Rumänien: 2. Rundbrief von Johanna Knebel

Lieber Solidaritätskreis,
Liebe Familie und Freunde,
Liebe Leser/Innen,

nach langer Zeit lasse ich auch endlich mal wieder etwas von mir hören. Viele Erlebnisse und Eindrücke schwirren in meinem Kopf herum und darum fällt es mir diesmal gar nicht so leicht, etwas zu Papier zu bringen. Hier also mein kleiner Bericht über die Vorweihnachtszeit, Weihnachten und den Beginn des neuen Jahres:

Önkéntes- Gála – Freiwilligen- Gala
Ende November wurden alle Freiwilligen (also nicht nur die Deutschen), als Dank für ihr ehrenamtliches Engagement im letzten Jahr, zu einer Gala nach Csíkszereda eingeladen. Zu Beginn gab es eine kleine Zeremonie mit Gesang, Theateraufführung und Verleihung einer Urkunde und Ausgabe eines kleinen Präsentes an die Freiwilligen. Es waren nicht nur die Freiwilligen aus Csíkszereda gekommen, sonder auch aus Székelyudvárhely (Odorheiu Secuiesc), Marosvasárhely (Tirgu Mures) und Brassó (Brasov), sodass ich wieder Gelegenheit hatte auf Tamara und Ann- Sofie zu treffen, meine SoFiA- Mitfreiwilligen. Danach gab es ein leckeres Abendessen im „Salvator“ und die After- Show Party konnte beginnen :). Es war ein gelungener und schöner Abend.

Talentsuche
Im November gab es einen Talentwettbewerb für die Behinderten aus der Stadt und Umgebung, mit Jury und Preisverleihung und allem drum und dran. Daran nahmen von uns teil: Anna mit einer Tanzchoreographie, Tibi mit seinen Zeichnungen, das Glockenspielensemble und unsere Theatertruppe. Den ganzen Nachmittag bestaunten wir vielfältge und unterhaltsame Tänze, Gesänge und Theatervorführungen in Gruppen- und Einzeldarbietungen. Am Ende haben alle Teilnehmer eine Urkunde bekommen und in jeder Kategorie wurden die Plätze 1-3 belohnt. Ich glaube, dass fast jeder etwas bekommen hat, weil einfach alle Darbietungen besonders waren. Mir hat dieser Tag besonders gut gefallen, weil alle zeigen konnten, was in ihnen steckt. Und vieles hat mich überrascht und deswegen noch mehr gefreut :).

das Glockenspielensemble
Das Glockenspielensemble

Disznó vágás – ein Schwein schlachten
Anfang Dezember wurden Betty und ich von unserem Freund Istvan zur disznó vágás eingeladen, das heißt zur Schlachtung eines Schweins. Hier in Rumänien ist es Tradition in den Wintermonaten, meistens noch vor Weihnachten, ein Schwein zu schlachten.
Nach einer einstündigen Autofahrt in Istvans Heimatdorf nahe Udvárhely, wurden wir zunächst mit Palinka, hausgebranntem Pflaumenschnaps, begrüßt. An dieser Stelle sollte ich wohl erwähnen, dass es 8Uhr morgens war und es nicht der letzte Schnaps des Tages blieb. Zu gegebenem Anlass kam die ganze Familie zusammen und zuerst gab es ein kleines, gemeinsames Frühstück. Dann wurde das Schwein geschlachtet. Während die Männer das Schwein zerlegten, halfen Betty und ich den Frauen in der Küche bei der Zubereitung des Mittagessens. Es gab Polenta, Kartoffelpüree, hausgemachte eingelegte Gurken und Paprika und frischen Gulasch. Den ganzen Nachmittag wurde dann Blut-, Leber- und eine Art Mettwurst (Kolbász) gekocht. Am Abend wurde dann von der frischen Wurst gekostet. Als Vorspeise gab es außerdem noch traditionelle Kohlsuppe mit hausgebackenem Brot.
Am Ende des Tages hatte ich dann das Gefühl, ich müsse platzen. Das Essen war einfach zu lecker ;).
Dieser  Tag hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie viel besser hausgemachte Speisen schmecken, aber auch wie viel Arbeit dahinter steckt. Besonders schön fand ich auch, dass die ganze Familie zusammenkam und dass gemeinsam in der großen Runde gegessen wurde.
Die Familie hat, als überwiegende Selbstversorger, wie auf dem Dorf üblich, nicht nur ein Schwein, sondern auch noch ein zweites, ein Pferd, zwei Kühe und Hühner.

Adventszeit im St. Àgoston
Schon vor dem 1. Advent begannen wir fleißig zu malen, basteln und stricken, denn am 3. Dezember fand der „Karácsony Vásár“ (Weihnachtsbasar) statt, an welchem verschiedene Behinderteneinrichtungen ihre handgefertigten Produkte verkauften. Auch wir waren dort natürlich mit einem Stand vertreten.
Ebenfalls in diesem Zeitraum traf die Lieferung der Schuhkartons der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ aus Deutschland bei uns in der Stadt ein. Jeder der Jugendlichen erhielt an unserer kleinen Weihnachtsfeier einen davon.
Aber zunächst stand die Nikolausfeier ins Haus. Wir wichtelten, das heißt jeder hat ein Los mit einem Namen gezogen und machte demjenigen dann eine kleine Freude. Es sind wirklich sehr liebevolle Nikolaustüten enstanden und auch ich habe mitgewichtelt :). Zu unserer kleinen Nikolausfeier wurden dann auch noch die Nikolauslieder gesungen und Süßigkeiten vernascht.

beim Auspacken der Schuhkartons
Beim Auspacken der Schuhkartons

Es dauerte nicht lange und die Weihnachtsfeier stand an. Wir schmückten gemeinsam unseren Weihnachtsbaum, hörten Weihnachsmusik und es gab kleine Leckereien und Limo. Norbert laß allen die Weihnachtsgeschichte vor und anschließend gab es eine kleine Bescherung mit den Schuhkartons. Die Jugendlichen hatten große Freude diese auszupacken.
Die Vorweihnachtszeit im Zentrum war sehr gelungen, denn immer hörten wir Weihnachtsmusik und wir nahmen an vielen verschiedenen Veranstaltungen teil.

 


Weihnachten in der Ukraine

Ja, und dann war auch schon irgendwie der letzte Tag im Zentrum, die Ferien standen vor der Tür und somit auch Weihnachten. Das hieß für mich Koffer packen, denn gemeinsam mit Tamara und Magdalena hatte ich mich dazu entschieden Weihnachten und Silvester bei unseren Ukraine- Freiwilligen Daniel und Theresa zu verbringen.
Doch bis wir unser Ziel Ivano- Frankivsk im Westen (!) der Ukraine erreichten, dauerte es einige Zeit. Wenn man in Rumänien reisen möchte, sollte man sich immer viel Zeit nehmen ;). Für mich ging es am 19.12. los. Ich fuhr mit dem Bus zu Tamara nach Tirgu Mures. Von dort fuhren wir am nächsten Tag acht Stunden weiter  nach Suceava. Nachdem wir dort übernachteten, ging unser Transfer über die Grenze schon am nächsten Tag weiter. Wir passierten die Grenze problemlos und landeten am 22.12. in Chernivtsi. Dort wurden wir dann von Daniel und dessen Bruder empfangen. Es war ein sehr freudiges Wiedersehen nach einer doch recht langen Zeit.
In Chernivtsi blieben wir auch über Nacht, da unser Zug nach Ivano- Frankivsk erst am nächsten Tag

die Universität von Chernivtsi
die Universität von Chernivtsi

fuhr. Das bot uns die Glegenheit die Stadt ein wenig zu erkunden: Neben der schönen Altstadt besuchten wir auch die Universität von Chernivtsi, die zum UNESCO- Weltkulturerbe zählt. Am 23.12. kamen wir dann schließlich in Ivano- Frankivsk an und fingen an unser Weihnachtsfest vorzubereiten. Gemeinsam mit den ukrainischen Freunden von Daniel und Theresa planten wir eine Weihnachtsfeier mit „typisch deutschem“ Essen. Da man in der Ukraine Weihnachten erst am 6. Januar feiert, erschienen diese zahlreich. Am 26.12 machten wir uns dann auf nach Lviv, denn es war Zeit Daniels Bruder zu verabschieden und Ann-Sophie in Empfang zu nehmen. Man sagt von Lviv, einigen vielleicht unter dem deutschen Namen Lemberg bekannt, es sei die schönste Stadt der Ukraine. Das könnte schon stimmen, denn die Altstadt ist wirklich wunderschön und lädt zum Schlendern ein. Wir nutzten unsere Zeit, um die traditionelle ukrainische Küche kennen zulernen und besuchten auch das Schokoladenmuseum. Nach einem tollen Wochenende in Lviv fuhren wir am 29.12 wieder zurück nach Ivano- Frankivsk. Und schon war es an der Zeit die Vorbereitungen für die Silvesterfeier zu treffen. Wir feierten wieder gemeinsam mit den Ukrainern und hatten einen sehr bunten und lustigen Start in das neue Jahr. Am 02.02. hieß es auch schon wieder Koffer packen und Abschied nehmen und wir traten unsere Rückreise, die nicht kürzer war als unsere Hinreise, an.

Von den Weihnachtstagen in Rumänien habe ich zwar nicht viel mitbekommen, aber die Vorweihnachtszeit unterscheidet sich nicht so sehr von Deutschland. Es gibt Adventskränze, Plätzchen, Weihnachtsmusik, Weihnachtsbäume, Weihnachtsbasare usw. So wurde die ganze Stadt mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückt und gab abends mit der Schneekulisse ein verträumtes Bild ab. Vor unserem kleinen Einkaufscenter wurde ein großer, bunt geschmückter Weihnachtsbaum aufgestellt und drumherum gesellten sich noch etwa 8 Verkaufsbuden. Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit passierte ich immer unseren kleinen Weihnachtsmarkt :).

Im neuen Jahr ….
… habe ich einmal -29 Grad zu spüren bekommen, was verdammt kalt war. Ansonsten haben die Temperaturen im Winter immer so zwischen -10 und -20 Grad gelegen, woran man sich wirklich gewöhnt.
… sind alle wohlbehalten aus den Ferien in unser Tageszentrum zurückgekehrt.
… haben meine Kolleginnen und ich erfahren, dass wir dieses Jahr vom rumänischen Staat keine Subventionen erhalten. Das macht unsere Arbeit nicht unbedingt leichter …
… habe ich mich mit meiner Freundin Lisa in Brassó getroffen. Wir haben gemeinsam etwas die schöne Alstadt erkundet und sind anschließend mit dem Sessellift auf den Berg hinaufgefahren, Von dort hat man einen beeindruckenden Ausblick über die ganze Stadt. Zu unserem Glück hatten wir auch noch das schönste Winterwetter erwischt. Und hier ein Eindruck:

 

Blick über Brassó
Blick über Brassó

Damit verabschiede ich mich auch von Euch.
Ich hoffe, Ihr konntet neue Einblicke in mein Leben hier erhalten und hattet Spaß beim Lesen.
Über Fragen und Rückmeldungen freue ich mich sehr.
Bis bald
Eure Johanna