Uganda: 2. Rundbrief von Fabienne Baumgärtner

Hier ist es mittlerweile Sommer, also noch wärmer als ohnehin schon. Ich bin jetzt bereits viereinhalb Monate hier, zwar bin ich leider noch kein bisschen braun geworden aber immer noch glücklich!

Ende November war der Papst hier in Uganda zu Besuch und ich habe ihn sogar live und von ganz nah gesehen. Die Menschen um mich herum waren so aufgeregt und glücklich, als er gekommen ist und uns zugewunken hat, dass sie angefangen haben zu weinen und dem Papst zu Ehren zu tanzen und zu singen! Es war ein tolles Erlebnis und ich habe mich von der Euphorie der Menschen direkt anstecken lassen. Die Stimmung war sogar noch mitreißender als beim Fußball-WM-Finale! 😀 Und wahrscheinlich bin ich mehr wegen der Tatsache, dass ich nicht so gut tanzen und singen kann wie die anderen, aufgefallen, als wegen der Hautfarbe.

Um für ein bisschen Vorweihnachtsstimmung zu sorgen, habe ich mit den Kindern Zuhause Weihnachtsplätzchen gebacken. Es war gar nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe, weil wir weder eine Waage noch einen Rührer hatten. Wir haben einfach mal alle Zutaten auf gut Glück zusammen gemischt und den Teig dann mit Stöcken ausgerollt. Am Ende waren wir alle voller Mehl und ich habe versucht den Kindern deutsche Weihnachtslieder beizubringen. Es war ein komisches Gefühl bei 30 Grad Weihnachtsplätzchen zu backen, aber es hat super viel Spaß gemacht und die Kekse haben auch fast so gut geschmeckt wie Zuhause!

 

received_1019245091452163 (1)

 

Hier wird es nie langweilig, es passiert jeden Tag etwas Neues! Vor ein paar Wochen hat mir ein Mann auf dem Markt eine ganze Kuh angeboten, wenn ich mir alle Haare abschneide, damit man daraus eine Perücke für seine 2. Frau machen kann.

Letzten Monat war ich Brautjungfer auf einer afrikanischen Hochzeit, es hat richtig viel Spaß gemacht und es war interessant zu sehen, was es hier so für Traditionen und Bräuche gibt! Als ich den männlichen Gästen erzählt habe, dass der Bräutigam in Deutschland meistens keine Kühe und Ziegen an den Brautvater bezahlen muss, konnten sie es erst gar nicht glauben.

Gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen habe ich versucht den Mädchen an einer Schule deutsche Standardtänze beizubringen. Es hat nicht ganz so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben, und am Ende haben wir uns auf das Spiel Stoptanzen beschränkt, aber alle hatten viel Spaß und wir werden auch nicht aufgeben.

 

Dank einiger Spenden von Zuhause konnte ich auch mein Gefängnisprojekt realisieren. Einmal pro Woche fahre ich ins Frauengefängnis und bringe den Babys und Kindern, die dort aufwachsen müssen, Kleidung, frisches Obst und Medikamente. Ich versuche eine Art Kinderbetreuung aufzubauen, um ihnen das Aufwachsen im Gefängnis ein bisschen kindgerechter zu machen.

 

received_1019245018118837 (1)

received_1019244728118866

 

Aus dem Babywaisenhaus, in dem ich arbeite, wurde ein kleiner Junge adoptiert, er lebt jetzt bei einer Familie in Belgien. Wir sind alle ziemlich glücklich und freuen uns für ihn! Oft macht es mich sehr traurig, dass die meisten noch so klein sind und keine richtige Familie haben. Obwohl ich mich auch jedes Mal freue, wenn neue Kinder zu uns kommen, möchte ich eigentlich gar nicht wissen, was der Grund dafür ist. Aber sie haben sich, sie stärken und unterstützen sich gegenseitig. Eins der Kinder, ein 6-jähriges Mädchen, das ein bisschen Englisch spricht, hat letzte Woche zu mir gesagt, dass sie doch eine Familie hat und zwar eine ziemlich große, über 25 Brüder und Schwestern, nämlich alle, die auch hier leben. Die Kleinen machen einen wirklich glücklich, ich habe ein paar von ihnen letztens auch die Gesichter bunt angemalt und sie wollten sich abends gar nicht mehr sauber machen lassen! 😀

Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

received_1019245054785500 (1)

 

 

Weitere Impressionen:

received_1024510694258936 received_1019245381452134 (1) received_1019245068118832 (1) received_1019245058118833 received_1019244811452191received_1019244808118858 (1)