Rumänien: 2. Rundbrief von Laura Lechner

Petrosani, den 25.11.2015

Liebe Leserinnen und Leser, Liebe Familie, Liebe Freunde,

seit dem letzten Rundbrief ist ein guter Monat vergangen und in der Zeit ist, neben meiner alltäglichen Arbeit im Zentrum, so viel passiert, dass sie nur so an mir vorbeigeflogen ist. Meine Arbeit im Maria-Stein-Haus ist soweit die gleiche geblieben, aber inzwischen kann ich auch wirklich bei den Hausaufgaben helfen und etwas erklären, da mein Rumänisch inzwischen gut zum Kommunizieren ausreicht. Seit dem letzten Monat haben wir auch ein neues Ritual. Am Anfang jedes Monats wird für die Kinder, die in diesem Monat Geburtstag haben, Geburtstag gefeiert. Nach den Hausaufgaben gibt es dann eine kleine Party, bei der wir zuerst für die Kinder ein kleines Geburtstagsständchen singen und danach wird getanzt und es gibt auch ein bisschen Kuchen und Kekse zum Essen und Saft zum Trinken. Und keine Angst, in Rumänien ist es nicht so, dass zu früh ausgesprochene Geburtstagsglückwünsche Unglück bringen, eher im Gegenteil, über diese wird sich genauso gefreut. Diese kleinen Geburtstagsfeiern gehören zu meinen Lieblingstagen im Zentrum und ich denke, dass sie auch für die Kinder besonders sind. Außerdem kommt jetzt jeden Montag nach den Hausaufgaben ein Aikido-Trainer zu uns, der eine Stunde mit den Kindern Aikido übt. Aikido ist eine japanische Kampfkunst, bei der es ausschließlich darum geht, Angriffe abzuwehren. Die letzten Male konnte ich selbst nur die letzte halbe Stunde dabei sein, da ich noch in der Küche zutun hatte, aber ich denke, dass das Training den Kindern Spaß macht und es eine gute Abwechslung zum anderen Programm im Zentrum darstellt, das meistens aus Basteln oder Malen besteht..

 

25 Jahre Caritas Alba Iulia

Zum 25-jährigen Jubiläum der Caritas Alba Iulia sind meine Kollegen und ich am 4. Oktober nach Alba Iulia gefahren, wo die Festlichkeit stattfand. Begonnen wurde morgens mit einer Heiligen Messe. Nach der Messe gab es eine Kleinigkeit zu essen und Gelegenheit, eine Fotoausstellung anzuschauen, in der die vielfältige Arbeit der Caritas der letzten 25 Jahren dargestellt wurde. Auch waren meine Mitfreiwilligen Kathi und Luise in Alba Iulia und Peter Nilles, der Geschäftsführer von SoFiA, sodass wir uns noch über unseren bisherigen Freiwilligendienst und unsere Erfahrungen austauschen konnten. Am darauffolgenden Montag haben wir auch in Petroşani das Jubiläum in der Caritas gefeiert. Dieses haben wir ebenfalls mit einer Messe begonnen, in der ich meinen Teil beitrug und aus dem Evangelium vorlas, was aber zum Glück auf Deutsch war. Der Pfarrer eröffnete mir dies kurz vor der Messe, dementsprechend wusste ich nicht so genau, was ich lesen sollte, wann ich überhaupt an der Reihe war und zudem vergaß ich noch, am Ende „das Wort Gottes“ zu sagen, aber trotzdem wurde ich danach von den Gästen der Caritas Linz, die zu Besuch waren, für mein gutes Deutsch gelobt – Sie wussten nicht, dass ich selbst aus Deutschland komme. Nach der Messe feierten wir noch bei einem kleinen Buffet und ein bisschen Wein bei uns im Haus der Caritas.

Und nun noch ein paar Sätze dazu, welche Angebote es bei der Caritas Petroşani noch gibt. Abgesehen von dem Maria-Stein-Haus, in dem ich arbeite, gibt es noch das Haus, in dem ich auch wohne. Dort arbeiten 5 weitere Kollegen und planen die verschiedenen Projekte, die die Caritas hier durchführt, wie „un milion de stele“, von dem ich später noch erzählen werde. Dort trifft sich außerdem die Jugendgruppe, an deren Aktivitäten ich manchmal teilnehme. Zusätzlich findet sich hier die „Medical Care“, die Altenpflegeabteilung. Bei der „Medical Care“ habe ich bisher nur an einem Wochenende ausgeholfen und Spenden verteilt, sonst bin ich dort aber nicht tätig.

Un milion de stele

„Un milion de stele“ (dt. eine Millionen Sterne) ist eine europaweite Aktion der Caritas, bei der gegen eine Spende Kerzen erworben werden können, die dann in Form des Caritas Logos auf dem großen Platz in der Stadt aufgestellt werden. In ganz Europa findet die Aktion am selben Tag statt. Die brennenden Lichter sind ein Zeichen von Hoffnung und Solidarität für Menschen in Not. Ihnen kommt auch der Erlös der Aktion zu Gute. Meine Kollegen und ich haben uns für die Aktion am 17. Oktober ab 12 Uhr im Caritashaus getroffen, um 12143188_974374919302865_6746649540808117507_nnoch ein paar Sachen vorbereiten zu können und Einkäufe zu erledigen. Danach haben wir uns dann mit den anderen Freiwilligen der Jugendgruppe im Stadtzentrum Petroşanis getroffen, um ein kleines Festzelt zum Unterstellen aufzubauen und das Logo auf dem Boden vorzeichnen zu können. Auch wurde ein bisschen Musik gespielt und es gab Tee und Kaffee zu trinken, was bei den doch niedrigen Temperaturen gut getan hat. Den Abend über waren wir dann größtenteils damit beschäftigt die aufgestellten Kerzen wieder anzuzünden, da es sehr windig war. Aber als es dann langsam dunkler wurde, wurde auch der Wind weniger und es sah wirklich sehr schön aus, nicht zuletzt deswegen, weil dieses Jahr, aufgrund des insgesamt guten Wetters, viele Menschen an der Aktion teilnahmen und eine Kerze aufstellten.

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Der Start

Außerdem gab es im Oktober noch einen Benefizlauf hier in Petroşani, den auch die Caritas organisiert hat. Dieser wurde in der Fußgängerzone veranstaltet. Es wurde in zwei Kategorien gestartet – bis 16 Jahre und ab 16 Jahre. Und mit einer kleinen Spende konnte jeder teilnehmen, der wollte. An dem Tag bestand meine Aufgabe vor allem darin, beim Auf – und Abbau zu helfen und während dem Rennen für jeweils zwei Teilnehmer der verschiedenen Kategorien die Runden zu zählen. Ich weiß nicht, ob es an mir lag, oder an den Laufkünsten „meiner“ Teilnehmer, aber in beiden Kategorien waren diejenigen, für die ich die Runden zählte, am Schluss auf den ersten beiden Plätzen.

Ein Wochenende später hat die Caritas für meine Mitfreiwilligen Kathi und Luise und für mich eine kleine Tour organisiert, sodass wir unsere Arbeitsstellen gegenseitig kennenlernen konnten. Dazu verbrachten wir ein Tag in Târgu Mureş, wo Kathi in verschiedenen Projekten mitarbeitet und auch ein Tag in Miercurea-Ciuc, in einem Tageszentrum für geistig behinderte Jugendliche, in dem Luise ihren Freiwilligendienst leistet. Es war spannend zu sehen, wie ihre Arbeit so aussieht und es waren wirklich schöne Tage, die wir zusammen verbracht haben. Leider konnten wir nicht mein Projekt besuchen, da das doch zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, aber vielleicht schaffen wir das nächstes Jahr.

Der November verlief dann wieder ruhiger. Gegen Ende bereiteten wir uns vor allem auf die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ vor, bei der wir Besuch von einer Gruppe deutscher Freiwilliger für eine Woche bekommen und mit ihnen die gespendeten Päckchen hier in der Umgebung verteilen, wovon ich dann im nächsten Rundbrief schreiben werde.

Das war mein zweiter Rundbrief. Ich würde sehr mich sehr über eure Kommentare, Fragen und Anregungen freuen.
Nun wünsche ich euch allen noch eine schöne Adventszeit und ein schönes Weihnachtsfest. Alles Liebe aus dem winterlichen und kalten Petroşani und bis bald,
Laura