Bolivien: 4. Rundbrief Katharina Brabender

Liebe Familie, Freunde und Bekannte,

dieses Mal hat es jetzt wirklich etwas gedauert, bis ihr wieder Post von mir bekommt.

Und doch ist hier wieder relativ viel passiert.

 

El Día National para las Personas con Discapacidad

Den nationalen Tag für Menschen mit Behinderung las personashaben wir natürlich ausgiebig gefeiert. Aber erst noch einmal ein paar Infos. Seit 4 Jahren gibt es erst das Gesetz, dass die Menschen mit Behinderung dieselben Rechte haben wie alle anderen. Sie haben ein Recht auf Gesundheit, Familie, Bildung, eine Identität… Der Staat unternimmt hier sogar mehr für die Behinderten als ich erwartet hätte. So war in meiner ersten Woche hier zum Beispiel eine Aktion, wo die Menschen kommen konnten um einen Behindertenausweis zu erhalten um dann Geld und kostenlose Medikamente zu erhalten. Ansonsten zahlt der Staat einem Behinderten und einem Verwandten die Fahrt nach Sucre, wo die Person mit Behinderungincvitacion sich dann identifizieren lassen muss. Der Staat scheint also eher bemüht, dass diese Menschen registriert werden, um diesen zu helfen.

Zu diesem besonderen Tag waren nicht nur unsere Menschen mit Behinderung aus dem Projekt eingeladen, es wurden extra Einladungen z.B. für den Pfarrer, die Schule, das Krankenhaus… gebastelt.

Wir haben den besagten Tag dann alle zusammen mit einem Gottesdienst auf der Straße vor unserem Projekt angefangen. Dieses Mal hat die Polizei die Straße sogar professionell dafür abgesperrt. Es war total schön, unter freiem la misaHimmel mit vielen bekannten Gesichtern einen Gottesdienst zu feiern. Anschließend gab es dann ein Theaterstück von einer Gruppe, die von der Fundación engagiert worden ist. In dem Theaterstück, welches zusätzlich noch in 4 Klassen vorgeführt wurde, ging es um das Thema Alkohol und Gewalt in der Familie. Anschließend haben die Schauspieler sich vorgestellt und das Angebot gemacht, auch hier ein Projekt durchzuführen.

Nach diesem Theaterstück sind wir dann mit den Menschen mit Behinderung gemeinsam essen gegangen, was immer auch in gewisser Art und Weise ein Highlight für sie ist. Nach einer

Mittagspause haben wir uns dann alle wieder zusammen an der Plaza für eine „Marcha“ getroffen. Dies ist zu vergleichen mit einer Demonstration. Unterstützt wurden wir dabei dann auch noch vom kompletten Kindergarten und, ab der Hälfte, von einer Musikgruppe der Schule. kinderDa wir im Voraus auch Plakate gebastelt hatten, waren wir alle gut ausgerüstet. Das Megafon wurde noch aufgepäppelt (auch wenn es uns immer wieder im Stich gelassen hat) und dann ging es los.

Wir sind alle zusammen langsam durch halb Azurduy gelaufen. Währenddessen haben wir dann „Sprechgesänge“ gemacht. Das ging dann ungefähr so „Viva el derecho a la Educacion“ „Que viva!“, “Viva las Personas con Discapacidad” “Que viva”, “No a la Discriminacion” “NO!”…. Also insgesamt wurden immer wieder ihre Rechte aufgerufen und die Diskrimination und Ausschließung verneint.

Nach einer weiteren Pause wurden dann abends erneut mitten auf der Straße Filme gezeigt. Es war einmal der Film von Andrés, in dem es um den Umgang mit Behinderten geht und einmal ein Argentinischer Film „Mundo Alas“, indem ein bekannter Musiker im Land Menschen mit Behinderung aufsucht und dann mit ihnen auf Tournee geht. Die Filme waren wieder einmal sehr beeindruckend und da dieses Mal ziemlich viele Leute zugeschaut haben, hatten wir einen riesigen Erfolg. Mittlerweile wurden wir sogar privat schon mehrmals darauf angesprochen.

Vorbereitungen Villa Serrano

Da bald ein großes Event in Villa Serrano ansteht, zu dem die Leute aus mehreren Projekten der Fundación anreisen, haben wir momentan alle Hände voll zu tun. Schließlich muss viel organisiert werden und wir müssen unsere Beiträge dazu ausarbeiten. Außerdem stellt jeder Ort eine Miss, tanzt den ortstypischen Tanz (den ich jetzt auch noch lernen muss) und ein weiteren kulturellen Beitrag.

Zu diesem Beitrag ist Marco, einer der Personen vom Theater vom Dia de las Personas con Discapacidad, ein paar Tage dageblieben um seinen folgenden Theaterunterricht zu organisieren.

Marco ist jetzt schon eine Woche in Azurduy gewesen und wird bald noch einmal für eine Woche kommen. Bis jetzt haben wir vor allem Theatertechniken gelernt, was auch unglaublichen Spaß gemacht hat. Das richtige Theaterstück wird dann nächste Woche ausgearbeitet.

Was besonders an dem Theaterstück sein wird, ist, dass es inklusiv ist. Schließlich nehmen auch ein paar Leute aus unserem Projekt daran teil. So sind Schüler aus dem Internat bzw. dem Colegio und Jugendliche aus Azurduy mit den Menschen mit Behinderung vereint.

1. Heilige Kommunion

Ich wollte unbedingt miterleben, wie hier die erste Heilige Kommunion so abläuft und habe es auch mit bolivianischer Pünktlichkeit geschafft. Ich bin total entspannt losgelaufen und habe kurz vor der Kirche noch Marco und Jose getroffen und ein Schwätzchen gehalten, bevor wir in die Kirche gegangen sind. Kurz vor dem Plausch habe ich den Pfarrer mit den Kommunionkindern, die hier im Gegensatz zu uns nicht gleichalt sind (ca. zw. 9 & 15 Jahren), vom Pfarrhaus aus einziehen sehen.

primera comunion

Was ich auch irgendwie besonders merkenswert fand, war die Deko in der Kirche. Die Bänke wurden auf einer Seite mit einem weißen Band und Schleifchen geschmückt. Beim genauer hinsehen, konnte man dann erkennen, dass es sich um Klopapier mit Satin-Schleifen handelte.

Außerdem hieß es in der Predigt, dass die Personen, die zur ersten heiligen Kommunion gehen, jetzt quasi einen Vertrag mit Gott haben, der besagt, dass sie mindestens einmal in der Woche in die Kirche gehen und min. einmal am Tag beten sollen. Den Rest habe ich leider noch nicht ganz verstanden.

Ganz anders war dann der wirkliche Akt der ersten Heiligen Kommunion. Die Kommunionkinder haben sich einfach in einer Schlange aufgestellt und erhielten die Kommunion parallel zu der Gemeinde. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Akt gar nicht so besonders war, sondern der Kerzenakt irgendwie mehr Bedeutung hatte (die Kinder hielten die Kerzen hoch und es wurde gebetet und gepredigt und irgendwie war auf diese Aktion mehr Aufmerksamkeit gerichtet). Auch wenn die Messe dieses Mal sehr lange war, war es an sich interessant das Ganze einfach mal wo ganz anders zu erleben.

Besuch von Personen mit Behinderung auf dem Land

Morgens gehen Jose und ich ja oft Menschen aus unserem Projekt auf dem Land besuchen. kaktusDas ist immer ganz schön interessant. bergeEinmal ist es interessant den Weg zu sehen, den sie hinter sich legen müssen, um ins Dorf zu gelangen. Außerdem ist es total spannend zu sehen, wie sie so leben, wie ihre Familie so ist…

Was beim letzten Mal besonders beeindruckend war, burrowar, in welch kurzer Zeit man so viele Beschaffenheiten der Erde erleben kann. Wir hatten in einer Stunde Fußmarsch von Sand, bis Fels, bis roter, brauner bis aufgerissene Erde alles dabei. Besonders die steinigen Phasen haben mich an unsere Bergtouren und der Sand an Wangerooge erinnert.

Zusätzlich ist es total seltsam, dass man einfach unterwegs  fast nie jemandem begegnet. Auf dem Rückweg hatten wir dann sogar das Glück jemanden zu treffen und dann beim Eselumlenken zu helfen. Eine sehr lustige Aktion.

Geburtstag

Da es in Bolivien normal ist, dass man seinen Geburtstag vorfeiert und ich an einem Dienstag Geburtstag hatte, haben wir am Samstag vorher ganz klein etwas vorgefeiert. Mittags wollten wir uns etwas ganz Besonders kochen. Da im Internat aber zu dem Zeitpunkt kein Wasser war, sind wir zu der einen Profe (Lehrerin) gegangen, die uns dann netterweise auch noch vorzüglich bekocht hat.geburtstagsessen Es gab sogar zum Überbrücken des Wartens eine Zwischenmahlzeit aus dem großen Mais mit Ei und pikante. Als Hauptgericht gab es dann Pollo in Senfsoße mit Reis, Kartoffeln und Salat. Wirklich vorzüglich.

Danach sind wir ins Projekt gegangen um uns dort erst einmal gemütlich ein paar Filme anzugucken. Doch irgendwann hat es geklopft und uns wurde gesagt, dass wir bitte in die Casa comunal kommen sollen, da uns irgendwer Geld für das Projekt geben möchte.

Als Jose sich daraufhin schnell schick anziehen gegangen ist, habe ich mich ganz schön gewundert, aber an der Casa angekommen waren einfach alle Männer in Anzügen und Frauen in Rock oder Hose mit Blazer. So und ich, die in Azurduy noch keine schicken Klamotten besessen hat und gar nichts davon wusste, bin dann schön in Turnschuhen, T-Shirt (zum Glück zufälligerweise immerhin schwarz) und Strickjacke dahin gekommen. Jose musste irgendwie an den Haupttisch vorne und dann ging die Feier auch los. Ich habe währenddessen dann auch verstanden, was es überhaupt für eine Feier war. Es haben irgendwie so zw. 30 und 40 Lehrer aus Azurduy Diplome bekommen. Dazu wurden dann anfangs Reden gehalten (Jose musste also auch ganz spontan mal eben eine Rede halten) und die ganzen Diplome verteilt. Als danach dann Flaschen wie Sektflaschen aufgemacht wurden, war meine Freude irgendwie unglaublich. Es war einfach verrückt so etwas, was bei uns immer dazu gehört endlich mal wieder zu sehen. Der Anblick einer solchen Flasche hat in dem Moment einfach ganz viele Erinnerungen an  Deutschland hervorgerufen. Im Enddefekt war es irgendwie eine Mischung aus Apfelwein und Sekt. Danach wurde dann erneut lecker gegessen und nach einer kurzen Pause dann auch dort wieder gefeiert. Es wurden viele traditionelle Tänze getanzt, die ich zwar auch mal versucht habe, allerdings sieht das bei einem Deutschen einfach nicht gut aus. Aber gut, wir hatten alle unseren Spaß, die Bolivianer, weil ich einfach mitgemacht und mich zum Affen gemacht habe und ich, weil ich die Musik einfach unglaublich schön finde.

So, jetzt aber mal zu meinem richtigen Geburtstag.

Dieser Geburtstag war zwar echt anders als sonst aber trotzdem wunderschön!

Wegen der Zeitverschiebung hatte ich das Gefühl einfach einmal 5 Stunden länger Geburtstag zu haben. Schließlich sind am Abend vorher schon die ersten Meldungen aus Deutschland angekommen, was echt ganz schön seltsam aber unglaublich schön war. Am Morgen wurde ich dann mit weiteren Nachrichten und einem Anruf von zu Hause aus geweckt.

Nachdem ich erst einmal ganz normal gearbeitet habe, passierte den Tag über immer mehr. So kam kurz vor dem Mittagessen spontan Besuch von der Fundación vorbei. Und es haben dann noch zwei weitere Menschen (Herlan und Eloi) den Tag mit mir verbracht, was echt schön war. Wir haben uns dann einmal eine längere Mittagspause gegönnt und haben noch einen Refresco zu uns genommen. Nach der Arbeit wurde dann für abends etwas vorbereitet und eingekauft.

Danach haben wir uns dann alle in der Parroquia zum Feiern und Essen getroffen. So habe ich meinen Geburtstag mit der Internatsleitung, deren Tochter, dem Pfarrer, Marco, Jose und dem Besuch aus der Fundación verbracht. Verrückt, dass ich eigentlich nur mit Kollegen gefeiert habe, es aber total freundschaftlich und wunderschön war. Wir haben gut gegessen und dann wurde Musik gemacht. Da jeder irgendetwas performen oder eine Rede halten sollte, wurde der Abend ganz schön spannend und abwechslungsreich. So gab es zwischen Liedern (von mir ein Deutsches) auch noch einen Monolog von unsrem Theaterlehrer. Echt richtig lustig. Schließlich wissen die Bolivianer echt zu feiern und Spaß zu haben und aktiv zu sein.

Während dem Abend gab es einen ganz seltsamen Moment. Es wurde gerade Gitarre gespielt und gesungen als plötzlich alle verstummten und gebannt auf den Fernseher geguckt haben. Es war so, dass gerade in den Nachrichten kam, dass Evo (der Präsident) beim Papst war. Also waren alle für 30 Sekunden absolut still. Danach wurde genau so plötzlich einfach wieder mitten im Lied weitergemacht. Irgendwie ein verrückter aber spannender Moment.

Vizepräsident

Kurz nach meinem Geburtstag habe ich mich mal wieder morgens gewundert, wie viele Menschen vor Ort waren. Hier ist es immer wieder der Fall, dass Azurduy über Nacht mehr als verdreifacht wird! vizeEcht ein unglaubliches Phänomen. Neben der Kirche wurde dann morgens schon die Bühne aufgebaut und rund um die Plaza konnte man vor lauter Leuten kaum etwas sehen. Die Stadt war einfach voller Leute vom Campo. Im Projekt angekommen wurde mir dann erklärt, der Vizepräsident würde heute eingeflogen (!). Das erklärte dann auch das spätere hohe Polizei-, Militär- oder Security Aufkommen. Als wir dann noch kurz morgens essen waren, waren im Restaurant auch lauter wichtige Personen mit Begleitung….

Ach und die Schüler hatten an dem Tag auch so gut wie gar keinen Unterricht, ich vermute fast, dass das damit irgendwie zusammenhing.

Auf jeden Fall sind wir nach dem Mittagessen dann einfach mal ein bisschen zuschauen gegangen, da am Anfang auch alle Leute aus dem Projekt an dem Event teilnehmen wollten. Der Vizepräsident wurde von allen wichtigen Leuten aus Azurduy und Umgebung begrüßt und beschenkt. Es wurden massig Reden gehalten, weshalb wir dann doch wieder ins Projekt gegangen sind. Geplant war wohl auf jeden Fall auch, dass er quasi jetzt nach der Wahl all seine Pläne präsentiert.

Hier noch einmal im Rückblick: Anfang Oktober wurde neu gewählt, was für mich doch auch wirklich interessant war. In den großen Städten wurde dafür erneut der komplette Verkehr lahmgelegt. Bei mir in Azurduy war eigentlich alles wie sonst, nur sind tausende Leute zum Wahllokal gelaufen. Es war schon echt seltsam, dass dann ausgerechnet an dem Abend mal wieder der Strom ausgefallen ist und wir die ersten Hochrechnungen über das Handy in der Küche gehört haben. Azurduy hat wohl mit über 90% Evo gewählt hat. Hier gibt es eine Wahlpflicht (es haben wohl dieses Mal auch Leute gewählt, die schon seit über 2 Jahren tot sind) und eine Opposition. Allerdings ist diese schwach und zerstückelt. Es gibt hier halt irgendwie immer nur einen Kandidaten, der in ganz wenigen Departementos stark ist und insgesamt gab es mit Evo 5 Kandidaten. Von daher war die Wahl eigentlich vorher schon total eindeutig und klar, dass Evo gewinnt. Jetzt nach der Wahl, bei der er nur in einem Bundesstaat nicht gewonnen hat, versucht er gerade dort die Bürgermeister und Politiker durch seine Leute zu ersetzten.

Todos santos

Todos Santos, Allerheiligen, ist hier ein riesiges Event. Als ein paar Tage vorher die Profe meinte, sie könne nicht arbeiten, da sie backen müsse, war ich total verwundert. Hier ist es halt auch einfach mal möglich, dass man wegen einer Feier ein paar Tage vorher nicht arbeiten kann. Total faszinierend. Aber auch die Fahrt nach Sucre war anders als sonst. Ich bin sogar mit Marco und Jose zusammen gefahren, weshalb ich mich auf die Fahrt schon besonders gefreut habe. Als wir dann in den Bus (dieses Mal gab es von Azurduy sogar zwei von derselben Gesellschaft, so ein hohes Reiseaufkommen herrschte) eingestiegen sind, haben wir lauter bekannte Gesichter gesehen. Hinter uns saß die Internatschefin mit Tochter, vor uns jeweils ein Lehrer und davor die Kindergärtnerin. Da es ja dann während der Fahrt immer relativ schnell dunkel wird, habe ich keine Ahnung, wer sonst noch mitgefahren ist, auf jeden Fall kannte man unglaublich viele Menschen und bekannte Gesichter.todos santos profe

An Allerheiligen wird in den Familien, in denen im vergangenen Jahr jemand gestorben ist eine riesige Feier gemacht. Es wird ein großer Altar aufgebaut und die komplette Familie (auch so weit entfernte Familienmitglieder, dass man nicht immer jeden kennt), die Wegbegleiter der verstorbenen Personen und Freunde eingeladen. Die Feier findet eigentlich immer den ganzen Tag über statt, da viele Leute von Feier zu Feier tingeln. In den Häusern gibt es dann immer einen riesen Stuhlkreis, auf dem sich all die Menschen niederlassen. Es wird auf die Toten getrunken und es gibt das jeweils für die Region oder den Ort typische Gericht. In Sucre ist das Mondongo (Schwein in pikanter Soße mit riesen Mais in gelber Soße). Außerdem wird eigentlich immer Chicha (Maisgebräu) getrunken, die echt immer anders und unterschiedlich lecker ist (mittlerweile habe ich mich fast schon dran gewöhnt).

Am Sonntag von Allerheiligen, an dem Haupttag hier, sind wir (Natascha und ich) erst einmal mit bolivianischer Gelassen- und Unpünktlichkeit mal eben 2 Stunden zu spät zur Profe gegangen. Wir hatten uns schon gedacht, dass man zu solch einer Einladung nicht schon um 9 Uhr morgens da sein muss. todos santos franzDort angekommen waren wir erst einmal total überwältigt von dem wunderschönen Altar.

Zu dem Altar ist zu sagen, dass jeder wirklich echt anders aussieht und doch irgendetwas Besonderes hat. Auf dem Altar wird ganz oben das Bild der verstorbenen Person aufgestellt. Daneben befinden sich dann in der Regel rechts und links eine Treppe aus Gebäck. Dies soll symbolisieren, dass der Tote auf die Erde runter kommt um mitzufeiern und dann doch wieder hoch in den Himmel geht. Irgendwie interessant. Außerdem gibt es noch tausende andere symbolreiche Gebäcke, die ich allerdings noch nicht alle kenne. Zusätzlich werden dann alle Sachen, die die Person gerne gegessen, getrunken oder gemacht hat drapiert. So kann es sein, dass Zigaretten, neben Coca-Blättern, einer Melone, Trauben, Ananas und so weiter stehen. Ich finde das irgendwie einen unglaublich schönen Brauch.

Ach und noch ein Brauch, der vor allem auf dem Land vollzogen wird, ist, dass die engste Familie, die hier normalerweise 1 Jahr lang schwarze Kleidung tragen muss, wenn der Tod schon länger her ist, irgendwann, ich glaube gegen Abend in ein anderes Zimmer verschwindet und die Kleidung gegen bewusst Bunte tauscht um dann weiter zu feiern. Auf dem Rückweg von einer Feier haben wir am Straßenrand ein Feuer gesehen. Zu diesem wurde uns erklärt, dass dort gerade die schwarze Kleidung verbrannt wird.

Und man muss sich die Feiern nicht wirklich traurig vorstellen. Klar, gibt es auch eher ruhigere Momente, vor allem, wenn Verwandte vor dem Altar beten, aber an sich wird eher bewusst fröhlich miteinander gefeiert.

todos santos omaOkay, wieder zurück zu unserer Allerheiligentour. Wie gesagt, sind wir bei der Familie der Internatsleitung gestartet, haben auf den verstorbenen Verwandten getrunken und wurden dann bespeist. Da wir allerdings noch weitere Einladungen hatten, sind wir nach der Suppe und vor dem Mondongo gegangen. Weiter ging es dann zu meiner Gastfamilie. Der Altar der Oma sah ganz anders und wunderschön aus. Hier war es besonders schön, dass man mehrere Leute kannte und mit ihnen sprechen konnte. Meine Gastmama hat sich z.B. sehr viel Mühe gegeben uns zu unterhalten und uns den ganzen Brauch etwas näher zu bringen, worüber ich froh und dankbar bin. Hier haben wir dann das erste Mondongo zu uns genommen (da die Familie mich, Natascha und unsre Essgewohnheiten kannte, haben wir extra eine kleine Portion bekommen 😉 ). Da wir, als wir gehen wollten, eine Kiste mit Gebäck bekommen haben, die zusätzlich mit einem Bild der Oma und einem wunderschönen Text versehen war, sind wir dann vor der nächsten Einladung kurz nach Hause gelaufen. Bei der Familie einer bolivianischen Freundin angekommen war es wieder ganz  anders. Dieses Mal waren die Stühle alle im riesigen Hof (wenn in den Häusern kein Platz mehr ist, weil zu viele Leute da sind, wird in der Regel draußen oder auf der Straße angebaut), wo wir eine Freundin aus Paraguay getroffen haben.

Nachdem wir dort erneut ein Mondongo, Chicha und andere Getränke zu uns genommen haben, sind wir mit dem erneuten Präsent wieder nach Hause gelaufen, um dann zum Freund von Marco zu fahren, dessen Vater gestorben ist. Da es mittlerweile schon Abend und das Ganze eher außerhalb war, waren wir anfangs überrascht, wie ländlich bolivianisch es auf uns wirkte.

Wir hatten Glück und konnten klar machen, dass wir leider kein 3. Mondongo nach der Suppe mehr essen können und wurden nur zum Trinken eingeladen. Mit Marcos Freunden war es richtig gemütlich und lustig. Der Altar hier war erneut ganz anders und sogar mit Porzelanmasken verziert. Echt krass, welcher Aufwand betrieben wird, um die Verstorbenen zu ehren (die Familie arbeitet die ganze Woche vorher daraufhin, kocht, backt, dekoriert…).

Nach der vierten Allerheiligenfeier waren wir dann auch etwas k.o. und sind noch gemütlich in die Stadt zum Ausruhen gegangen. Insgesamt muss ich sagen, dass ich diesen Brauch unglaublich schätze und es schade finde, dass wir unsere Toten nicht wirklich ehren und feiern. Die Bolivianer haben uns oft total nett und interessiert gefragt, wie wir denn unsere Toten ehren und ich musste leider sagen, dass wir dies kaum tun, was für sie auch unglaublich unverständlich und traurig war. Hier wird der Tote richtig gefeiert. Ich habe den Tag auf jeden Fall genossen, wir haben richtig viel Kultur erlebt und ich wünschte in Deutschland würden wir etwas besser mit dem Tod umgehen, schließlich ist das hier ein ganz normales Thema, über das offen und locker geredet werden kann. So kann es auch schon mal sein, dass man an einem ganz gemütlichen Abend gefragt wird, wie man selbst beerdigt werden will oder seine Eltern es sich vorstellen. Hier wird über das Thema viel mehr geredet und nachgedacht. Es scheint, als hätten hier selbst die ganzen jungen Menschen eine ganz genaue Vorstellung, wie sie sterben und beerdigt werden wollen.

Naja ich glaube, man könnte sich hier einfach mal eine Scheibe abschneiden.

 

Mensch, jetzt ende ich irgendwie mit so einem doch sehr berührenden Thema… Aber da ich dieses Wochenende hier in Sucre meinen Geburtstag feiern werde und das Event in Villa Serrano ansteht, habe ich schon wieder ein paar Sachen, über die ich bald berichten werde.

Euch also alles, alles Gute, ich hoffe, ihr könnt all das, was um mich herum vor sich geht, irgendwie verstehen. Falls ihr Fragen habt, hakt einfach nach.

Mir geht’s auf jeden Fall weiterhin richtig gut und ich genieße die spannende Zeit, hier wird es wirklich nie langweilig.

Ganz liebe Grüße aus Sucre

Eure Katharina