Ukraine: 6. Rundbrief von Theresa Günther

Liebe Familie,
liebe Freunde,
lieber Solidaritätskreis,
liebe LeserInnen,

seit Juni herrschen hier sehr unterschiedliche Temperaturen, es war sehr heiß bis an die 30 Grad und dann auch wieder kühler unter 20 Grad. Aber im Juli und August ist es dauerhaft heiß gewesen und da war man auch mal froh über einen Sommerregen oder -gewitter. Nach dem langen Winter ist es wirklich schön einen heißen Sommer zu haben, auch wenn man bei der Arbeit manchmal ziemlich ins Schwitzen kommt. Meine Zeit hier geht dem Ende zu und schon bald werde ich wieder in Deutschland sein.

Erste-Hilfe Ausbildung
An drei Wochenenden in Mai, Juni und Juli wurden hier in Ivano-Frankivsk 25 Freiwillige in der Ersten-Hilfe zum Rettungsassistenten ausgebildet. Das Projekt war eine Zusammenarbeit vom Malteser-Hilfsdienst Polen und der Entwicklungszusammenarbeit des polnischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten. Neben der Ausbildung in Ivano-Frankivsk wurden auch in Lviv und Kiev Freiwillige der Malteser ausgebildet. Jeder vierte Teilnehmer wurde zum Leader ausgebildet und leitet in einem Einsatz die Vierer-Gruppe. Am ersten Septemberwochenende wird ein Wettbewerb zwischen Gruppen aus Polen, Deutschland und der Ukraine stattfinden.

Jede Gruppe besteht aus vier Personen, einer ist der Leader
Jede Gruppe besteht aus vier Personen, einer ist der Leader

Jugendsommerlager der Caritas Ivano-Frankivsk
Die Caritas hat mich zu ihrem Jugendsommerlager in den Karpaten als Betreuerin eingeladen. Mit ca. 60 Kindern sind wir also südlich von Ivano-Frankivsk in die Karpaten gefahren. Jeden Morgen gab es ein Sportprogramm, welches ich mit Daniel zusammen organisiert habe. Die Kinder wurden in vier Gruppen aufgeteilt und es wurde während des gesamten Ferienlagers eine Art Wettkampf veranstaltet. Es gab Staffeln im Bereich Sport und Märchen, es wurden Lieder, Gedichte und Aufführungen eingeübt und auch die Sauberkeit der Zimmer zählte zu dem Wettkampf. Es gab einen Tagesausflug nach Bukovel, das war das absolute Highlight für die Kinder und bei dieser Gelegenheit sind wir zur Grenze von den Oblasten Ivano-Frankivsk und Vorkarpaten gefahren. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf die Karpaten und den höchsten Berg der Ukraine Hoverla. Für mich war es anfangs ziemlich anstrengend alle Kinder zu verstehen, da viele Kinder von Flüchtlingsfamilien aus Donezk und Lugansk teilgenommen haben und viele davon russisch gesprochen haben. Die neun Mädchen meiner Gruppe waren wirklich alle super lieb, haben sich bemüht ukrainisch mit mir zu sprechen und waren am Ende ganz traurig, dass ich schon früher wieder fahren musste.

Besuch meiner Schwester
Mitte Juni ist dann auch noch meine älteste Schwester zu Besuch gekommen und wir haben uns Lviv und Ivano-Frankivsk angeschaut. In Ivano haben wir die Zeit genutzt und haben ein Escape Quest gemacht. Für diejenigen, die das Spiel nicht kennen, es geht darum verschiedene Hinweise zu suchen und Codes zu knacken, um innerhalb von 60 Minuten aus dem Raum zu kommen. Es gibt bei jedem Escape Quest unterschiedliche Themen, wir zum Beispiel waren jetzt in Al Capones Gefängniszelle. Ein weiteres Highlight war der langersehnte Besuch im Lviver Opernhaus. Dort haben wir uns das Stück Romeo und Julia als klassisches Ballett angeschaut. Es war wieder mal sehr schön, Zeit mit jemandem von zu Hause zu verbringen.

Sommerzeltlager in den Karpaten
Ende Juni hatten wir eine unvergessliche Woche in den Karpaten, genauer gesagt in Dora. Nachdem wir mit ein paar Leuten schon drei Tage vorher nach Dora gefahren sind, um neben der Feldküche, Zelten und Musikanlage auch Duschen und Toiletten zu installieren, sind sonntags alle 160 Teilnehmer eingetrudelt. Das Programm begann dann montags mit der Eröffnung des Zeltlagers, inklusive Hymne singen und Fahnen hissen. Es wurden die ukrainische, die der Malteser und die deutsche Fahne gehisst.
Die kreative Gruppe, zu der auch ich gehöre, hat sich drei Monate lang zur Planung des Lagers getroffen. Das Programm war sehr vielseitig, neben verschiedenen Wettbewerben und Staffeln sportlicher Aktivität wurde auch ein Kochwettbewerb veranstaltet. Lehrveranstaltungen zu den Themen Erste-Hilfe, richtiger Umgang mit Rollstuhlfahrern, Zeltaufbau und –abbau und Workshops wurden auch gegeben. Ein Tag wurde für eine große Wanderung eingeplant und wir sind zum „weißen Stein“ gewandert. Das Abendprogramm war auch sehr vielseitig, ukrainische Hochzeit, Wettbewerb „Ich liebe die Ukraine“ und verschiedene Aufführungen, die die einzelnen Maltesergruppen schon vorher vorbereitet hatten. Jeder Tag begann mit Morgensport und nach dem Frühstück fand immer ein Gottesdienst statt. Und bei der großen Messe samstags wurden zwei Freiwillige zu richtigen Maltesern, in dem sie den Eid der Malteser gesprochen haben und von da an, nach den Prinzipien der Malteser leben wollen.

Es ist wirklich schwierig, ein Programm für die große Anzahl an Teilnehmern mit unterschiedlichem Alter inklusive vier Rollstuhlfahrer zu planen. Dennoch hat alles super geklappt und wir hatten eine schöne Zeit als große Malteserfamilie zusammen.

Aufenthalt in Tschernivtzi
Mitte Juli ist Vera, eine Freiwillige aus Kiev, zu Besuch gekommen und zusammen mit ihr und Daniel bin ich endlich ein paar Tage nach Tschernivtzi gefahren. Ich war dort zwar schon zur Übernachtung auf dem Weg zum Zwischenseminar, aber die Stadt selbst konnte ich mir zu dem Zeitpunkt leider nicht angucken. Es waren ein paar sehr erholsame und schöne Tage, besonders gut hat mir der Ausflug nach Kamyanets-Podilsky gefallen. Dort gibt eine sehr alte, schöne Burg, die ich mir schon das ganze Jahr anschauen wollte.

Fahrradtour 22.07.2015
Für den Mittwoch, 22.07.2015, war eine große Fahrradtour geplant. Nachdem morgens zunächst Regen eingesetzt hatte, konnten wir verspätet bei strahlendem Sonnenschein und 36 Grad unsere Tour starten. Mit 47 Jugendlichen sind wir zu einem See gefahren, haben dort gegrillt, gebadet und den gesamten Nachmittag gemeinsam abseits vom Alltagsstress verbracht. Da allen der Tag gut gefallen hat, wird ein weiterer Ausflug dieser Art mit Übernachtung für Mitte August geplant.

Pilgerfahrt nach Krilos
Zwei Tage vor unserem Kocheinsatz bei der Pilgerfahrt nach Krilos ist meine Nachfolgerin Helena angekommen. Nachdem ich letztes Jahr sonntags zu derselben Pilgerfahrt angekommen bin, durfte sie ihre erste Malteseraktion von Anfang bis Ende miterleben. Während eine Gruppe von 20 Personen schon freitags zum Aufbau und zum Kochen nach Krilos aufgebrochen ist, sind viele Malteservolontäre zusammen mit unseren Rollstuhlfahrern samstags von Ivano-Frankivsk nach Krilos gewandert. Wir haben den Pilgern mit der Feldküche Mittag-, Abendessen und Frühstück gekocht.

Eine kleiner Teil des Kochteams hat den Pilgern auf halbem Weg das Mittagessen gebracht
Eine kleiner Teil des Kochteams hat den Pilgern auf halbem Weg das Mittagessen gebracht

Abschied und Heimkehr
Bin ich traurig? Oder freue ich mich? Ich muss sagen, von beidem ein bisschen, der Abschied hier fällt mir genauso schwer wie damals vor einem Jahr. Damals habe ich Deutschland, meine Familie und meine Freunde für ein Jahr verlassen, um ein Jahr voller Abenteuer zu erleben. Abenteuer habe ich wirklich ein paar erlebt und eine wunderschöne Zeit hatte ich auch. Ich bedanke mich dafür bei allen Ukrainern, die ich kennen lernen durfte, und ganz besonders bei den Maltesern, die meine Zeit hier unvergesslich schön gemacht haben und zu meiner zweiten Familie wurden. Ich weiß nicht, für wie lange ich mich jetzt verabschieden muss, aber eins ist klar, ich werde wiederkommen und das ist ein Versprechen!

Eure Theresa