Indien: 1. Rundbrief von Magda Raml

Cowdalli, den 17. Oktober 2015

Liebe Familie, Freunde und Interessierte, lieber Solidaritätskreis,

nun lebe ich 11 Wochen in Süd-Indien und es ist Zeit Euch meine ersten Erfahrungen mitzuteilen.

Ich kann Euch versichern, es geht mir hier sehr gut. Ich bin gesund und fühle mich in Cowdalli wohl und willkommen.

Bevor ich Euch über meine erste Zeit hier berichte möchte ich sagen: Es fiel mir sehr schwer diesen Rundbrief zu verfassen. Zu beschreiben was seit meiner Abreise alles passiert ist und wie ich mich fühle ist das eine und leicht erzählt. Jedoch sind mir die sehr guten Vorbereitungs-Seminare die ich im Vorfeld besucht habe noch gut im Gedächtnis. Je nachdem wie ich berichte, über was ich spreche und wie ich es formuliere, wird es den Leser beeinflussen. Ich möchte keinen falschen Eindruck von meinem Gastland vermitteln und damit eventuell bereits bestehende Vorurteile bestätigen. Während des Schreibens habe ich zunehmend das Gefühl bekommen noch nicht bereit zu sein einen Rundbrief mit den genannten Anforderungen zu schreiben. Nach einer so kurzen Zeit kann ich selbst vieles noch gar nicht einschätzen oder gar beurteilen. Es wäre wohl perfekt meinen Beobachtungen Hintergrundrecherchen beizufügen um Euch als Leser vor einem falschen Urteil über mein Gastland zu bewahren. Das möchte ich in den kommenden Briefen gerne versuchen; beim heutigen würde es allerdings den Rahmen sprengen, denn die ersten Eindrücke und Erfahrungen sind viele.

Meine Ankunft in Cowdalli

Nach einer halben Weltreise (ca. 7.500km Luftlinie!) stand ich am 30. Juli abends dann wirklich vor dem Pfarrhaus in Cowdalli. Ich hatte einen Flug über Nacht mit wenig Schlaf, einen einstündigen Laufschritt durch den riesigen Flughafen von Delhi, zwei weitere Flugstunden und eine 6 stündige Busfahrt von Bangalore nach Cowdalli hinter mir. Beim letzten Teil der Reise war dankenswerter Weise meine Vorgängerin Sarah an meiner Seite, die mir versicherte, dass wir zunächst alles langsam angehen lassen würden. In den ersten Tagen lernte ich nach und nach meine Umgebung und die Menschen kennen, mit denen ich jetzt den Alltag teile. Ich wohne also mit dem Pfarrer der christlichen Gemeinde in Cowdalli, Father Christopher, und seiner Haushälterin, Bernadette, zusammen. Das Pfarrhaus in dem sie wohnen steht auf dem Gelände der Kirche und der christlichen St. Anthony’s School, in der ich als Freiwillige bin. Ich wohne aber nicht im Pfarrhaus sondern gegenüber in einem Zimmer über der Schulküche, wo ich die nötige Privatsphäre finde. Father Christopher ist gleichzeitig der Schulleiter und somit mein Chef. Er spricht sehr gut Englisch, was mir am Anfang eine große Hilfe war, da ich ohne jegliche Tamil-Sprachkenntnisse hierher kam.

Ich im Sari, im Hof des Pfarrhauses
Ich im Sari, im Hof des Pfarrhauses

Pfarrfest, das erste Mal Sari

Gleich am ersten Wochenende konnte ich ein waschechtes indisches Fest miterleben. Die Kirchengemeinde feierte gleichzeitig Pfarrfest und Erstkommunion und die Eiweihung der frisch renovierten Kirche. Zu diesem wichtigen Anlass trug ich dann natürlich einen Sari. Den habe ich mir von Bernadette ausgeliehen und habe nur eine passende Bluse schneidern lassen. Die Bluse eines Saris hat T-Shirt-lange Ärmel und ist Bauchfrei. Über einem Unterrock wird dann ein langer Stoff gewickelt, dessen Ende hier im Süden über die linke (in Nordindien über die rechte!) Schulter gelegt wird. Anfangs hatte ich ein wenig Angst alles zu verlieren wenn ich mich bewege, denn es ist schon ein sehr ungewohntes Gefühl. Aber es war alles doppelt und dreifach mit Sicherheitsnadeln befestigt und die Aufregung wich der Freude über den farbenfrohen Stoff. Mit Blumenketten im Haar, wie man es hier in Südindien oft sieht, konnten wir das Fest begehen.

Gottesdienst in der St. Anthony's Church zum Pfarrfest mit dem Bischof aus Mysore
Gottesdienst in der St. Anthony’s Church zum Pfarrfest mit dem Bischof aus Mysore

Der Tag begann mit einem Gottesdienst. Dabei sitzen wir Frauen gewöhnlich auf der linken Seite, die Männer auf der rechten Seite der Kirche. Es wird auf dem Boden Platz genommen, für die denen das nicht möglich ist stehen hinten Bänke bereit. Der Gottesdienst wird hier auf Tamil gehalten und die Musik ist sehr fröhlich und poppig. Anschließend an den Gottesdienst gab es ein Bühnenprogramm bei dem ich das erste Mal südindische Tänze sehen konnte. Ich aß das erste Mal Biryani zum Mittagessen, das typische leckere südindische Festtagsessen. Es ist ein Reisgericht mit Hühnchen oder vegetarisch nur mit Gemüse. Dazu werden verschiedene Soßen zum Beispiel eine Joghurtsoße mit Zwiebeln, gereicht und es wird traditionell auf einem Bananenblatt serviert. Der Tag endete mit einer riesigen Lichterprozession durch ganz Cowdalli am Abend. Bei dieser Gelegenheit konnte ich das Dorf ein bisschen kennenlernen und ich war überrascht wie viel weiter es hinter dem Marktplatz noch geht. Cowdalli hat immerhin zwischen 8.000 und 10.000 Einwohner. Wir begleiteten mit Kerzen ausgestattet 3 Traktoren, die große, beleuchtete Heiligenfiguren durch den Ort fuhren. Es war die heilige Maria, der heilige Joseph und der heilige Antonius. Zum Fest kam auch ein Teil Bernadettes Familie und so lernte ich ihren Vater und ihren Sohn Pradeep kennen, der in Mysore studiert. Das Fest war ein sehr schöner Einstieg in mein Leben hier.

Die erste Zeit im Projekt

Die erste Zeit die ich noch zusammen mit meiner Vorgängerin hatte verging sehr schnell. Zuerst mussten wir uns noch um meine Registrierung bei den Behörden kümmern, die bei einem so langen Aufenthalt notwendig ist. Diese Registrierung wurde zwar elektronisch erfasst, wir mussten aber trotzdem zweimal in die Distrikthauptstadt, Chamarajanagar, fahren. Diese ist mit dem Bus zwei Stunden entfernt und mit Wartezeit in der Polizeiverwaltung war es beide Male ein kleiner Tagesausflug. Dann habe ich natürlich die Schule kennengelernt, wurde den Lehrern vorgestellt und habe meine Aufgaben übernommen. Die Direktorin der Highschool, Sagaya Mary, hat mich herzlich empfangen und mich und Sarah auch gleich zu sich nach Hause eingeladen. Sie ist eine sehr nette Frau und meine zweite Ansprechperson wenn mal etwas sein sollte. Auch die Lehrer haben mich freundlich begrüßt, waren aber anfangs etwas zurückhaltend, was Sarah darauf zurückführte, dass ich ihrer Sprache noch nicht mächtig war. Die Kinder der Schule haben mich stürmisch und sehr herzlich in Empfang genommen. Sie fragten neugierig nach meinen Namen und wo ich herkomme. Ein richtigen Alltag hat für mich zwar erst nach dem Sprachkurs begonnen, ich habe mich aber von Anfang an wohl gefühlt an der St. Anthony’s School.

Indische Mode, meine ersten „Chudis

Eine weitere ganz wichtige Sache war es natürlich, indische Kleidung für mich zu kaufen. Ich trage im Alltag keinen Sari sondern Churidal. Dies ist die Kleidung, die Mädchen und junge oder unverheiratete Frauen tragen. Sie besteht aus einer Stoffhose, einem knielangen Oberteil und einem Schal. Man kann sie fertig kaufen oder nur das Stoff-Material kaufen und sie sich schneidern lassen. Die indische Mode liebt Farbe und Muster. Ich mag diese bunte Kleidung an den Inderinnen sehr, muss mich wohl aber noch daran gewöhnen sie selbst zu tragen. Dank Sarah, meiner sehr geduldigen Shoppingbegleitung habe ich dann trotzdem schon schnell ein paar zusammen gehabt. Das war gerade am Anfang sehr gut für mich, denn ich fühle mich in der typisch indischen Kleidung hier wohl und habe das Gefühl nicht so extrem herauszustechen. Außerdem wurde ich schon ein paar Mal begeistert darauf angesprochen, dass ich die landestypische Kleidung trage und war dann immer ein bisschen stolz darauf. Vor kurzem haben eine Lehrerin aus der Highschool und ich unsere gemeinsame Leidenschaft für Mode entdeckt. Jetzt zeigt sie mir wie ich meine „Chudis“ aufpeppen kann, zum Beispiel mit Pailletten oder Spitzenborden am Saum.

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Großer Tanz der 8., 9. und 10 Klasse zum Independence Day auf dem Schulhof der Schule

Der Independence Day

Dann kam an meinem zweiten Wochenende schon das zweite große Fest, der Independence Day. Dafür hatten seit meiner Ankunft alle Klassen regelmäßig Tänze geprobt und ich war sehr gespannt auf das Spektakel. Es ist anscheinend der wichtigste indische Feiertag und er wird dementsprechend groß gefeiert. Für diesen Anlass wurden Armbänder und Fähnchen in den indischen Farben orange, grün und weiß verkauft. Den ganzen Tag wünscht man sich zur Begrüßung einen „Happy Independence Day“. Es gab ein großes Programm. Eine Parade zu Anfang, dann kleine Darbietungen verschiedener Klassenstufen und zwischendrin kurze Ansprachen der Lehrer. Ein Tanz wurde von drei Klassen zusammen einstudiert und nahm den ganzen Schulhof in Anspruch. Er sah einfach ganz toll aus! Ich trug zu diesem großen Anlass natürlich wieder Sari und freue mich schon auf die nächste Gelegenheit dazu. Im Anschluss an das Programm gab es ein gemeinsames Essen für alle Lehrer, wozu Sarah und ich auch eingeladen waren. Bei einem weiteren leckeren Biryani konnte ich die Lehrer ein bisschen näher kennenlernen. Am Independence Day kam auch noch Anita, Bernadettes Tochter. Sie studiert auch in Mysore und wir verstehen uns sehr gut. Ich freue mich immer wenn sie zu Besuch in Cowdalli ist.

Auf zum Sprachkurs

Nach all diesem Trubel standen dann schon Sarahs Abreise aus Indien und mein Sprachkurs an. Durch einige Verzögerungen bei der Registrierung meiner Mitfreiwilligen fing mein Sprachkurs erst 1 ½ Wochen später an und ich bekam ungeplant noch Sarahs Verabschiedung mit. Das erste Mal bekam ich eine Idee, was es eigentlich wirklich heißt nach einem Jahr gemeinsamen Leben Abschied zu nehmen, und das für wahrscheinlich sehr lange Zeit. Sarah und ich haben uns sehr gut verstanden, sie war eine tolle Vorgängerin: Sie hat mir nicht nur alles gezeigt, sie hat es mir schmackhaft gemacht! Die Andersartigkeit, wenn man in ein so weit entferntes Land geht um dort zu leben ist überwältigend und ich denke, dass mir der sanfte Einstieg, den sie mir ermöglicht hat, geholfen hat so schnell und gut hier anzukommen. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an Dich, Sarah!

Nach ein paar Tagen hieß es dann auch für mich Abschied nehmen, was mir dann umso schwerer fiel. Ich hatte 8 Stunden Busfahrt, dreimal umsteigen und irgendwie heil ankommen in der großen Stadt Tiruchirapalli (Trichy) vor mir. Der Bus ist hier auf dem Land neben dem Zweirad das Hauptverkehrsmittel. Bahnstrecken gibt es zwischen den großen Städten. Der Bus ist aber eine zuverlässige Sache, denn es fahren sehr viele und jeder Ort ist irgendwie angebunden. Da ich die Schrift noch nicht lesen konnte musste ich mich durchfragen, und da ich der Sprache nur bruchstückhaft mächtig war endete das darin, dass ich jedem Busfahrer den ich sah den Namen der gewünschten Endhaltestation entgegenrief und hoffte ihn richtig ausgesprochen zu haben. Es war aufregend und ich war stolz wie Oskar als ich auf meine Freunde traf. Die Busfahrt führte teilweise über die Berge an der Grenze zwischen Karnataka und Tamil Nadu und die Serpentinen ließen mich eine tolle Aussicht auf eine wunderschön grüne (dank der momentanen Regenzeit!) Landschaft genießen.

Trichy

Zusammen mit 3 anderen SoFiA-Freiwilligen wohnte ich während des Sprachkurses in Nagimangalam, einem Vorort von Trichy, in dem Provincial-House des MSFS Ordens. Die Fathers dort hatten uns eingeladen und den Sprachkurs organisiert, da die anderen Freiwilligen in Projekten des Ordens ihr FSJ machen. Trichy liegt zentral in Tamil Nadu, dem benachbarten Bundesland von Karnataka. Gemeinsam mit einem Father der auch am College studiert fuhren wir morgens mit dem Auto in die Stadt. Das College fördert vor allem junge Frauen und wird von den Holy Cross Sisters geleitet.

Wir lernten in wenigen Tagen das tamilische Alphabet. Die Wörter werden genauso gesprochen wie sie geschrieben werden, also vergleichbar mit unserer Lautschrift. Das bringt mit sich, dass es insgesamt 247 Buchstaben gibt. Diese bauen aber systematisch aufeinander auf. Es ist also eingängiger als ich zunächst dachte. Der Unterricht wurde uns von einer Tamil Professorin gegeben. Eine sehr nette Frau, die uns regelmäßig Süßigkeiten mitbrachte oder Blumenketten fürs Haar für uns Mädchen. Sie unterrichtet eigentlich die geschriebene Sprache und ihre historische Entwicklung. Also brachte sie uns bei, wie man die Wörter theoretisch schreibt und ausspricht. Diese entsprachen aber nicht genau der gesprochenen Sprache, sondern dem Hochtamil. Für mich war das erst etwas entmutigend, da ja in Karanataka Schilder oder ähnliches auf Kannada und nicht auf Tamil beschrieben sind. Ich brauche also nur die gesprochene Sprache um kommunizieren zu können. Wenn unsere Lehrerin andere Veranstaltungen hatte konnte ich mich aber an Studentinnen wenden die sich im gleichen Raum aufhielten, da es eigentlich eine Art Aufenthaltsraum war. Sie haben sehr gerne geholfen und so habe auch ich viel aus dem Sprachkurs mitgenommen.

Der erste Blick auf den Tempel in Madurai
Der erste Blick auf den Tempel in Madurai

Tamil

Tamil ist eine sehr höfliche Sprache; wenn man mit älteren Personen zum Beispiel der Mutter spricht, benutzt man immer die höfliche Form des Verbes. Im Gegensatz zum Deutschen, wo wir eine Person siezen die wir nicht kennen oder die in der Rangfolge über uns steht und sie duzen, sobald wir der Person näher stehen. Wenn man hier einer Person nahesteht benutzt man Kosenamen, sagt zum Beispiel „Akka“ zu einer Frau die älter ist als man selbst, was große Schwester heißt. Einen älteren Mann kann ich ohne zu Zögern „Tata“ nennen, Opa. Aber „Saptya?“, „Hast Du gegessen?“, zu sagen statt „Saptingla“, „Haben Sie gegessen“, wäre sehr unhöflich. Die Studentinnen haben mir erklärt, dass Englisch deswegen unter den Tamilen als eine eher unhöfliche Sprache gilt, da man keinerlei Unterschied den Respektspersonen gegenüber macht.

Ansonsten ist Tamil relativ einfach zu lernen, die Grammatik ist einfacher als die der romanischen oder germanischen Sprachen. Man kann schon mit wenigen Worten Sätze bilden und es gibt Wörter mit vielen Meinungen, die man dann nach dem Kontext erschließt. So kann zum Beispiel „Inneke Hanurle pokaa venum.“ bedeuten, dass ich heute nach Hanur fahren möchte oder dass ich dorthin fahren muss. Stellt man eine Frage so wird ein langes „-aa“ an den Aussagesatz angehängt.

Ich hoffe Ihr verzeiht mir den Ausschweif, aber das konnte ich mir als Sprachenliebhaberin dann doch nicht verkneifen. Ich sehe die Sprache als sehr wichtig an um die Kultur zu verstehen, nicht nur der Kommunikation wegen. Und ich merke auf jeden Fall, dass die Menschen denen ich begegne zu strahlen beginnen, wenn ich sie auf ihrer Muttersprache anspreche, auch wenn es nur zwei Worte sind.

Glücksmomente

Dort im Sprachkurs habe ich mich mit vier jungen Frauen besonders angefreundet. Mary Marteena, Jan, Suria und Wanitha. Anfangs hat es sich nur auf den Sprachunterricht beschränkt und sie wollten sogar ein paar Wörter Deutsch lernen. Bald konnte ich ihnen aber auch Fragen über Dinge stellen, die mir in Indien bisher aufgefallen sind und sie haben mir ihr Land besser erklärt. Sie sind mit mir Fußkettchen kaufen gegangen, die jede indische Frau trägt und sie haben mir beim Aussuchen und Handeln geholfen. Sie haben mir gezeigt wie ich meinen Schal von der Chudi mit Sicherheitsnadeln befestigen kann, sodass er nicht immer runterrutscht und schön drapiert ist. Suria hat mir und Paulina ein sogenanntes Mehandy mit Hennafarbe auf die Arme gemalt und wir durften immer von ihren Pausensnacks probieren.

Im Provincial-House habe ich mich während des Aufenthalts mit den beiden Köchinnen angefreundet. Unsere Unterhaltung war zwar wegen meiner sehr dürftigen Tamil-Kenntnisse immer ein wenig holprig, das führte aber nicht nur zu kleinen Missverständnissen sondern auch zu vielen Lachern. Ich habe gerne abends beim Chapati-Backen geholfen und mich richtig wohl bei ihnen gefühlt. Einmal hat Saroja uns sogar zu sich nach Hause eingeladen und wir haben Kokosmilch und Tee getrunken und sie hat uns ihrer Familie vorgestellt. Als Jamery die andere Köchin bei einem dreitägigen Pilgerfest war hat sie mir und Paulina danach Haarspangen, Ohrringe und Haargummis als Souvenirs mitgebracht. Sie waren für mich „Pati“, Oma, und „Akka“ und ich war richtig traurig als ich mich von ihnen verabschieden musste.

Solche Begegnungen und Freundschaften machen mich sehr glücklich. Es gibt viel hier, woran ich mich gewöhnen musste. Aber es ging mir nie schlecht dabei, denn sobald ich Kontakt zu den Menschen habe werde ich herzlich aufgenommen und fühle mich hier zu Hause. Ich habe zwar nicht fließend Tamil gesprochen nach dem Sprachkurs, aber ich habe liebe Freunde gefunden und möchte nächstes Jahr auf jeden Fall wieder zu Besuch nach Trichy fahren.

Sehenswürdigkeiten

Nach dem Unterricht hatten wir die Nachmittage immer frei. Manchmal sind wir in die Stadt gegangen und haben Besorgungen erledigt, die wir auf dem Land in unseren Projekten nicht bekommen. Oft sind wir aber mit dem Father im Auto zurück gefahren. Während unserem Aufenthalt waren es fast durchgehend ca. 40 Grad dort und es war sehr ermüdend lange mit dem Bus unterwegs zu sein. Trotzdem haben wir die Zeit auch touristisch genutzt. Ein Wochenende stiegen wir zum Rockfort Tempel in Trichy rauf. Der ist in der Nähe unseres Colleges und auf einem Felsen mitten in der Stadt gelegen. Da der Berg den Hindus heilig ist muss man an seinem Fuß die Schuhe ausziehen und barfuß hochlaufen. Ein Großteil der Stufen war zwar überdacht, aber die letzten Stufen waren der prallen Sonne ausgesetzt und dementsprechend heiß. Dafür war die Aussicht von dort oben echt super!

An einem anderen Wochenende sind wir nach Madurai gefahren, einer sehr schönen Stadt nicht allzu weit von Trichy. Dort gibt es eine riesige Tempelstätte mitten in der Stadt, die mir sehr gut gefallen hat. Die alten Gemäuer haben mich genauso beeindruckt wie die vielen Gläubigen, die kamen um ihre Götter zu ehren. Auch was ich ansonsten von der Stadt gesehen habe fand ich sehr schön. Madurai ist genauso wie Mysore bekannt für seine Seiden Produktion, weswegen ich mich am meisten auf den Basar gefreut habe. Wir haben an einem Stand wunderschöne Pashmina-Schals aus Kaschmir und Seide gefunden. Ich konnte mich nur schwer trennen als wir gehen mussten um unseren Bus zu bekommen.

Zurück in Cowdalli

Letztendlich war ich dann doch fast vier Wochen in Trichy und möchte die Zeit nicht missen. Auch, dass ich mich mit den anderen Freiwilligen austauschen konnte über das bisher Erlebte war hilfreich und hat einen langsamen Einstieg ermöglicht. Trotzdem freute ich mich auf meine Rückkehr nach Cowdalli am 19. September und es fühlte sich für mich an, als würde ich nach Hause fahren. Nach einer weiteren langen Busfahrt kam ich abends erschöpft an und wurde umso freudiger von Bernadette empfangen. Meine kleinen Bedenken die ich im Bus bekommen habe, ob ich genug Tamil gelernt hatte, ob ich Schwierigkeiten hätte mich jetzt endgültig auf das Projekt einzulassen und ähnliches verflogen, als ich mit heißem Tee und Gebäck begrüßt wurde. Bernadette ist fürsorglich und eine sehr gute Köchin. Mit ihr verbringe ich die meiste Zeit, wenn ich nicht in der Schule bin. Ich helfe ihr abends beim Kochen, trinke mit ihr Tee und lerne dabei immer mehr Tamil. Sie erzählt mir von ihrer Familie oder ich bettle sie an, dass wir kleine Welpen aufnehmen können die bei ihrer Familie im Nachbarort geboren wurden.

Im Moment geht es mir hier sehr gut. Ich habe in meinen Alltag gefunden und trotzdem kommt keine Langeweile auf. Die Lehrer der Highschool haben mich sehr lieb aufgenommen. Die anfängliche Zurückhaltung ist verflogen und wir lachen viel. Die Schüler habe ich richtig ins Herz geschlossen. Dreimal am Tag verkaufe ich Süßigkeiten in einem kleinen Laden an sie und ich mag diese Aufgabe richtig gerne, auch wenn es in der Mittagspause manchmal echt stressig ist. Auch in der anstrengendsten Zeit gibt es immer etwas, das mich zum Lachen bringt. Sei es der kleine Junge der jedes Mal wieder ohne sein Rückgeld davonläuft oder das Mädchen aus dem Kindergarten, das mich „Akka“ ruft, was mich immer etwas stolz macht. Unser Wachhund Johnny kommt oft mit mir zum Laden und wartet davor auf mich (wenn er sich verstecken kann bevor ihn jemand anleint), das ist richtig schön. Nachmittags spiele ich mit den Kindergartenkindern oder singe mit ihnen Lieder wie „Brother Jakob“. Nach der Schule wasche ich meine Wäsche oder gehe auf dem Sportplatz joggen. Und abends lese ich in meinem Zimmer oder telefoniere mit Freunden oder Mitfreiwilligen. Es ist meistens irgendwas besonderes, ein Fest, Besuch oder Examen und meine Aufgaben sind relativ flexibel. Wenn irgendwo Not am Mann ist springe ich ein und so lerne ich das Schulleben von vielen Seiten kennen.

St. Anthony's School im Abendlicht, im Hintergrund die Moschee von Cowdalli
St. Anthony’s School im Abendlicht, im Hintergrund die Moschee von Cowdalli

Ich hatte schon Besuch von Leo einem anderen Freiwilligen und wir haben Mysore erkundet, das mit dem Bus nur drei Stunden entfernt ist. Auch eine wunderschöne Stadt, deren Highlight wohl der abends beleuchtete Palast ist. Bei unserem Aufenthalt haben wir bei Bernadettes Bruder und seiner Familie gewohnt, was für sie selbstverständlich war. Das ist auch eine Sache die ich hier total schön finde. Ich wurde schon ganz häufig von Lehrerinnen oder Bekannten nach Hause eingeladen um die Familie kennenzulernen und einen Tee zu trinken. Das ist hier etwas ganz normales und erleichtert es sehr in Kontakt mit den Mitmenschen zu kommen.

Wie ihr seht bin ich hier gut angekommen. Mein Brief kommt etwas verspätet, was dem Versagen meines Internetrouters zu verdanken ist. Ich meine „verdanken“, denn ich konnte die Zeit gut nutzen um mir darüber klar zu werden wovon ich Euch schreiben will und wie. Ich denke erstmal habe ich euch einen kleinen Überblick über mein Leben hier geben können. Ich freue mich aber sehr über Rückmeldungen. Wenn es Sachen gibt, die Euch besonders interessieren oder unklar sind dann schreibt mir gerne und ich kann im nächsten Brief darauf eingehen.

Das leckere indische Essen musste leider erstmal außen vor bleiben, aber dem werde ich mich im nächsten Brief widmen. Genauso wie dem anstehenden hinduistischen Dasara-Festival in Mysore bei dem ich wohl nicht fehlen darf.

Ich hoffe es geht allen gut und freue mich von Euch zu hören!

Es schickt herzliche Grüße aus dem bezaubernden Cowdalli,

Magda