Bolivien: 1. Rundbrief Katharina Brabender


Liebe Familie, Freunde und Bekannte,

jetzt ist es endlich soweit und ich melde mich das erste Mal ganz offiziell aus dem wunderschönen Bolivien. Es ist irgendwie kaum zu glauben, dass ich noch nicht mal zwei Monate hier bin – schließlich habe ich schon so viel gesehen und erlebt.

 

Das was jetzt kommen wird, sind allerdings wirklich nur subjektive Erzählungen von mir. Ich weiß echt nicht recht wo ich anfangen soll…

 

Reise nach La Paz – Fahrt nach Sucre

Irgendwie vergingen die letzten Tage in Deutschland doch schneller als erwartet. Ich habe meine Zeit zwar so effektiv wie möglich genutzt, allerdings habe ich leider nicht mehr alles unter einen Hut bekommen…

Am Dienstag den 5. August war es dann so weit. Wir haben uns zu sechst von Koblenz aus auf den Weg gemacht. Da ich in letzter Zeit viel von dort aus verreist bin, fiel mir der Abschied zum Glück nicht so schwer. Naja und unterwegs hatten wir schon unseren Spaß, haben die typischen Zugverspätungen verkraftet und waren dann mal eben fünf Stunden zu früh am Flughafen in Brüssel. Das Schöne an all unseren Stopps war die gemeinsame Zeit und dass die Gruppe bis Madrid immer weiter gewachsen ist. Nach drei Zugfahrten und besonders den vier Starts und Landungen war es total irreal wirklich da zu sein und nicht wieder ab in die Luft zu gehen.

 

DSC00252In La Paz angekommen wurden wir erst mal herzlichen mit Fahnen und Konfetti von einer Gruppe der Hermandad aus Verantwortlichen, Freiwilligen und Reverse-Freiwilligen begrüßt, wie man hier sehen kann.

Die ersten Tage haben wir in La Paz mit der ganzen Gruppe gemeinsam verbracht. Wir hatten ein Seminar mit unseren Verantwortlichen und ein paar Freiwilligen, in denen wir noch einmal die wichtigsten Sachen gelernt haben (welches Taxi kann ich nehmen, welche Bank ist die verlässlichste, welchen Handyanbieter brauche ich…). Die Zeit war unglaublich wichtig und richtig schön, aber dann hieß es für alle ab in unsere Sprachkurse.

Also sind wir zu 5 mit der Flotta, den großen Bussen, über Nacht nach Sucre gefahren. Ich muss sagen, es war eindeutig angenehmer als ich erwartet hätte. Die Sitze kann man fast in die Waagerechte bringen und über Nacht macht auch eine Zwölf-Stunden Fahrt nichts aus, schließlich würde man ja sonst eh nur schlafen. Für diejenigen, die irgendwann auch mal mit einer Flotta reisen werden, packt euch einen guten Schlafsack ein, denn falls die Klimaanlage funktioniert, wird richtig stark runtergekühlt.

 

Sucre Sprachkurs

Sprachunterricht mit Eva...
Sprachunterricht mit Eva…

Am Sonntag in Sucre von den Gastfamilien in Empfang genommen ging es für mich direkt los. Ich war auf der Babyparty meiner schwangeren Gastschwester. Die Spiele haben uns einfach allen richtigen Spaß gemacht, schließlich gab es Disziplinen wie den Bauchumfang-der-Schwangeren-mit-Klopapier-abschätzen und Baby-wickeln-wie-die-Cholitas.

Und am Montag ging es dann auch morgens direkt mit dem Sprachkurs los. Lisa, Melina, Natascha und ich hatten anfangs zusammen Spanisch, was uns riesigen Spaß gemacht hat. Wir haben bei unsren zwei Lehrern viel gelernt und eine Menge Spaß gehabt.

... und mit Carlitos
… und mit Carlitos

Während der ganzen Sprachkurszeit hatten wir hier das Glück, dass noch mein Vorgänger vor Ort war und uns so hier gut einführen konnte. Gregor hat uns gezeigt wo man was am besten besorgt, wo es besonders schöne Orte gibt und wo welches Essen am besten ist. 🙂

Die Zeit war für uns als Sucre-Crew ganz besonders und man hat sich so sehr aneinander gewöhnt. Und die erste Woche vor unserer Zusammenkunft alleine war ganz seltsam.

 

Gastfamilie

Valentina bei der Familiengeburtstagsfeier
Valentina bei der Familiengeburtstagsfeier
und ihre riesige Torte
und ihre riesige Torte

Während dem Sprachkurs waren wir alle in Gastfamilien untergebracht. Ich hatte mit meiner Familie echt total viel Glück! Also in der Familie habe ich zwei erwachsene Schwestern, eine, Carla, ist wie gesagt schwanger und bekommt Mitte Oktober ihr Kind und die andere, Vanessa, hat eine  jetzt 7-jährige Tochter Valentina. Valentina ist wirklich total süß. Nach kurzer Zeit habe ich sogar jeden Abend einen Gutenachtkuss bekommen. Auch wenn ich sie zur Schule gebracht habe, verabschiedete sie sich stets herzlich mit einem Kuss. Es war total schön, dass ich sogar Valentinas Geburtstag miterleben konnte, schließlich sind besonders Kindergeburtstage in den Städten ein riesen Event. Schon Wochen vorher wird geplant, was es alles zu Essen geben soll… Und so kam es, dass in der Woche davor fast Ausnahmezustand herrschte. Ich habe beim Backen geholfen und war ganz erstaunt, als wir die fünf Böden für die fünf-lagige Torte gemacht haben. Aber das ist hier ganz normal. Gefeiert werden die Kindergeburtstage übrigens in der Regel nur in der Schule in einer großen Pause. Und dann heißt es essen, trinken, singen, Geschenke überreichen und feiern.

Ach und was an meiner Familie noch besonders ist, ist, dass meine Gastmama Teresa auch für die Fundación arbeitet. So habe ich dort noch eine ganz besondere Bezugsperson, an die ich mich mit allem wenden kann. Und zusätzlich sehe ich sie immer wieder, wenn ich in Sucre bin, da ihr Büro direkt über unserer Wohnung liegt. An sich kann ich nur sagen, dass ich extrem viel Glück habe, da ich auch jetzt immer wieder zurückkommen kann und sich um mich gekümmert wird. In der ganzen Zeit haben die sich echt extrem viel Mühe mit mir gegeben!

 

Projektreise

DSC02031Da die Fundación, zu der ich demnächst mehr berichten werde, viele Projekte im Bundesstaat Chuquisaca betreibt und Natascha und ich ja für diese hier arbeiten, wurde uns eine Projektreise ermöglicht.

Die erste Reise fand während dem Sprachkurs statt und damit wir nicht so viel verpassen, durften Melina und Lisa uns begleiten. So waren wir dann montags um fünf abfahrbereit. Unsere zwei Vorgänger Sophie und Gregor, sein Bruder und wir….

IMG_2391Aber es hat sich dann leider etwas verändert, schließlich wurde Natascha in der Nacht zur Reise krank und wir haben die Reise verkürzt. Trotzdem hatten wir einen riesigen Spaß und wir hätten uns an das rumreisen auch echt gewöhnen können… Es war wunderschön mal etwas mehr vom Land und ein paar Projekte zu sehen! Besonders schön war es, dass wir in Azurduy, meinem Projektort herzlich in Empfang genommen wurden. Maria, eine der Teilnehmerinnen tanzte schon schnell mit uns und so war die Stimmung ziemlich locker. (zum Projekt bald mehr). Und zum Willkommenheissen wurde sogar „Abrosia“ getrunken. Man geht dazu auf ein Feld und bekommt frisch gemolkene Milch mit dem typisch bolivianischen Getränk „Singani“ serviert.

 

DSCN9396Zwei Wochen später, nach Ende des Sprachkurses ging es für mich dann noch einmal auf Reise. Natascha und ich haben einige Projekte besucht. Unsere erste Station war in Pampa Huasi, wo wir unglaublich herzlich empfangen wurden, jeder bekam einen prachtvollen Blumenkranz umgelegt und wir wurden mit Konfetti beschmissen.

Zusammen mit den Mädchen aus dem Projekt haben wir dann den Ort mit allen wichtigen Sachen und das Internat erkundet. Dann haben wir zusammen getanzt und wurden schön in der landestypischen Cholita Kleidung eingedeckt.

IMG_2792 - KopieIn Azurduy angekommen war hier ein riesiges Event. Die ganze Woche war da ein Sportwettbewerb aus allen möglichen umliegenden Dörfern der näheren und weiteren Umgebung. Da deswegen allerdings auch die Schule geschlossen hatte und sich das ganze Dorfleben darauf konzentriert hatte, war auch der zweite Besuch im Projekt ganz anders. Schließlich war das Dorf auf einmal dreimal so groß. Da wir aber noch etwas Zeit übrig hatten, ist unser Chef netterweise mit uns zum Wasserfall gefahren, was echt beeindruckend war!

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Abends gabs dann in Villa Serrano ein Treffen vom Behindertenprojekt mit Verantwortlichen der Fundacion, den Betroffenen, deren Familien und deren Lehrer, was eigentlich Mal ganz interessant zu sehen war, da man so eher die Strukturen und Probleme verstanden hat.

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An unserm letzten Tag ging es dann nach Redencion Pampa. Dort haben wir uns auch alles angeguckt, zusammen Tee getrunken und die Stadt besichtigt. Besonders an Redencion Pampa ist, dass das Dorf letztes Jahr das Rathaus nach Konflikten zugemauert hat und es seit dem keinen Bürgermeister mehr gibt.

Tja und dann hieß es erst mal wieder zurück nach Sucre zur Entrada.

 

Entrada

DSC02220Hier in Bolivien gibt es unglaublich viele Feiern und für jeden einen Tag. An unsrem ersten Wochenende nach der Projektreise gab es in Sucre die Entrada zu Ehren der Schutzpatronin Mayka de Guadelupe. Dafür gab es dann nicht nur eine Prozession sondern auch noch ein Wochenende lang Entradas zu ihren Ehren. Dafür wurde schon seit Wochen geprobt, ständig lief irgendeine Tanzgruppe durch die Stadt und die Autos mussten einfach mal warten.

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So, jetzt ist mein Rundbrief doch schon wieder länger geworden als vermutet. Für‘s Erste mache ich Schluss, aber ihr hört hoffentlich ganz bald wieder von mir, schließlich möchte ich euch ja noch von meinem Projekt, der Fundacion und meinem Leben hier berichten.

Ich hoffe, ihr habt jetzt einen ersten Eindruck bekommen. Falls ihr noch irgendwelche Fragen habt oder so, meldet euch gerne.

 

Vielen, vielen Dank für all eure Unterstützung und euer Interesse, das freut mich wirklich riesig!

Danke und aller liebste Grüße aus dem so wunderschönen Bolivien

Eure Katharina