Bolivien, 2. Rundbrief von Natascha Kirchhöfer

Hallo liebe Leser,

 

hier ist er endlich, mein 2. Rundbrief. Seit dem letzten Rundbrief ist einiges passiert. Ich werde heute meine Arbeit und sonstige Dinge meines Lebens hier vorstellen. Leider habe ich mein Handy mit meinen Notizen und mit einigen Bildern verloren. Ich hoffe aber, dass ihr trotzdem einen Eindruck gewinnen könnt.

 

Meine Arbeit:

Ich arbeite in einem Internat für Studentinnen in Sucre deren Familien auf dem Land leben. Die Mädchen können im Internat wohnen und essen. Es leben zurzeit 66 Mädchen im Internat. Sie wohnen meist zu zweit oder maximal zu viert in einem Zimmer. Duschen und Toiletten sind auf den Stockwerken vorhanden. Weiterhin können sich die Mädchen morgens in der Küche ihr Frühstück zubereiten. Mittags und abends bekommen sie gekocht. Für das Wohnen und Essen müssen sie bezahlen. Ab dem Jahr 2015 sind es ca. 18 € für die Verpflegung und 10 € für die Miete pro Monat. Das Internat wird von Schwester Juana (Hermana) geleitet. Eine weitere Schwester, Hermana Sara wohnt ebenfalls im Internat, arbeitet aber hauptsächlich als Psychologin in einer Schule. Meine Aufgaben sind täglich unterschiedlich. Ich unterstütze zum größten Teil die Hermana bei ihren Aufgaben. Ich mache die Abrechnungen des Internats, ich kaufe ein, koche für ein paar Mädchen eine spezielle Diätkost oder koche mit den Mädchen gemeinsam etwas. Teilweise biete ich Englisch und Deutschunterricht an, spiele mit den Mädchen Basketball oder unterstütze die Mädchen bei Dingen ihres Studiums. Die Aufgaben variieren täglich.

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Pizza machen

 

 

 

Deutschunterricht
Deutschunterricht

Was sonst noch so passiert ist:

Taufe:

Im November nahm mich eine bolivianische Freundin mit zur einer Taufe. Ich konnte mir zuerst nicht vorstellen wie das hier ablaufen soll. Der erste große Unterschied war bereits, dass wir abends zur Feier eingeladen waren. Die Feier fand in einem großen Saal statt. Alle Menschen waren sehr elegant gekleidet und es hingen überall Luftballons und Schleifen. Die Taufeltern und der Täufling saßen auf einem Art Podest an einem besonderen Tisch, vielleicht ähnlich wie es bei uns bei einer Hochzeit teilweise üblich ist. Auf allen Tischen standen eine Flasche Cola, Wasser und Whisky. 🙂 Die Einladung war für 19 Uhr ausgesprochen, wir waren um 20:30 Uhr da, und waren mit bei den ersten Gästen. Um 22 Uhr war der Saal dann gefüllt und es wurde Essen gebracht. Es waren gewiss 100 Leute im Saal. Danach wurde fleißig getanzt und gefeiert.

Allerheiligen (Todos santos):

Todos santos, ein sehr wichtiger Tag hier in Bolivien. Man ehrt die Menschen die in dem Jahr verstorben sind und besucht dessen Familie. Wir waren insgesamt auf vier „Feiern“ eingeladen. Es wird ein Altar für den Verstorbenen errichtet. Hier befinden sich alle Dinge die der Verstorbene gern gemocht hat. Das kann etwas zu Essen sein, oder auch etwas zu trinken oder Zigaretten. Alles ist möglich. Auch hier gibt es wieder eine typische Speise die wir an diesem Tag viermal hätten essen können. Man sitzt zusammen, unterhält sich, bei manchen Feiern wird getanzt, es wird etwas getrunken und einfach an den Verstorbenen gedacht. Mir hat diese Tradition unheimlich gut gefallen.

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Altar

 

 

Mein Geburtstag:

Schon wieder ein Jahr älter.  Dieses haben wir ausgiebig gefeiert. Sehr gefreut habe ich mich über die tolle Torte die ich bekommen habe. Wie es in Bolivien üblich ist, wird einem diese ins Gesicht gedrückt und man muss ein Stück abbeißen.

 

Die Torte
Die Torte
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Nach dem Biss

 

 

Die Familien:

In Bolivien ist es üblich, dass die Kinder bis sie verheiratet sind bei ihren Eltern leben. So ist es nicht unüblich, dass jemand mit über 30 noch bei seinen Eltern in einem Zimmer lebt.

Das Essen:

Ja das Essen spielt in Bolivien eine sehr große Rolle. In einer typischen Familie geht zum Beispiel die Mutter nicht arbeiten und fängt morgens um 9 Uhr an zu kochen. Mittags kommen dann alle von ihren Arbeitsstellen zusammen um zu essen. Als ich einmal in meiner Gastfamilie Spaghetti Bolognese gekocht habe, waren alle ganz begeistert wie schnell das doch geht. Hier kocht man immer so 2-3 Stunden für ein Gericht. Auch variiert man nicht großartig bei der Zubereitung. Es gibt ganz viele typische Gerichte, die es auch immer in der gleichen Zusammensetzung gibt. Es wird keine Beilage oder so ausgetauscht. So kenne ich es zumindest. In meiner Gastfamilie ist es zum Beispiel so, dass meine Gastmutter auch arbeitet. Hier kocht ihre Mutter. Jeden Mittag wird das Essen in das Haus meiner Gastfamilie gebracht. Es gibt auch immer zwei Teller, zuerst ein Teller Suppe und dann ein Teller mit dem Hauptgericht.

Das Essen auf dem Land oder in den Internaten beinhalten immer nur sehr wenig Fleisch, da Fleisch auch hier teuer ist.

Abschlussfeier:

Im Dezember war ich auf einer Feier in einem Internat auf dem Land eingeladen. Die Frauen hatten ihre Kochausbildung bzw. Nähausbildung beendet. Es waren viele aus dem Dorf eingeladen. Es wurden feierlich die Urkunden vergeben und wir bekamen noch reichlich Geschenke. Einen Korb mit Selbstgebackenem sowie ein Korb mit Obst aus der Region. Danach gab es für alle Gäste Mittagessen. Eine Frau des Dorfes, die auch die Kochausbildung im Internat absolviert hat, hat uns nach der Abschlussfeier eingeladen. Wir sind der Einladung natürlich gefolgt und zu Fuß zu ihrem Haus gegangen wo uns dann nochmals ein komplettes Mittagessen erwartete. 🙂 Wie erwähnt, das Essen spielt in Bolivien eine sehr große Rolle!

Weihnachten:

Am 20.12.14 war der letzte Arbeitstag für mich und auch für alle Mitarbeiter meiner Organisation. Hierzu wurde eine kleine Messe veranstaltet. Im Hof des Bürogebäudes, wo ansonsten die Autos stehen, wurden Stühle aufgebaut und der Bischof hielt eine Messe für alle Mitarbeiter der Fundacion. Am 24.12.14 war ich bei meiner Gastfamilie zum Abendessen eingeladen. Es gab das für das Bundesland Chuquisaca typische Weihnachtsessen, Picana. Rind- und Hühnchenfleisch, Kartoffeln und einen Maiskolben in einer pikanten Soße. Die Geschenke werden in Bolivien erst am 25.12.14 ausgepackt. Auch ist hier der 26.12.14 wieder ein normaler Arbeitstag.

Nach Weihnachten war eine Mitfreiwillige aus Sucre zu Besuch. Sie war mit einem Bischof des Hochlands unterwegs. Wir wollten uns eigentlich nur spontan mit ihr treffen. Daraus wurde eine Einladung des Bischofs zu Picana, Whisky und Bier. Die Gastfreundschaft in Bolivien ist einfach überwältigend. Man kann zu jeder Feier einfach noch Freunde mitbringen, und sie sind immer herzlich willkommen.

 

So, ich hoffe ihr konntet ein paar Eindrücke gewinnen. Es handelt sich natürlich bei allem nur um meine persönlichen Eindrücke! Ich freue mich immer über Rückmeldungen, Fragen oder ähnliches.

Natascha