Bolivien: 6. Rundbrief Katharina Brabender

Liebe Familie, Freunde und Bekannte,

ja dieses Mal hat es dann wirklich mal etwas länger gedauert…. Auch dieses Mal ist unglaublich viel passiert. Schaut einfach selbst 😉

 

Reise Villa Serrano – Padilla – Sopachuy – Mojocoya

Anfang Dezember ging es sehr spontan auf Projektreise. Ich wusste erst einen halben Tag vorher Bescheid und habe schnell all meine losen Pläne über den Haufen geschmissen und noch ein paar letzte Sachen erledigt. Ich hatte selbst auf der Reise eigentlich fast nie eine Ahnung, was auf mich zukommt, wann ich wohin reisen und was ich wo machen würde. Aber ganz ehrlich ist das auch echt spannend. Man setzt sich einfach in ein Auto und lässt sich überraschen, was als nächstes kommt.

Am Mittwoch sind wir erst einmal nach Villa Serrano gefahren.  Dort habe  ich dann auch erfahren, was wir überhaupt machen sollten. Wir sollten Menschen mit Behinderung auf dem Campo, (absolutes Land, wo der Fußmarsch zur nächsten „Stadt“ wie Azurduy 2 Tage beträgt) besuchen um Bilder von ihnen und ihren Umständen zu machen, um dann wiederrum einen Bericht darüber zu verfassen. serranoDa Olga, die das Projekt in Villa Serrano leitet schon ein paar Bilder von Leuten hatten, haben wir direkt an unserem ersten Tag mit ein paar Berichten angefangen und den nächsten Tag geplant. So haben wir bis halb 11 abends gearbeitet, obwohl wir am nächsten Morgen um 5 wieder losgefahren wollten. Als dann der Wecker um 4 Uhr ging, waren wir noch ganz schön müde und k.o., aber was soll‘s. Wir sind dann zu dritt auf dem Motorrad losgefahren. Jose als Fahrer, Olga in der Mitte und ich hinten auf einer Decke auf dem Gepäckträger, auch mal eine Erfahrung wert. Auf jeden Fall sind wir in den Sonnenaufgang gefahren, was in den Bergen wirklich wunder wunderschön ist… Echt unglaublich. Die Fahrt nach Lampacillas, was theoretisch 40 min. entfernt von Serrano liegt, für die wir aber mit dem Moto 2 Stunden gebraucht haben, war wunderschön. Man hat auf dem Weg einfach mal wieder alles Mögliche an Natur gesehen. EselVon Schotterpisten, bis trockener brauner oder roten Erde, von kahlen Felswänden bis hin zu grünen bewaldeten Bergen alles dabei. Faszinierend finde ich jedes Mal, wenn man eine Zeit lang auf dem Weg ist, dass man unterwegs kaum jemandem begegnet und man einfach oft soweit das Auge reicht kein einziges Haus sieht. In Lampacillas morgens um 7 angekommen, haben wir erst einmal mit einem Onkel von Olga geredet, der gerade seine Esel frisiert hat.

Naja auf jeden Fall sind wir dann zu unserer ersten Person gegangen.  Also ich werde jetzt nicht zu sehr beschreiben, weil das einfach nicht möglich ist das Ganze möglichst objektiv zu schildern. Aber insgesamt war es total interessant und beeindruckend die Lebenssituation von den Menschen, die  auf dem Campo leben zu sehen. So haben wir William, einen kleinen Jungen mit Downsyndrom, kennen gelernt, der z.B. komplett ohne fließend Wasser lebt und seine Mutter mehrere Stunden laufen muss, um Wasser zu holen. In Mendoza, wo wir dann auch wiederrum 2 Stunden hingefahren sind, Aussichtwar es dann auch wieder beeindruckend. Insgesamt ist es echt traurig, dass die Menschen, die weit auf dem Campo leben nicht besser betreut werden können.

Mittags wieder in Villa Serrano angekommen, haben wir nach einer kurzen Pause wieder bis spät abends an den Berichten gearbeitet.

Auf jeden Fall kam an dem Abend eine andere Deutsche Freiwillige vorbei, die ich bei meinem anderen Wochenende in Villa Serrano getroffen habe. Wir haben dann auch das erst mal so richtig geredet und uns über die Politik, unsere Projekte, Erfahrungen und Situationen unterhalten, was echt interessant und schön war.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Sopachuy. Dort angekommen habe ich erst einmal erfahren, dass der Pfarrer diesen Oktober an einer Begegnungsreise nach Deutschland teilgenommen hat und sogar Vallendar samt dem Kaiser-Friedrich-Turm kannte, was mich unglaublich glücklich gemacht hat. Dort im Projekt haben dann Jose, eine andere Mitarbeiterin und ich das komplette Inventar wie Geräte, Bleistifte, Medikamente… gezählt und festgehalten. Nachdem wir das dann auch gegen Abend geschafft hatten, sind wir weiter nach Mojocoya in das Projekt gefahren. Auf dem Weg haben wir in einem anderen Ort noch Jaime eingesammelt, der das Projekt dort leitet. Bisschen später hatten wir dann eine Panne. panneWie es dazu kam weiß ich noch nicht einmal, weil ich s einfach verschlafen habe, so müde war ich. Auf jeden Fall hatten wir in der Nacht mitten im  Nirgendwo einfach mal nen Platten. Als dann sogar das Warndreieck aufgebaut wurde habe ich mich echt gewundert. Da Jaime sich zum Glück mit Autos und Motos auskennt, wurde dann zwischenzeitlich mit zwei Männern unterm Auto der Reifen gewechselt. Auf jeden Fall sind wir dann nach diesem kurzen Stopp noch etwas weitergefahren und um 2 morgens endlich angekommen. Am nächsten Morgen sind dann Alejandro und ich wieder nach Hause gefahren

Weihnachtsfeiern

Kurz nach dem Lisa, Freiwillige aus Potosi, die kurz in Azurduy zu besuch war, wieder gefahren ist, sind auch Jose und ich anlässlich unsrer Weihnachtsfeier der Fundación nach Sucre gefahren. Was besonders an der Feier war, war, dass David Ohlig, ein ehemaliger Freiwilliger (Bruder von Eva, die gerade in Ruanda ist) mit dabei war. So hatten wir alle einen sehr schönen Abend mit bolivianischem Essen und Gesprächen über die Fundación, unsere Projekte und seine Erfahrungen.

Da aber für das Wochenende auch die Weihnachtsfeier von unserem Projekt in Azurduy anstand, sind wir danach auch schon wieder mal nach Azurduy gefahren (die Fahrten dauern wegen der Regenzeit mittlerweile etwas länger, also 10-11 Stunden). weihnachtsdekoNachts um halb 3 in Azurduy angekommen hab ich erst gedacht, ich sei falsch. Denn schließlich war die komplette Plaza beleuchtet. Einmal drum herum in lila, orange und blau Schneeflocken die fallen und in der Mitte dasselbe dann mit allen Farben gemixt (für mich eine unglaubliche Kombination). Aber der Höhepunkt waren dann doch die blinkenden Tiere (ich konnte nicht alle erkennen, aber auf jeden Fall gab es ein Kamel, einen Esel und Ochsen). Nachdem ich ja erst so geschockt und abgeschreckt war, habe ich mich in den nächsten Tagen dran gewöhnt. Als ich einmal abends aus dem Projekt drauf geguckt habe, fand ich es sogar irgendwie beruhigend – unglaublich aber wahr.

Naja und dann hieß es dann erst mal Grundreinigung unsres Projektes und Inventar Aufstockung (vor allem Medikamente). Am Wochenende wurde dann noch schnell die Oma von Maria besucht, damit wir ihr eine Injektion verabreichen konnten und dann kam auch schon der erste Besuch.teigAlejandro (Chef der Behindertenprojekte) kam mit seiner kompletten Familie um uns bei den Vorbereitungen zu helfen und Material zu bringen. So haben wir uns dann um 9 mit den Menschen mit Behinderung und z.T. ihren Müttern versammelt um zusammen den Teig für Buñuelos vorzubereiten und diese dann ab dem Mittag zu frittieren. frittierenDann kurz vor Schluss wurde noch schnell Kakao gekocht ( Milchpulver mit Kakaopulver gemixt) und dann ging es auch schon los. Die Technik war aufgebaut, die Musik schon an und die Plaza durch unsre Autos abgesperrt.  Leider hat uns dann allerdings die Stromversorgung nen Strich durch die Rechnung gemacht, denn schließlich gabs in ganz Azurduy keinen Strom mehr. Also wurde improvisiert, die Autos näher ran gefahren und darüber die Musik angemacht. Begonnen wurde natürlich mit vielen Reden, denn schließlich war auch der Chef der Fundación mit seiner Familie angereist.  TanzZu unserer Feier waren auch viele Leute vom Land da, ob zufällig oder nicht, auf jeden Fall spannend. Dann wurde schnell erklärt, dass es für alle Kakao und Buñuelos geben wird und es wurden selbstverständlich zwei ordentliche Reihen gebildet. Eine mit Kindern und eine mit Erwachsenen.   Danach wurde zusammen für das Jesuskind (el nino Jesus) getanzt. Ach und übrigens haben Altar Azurduywir vorher einen Altar aufgebaut für das Jesuskind, ich muss sagen, für meinen Geschmack eindeutig zu kitschig, aber da gewöhnt man sich langsam dran. Nachdem es dann für die Kinder noch Süßigkeiten gab wurde auch schnell alles reingeräumt, bevor es dunkel wurde. Abends im  Dunklen haben wir dann mit unsren Kollegen schöne Gespräche über Fantasmas (Geister…) und Bräuche geredet. Wir haben insgesamt mit 6 Leuten im Projekt geschlafen, auch mal eine Erfahrung. Nach einer kurzen und kalten Nacht, sind wir dann alle um 6 Uhr schon wieder aufgestanden um das ganze Material wieder einzupacken. Nachdem alles wieder verstaut wurde, sind dann Alejandro mit Familie und Jaime wieder nach Sucre gefahren. Jose und ich sind noch einen Tag geblieben um aufzuräumen und am nächsten Tag mit Fabio (einem Menschen mit Behinderung) mit nach Sucre zunehmen, wo er seinen Behindertenbonus abholen wollte.

 

Weihnachten/ Weihnachtsvorbereitungen

Ja, dieses Jahr habe ich einfach noch gar keine Weihnachtsstimmung. Aktuell ist es gerade einen Abend vor Weihnachten und ich realisiere es noch überhaupt nicht. Und doch ist es so total entspannend. Gestern wollte ich eig. nach Geschenken suchen, hab‘s allerdings nicht mehr geschafft. Stattdessen haben wir dann schön Bratapfelmarmelade gekocht, was sogar ohne Gelierzucker geglückt ist. Auf jeden Fall habe ich mir noch nie so wenig Stress um Geschenke gemacht. Unser Motto war dabei „Wenn ich bis zum 24. Oder an dem Tag Geschenke finde, ist super, aber wenn nicht, gibt’s halt keine“. Naja auf jeden Fall sind wir dann abends nochmal spontan in die Stadt gelaufen und haben dabei alle Sachen die wir mal gesucht hatten spontan und unabsichtlich gefunden, unter anderem auch meine Geschenke.

Und dann war es auch schon so weit. Der 24., der Tag, vor dem ich echt Respekt hatte, war da. Ich wurde schon zum Mittagessen bei meiner Gastfamilie eingeladen und so hab ich mich dann auch schon vormittags auf den Weg gemacht. Dort angekommen gab es dann erst mal Mittagessen. Danach wurde etwas entspannt, die letzten Geschenke besorgt… Anschließend haben wir dann Buñuelos gemacht, das sind frittierte Teigringe, die typisch für Weihnachten sind. Man macht dieses Gebäck, weil wohl oft Kinder oder Arme vorbeikommen um für das Jesuskind zu tanzen und als Belohnung gibt man diesen Leuten dann eben diese mit.

In meiner Familie gab es dann zum Abendessen nicht das sonst typische Weihnachtsessen Weihnachtsessen (Maiskolben mit Kartoffel und Fleisch), sondern quasi Cordon-Bleu mit Hühnchen, Maiskolben und Spaghetti. Was wirklich rührend war, waren die Toast, die vor dem Essen ausgesprochen wurden. Alle haben sich hingestellt und sich beieinander bedankt und gesagt, el nino jesuswie wichtig die anderem ihm sind. Ich muss sagen, in dem Moment war ich echt kurz vorm Weinen. Nach dem leckeren Essen – zu dem es übrigens Moselwein gab! (irgendwann einmal von einer Freiwilligen mitgebracht) – wurde noch für das Jesuskind getanzt… Auch wenn es echt ungewöhnlich ist, macht es einen heiden Spaß und ist ein richtig schöner Brauch!

 

Vielen Dank, dass so viele so lieb an mich gedacht haben, hab mich über jede Nachricht wie ein kleines Kind gefreut!

 

Taufe, Besuch, Silvester

Und kaum war Weihnachten vorbei hat sich auch monzeschon früher als erwartet unser Besuch für Silvester angekündigt und zwar für den Tag der Taufe von unsrer Kleinen (Enkelin meiner Gastmutter)…. Früh am Morgen den Besuch empfangen, habe ich mich also direkt wieder auf den Weg gemacht und war typisch deutsch, richtig pünktlich erst einmal eine Zeit alleine in der Kirche, was ich auch echt genossen hab. In der Zeit habe ich mir bei Gitarrenmusik erst einmal die Krippe angesehen und siehe da, es gab auch hier drei Jesuskinder (keine Sorge, habe mittlerweile auch Krippen mit nur einem gesehen) und dazu noch jede Menge blink blink. krippeNaja und die Taufe an sich war mal wieder echt interessant. Mit unsrer kleinen Sofia Monserrat wurde auch noch ein ca. 4 jähriger Junge getauft und als um viertel nach 9 (Anfang der Messe theoretisch 9) noch ein Brautpaar in blau reinkam war ich erst mal irritiert und musste doch innerlich lächeln. Aber eig. war der Gottesdienst ganz normal. Danach gab es dann kurz den Segen für das Brautpaar und wir sind mit den Kindern zum Taufbecken gegangen. padrinosWas besonders schön an unsrer Taufe war, war, dass die Gastschwester, die in Deutschland lebt und ihr Freund die Paten geworden sind. Naja auf jeden Fall bin ich dann nach der Taufe relativ schnell wieder zu meinem frisch angekommenen Besuch gegangen. Wir haben uns erst einmal wieder bisschen Sucre angeguckt… und am nächsten Tag haben wir dann ne Nachricht von Kati aus La Paz bekommen, dass sie gerade mit ihrem Bischof in Sucre ist um Weihnachten zu feiern und wir doch kommen sollten. Also sind wir mal wieder spontan zu irgendeiner Feier gegangen, wurden köstlich bekocht und mit Getränken versorgt. Also haben wir dort etwas mitgefeiert bevor wir uns sogar wirklich das erste mal zu einem Frisör getraut haben. Es hat sich echt gelohnt. silvesterDa es dann ja auch echt ganz schnell auf Silvester zuging haben wir dann mit paar Freunden was ausgemacht und dann war es auch schon so weit. Wir haben bei Simon zu Hause erst einmal Pizza gemacht (samt Dinner for one) und dann die komplette Nacht gefeiert, wobei es dann für jeden richtig hübsche Silvesterhüte gab (in der Fundacion sind die von vielen vergangen Jahren ausgestellt). Als es dann morgens hell wurde gab es etwas für uns  ganz Neues, was uns eher an Karneval erinnert hatte. Es kam plötzlich eine Kapelle in die Disco und alle sind mit dieser Kapelle fröhlich tanzend zur Plaza gelaufen, wo schon tausende Leute waren. Und ständig kam aus irgendeiner Straße eine neue Gruppe mit Musik dazu. Irgendwie total schön, dass man sich dann noch dort trifft und wie an Karneval den kompletten Verkehr aufhält und Leute vom Balkon aus zu schauen.

 

So ihr Lieben, ich hoffe ihr seid auch alle gut ins Jahr bekommen und habt das ganze etwas gefeiert. Wie ihr merkt waren selbst die Tage, vor denen ich echt Respekt hatte richtig, richtig schön und haben mich unglaublich überrascht. Ich bin wahnsinnig froh hier zu sein und kann das nur immer wieder wiederholen.

Euch alles, alles Gute eine schöne schnell nahende Karnevalszeit und ihr hört bald wieder von mir 😉

Ganz liebe Grüße

Eure Katharina