Mercedes und Siemens Deutschland, so vergisst man schnell selbst, dass es in Deutschland sehr wohl auch Armut gibt. Die meisten werden es wohl nicht verstehen, denn der Armut begegne ich in meinem Gastland sehr wohl auch und dass noch in einer viel krasseren Form und dennoch empfand ich die Armut in Deutschland noch erdrückender. Das Armut nicht nur mit Geld messbar ist, wurde mir spätestens in Deutschland bewusst. Aber dazu erzähle ich gerne auf Anfrage noch einmal mehr bevor ich mich an dieser Stelle verzettele.

DEUTSCHLAND, TRIER

Schmunzeln musste ich als in Trier am Bahnhof über eine Stunde außerplanmäßig warten musste, da es zu einem Oberleitungsschaden gekommen sei. Noch nie ist ein Bus, den ich genommen habe, in Syrien mit mehr als 5 Minuten Verspätung los gefahren. Aber das nur am Rande.

DEUTSCHLAND, SAARBRÜCKEN

Natürlich habe ich mich gefreut, meine Eltern, inzwischen schon wieder nach Mitternacht, zu begrüßen. Ein seltsames Gefühl war es natürlich wieder in Saarbrücken zu sein, aber die kommenden Tage genoss ich mit meinen Freunden und Verwandten. Es war richtig gut zu spüren, dass einige Freunde trotz geringen Kontaktes doch immer noch Freunde geblieben sind und auch sein werden. Was soll ich mehr von Deutschland berichten? Wer dies liest kennt das Land in der Mitte Europas vermutlich selbst.

DEUTSCHLAND, LUDWIGSBRUG/STUTTGART

Nach einer Woche in Saarbrücken, die vergleichsweise sehr ruhig verlief, ging es weiter nach Ludwigsburg bei Stuttgart. Hier besuchte ich ebenfalls einen Freund und verließ ihn nach zwei Tagen wieder.

RUMÄNIEN, SIBIU (HERMANNSTADT)

Ich weiß bis heute nicht wie ich es geschafft habe, aber 1,5 Stunden bevor mein Flugzeug den Stuttgarter Flughafen verließ, weckte mich ein Anruf meines Vaters in Ludwigsburg. Etwa zwanzig Minuten vor Abflug checkte ich ein und war wenige Stunden, die ich hauptsächlich Schlafend verbrachte in Rumänien. Ein Deutsch-Rumänisches Paar, das ich noch am Flughafen in Deutschland kennen lernte, nahm mich freundlicherweise mit ihrem Auto vom Sibiuer Flughafen mit in die Innenstadt. Es kam mir vor als wäre ich abends eingeschlafen und morgens in Rumänien aufgewacht. Vom Flug hatte ich kaum etwas mitbekommen und auch von dem normalerweise zwei stündigen Warten am Flughafen. Das ich mich plötzlich in Transsilvanien befand, wurde mir erst klar, als ich die vielen bunten Häuser und die typischen Ziegeldächer der mittelalterlichen Siebenbürger Stadt Sibiu entdeckte. Bevor ich mich in Sibiu mit dem mir noch unbekannten Couchsurfer treffen konnte, spazierte ich durch die Stadt und verzweifelte irgendwann an dem 15 kg schweren Rucksack und meinem Laptop.

(hier ein etwas verschwommenes Bild, dass aber perfekt zeigt wie ich mich fühlte)

(die renovierte Altstadt von Sibiu)

Als ich dann letztendlich von meinem Couchsurfer abgeholt wurde, trafen nach wenigen Minuten noch zwei weitere Freiwillige bei ihm zu Hause ein. Sie hatten ebenfalls Kontakt über die Homepage couchsurfen.org zu dem Kerl in Sibiu aufgenommen gehabt und würden genauso wie ich zwei Nächte bei ihm bleiben. Beide waren Freiwillige im Osten Rumäniens, die eine kam aus Estland, die andere aus Polen. Zusammen mit dem perfekt deutschsprechenden Couchsurfer aus Rumänien und den beiden Freiwilligen verbrachte ich zwei wunderbare Tage in Sibiu.

(die beiden Freiwilligen am Rande Sibius)

RUMÄNIEN, SIGHISOARA (SCHÄßBURG) / APOLD

Nach den beiden Tagen in Sibiu beschloss ich nach Apold zu trampen.

(die mit ganz viel Liebe gemachten Schilder)

Bis nach Sighisoara (zu Deutsch Schäßburg) habe ich es auch geschafft. Ich stand in Sibiu zwar an der richtigen Straße jedoch wohl einige Meter zu weit von der Innenstadt entfernt, so dass alle Tramper vor mir die Autos, die aus der Innenstadt kamen wegschnappten. Nach dem mich ein älterer Mann mit Zeichensprache darauf hinwies, dass ich ungünstig stehen würde, klappte es auf Anhieb. Ist Trampen in Deutschland nicht nur ungewöhnlich sondern auch verboten, so gehört Trampen in Rumänien zu den günstigsten und vielleicht sogar am häufigsten verwendeten Langstreckenfortbewegungsmethoden. Ein älteres Paar nahm mich ohne Bezahlung die knapp 100 km von Sibiu nach Sighisoara mit. Ich war begeistert von dieser Hilfsbereitschaft. Leider konnte ich mich mit meiner Mitfahrgelegenheit nicht unterhalten, da keiner der beiden ein Wort Englisch verstand. Eine Kommunikation wurde allerdings, so hatte ich das Gefühl, auch gar nicht erwartet, so dass ich mir als Deutscher recht schnell die Frage stellte, warum die Menschen in Rumänien dann einen vollkommen Fremden mit sich nehmen. Ich hätte verstanden, dass man Fremde mitnimmt, da man sich für sie interessiert. Aber dieses Ehepaar war zwar durchaus freundlich, aber kommunikativ waren sie nicht gerade und dass auch nicht untereinander. Möglicherweise ist dies eine weitere Eigenschaft der Rumänen oder der kühlen Europäer, ich weiß es nicht, in der Hinsicht bin ich vielleicht auch Syrien geschädigt. In Sighisoara wurde ich dann an einer großen Hauptstraße raus gelassen. Da ich so lange in Sibiu gewartet hatte, war es bereits dunkel als ich in Sighisoara ankam. Trampen ist ein tolle Sache, aber wenn man sich so gar nicht auskennt, klappt das ganze irgendwie nicht. Ich stand also in einer fremden Stadt bei kalten Temperaturen mit meinem ganzen Gepäck und hatte keinen blassen Schimmer, welche Straße von Sighisoara nach Apold führen sollte. Glücklicherweise gibt es in Sighisoara sehr viele Hotels und so konnte ich mich ein wenig durch fragen, doch jeder sagte mir, dass es an einem Sonntag um diese Uhrzeit unmöglich sei nach Apold zu trampen. Während ich also so durch die Stadt zog, bekam ich einen Anruf. Abouna Jihad, der gerade in Deutschland war, wollte die Telefonnummer meines Vorgängers Christophs haben. Seltsamerweise war ich vollkommen entspannt. Ich wusste zwar noch nicht, wie ich zu meiner Schlafgelegenheit in Apold kommen sollte, aber ich suchte von Rumänien zu nächst ein Mal die Telefonnummer meines Vorgängers heraus. Nach zwei Stunden Straßensuchen war ich irgendwann so durchgefroren, dass ich letztendlich doch beschloss ein Taxi zu nehmen, um in das 15 km entfernte kleine Dorf Apold zu fahren. Ich hatte riesiges Glück, der Taxifahrer konnte ein wenig Englisch. Während der Fahrt fiel mir plötzlich auf, dass ich nicht einmal die genau Adresse meiner Übernachtungsmöglichkeit hatte. Die Couchsurferin in Apold erzählte mir nur, dass sie in einem alten Pfarrheim wohnen würde und Landschaftsarchitektin sei. Außerdem schrieb sie mir per E-Mail, dass sie momentan verreist sei, dass aber ein Mann, dessen Namen ich vergessen hatte, mir die Tür aufsperren könnte. Ich erklärte meinem Taxifahrer alles mit Händen und Füßen und einigen Worten Englisch. Er verstand und wir fragten die ersten Leute in Apold, ob es in ihrem Dorf zwei Deutsche Frauen gäbe, die in einem alten Pfarrhaus wohnen würden. Die alten Leute begannen direkt laut zu johlen und sich zu freuen. Natürlich würden sie die beiden kennen, dass wären ganz liebe Leute, übersetzte mir mein Taxifahrer. Man zeigte uns den Weg. Nachdem wir ein zweites Mal fragten und man wieder die beiden Deutschen kannte, fanden wir das Haus. Es war ein großes Haus mit dem Schild der Landschaftsarchitektenfirma und typisch für die Häuser in dieser Region, war das Haus umgeben von einer großen hohen Mauer und einem noch größeren Tor. Ihr müsst euch das so vorstellen. Es ist dunkel, ihr seid in einem kleinen Dorf in Transsilvanien, alleine mit einem freundlichen Taxifahrer und steht vor einem riesigen Tor, an dem sich keine Klingel befand. Im Inneren des Hauses ist es ebenfalls dunkel. Ihr habt den ganzen Tag dieses Haus gesucht und plötzlich steht ihr mit den Füßen auf einer matschigen Straße davor. Ich öffne das angelehnte Tor und im selben Moment kommen mir etwa fünf bis sechs Hunde bellend und Zähne fletschend entgegen. Ich habe noch nie ein Tor so schnell wieder zu gehauen wie an diesem Ort. Ich kam mir vor wie ein Detektiv, der ganz ganz Nah an sein Ziel gekommen war und im letzten Moment aufgeben musste. Auch nach dem der Taxifahrer namens Antonio mehrfach Lichthupe in Richtung Haus machte, öffnete niemand, so dass mir nichts anderes übrig blieb, als wieder zurück nach Sighisoara zu fahren, noch immer ohne Übernachtungsmöglichkeit. Der Taxifahrer erzählte mir währenddessen, dass er immer einmal im Jahr nach Deutschland fahren würde, um dort auf den Feldern zu arbeiten und wieder wurde ein Klischee bestätigt. Nach dem wir unsere Telefonnummer ausgetauscht hatten und ich eine nette Summe bezahlt hatte, befand ich mich wieder in Sighisoara. Dort kam ich dann auf die Idee, meinen Seminarleitern eine SMS zu schicken und zu fragen, ob ich denn nicht schon früher zum Seminarhaus kommen könnte, um dort eine Nacht früher einzuchecken. Glücklicherweise klappte dies, so dass ich nach einem kleinen Rumänienkrimi doch nicht auf der Straße übernachten musste…

Zum Glück hatte ich mir die drei Tage vor dem Zwischenseminar in Rumänien frei genommen und konnte mich so zumindest für diese drei Tage nur mit dem Land und den Leuten beschäftigen. Denn die eine Woche des Seminars war gefüllt. Meistens saßen wir von morgens um 9 Uhr bis abends um 10 bis 12 Uhr im Seminarraum. Natürlich blieb bei all dem auch Zeit, abends noch gemütlich ein Bier zu trinken zusammen mit Freiwilligen, die ich bereits kannte von SoFiA oder Freiwilligen von anderen Organisationen. Ich möchte gar nicht viel mehr von dem Seminar berichten. Lediglich, dass es interessant, spannend und wohltuend war, die Erfahrungen mit den anderen Freiwilligen ausgetauscht zu haben. Nach der Woche intensiver Seminararbeit, wurde ein freiwilliger dreitägiger Kulturteil angeboten:

(alle Freiwilligen die am Zwischenseminar Teil genommen haben)

(Sighisoara)

(überall zu sehen, bunte Häuser und Mittelalterliche Wehranlagen)

RUMÄNIEN SIGHISORA – BUKAREST

Leider musste ich den Kulturteil einen Tag früher verlassen. Dabei habe ich eine spannende Haski-Schlittenfahrt verpasst. Es blieb mir allerdings nichts anderes übrig als an diesem Tag zu fahren, denn ich wollte von Sighisoara nach Istanbul fahren. Ein einziger Umstieg und nur 27 Stunden Zugfahrt in einem komfortablen türkischen Schlafwagen und einem rumänischen Expresszug sind dazu nötig. Um 5 Uhr morgens brachten mich einige meiner Mitfreiwilligen zum Sighisoara Bahnhof und verabschiedeten mich. Eine sieben Stündige Fahrt nach Bukarest lag vor mir. Aus den sieben Stunden wurden schnell achte ein Halb Stunden durch ein auf einem Bild interessant wirkendes Gebiet, was jedoch über acht Stunden lang zu dem wohl langweiligsten Landschaftsbild wird, was man sich nur vorstellen kann.

(Willkommen in der Walachei, die direkt an Transsilvanien grenzt, was übersetzt „hinter den Wäldern“ heißt, wenn hier auch noch Pfeffer wachsen würde und irgendwo der Bagdader Fischmarkt wäre, wäre der Ort perfekt; einen Reissack könnte man vielleicht auch noch umwerfen…)

Wenn ich um durch meine frühe Abfahrtszeit nicht so müde wäre, hätten mich diese Weiten mit Sicherheit mehr beeindruckt.

Durch die Verspätung des Zuges, bekam ich von Bukarest gerade mal den Bahnhof zu sehen, da ich sofort umsteigen musste in den Schlafwagen von Bukarest nach Istanbul.

(Eine spannende und interessante Fahrt begann)

(verlassen von Bukarest)

(lecker Käse und Brot: mein Mittagessen)

BULGARIEN – NORDEN

(Rumänisch-Bulgarische Grenze: immer wieder nett beim Zugfahren, waren die Kerle an den Bahnhöfen, die mit einem Hammer an jedes Rad des Zuges hauten. In unsere Zug waren höchstens 20 Leute, darunter zwei andere Deutsche, die sich „unglaublich“ über einen weitern Deutschen freuten. Diese Deutschen vermuteten, so hatte ich es am Rande mitbekommen, dass die Kerle mit den Hämmern überprüfen würden, ob die Räder noch fest seien. Schön daran war, dass die Männer  mit den Hämmern manchmal einige Minuten an einem solchen Rad stehen blieben und diskutierten. Das gibt einem eine Sicherheit unglaublich ;-) )

(Überqueren der Grenze: die Donau)

(einer der netten Hammermänner, hier gibt er dem Zugfahrer auch noch gleichzeitig bescheid, dass er weiter fahren kann)

(Rumblödeln ging mit diesem Mann ganz wunderbar nonverbal, halb Türke halb Bulgare)

BULGARIEN – MITTE UND SÜD

An allen Haltestellen bin ich kurz ausgestiegen. Hinter der Bulgarischen Grenze habe ich mir sogar Batterien kaufen können, musste dann zwar in einen schon fahrenden Zug rein springen, in dem sich all mein Geld und meine Papiere befanden, aber die Batterien funktionieren noch bis heute wunderbar. In Dimitrovgrad wartete ich allerdings ein wenig länger am Bahnhof. So dass ich erst spät schlafen konnte und so nervten mich um 1 Uhr nachts zwei freundliche bulgarische Zöllner. Ganz überrascht stellen diese fest, nach dem sie in meinen Pass schauten und dann in mein Gesicht, dass ich müde aus sehen würde. Ich legte mich wieder schlafen und wurde etwa 10 Minuten später von dem netten Herr auf dem letzten Bild geweckt. Türkische Passkontrolle war angesagt. Alle raus aus dem Abteil und rein in das türkische Zollgebäude. Nach dem sich etwa zwanzig rumänische und bulgarische Frauen vorgedrängelt hatten bekam auch ich meinen Stempel in meinen Pass. Mit großer Vorfreude legte ich mich endlich wieder schlafen. Doch fünf Minuten später weckten mich zwei weitere Zöllner und verlangten meine Taschen und durch wühlten mein Abteil auf der Suche nach Zigaretten oder ähnlichem. Nach dem ich mich dann endlich schlafen legen wollte, wurde ich ein weiteres Mal geweckt. Der türkische Schaffner wollte nun mein Ticket sehen. Etwa sechs Stunden später wurde ich wieder von dem netten Mann auf dem letzten Bild geweckt. Wir erreichten Istanbul und zwar genau um punkt 8 Uhr wie es auf meinem Ticket stand. So liebe Deutsche Bahn geht das mit der Pünktlichkeit.

TÜRKEI, ISTANBUL

Ich kann euch sagen, nach dem ich Rumänien und Bulgarien hinter mir gelassen hatte, fühlte ich mich in der Türkei wieder viel mehr in einem Vertrauten Gebiet. Nicht nur, dass die Bahnhöfe in Bulgarien und die Städte wirklich übel aussahen an denen wir hielten, sondern auch, weil die Türkei eben doch irgendwie Ähnlichkeiten mit Syrien aufweist. Ich hatte wirklich das Gefühl langsam immer näher zu meinem Projektland zu kommen. Istanbul. Die Stadt die Europa und Asien vereint. Die Stadt, die Orient und Oxident verbindet. Die Stadt die Jahre lang Kalifat und Sitz des Sultans war. Moscheen und Basare findet man in der 16 Millionen Stadt am Bosporus wieder und ein Gefühl von Vertrautheit kommt in mir auf, wenn ich die Menschen auf den Straßen gestikulieren sehe. Endlich ruft der Muezzin wieder und das Meer ist zum Greifen nahe.

(die blaue Moschee, die ich ehrlich gesagt etwas enttäuschend fand, sehr grau, zumindest von außen)

(links Europa, rechts Asien in der Mitte ziemlich weit weg die Bosporusbrücke)

(und endlich sind die Dächer wieder mit den wunderschönen Satteliten Anlagen bedeckt: TOLL!)

Istanbul war davon geprägt, dass ich ein wenig alleine durch die Straßen geirrt bin. Ich habe ganz wunderbar als Tourist die blaue Moschee besucht und mich einfach von dieser Stadt tragen lassen, bis mir die Füße abgefallen sind. Ach ja und dann gab es da noch einen netten Bankautomaten, der sich wohl in meine Bankkarte verliebt hatte. Nach dem ich mich fast eine Stunde mit freundlichen Bankmitarbeitern gestritten hatte, habe ich die Aktion der Wiederbeschaffung meiner Bankkarte aufgegeben und stattdessen meine andere Karte benutzt und den Tag genossen. Insgesamt muss man natürlich sagen, reicht ein einziger Tag für eine solch riesige Stadt wohl nicht und dennoch hat es sich gelohnt, zumindest diesen einen Tag Pause zu machen und sich um zu schauen. Am nächsten Morgen ging es dann ganz früh morgens an den Flughafen und von dort aus nach Kairo.

INTERNATIONALERBEREICH, KAIRO FLUGHAFEN

Im Flugzeug nach Kairo habe ich wieder freundliche und interessante Menschen kennen gelernt. Ein Ende 50- jähriger, der in Rumänien arbeitet, in Kairo wohnt, in Istanbul mit seiner ägyptischen Frau Urlaub gemacht hat und ursprünglich aus Südafrika kommt, war mein Sitznachbar. Er war es dann auch, der mich beruhigte, als ich mir ein wenig unnötig Sorgen um meinen Anschlussflug machte. HHM leckere Türkische Schokolade hat er mir gegeben.

In Kairo hatten  Zollbeamte einen riesen Spaß mein Syrisches-Dialekt-Arabisch auf die Probe zustellen und alberten mit mir rum.

SYRIEN, DAMASKUS

Im Flugzeug von Kairo nach Damaskus freundete ich mich dann mit der Behinderten-Volleyballmannschaft aus dem Irak an. Man muss schon sehr, sehr schwarzen Humor haben, um darüber lachen zu können, aber ein komisches Bild haben die Männer in die alle Samt nur noch ein Bein hatten und mit irakischen Trainingsanzügen reisen schon abgegeben. Stolz zeigte man mir die gewonnene Silbermedaille der afrikanisch-arabischen Spiele, zu denen sie extra von Bagdad aus nach Kairo geflogen sind. Ich hatte unglaublichen Respekt vor meinen Sitznachbarn und war selbst ein wenig Stolz, dass ich sogar die Ursachen für die Behinderungen der Spieler auf Arabisch verstand.

(schnell wurde noch ein gemeinsames Foto gemacht)

Nun bin ich also auch noch stolzer Besitzer eines irakischen Armbandes, das vom Schweiß eines echten Spitzen- sportlers gelb gefärbt ist. Ich verabschiedete die gesamte Mannschaft am Damaszener Flughafen, da alle mit dem Bus noch am selben Tag weiter nach Bagdad fuhren. Alles klappte wie am Schnürchen. Denn wen traf ich da so am Flughafen an der Passkontrolle? Richtig meine Eltern, die am selben Tag über Istanbul nach Damaskus geflogen sind. Keiner von uns hatte nennenswerte Verspätungen und so konnten wir uns sogar noch auf internationalem Boden begrüßen.

Ich hoffe ihr hatte Spaß beim Lesen. Ein richtiger Rundbrief ohne Artikel aus meinem Blog ist momentan in Bearbeitung und wird hoffentlich die nächste Woche fertig sein. Mehr Bilder  zu  meiner Reise und andere Artikel findet ihr weiter unter der selben Adresse: www.insyrien.wordpress.com .

Liebe Grüße aus Syrien

Euer Johannes

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