Bolivien: 1.Rundbrief von Julian Hanowski

Hallo liebe Rundbrieflesende! ­čÖé

Vieles ist passiert in den letzten WochenÔÇŽ doch fangen wir einfach mal beim Anfang an. Der Anfang.. Ja, wie ihr eventuell mitbekommen habt war dies ein Sonntag. Der dritte August um genau zu sein.
P├╝nktlich zum Mittagessen stiegen wir in D├╝sseldorf in den Flieger. Wir, das waren neun Bolivienfreiwillige von SoFiA, unserer Endsendeorganisation. Mein seit 1997 zweiter gro├čer Atlantikflug f├╝hrte mich ├╝ber Madrid und Santa Cruz nach La Paz. Dort kamen wir dann in den fr├╝hen Morgenstunden an. Das gro├če Umfallen aufgrund der H├Âhe des Flughafens- irgendwas um die 3000 Meter, blieb uns zum Gl├╝ck erspart. So konnten wir den wunderbaren Empfang, den uns die Hermandad, aktuelle Freiwillige und Gastfamilien von vor Ort bereiteten, genie├čen. Nach einer abenteuerlichen, aber hier allt├Ąglichen Fahrt mit Fotozwischenstopp- Ausblick von El Alto auf La Paz- ging es dann weiter ins Hostel.

La Paz
Kurz verweilen und nach dem Mittagessen kommt dann auch schon der n├Ąchste Programmpunkt: Eine Fahrt ├╝ber die D├Ącher von La Paz! F├╝r etwas um die zwei Euro kann man sich hier s├Ąmtliche Viertel der Stadt von oben ansehen, ein wirklich atemberaubender Ausblick, den man mit der neuen Seilbahn genie├čen kann. Gut, dass wir dabei von ortskundigen aktuellen Freiwilligen begleitet wurden, so erfuhren wir vieles ├╝ber Land und Leute und nat├╝rlich ├╝ber La Paz.
Als am Abend dann die anderen Freiwilligen aus Hildesheim eintrafen und unsere Gruppe auf 20 Leute anwuchs, ging es nach kurzem Kennenlernen auch schon ruhiger zu, schlie├člich waren alle ersch├Âpft vom langen langen Tag.
Der Dienstag war der Tag der Fragen und Antworten, auf einem Seminar wurden uns so ziemlich alle Fragen rund um das Leben in Bolivien beantwortet. Den Abend nutzen wir dann zur ersten Begegnung mit der bolivianischen Tanzkultur. Die Tatsache dass unser aller Tanztalent noch ausbauf├Ąhig war, f├╝hrte zu sehr viel Spa├č.
Donnerstag hie├č es dann nach einem Seminar am Morgen auch schon Abschied nehmen. Mit 5 f├╝nf Leuten ging es im Bus zum Sprachkurs nach Santa Cruz de la Sierra.
Dabei muss man erw├Ąhnen, dass es eine durchaus lohnenswerte Reise war. In den bequemen riesengro├čen Schlafsesseln zu sitzen und dabei den Blick aus der Frontscheibe eines Doppeldeckers zu genie├čen ist einfach ein sch├Ânes Erlebnis. So ging es dann 18 Stunden durch Bolivien; Kuriosit├Ąten wie Autobahnsperrungen aufgrund von Paraden auf der Autobahn eingeschlossen.
Spannend war auch unsere Begegnung mit der Drogenpolizei.. nachts um zwei Koffer und Rucks├Ącke kontrolliert zu bekommen nur weil man einen deutschen Pass hat, das erlebt man nicht alle Tage.

Santa Cruz de la Sierra / Sprachkurs
Zu unser aller Freude ging es dann ohne weitere Zwischenf├Ąlle nach Santa Cruz.
Erste Tage in Santa Cruz: Nach der Ankunft und einem kleinen Empfang am Busbahnhof kamen wir in die Gastfamilien, welche in meinem Fall die Direktorin war, die das Projekt in Santa Cruz im Colegio Martin Sappl aufgebaut hat.
Da wir Donnerstag ankamen haben wir die Tage bis Montag zum gemeinsamen Kennenlernen der Gastfamilien und der Hermandad in Santa Cruz- zum Beispiel beim Grillen im Park oder einer n├Ąchtlichen Tour durch die Stadt- genutzt. Eine wirklich tolle gro├če Gruppe, die uns sehr beim Einleben geholfen hat.
Montag war dann der erste Tag im Sprachkurs. Dort gab es eine Anf├Ąnger- und eine Fortgeschrittenengruppe. Ich war in der Gruppe der Anf├Ąnger.
Der Sprachkurs war sehr lehrreich, Montag bis Donnerstag Theorie im InstitutÔÇŽ freitags ging es dann in die Stadt, zum ├ťben der Praxis und zum Kennenlernen der Stadt.

Ein besonders sch├Ânes Erlebnis war auch der Besuch des Stadions. Das Endspiel des Bolivia National, dem Pendant zum DFB Pokal, fand in Santa Cruz statt. Santa Cruz spielte gegen Cochabamba. Sehr interessante Sache dieses Spiel mit 40000 Zuschauern (davon 100 aus Cochabamba). Auch wenn der bolivianische Fu├čball witzig und diffus war, die Stimmung war genial.. und in Bolivien gibt es auch alles was es so an Feuerwerk und Raketen gibt auch im Stadion.. Am Ende hat ├╝brigens Santa Cruz haushoch mit 4:0 gewonnen. Und nebenbei erw├Ąhnt, der Eintritt ins Stadion kostete umgerechnet 6 EuroÔÇŽ die Pl├Ątze f├╝r 3 Euro waren bereits alle vergebenÔÇŽ

Nach drei Wochen Santa Cruz ging es dann auch ein Wochenende raus ins Gr├╝ne. Das nennt man hier Campo. Freitags in einen kleinen Ort namens Cotoca. Samstags ins 5 Stunden entfernte Valle Grande. Ein wie der Name schon sagt gro├čes Tal. Sehr sehr sch├Ân dort. Leider aber auch wirklich arme Menschen, die in f├╝r uns ziemlich heruntergekommen H├Ąusern leben. Das ist eine andere Seite Boliviens, fernab vom zu gro├čen Teilen wohlhabenderen Santa Cruz.
Mein Freundeskreis erweiterte sich stetig, und ich habe sehr viele Menschen, H├Ąuser und Orte kennengelernt. Ich hatte das gro├če Gl├╝ck die Hilfe vieler engagierter Freunde, auch und vor allem von ehemaligen Freiwilligen zu haben, mit denen ich viel Spa├č hatte.
Eine Zeit mit unheimlich vielen Erlebnisse und wunderbaren Erfahrungen! Nat├╝rlich habe ich dadurch, auch dank der Hilfe meiner Freunde, mein Spanisch erheblich verbessert, wodurch ich von jedem f├╝r meine guten Sprachkenntnisse gelobt werde.
Ich habe quasi jede freie Minute mit meinen bolivianischen Freunden verbracht und war am Ende wirklich sehr traurig dass diese gemeinsame Zeit schon wieder vorbei war. Vier Wochen Santa Cruz.
San Ignacio de Moxos
Am ersten Samstag im September hie├č es dann Abschied nehmen. Mit dem Bus ging es nun nach San Ignacio de Moxos. Die insgesamt 16 st├╝ndige Fahrt, welche man aber auch in zehn zur├╝cklegen kann wenn man wei├č wie, war leider sehr erm├╝dend und besonders viel gesehen, au├čer Wald, Feld, Staub und Nacht habe ich auch nicht. Staub, da die Stra├če dort nicht asphaltiert ist. Die restlichen mir bekannten bolivianischen Stra├čen jedoch sind asphaltiert und k├Ânnen, was Schlagl├Âcher und so betrifft, locker mit Deutschland mithalten.
Verr├╝ckt war nur die ├ťberquerung eines Flusses, mit einem gro├čem Bus, auf einem wackligen Holzflo├č stehend, nachts. Dieses wurde ausschlie├člich von einem kleinen Einbaumboot mit einem kleinen alten Bootsmotor man├Âvriert. Erstaunlich :O Mehr dazu wenn ich Bilder habe.
Moxos ist ein kleiner Ort, von naja mittlerweile 12000 Einwohnern, darunter die H├Ąlfte unter 18 Jahre und es gibt viel Abwanderung der 18-30 J├Ąhrigen, mangels ausreichender Arbeit sowie mangels Weiterbildungschancen. Aktuell wird aber sehr viel gebaut und investiert um dies zu ├Ąndern.
Es gibt sehr viel Natur und unheimlich viele verschiedene Tiere, auch in und um das Internat. So habe ich abwechselnd Pferde, K├╝he, Schweine, Eidechsen, Hunde und alles M├Âgliche im Garten, Papageien auf den B├Ąumen und -unmengen an Fr├Âschen um mich. Die geben abends auch gerne mal Konzerte. Zusammen mit ihren Freunden, den Gespenstern- das sind so kleine Tiere, die Ger├Ąusche wie Gespenster von sich geben. kann sich das auch gelegentlich mal unheimlich anh├Âren. Die hei├čen aber sicher anders ­čśÇ
Ich arbeite hier in einem Internat, in dem es neben den elf Kindern noch zwei Verantwortliche sowie deren Kinder gibt. Nachdem ich zwei Wochen eher weniger aktiv war und diese eher sehr ungl├╝cklich f├╝r mich waren hoffe ich nun auf baldige Ver├Ąnderungen. Aktuell geht es mir aber wieder besser.
Nat├╝rlich ist bolivianisches Campo mitten wo im Nirgendwo eine ziemliche Umgew├Âhnung, die f├╝r mich halt auch sehr viele Einschr├Ąnkungen bedeutet, mir aber auch die M├Âglichkeiten gibt mich z.B frei im Ort bewegen zu k├Ânnen und die Natur zu genie├čen.
Ach so genau: Mein Zeitunterschied zu euch betr├Ągt aktuell sechs Stunden. Wenn ihr also 12 Uhr mittags habt stehe ich gerade auf, und nein ich stehe hier selten um 6 Uhr abends auf ­čśÇ

Danke f├╝r euer Verst├Ąndnis.
Sch├Âne Gr├╝├če aus dem fr├╝hlingshaften Bolivien,

Julian