Bolivien, 1. Rundbrief von Natascha Kirchhöfer

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde, liebe Familie und Bekannte,

da ist er endlich, mein 1. Rundbrief.
Seit Anfang August lebe ich nun in Bolivien und habe schon einiges erlebt.
In meinem 1. Rundbrief geht es primär um die Ankunft, den Sprachkurs, die Gastfamilie und die Reise aufs Land.

Abschied und Ankunft:
Am Freitag den 01.08.2014 hieß es auch für mich Abschied nehmen. Ich habe alle meine Lieben eingeladen und wir hatten eine sehr schöne Feier, an der auch ein paar Tränen flossen.
Am Dienstag ging es dann nun endgültig los. Morgens trafen sich alle Bolivienfreiwilligen in Koblenz am Bahnhof. Es war für alle ein sehr emotionaler Moment da wir wussten, das wird ein Abschied für eine sehr lange Zeit.
Dann ging die Fahrt über Köln, wo die Bahn natürlich einmal wieder Verspätung hatte, nach Brüssel. Da wir überall genug Zeitpuffer eingebaut hatten, war das kein Problem. Von Brüssel sind wir nach Madrid geflogen. Dort trafen wir dann die Freiwilligen des Bistums Hildesheim. Zusammen ging es dann weiter nach Lima. Dann ein kurzer Stopp in Santa Cruz und endlich nach ca. 36 Stunden Ankunft am Flughafen in El Alto. Wir waren alle ganz schön müde und fertig von der langen Reise.
Die Begrüßung war dann sehr herzlich. Wie in Bolivien üblich wurden wir mit Konfettiregen und ganz viel Sonne begrüßt.

Ankunft in El Alto

Die ersten Minuten auf bolivianischen Boden nach 36 h Reise

Von da aus ging es dann nach La Paz. Wir machten zum Glück einen kleinen Foto-Stopp, da die Aussicht von El Alto auf La Paz überwältigend ist.

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Aussicht von El Alto auf La Paz

 

In La Paz angekommen merkten die ersten Mitreisenden, wie stark einen die Höhe doch mitnehmen kann. La Paz liegt schließlich auf 3.600 Meter und ist der höchste Regierungssitz der Welt. Mir war am ersten Tag zum Glück nur leicht schwindelig und ich hatte nur leichte Kopfschmerzen. Andere lagen aber wirklich komplett flach und waren zu nichts mehr in der Lage. Ein paar Mitfreiwillige sind abends dann noch Pizza essen gegangen, (ja in Bolivien gibt es italienische Pizza!!!). Ich war aber einfach nur müde und freute mich auf eine Dusche.

Am nächsten Tag merkte auch ich dann die Höhe etwas stärker. Der Kopf hämmerte ganz schön und mir wurde sehr schnell schwindelig. Auch waren die Wege zu Fuß sehr anstrengend und man kam schnell aus der Puste. Unsere Vorfreiwillige Lena und Veronika von der Hermandad zeigten uns ein wenig La Paz. Es war wirklich ganz schön anstrengend, da La Paz scheinbar nur daraus bestand irgendwo hoch oder runter zu gehen. So kam es mir zumindest vor.

Wir blieben ein paar Tage in La Paz und hatten unter anderem noch ein Seminar in der „Hermandad“. Die Hermandad ist die Partnerschaftsorganisation des Bistums Trier und Bistums Hildesheim. Sie sind der Ansprechpartner vor Ort. Das Gute ist, dass der Geschäftsführer aus Deutschland kommt und eine Mitarbeiterin ebenfalls deutsch spricht. Gerade am Anfang ist dies wirklich wichtig.
La Paz ist wirklich eine sehr große und beeindruckende Stadt. Ich hoffe ich habe in meinem Jahr noch einmal die Möglichkeit, La Paz zu besuchen.

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La Paz

Aussicht vom Büro der Hermandad

In La Paz teilte sich dann auch die große Gruppe. Wir, die in Sucre Sprachkurs hatten, fuhren mit dem Bus nach Sucre. Diese Fahrt dauerte 14 Stunden! Aber die Busse, die von Stadt zur Stadt fahren, sind wirklich bequem. Es gibt unterschiedliche Preisstufen. In der höchsten Kategorie hat man Sitze wie in der Business Class im Flugzeug, so stelle ich mir zumindest die Sitze dort vor. Man kann sie fast ganz zurückstellen, so dass man eine Art Bett hat. Unglücklicherweise hat diese Funktion gerade bei meinem Sitz nicht gehalten, so dass der Sitz immer wieder langsam in die aufrechte Position gleitete. Das war leider nicht ganz so entspannend.

Ankunft in Sucre:
Am Busterminal angekommen erwarteten uns schon unsere Gastfamilien. Ich fuhr zu meiner Gastfamilie nach Hause, wo mich wirklich ein ganz tolles Haus erwartete. Rossanna, die Chefsekretärin meiner Arbeitsstelle, ihr Mann sowie die Tochter mit ihrem kleinen Sohn wohnen hier. Sie hatten gerade noch Besuch von der Familie aus La Paz, so dass alles noch etwas chaotisch war. Zum Glück konnte ich ein paar Worte spanisch. Aber etwas mehr wäre schon besser gewesen.
Ich bekam erstmal ein landestypisches Frühstück. „Pan“ (ein flaches Brötchen) mit Marmelade und Tee. Danach ruhte ich mich erstmal aus. Morgen ging auch schon der Sprachkurs los.

Sprachkurs:
Katharina, Lisa, Melina, Peter und ich trafen uns im I.C.B.A (Instituto Cultural Boliviano Aleman). Hier hatten wir vier Wochen Sprachkurs, den auch alle, außer Peter der bereits fließend spanisch sprach, nötig hatten. Es war eine schöne Zeit. Jeden Morgen und Nachmittag hatten wir Unterricht. Die restliche Zeit mussten wir lernen oder haben die Stadt etwas erkundet oder etwas mit unseren Gastfamilien unternommen.

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Mein täglicher Weg zum Sprachkurs

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Plaza

Nach dem Sprachkurs ging es dann für Lisa nach Potosi zu ihrem Projekt und für Peter nach Tarija. Unsere Gruppe wurde also wieder erheblich kleiner. Katharina, die Mitfreiwillige bei der Fundacion Treveris, und ich hatten dann die Möglichkeit unsere Zimmer in der Fundacion zu beziehen. Dies mussten wir Samstags machen, da an diesem Sonntag jeglicher motorisierte Straßenverkehr untersagt war.

Tag ohne Autos:
In Deutschland unmöglich, hier einmal bzw. dieses Jahr zweimal möglich. Einen Tag an dem kein Auto oder Bus oder ähnliches landesweit fahren darf. Mir gefällt dieser Tag ungemein, aber ich kann mir vorstellen, dass dieser Tag in Deutschland nicht möglich wäre. Hier wird es einfach gemacht und es war ein schöner ruhiger Tag. Viele Kinder spielten Ball auf den Straßen, oder fuhren Fahrrad. Einfach ein entspannter ruhiger Tag.

Reise aufs Land:
Am Montagmorgen um 5 Uhr holte unser Chef Ader Katharina und mich ab. Wir fuhren drei Tage ins Umland, um uns verschiedene Internate der Fundacion anzuschauen. Die erste Fahrt ging nach Pampa Huasi, ein kleines „Bergdorf“ inmitten vom Nichts. Die Fahrt dorthin war abenteuerlich und ich fragte mich schon da, wie auf dieser Straße jemals ein Bus fahren sollte.
Die Begrüßung im Internat für junge Frauen war toll. Die Mädchen hatten Blumenkränze gebastelt und uns Armbänder gemacht. Und das obligatorische Konfetti durfte natürlich auch nicht fehlen. So einen herzlichen und tollen Empfang habe ich glaube ich bisher noch nie erlebt!

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Wir aßen erst einmal etwas und alle sollten sich vorstellen. Da die Mädchen hier sehr schüchtern waren und sagten, ihr spanisch (sie sprechen meistens Quechua) wäre nicht sehr gut, redeten sie alle sehr sehr leise. Diese schüchterne Art war für mich ganz ungewohnt. Aber diese legten die Mädchen bald ab. Nach dem Mittagessen wollten sie mit uns tanzen, so wie es in Bolivien üblich ist. Weiterhin hatten wir alle viel Spaß daran, Katharina und mir die typische Cholitta Kleidung anzuziehen und unsere Haare nach Cholitta Art zu flechten. Das Eis war gebrochen!
Es war wirklich sehr schön hier. Und als wäre es an Geschenken noch nicht genug, bekamen wir jeder noch ein selbstgenähtes Deutschland-T-Shirt und einen Korb mit selbstgebackenem Gebäck mit auf den Weg. Diese Gastfreundschaft hat mich wirklich überwältigt!

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Mädchen und Lehrerinnen des Internats sowie Katharina und ich in Cholitta Kleidung

Von Pampa Huasi ging unser Weg dann nach Azurduy. Unterwegs kamen wir in ein richtiges Unwetter mit Hagel. Dank unseres guten Fahrers ist uns auf der Bergstraße nichts passiert. Ich möchte aber ehrlich gesagt nicht wissen, wie diese Situation in einem Bus, der ja auch zweimal pro Woche hier entlang fährt, ausgesehen hätte.
In Azurduy angekommen wurde uns erst einmal mitgeteilt, dass diese Woche keine Schule sei, da es sich um die Woche des Sports handele. Sportgruppen aus der Region trafen sich in Azurduy um Wettkämpfe zu bestreiten.
Am nächsten Tag konnten wir uns so leider nicht sehr viel von Katharinas Projekt in Azurduy anschauen, da durch die Woche des Sports alles geschlossen war.
Wir fuhren dann mit Ader, der aus Azurduy stammt, zu einem wunderschönen Wasserfall.

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Von Azurduy fuhren wir nach Villa Serano, wo eine Versammlung der Fundacion stattfand. Den nächsten Morgen ging es dann weiter nach Redencion Pampa. Hier ist ebenfalls ein Internat für junge Frauen, wo diese nähen, kochen und weben erlernen können. Die Mädchen gehen tagsüber in die Schule im Dorf und haben abends Kochunterricht im Internat. Andere Frauen die im Ort leben erhalten nachmittags Nähunterricht. Hier nähen sie die typische Cholitta Kleidung, eine sehr sehr aufwendige und detailreiche Arbeit.

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Straße in Redencion Pampa mit Blick auf das Rathaus

 

Da die Menschen im Dorf mit der Politik des Bürgermeisters nicht ganz einverstanden waren, haben Sie kurzerhand das Rathaus zugemauert.

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Eine Schweinefamilie läuft über die Straße

So, das war mein erster Rundbrief. Ich freue mich über Rückmeldungen oder Fragen. Bis spätestens zum nächsten Rundbrief.

Natascha

Zum Schluss möchte ich anmerken, dass es sich in meinem Rundbrief lediglich um meine persönlichen Eindrücke handelt!