Rumänien: 3. Rundbrief von Johanna Knebel

Lieber Solidaritätskreis,
Liebe Familie und Freunde,
Liebe Leser/Innen,

endlich ist es wieder soweit: ein neuer Rundbrief!
Nachdem ich im letzten Rundbrief mit dem neuen Jahr geendet habe, möchte ich dort nun anknüpfen und von Karneval, dem Zwischenseminar und Ostern berichten. Es hat sich wieder viel Spannendes und Interessantes ereignet, an dem ich Euch gerne teilhaben lassen möchte.

Farsángi bál- Karneval
Ja, auch ich habe hier ein wenig Karneval gefeiert und mich sogar einmal verkleidet. Da die Ungarn üblicherweise der katholischen Konfession angehören, anders als die Rumänen, die orthodox sind, feiert man auch hier ein wenig Karneval. Das bedeutet, dass so genannte „Farsángi“- Bälle stattfinden, zu denen man sich verkleidet. Es gibt dort auch einen Vortrag, vergleichbar mit der deutschen Büttenrede.
Auch unser Tageszentrum organisierte eine solche Faschingsfeier. Dazu trafen wir uns an einem Freitagabend mit den Jugendlichen und ihren Eltern im großen Saal im Caritasgebäude. Jeder brachte allerhand Leckereien wie Kuchen, Kekse und Limo mit und ich steuerte natürlich „typisch deutsche“ Quarkbällchen zu unserem Büffet bei. Zur Auflockerung spielten wir gemeinsam lustige Spiele. Danach gab es eine „Büttenrede“. Meine Kollegin hatte einige amüsante Zeilen über die Jugendlichen im Zentrum verfasst, die die Eltern vortragen sollten. Anschließend musste erraten werden, welche Zeile zu welchem Jugendlichen gehört. Nun wurde endlich das Büffet eröffnet und die Tanzfläche freigegeben. Zum Abschluss gab es auch einen Kostümwettbewerb, aber natürlich wurde jeder mit einer Urkunde ausgezeichnet.
Und hier noch mein Lieblingsfoto des Abends:

Deutschland-Fan Râzvan
Deutschland-Fan Râzvan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kutyá terápiá – Hundetherapie

Therapiehund Dió
Therapiehund Dió

Seit Februar kommt zweimal in der Woche, für eine Stunde am Nachmittag, Marianna mit ihrem Therapiehund Dió zu uns ins Zentrum. Es wird gemeinsam gespielt und spazieren gegangen, geschmust und gelernt. Dió ist für uns eine große Unterstützung, da er die Motivation und Aufmerksamkeit der Behinderten erhöht. Gleichzeitig hilft er auch Ängste gegenüber neuen Dingen bzw. Tieren abzubauen und das Einfühlungsvermögen zu fördern. Unser neuer Hundefreund erfreut sich bei allen sehr großer Beliebtheit!

 

Zwischenseminar in Segesvár (Sighisoara/Schäßburg)
Die letzten zwei Februarwochen verbrachte ich gemeinsam mit 11 anderen Freiwilligen im Kolpinghaus in Segesvár, wo unser Zwischenseminar stattfand. Denn kaum zu glauben, schon war Halbzeit meines Dienstes. Neben den SoFiA – Freiwilligen aus Osteuropa, traf ich zwei Freiwillige aus Bosnien, einen Freiwilligen aus Mazedonien und eine weitere Rumänienfreiwillige.
Wir hatten nun 10 Tage Zeit uns über unseren Dienst auszutauschen und das letzte halbe Jahr zu reflektieren. Wir beschäftigten uns unter anderem mit Konfliksituationen, der Nachhaltigkeit unseres Dienstes und der Rückkehr. Ich habe den Austausch sehr genossen und davon profitiert neue Gedankenanstöße zu finden.

Blick auf Segesvár
Blick auf Segesvár

Weil unsere Köpfe oftmals doch sehr stark rauchten, während und nach den inhaltlichen Einheiten, tat es uns allen sehr gut durch unsere zwei Ausflüge einmal an die frische Luft zukommen. An einem Tag unternahmen wir eine kleine Wanderung in das Dorf Apold, wo wir eine Kirchenburg der Siebenbürger Sachsen besichtigten. Unser zweiter Ausflug führte uns nach Sibiu (Hermannstadt). Dort erfuhren wir von unserer Stadtführerin Bea noch viel weiteres, wissenswertes über die deutschsprachige Minderheit der Siebenbürger Sachsen in Rumänien. Heute stellt die Minderheit nur noch 0,2% der Bevölkerung in ganz Rumänien. Trotzdem findet man in Sibiu noch vieles auf Deutsch vor und es gibt auch eine deutsche Buchhandlung, wo man zum Beispiel die Zeitung der Siebenbürger Sachsen kaufen kann.
Wie im Flug verstrich die Zeit und so hieß es Abschied nehmen von den „Nicht-SoFiA-Freiwilligen“, denn wir SoFiA Leute verbrachten das anschließende Wochenende noch gemeinsam in Brassó. Und da wollten wir uns es auch nicht nehmen lassen, einmal so richtig Tourist zu sein: Wir besuchten das „berühmt, berüchtigte Dracula- Schloss“ in Bran. Von Dracula ist dort nicht ganz so viel zu spüren, außer dass der Ort völlig von Touristen überlaufen ist. Aber dennoch ist es ein schönes Schloss in toller Kulisse.
Nach zwei schönen, abwechslungsreichen und aufregenden Wochen, habe ich mich wieder auf mein Zuhause in Csíkszereda gefreut :).

1.März & Weltfrauentag
In Segésvár und Brassó konnte man an den Tagen rund um den 1.März an vielen Straßenecken die sogenannten „Märzchen“ kaufen. Dies sind Glückssymbole als Anhänger oder Armbändchen in den Farben rot und weiß gehalten. Die Farbe weiß steht dabei für den Winter und die Farbe rot für den Frühling. Symbolisch soll so der Winter vertrieben und der Frühling willkommen geheißen werden. Dies ist eine rumänische Tradition.
Nur wenige Tage später tauchten an allen Straßenecken Blumenverkaufsstände auf, denn am 8.März ist Weltfrauentag. Hier schenken die Männer den Frauen anlässlich zu diesem Tag Blumen. Mit den Jugendlichen aus dem Zentrum waren wir zur Feier des Tages Pizza essen. Und die Caritas Kollegen haben uns Kolleginnen auch auf eine Pizza eingeladen und jeder von uns eine Blume geschenkt :).

Husvét- Ostern
Genauso wie in Deutschland werden Eier gefärbt und es finden Ostermärkte statt. Ein Unterschied ist jedoch, dass die Eier traditionell nur rot gefärbt werden und danach mit weißen Schriftzügen und Mustern verziert werden. Diese Eier sehen super schön aus! Auch im Zentrum haben wir Eier gefärbt, jede Menge Osterkarten für die Caritas gebastelt und allerlei Frühlingsbasteleien angefertigt.
Meine freien Ostertage habe ich gemeinsam mit Tamara dazu genutzt, der Hauptstadt, Bukarest, einen Besuch abzustatten. Zunächst etwas überflutet von den vielen Eindrücken, war es auch mal wieder ganz cool, Großstadtluft zu schnuppern. Das Wetter spielte an diesem Wochenende wunderbar mit, sodass wir ausgiebig die Stadt erkunden konnten. Bukarest ist für mich eine Stadt der Gegensätze: einerseits (riesige) kommunistische Bauten, andererseits eine schöne Altstadt; einerseits moderne, weitläufige Shoppingmalls, andererseits aneinander gedrungene Wohnblöcke. Moderne, Historie und Verfall auf eine merkwürdige, faszinierende Weise miteinander vereint. (Hoffentlich ist es mir an dieser Stelle gelungen, meinen Eindruck der Stadt irgendwie anschaulich in Worte zu fassen). Dank unseres Couchsurfers haben wir die Stadt auch aus der Sicht eines Einheimischen kennenlernen können. (Mittlerweile sind wir nämlich echte Fans des Couchsurfens geworden :D.)
Da ich erst am Abend des Ostermontages wieder zu Hause ankam, habe ich eine Tradition verpasst. Hier ist es nämlich üblich, dass die Männer an Ostermontag „locsolni“(wörtl.: gießen, bespritzen, besprenkeln) gehen. Das bedeutet, sie gehen zu den Mädchen und Frauen, um sie mit Wasser und Parfüm nasszumachen. Das blieb mir also erspart ;).

Das war es jetzt erst einmal wieder von mir. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen und wie immer freue ich mich über Fragen und Rückmeldungen.
Ich möchte noch anmerken, dass meine Berichte immer subjektiv sind und auf meinen ganz persönlichen Erfahrungen und Eindrücken beruhen.

Sziastock!
Legyetek jó!
Johanna

P.S.: Seit die Temperaturen wieder gestiegen sind, ist die Winterpause im Schwimmen beendet und wir gehen wieder jede Woche ins Schwimmbad. Weil ich im Wasser mindestens genauso viel Spaß habe, wie die Jugendlichen, bin ich jeden Mittwoch dabei. Und hier ein kleiner Einblick in unsere Wassergymnastik: