Uganda: 3. Rundbrief von Kathrin Ringeisen

Liebe Leser,

Zu Anfang des neuen Jahres gab es für mich auch wieder viele neue Dinge zu sehen und zu erleben. Ich habe für zwei Wochen in einem anderen Projekt mitgearbeitet, bin nach Ruanda gereist, habe den Schulbeginn miterlebt und eine neue AG begonnen.

Amecet

Im Januar waren noch immer Schulferien und auch Truus würde erst im Februar zurückkommen. Deshalb gab es für mich nur einen Arbeitstag pro Woche: Freitags  in Ococia, wo die Epilepsiepatienten ihre Medikamente abholen und ich Statistik führe.
Für zwei Wochen bin ich also von Montag bis Donnerstag nach Soroti zu Amecet gefahren. Amecet ist eine Art Kurzzeitkinder- und Säuglingsheim. Babys aus Familien mit Problemen können dort bis zu drei Monate lang aufgenommen und versorgt werden. Außerdem leben dort HIV-positive Kinder und Kinder, die von der Polizei gebracht wurden.
Amecet arbeitet mit „Youth With A Mission“ zusammen und wird von einer anderen Niederländerin geleitet. Dort sind immer auch ein paar niederländische Freiwillige beschäftigt.
Mir hat es bei Amecet sehr gut gefallen und genug zu tun gab es mit ungefähr 14 Babys und fünf Kleinkindern auch: Wickeln, füttern, spielen, aufräumen…

Ruanda und Zwischenseminar

Die zweite Hälfte des Januars habe ich in in Ruanda beziehungsweise mit der Reise dorthin verbracht. 24 Stunden waren Theresa und ich mit dem Bus vom Nordosten Ugandas in den Nordwesten Ruandas unterwegs; von dort dann noch einmal sechs Stunden in den Süden Ruandas, in den Wallfahrtsort Kibeho. Dort haben wir mit Freiwilligen von verschiedenen Organisationen unser Zwischenseminar abgehalten, welches für mich zu einem guten Zeitpunkt kam.

Viereinhalb Tage lang konnte man acht Freiwillige, wo sie gingen und standen, pausenlos beim Reden beobachten, vom Frühstück am Morgen bis weit nach dem Abendessen am Abend. Einen halben Tag nutzten wir dazu, eine Genozid-Gedenkstätte aufzusuchen, die in der Nähe lag. Bewaffnet mit neuen Ideen und neuem Material wurden wir schließlich wieder auf unsere Projekte losgelassen. Davor hatte ich noch Zeit, Eva, Nora und Alwine, die Ruanda-Freiwilligen von SoFiA, kurz zu besuchen und so noch mehr Projekte kennenzulernen und mehr von diesem schönen Land zu sehen.

Ruanda war für mich nochmal eine Erinnerung daran, dass Afrika nicht Afrika ist: Es ist ein vollkommen anderes Land als Uganda. Die Kultur war so fremd für mich wie zu Anfang die ugandische: Während ich mittlerweile daran gewöhnt war, dass sich in Uganda (oder zumindest in Teso, meinem Teil von Uganda, in den anderen Teilen Ugandas habe ich ja noch nicht gelebt) viel draußen abspielt, auf den Straßen und Bürgersteigen der Städte Snacks und allerlei Waren von Taschenlampen über Radios bis hin zu Taschentüchern feilgeboten werden, spielte sich in Ruanda plötzlich alles drinnen ab.
Wenn man etwas kaufen wollte, musste man zwangsläufig einen Laden betreten und auf der Straße gegessen wurde auch nicht. Wenn man etwas eingekauft hatte, wurde es sorgfältig in braune Papiertüten verpackt, nicht etwa in die schwarzen Plastiktüten, die mir in Uganda an jeder Ecke (leider auch im Straßengraben, wo sie definitiv nicht hingehören) begegnen.

Dadurch, dass es in Ruanda nur die lokale Sprache Kinyarwanda, in Uganda aber mehr als dreißig gibt, sprechen die Leute im Allgemeinen auch viel weniger Französisch bzw. Englisch, als wir es aus dem Teso-Gebiet in Uganda gewohnt sind. So lernten wir auch ein paar Worte Kinyarwanda und übten uns des weiteren in der Verständigung mit Händen und Füßen, sei es durch Gesten oder dadurch, sich vor dem Einkaufen von einer der Sprache mächtigen Person auf die Hand schreiben zu lassen, was man kaufen möchte.
Mit all diesen und noch viel mehr Eindrücken sowie dem Seminar bereichert, traten wir die zwei volle Tage dauernde Heimreise an und freuten uns auf unsere Projekte, die wir pünktlich zum Schulbeginn wieder erreichten.

Schulbeginn

Das neue Schuljahr (das hier auch wirklich im neuen Jahr beginnt) fing im Internat natürlich damit an, dass die Schüler zurück kamen. Dieser Prozess nahm mehr als zwei Wochen in Anspruch, da zuerst die älteren Schüler wieder ankamen und erst in der darauffolgenden Woche die neuen Senior 1- Schüler. Der Unterricht lief zwar, vorausgesetzt, dass auch die Lehrer schon da waren, vom ersten Tag an wieder, die Schülerinnen und Schüler sammelten sich aber erst im Laufe der Woche an. Manche kamen mit dem Fahrrad, manche mit dem Motorrad, manche mit dem Auto, jede und jeder mit einer abschließbaren Blechbox, einem Eimer zum Waschen und einer eigenen Matratze. Eine solche Box kann bei einem Schüler des Abschlussjahrgangs auch einmal ganz mit Büchern und Heften gefüllt sein.
Dann hat derjenige aber noch eine weitere Tasche, wo die anderen wichtigen Sachen drin sind: Die Schulkleidung, bestehend aus offizieller Uniform und „Freizeitkleidung“, Hygieneartikel, ein Moskitonetz, Bettzeug, Essgeschirr, Zucker, ein Reisigbesen und, nicht zuletzt, all die Leckereien mit denen das eintönige Schulessen so gut es geht aufgepeppt wird. Das können Erdnusspaste, Sesampaste, geröstete und gesalzene Sojabohnen und getrocknete Süßkartoffelchips sein- dann noch ein paar Zitronen und schon gibt es statt Wasser Limonade zum Mittagessen dazu. Bei der Ankunft in der Schule kontrolliert die Matron die Boxen, denn alles, was ich außer den Leckereien aufgezählt habe, muss jede/r dabei haben.

Verboten sind hingegen Medikamente ohne Rezept, Kondome und Handys. Einige Wochen nach Schulbeginn wurde bei einer Schülerin doch ein Handy gefunden, das infolgedessen eine destruktive Begegnung mit dem stellvertretenden Schulleiter und einem Wackerstein hatte.

Eine vorbildlich gepackte Schulbox
Eine vorbildlich gepackte Schulbox

AGs in der Schule

Theater-Aufführung haben wir in diesem Trimester nur eine einzige zustande gebracht. Eigentlich ist der Term nämlich dem Fußball gewidmet. An den Wochenenden werden alle Kinder vom Schulgelände auf den Fußballplatz gescheucht, was nicht viel Zeit und Motivation für Theater übrig ließ. Gemeinsam mit dem Seminaristen Brother Peter haben wir aber eine kurze Komödie über Alkoholmissbrauch vorbereitet, die bei der Schulversammlung aufgeführt wurde und für viel Gelächter sorgte.
Als Ersatz für meine ausfallende Theaterzeit durfte ich aber in der Senior 2, deren Stundenplan noch nicht ganz ausgefüllt war, Debattierstunden einrichten.
Die schon vorher entstandene Idee des Debattierclubs hatte ich auf dem Zwischenseminar ausgearbeitet, nun kam der Praxistest.
Zu meinem großen Glück ist ein Mädchen mit Debattiererfahrung in der Klasse, denn ich merkte schnell, dass es gar nicht so einfach ist, sich vor 60 Jugendlichen verständlich zu machen und sie zu motivieren. Mit ihrer Hilfe klappte es dann aber in der zweiten Doppelstunde schon einigermaßen.

Während ich zu Anfang das Gefühl hatte, dass die Schüler herzlich wenig davon begeistert sind, ihre Stunden für Debatten herzugeben, sind sie mittlerweile gut bei der Sache und scheinen Spaß daran gefunden zu haben. Mein größtes Problem ist nun die Lautstärke auf ein erträgliches Maß zu
reduzieren und die Disziplin aufrecht zu halten, denn besonders viel Spaß macht es den Zuschauern, ihre eigene Gruppe lautstark anzufeuern oder die gegnerische Seite abzukanzeln.

 Im Konvent

Ich fühle mich in Ococia noch immer sehr wohl, auch weil ich mich sehr gut mit den Mädchen aus dem Konvent verstehe. Sie freuen sich, wenn ich ihnen beim Kochen helfe oder es zumindest versuche: Während ich jetzt weiß, wie man Matoke schält und Atapa rührt, endete der Versuch, Kassava zu schälen und zu schneiden mit einem blutigen Messer.

Adongo...
Adongo…

 

 

 

...und ich beim Atapa kochen
…und ich beim Atapa kochen

Umgekehrt freuen sie sich auch immer, wenn ich mich an den Gasherd stelle und ihnen ein wenig ausländische Küche zeige.
Manchmal nehmen sie mich auch mit in den Garten, um Kassava zu ernten. An der Führung der Hacke muss ich aber noch arbeiten. Ich finde es sehr schön, dass wir so viel aus unseren eigenen Gärten und aus der Region essen.

Am Wochenende sitzen wir manchmal den ganzen Nachmittag lang zusammen im Wohnzimmer oder vor dem Haus, um Erdnüsse zu schälen und zu rösten. Wenn dann jemand in die Stadt fährt, nimmt er sie mit zu einer der vielen kleinen Mühlen, wo die Nüsse dann zu Mus verarbeitet werden. Wir verbrauchen das Erdnussmus eimerweise, zum kochen von Grünzeug, Pilzen, Auberginen, zum Frühstück auf Brot oder Kassava.

Auch hier schlüpfen die Küken zur Osterzeit!
Auch hier schlüpfen die Küken zur Osterzeit!

 

Herzliche Grüße,
Kathrin Ringeisen