2. Rundbrief, Luise Fisch, Rumänien

Hallo meine Lieben,

seit ihr das letzte Mal von mir gehört habt ist schon eine Weile vergangen und es ist auch einiges passiert. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Caritas Rundtrip

Ende Oktober wurde von der Caritas ein „Rundtrip“ für die deutschen Freiwilligen organisiert. Das heißt, für Laura, Kathi und mich. Insgesamt waren wir zwei Tage unterwegs und haben viele Projekte der Caritas in der Umgebung besichtigt und dabei sehr viel über die erfahren. Gestartet haben wir in Tîrgu Mureş, wo Kathi lebt und arbeitet. Dort ist die Hauptstelle der Caritas Alba Iulia. Wir haben uns zuerst das riesige Gebäude der Caritas angeguckt, in dem Büros und andere Räume für Projekte vorhanden sind, wie zum Beispiel Gymnastikräume für die Früherziehung. Gegen Mittag sind wir mit dem Auto in ein abgelegenes Stadtteil gefahren, wo Kathi drei Mal in der Woche beim Roma-Projekt hilft. Nach der Schule werden dort Roma-Kinder in verschieden Altersgruppen betreut und bekommen auch etwas zu essen. Nach einer kleinen Stärkung sind wir nach Udvárhely gefahren, wo wir uns das Büro der Caritas dort angeschaut haben. Leider hatten wir keine Zeit die Projekte dort zu besichtigen aber eine Mitarbeiterin hat uns alles darüber erzählt. Nach einer kleinen Besichtigung der Stadt ging es dann weiter. Nach Csíkszereda – also zu mir Nachhause. Alle zusammen haben wir die Nacht in dem Hotel verbracht, in dem wir auch während des Sprachkurses gewohnt haben. Das war ein seltsames Gefühl, weil wir dort schließlich 4 Wochen „gewohnt“ haben. Am nächsten Morgen haben wir als erstes den „Cari-Shop besucht“. Dort werden Möbel, aber auch Kleider zu einem fairen Preis verkauft. Der Erlös wird gespendet oder für gemeinnützige Projekte der Caritas verwendet. An dem Tag haben wir auch mein Projekt besichtigt. Ich durfte Kathi und Laura alles zeigen und erklären, was mich schon ein bisschen stolz gemacht hat. Außerdem hatten sich meine Kolleginnen noch eine Überraschung ausgedacht und haben uns mit allerlei Spezialitäten aus dem Szeklerland überrascht. Nach dieser Stärkung durften wir uns dann ein ganz besonderes Projekt der Caritas anschauen. Und zwar sind wir auf die örtliche Müllhalde gefahren, wo seit etwa 30 Jahren eine Frau mit vielen Hunden in einer Art Wellblechhütte wohnt. Die Caritas versucht ihr zu helfen, wo sie kann und versorgt sie mit vielen Dingen, die ihr Leben dort einfacher machen. Sie hat uns erzählt, dass sie viel liest und sich mit ihren Tieren beschäftigt und dass sie auf keinen Fall woanders leben möchte. Sie war sehr froh, dass wir sie besuchen waren aber für mich war es trotzdem ein seltsames Gefühl, weil wir sie wie eine Attraktion „besichtigt“ haben. Sinn davon war es zu sehen, dass die Projekte der Caritas sich nicht nur auf Einrichtungen beschränken, sondern dass auch einzelnen Personen geholfen wird. Nach diesem langen Tag war der Trip auch schon vorbei. Es war sehr interessant zu sehen wie viele verschiedene Projekte und Einrichtungen die Caritas besitzt, beziehungsweise unterstützt. Um die Tage ausklingen zu lassen, sind Laura und ich mit zu Kathi nach Tîrgu Mureş gefahren und haben dort das Wochenende zusammen verbracht.

Die Freiwilligengala – Önkéntes Gála

Am 21. November fand eine große Freiwilligengala statt, zu der alle Freiwilligen der Caritas Alba Iulia eingeladen wurden. Gefeiert wurde in einem riesigen, festlich geschmückten Saal hier in Csìkszereda. Nach einer Begrüßung und einer Bilderpräsentation wurden nach und nach die verschiedenen Städte aufgerufen um sich auf der Bühne zu versammeln. Jedem wurde persönlich ein kleines Geschenk überreicht, als Dank für seine ehrenamtliche Tätigkeit. Danach wurde kräftig gefeiert und getanzt und zusammen mit Laura hatte ich viel Spaß. Vor allem als der DJ auf unseren Wunsch hin 99 Luftballons von Nena gespielt hat. 😉

Advent und Weihnachten im Zentrum

Am 3. Dezember fand anlässlich des Internationalen Tages der Behinderung ein Weihnachtsbasar in der Stadt statt. Schon den ganzen November haben wir gebastelt und gestrickt, sodass viele Sachen entstanden sind, die wir auf dem Markt verkaufen konnten. Insgesamt gab es fast 20 Stände rund um das Rathaus, wo selbstgemachte Dinge aus verschiedenen Behinderteneinrichtungen aus der Umgebung verkauft wurden. Alle freuen sich immer riesig auf den Markt und so wurde er zu einer kleinen Attraktion mit Live-Musik und Moderation.

Auch Nikolaus haben wir gefeiert. Dazu hat jeder ein Zettel mit einem Namen aus einer kleinen Box gezogen. Demjenigen, den man gezogen hatte, durfte man ein kleines Geschenk machen. Alle haben sich sehr über ihre Nikolaustüten gefreut und gemeinsam haben wir gesungen und Norbi zugehört, als er die Sage von Nikolaus von Myra vorgelesen hat.

Dies sollte aber nicht die letzte Feier gewesen sein. Am vorletzten Tag vor den Ferien haben wir nämlich auch Weihnachten gefeiert. Dazu wurde ein kleiner Tannenbaum aufgebaut, den wir alle gemeinsam geschmückt haben, während im Hintergrund Weihnachtsmusik lief. Als dann wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt war, bereiteten wir die Bescherung vor. Ungefähr 2 Wochen vorher waren nämlich die Kartons aus Deutschland von der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ bei uns eingetroffen. Jeder Jugendliche bekam einen Karton und alle waren hellauf begeistert von ihren Geschenken.

Was ich sonst noch so erlebt habe…

Bei einigen Familien auf dem Land ist es hier Tradition vor Weihnachten ein Schwein zu schlachten. Dafür trifft sich die ganze Familie und es wird ein kleines Fest daraus gemacht. Auch ich durfte diese Tradition miterleben, weil mich eine Freundin mit zu der Familie ihres Freundes genommen hat. Ganz früh an einem Samstag im Dezember haben wir uns aufgemacht in das etwa 20 Minuten entfernte Dorf. Direkt nach unserer Ankunft haben die Männer angefangen das Schwein zu töten. Dabei hab ich allerdings nur kurz zugesehen. Es war mir doch wohler reinzugehen und das nicht mit anzusehen. Als das Schwein tot war, kamen die Männer rein und gemeinsam haben wir gefrühstückt. Danach ging es wieder raus in die Kälte und das Schwein wurde zuerst mit einem Gasbrenner „geräuchert“, gewaschen und anschließend zerlegt. Diese Arbeit wurde wieder von den Männern übernommen, während wir Frauen in der Küche anfingen das frische Fleisch zu verarbeiten und das Mittagessen zu kochen. Es gab Polenta mit Gulasch und selbst eingelegten Essiggurken. Danach waren wir den ganzen Nachmittag damit beschäftigt das Fleisch zu verarbeiten, hauptsächlich in Wurst in allen Variationen. Blutwurst, Leberwurst, Bratwurst und eine Art Rohesser. Am Abend wurde in einer großen Runde, zu der auch Nachbarn eingeladen wurden, von dem Fleisch probiert. Ich war total fasziniert von dieser Tradition und fand es eine tolle Erfahrung sowas miterleben zu dürfen, auch wenn es wirklich viel Arbeit war und wir den ganzen Tag in der Küche am Werkeln waren. Am meisten hat mir gefallen, dass die ganze Familie zusammen gekommen ist und jeder angepackt hat, wo er konnte.

.. ja und ein paar Wochen später stand dann auch schon Weihnachten vor der Tür. Eigentlich hatte ich mich so sehr auf „weiße Weihnachten“ gefreut, da es normalerweise hier Angang Dezember anfängt zu schneien und der Schnee bis Ende März liegen bleibt. Aber auch hier, in der kältesten Stadt Rumäniens, hat man den wärmsten Winter seit langem zu spüren bekommen und „weiße Weihnachten“ fiel leider aus. Gemeinsam mit Laura haben wir es uns in meiner Wohnung trotzdem gemütlich gemacht, haben mein kleines Tannenbäumchen geschmückt und nach der Mette gemeinsam gekocht. Und am 1. Weihnachtsfeiertag haben wir uns dann aufgemacht zu einer kleinen Rundreise durch Osteuropa. Wir haben innerhalb von einer Woche 5 verschiedene Städte in 4 Ländern (Rumänien, Ungarn, Ukraine, Moldawien) gesehen. Das war wirklich eine tolle Erfahrung. Silvester haben wir mit Leuten aus unserem Hostel in Chisinau (Moldawien) verbracht und gemeinsam bei -15° gefroren. So langsam wird es auch hier kälter und wenn es schon keine „weiße Weihnachten“ gab, dann hab ich vielleicht Glück und ich bekomme wenigstens Schnee zu meinem Geburtstag.

Haltet euch munter. Über Rückmeldungen freue ich mich immer!

Bis bald, eure

Luise