Malawi: 1.Rundbrief von Johannes Lau

1. Rundbrief aus Mangochi, Malawi von Johannes Lau

 

Ankunft in Malawi

Als ich am Vormittag des 30. Juli das Flugzeug auf dem Flughafen von Lilongwe verlassen durfte, war das erste, was mir entgegen kam, eine angenehme Brise warmer Sommerluft! Das war nach viel zu heißen 45 Grad in Dubai, wo ich fast 24 Stunden Zeit hatte den Flughafen zu verlassen, und viel zu kalten 3 Grad in Südafrika, wo ich mir immerhin für 3 Stunden die Stadt Boksburg angeschaut habe, das wohl angenehmste Wetter auf meiner Reise.

Der Kontrast zwischen dem Flughafen von Dubai, wo ich noch von einer Unmenge an übergroßen Rolex-Wanduhren umgeben war und dem Flughafen von Lilongwe, wo ich das (vermutlich wegen eines Stromausfalls) unbeleuchtete Gepäckband mit meiner Taschenlampe absuchen musste, um meinen 32 Kilo schweren Koffer zu finden, war groß- und dazwischen lagen gerade einmal 12 Stunden! Wenige Minuten nach meiner Ankunft gab es dann ein besonders herzliches Willkommen durch meinen Projektleiter Patterson Majonaga und seine Frau Rose.

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Malawischer Gemuesemarkt

Vom Flughafen aus ging es zügig und mit offenem Fenstern über eine mit Schlaglöchern übersähte Straße zu einem Freund meines Schulleiters. Dort angelangt war meine erste Frage, in welchem Dorf wir uns gerade befänden– doch mir wurde schnell erklärt, dass das Dorf  tatsächlich die Hauptstadt Lilongwe war. Naja, das war wohl das erste Fettnäpfchen… „Don’t compare your cities to our cities“ war der Rat der mitreisenden Malawier.

Und tatsächlich ist Lilongwe – auch weil es größtenteils erst nach der Unabhängigkeit Malawis geplant und bebaut wurde und daher weder Gebäude im Kolonialstil noch ein „europäisches Stadtzentrum“ hat- ganz anders als die meisten westlichen Städte, die ich bisher kenne.

Eine Schwierigkeit bestand darin, einen Geldautomaten zu finden, der meine MasterCard akzeptiert, da ich vor meiner Abreise noch kein Geld in die lokale Währung „Malawi Kwacha“ umgetauscht hatte. Da die Beschriftung „akzeptiert MasterCard“ an vielen Geldautomaten jedoch eher Dekoration war, dauerte es fast eine Stunde bis wir einen Geldautomaten fanden, der dies auch tatsächlich tat.

 

Einführungeminar

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Konvent der Franziskanerschwestern

Obwohl ich leider nur eine knappe Woche mit meiner Vorgängerin Kate und ihrer Schwester Ruth im Projekt verbracht habe, war es wirklich sehr hilfreich die erste Woche meines Freiwilligendienstes nicht ganz alleine bewältigen zu müssen. So musste ich nicht erst mühsam alleine herausfinden wo ich z.B. Lebensmittel kaufen kann, wieviel ein Fahrradtaxi zur Schule kosten sollte und welche Shops ihre Produkte zu fairen Preisen verkaufen.

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Kochen über dem Feuer

 

Nach einigen lustigen Abenden mit malawischem Essen ging es für mich dann schon weiter nach Ludzi, einem kleinen Ort in der Nähe der Grenze zu Sambia, in dem quasi alles der katholischen Kirche gehört: Zwei Kirchen, Pfarrei, Konvent der Franziskanerschwestern, Jungeninternat, Mädcheninternat.

An dem Seminar habe ich mit 6 Freiwilligen der Franziskanerschwestern Salzkotten teilgenommen. Da die anderen Freiwilligen alle Mädchen waren, wurde ich getrennt im Gästehaus des Konventes untergebracht – zusammen mit einem sehr netten Priesterschüler aus Südindien, mit dem ich viele amüsante indisch-deutsch-malawische Fusionsküchenexperimente ausprobiert habe.

 

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Gegenseitige Neugierde?

In den 3 Wochen haben die Franziskanerschwestern und einige Lehrer_innen der „Primary School“  uns die Landessprache Chichewa und weitere wichtige Dinge näher gebracht. Dazu gehörten z.B. Kleidung mit der Hand zu waschen, über offenem Feuer zu kochen, usw.

 

MOET

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MOET, Blick von der Straße

Die Schule

Zu guter Letzt natürlich auch noch etwas zu dem wichtigsten Teil meines Freiwilligendienstes – meine Projektstelle. Das MOET (Mangochi Orphans Education and Training) ist eine Grundschule für Waisenkinder von der 1. bis zur 8. Klasse. Im Jahr 1999 kaufte mein Projektleiter Patterson Majonanga (bis dahin Schulleiter der öffentlichen Grundschule des nächst größeren Orts) ein Stück unbebautes Land, um dort Waisenkinder zu unterrichten. Da die Regierung jedoch private Schulen nicht unterstützt(e), bemühte er sich von Anfang an darum Sponsoren innerhalb -und später auch außerhalb Malawis- zu finden. Dank ihrer Unterstützung (v.a. aus Großbritannien) gibt es heute bereits acht Klassenräume, eine Bibliothek, ein Büro und ein „Vocational Skills Building“ zum Erlernen von sowohl berufsbezogenen als auch alltäglichen Tätigkeiten.

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MOET, Bibliothek und Office

Meine Aufgaben:

Den größten Teil meiner Aufgaben hier macht in der Regel das Unterrichten aus. Ich unterstütze fast jeden Tag beim Englischunterricht in der 6. Klasse und in der 5.-7. Klasse beim Computerunterricht. Da von den ca. 100 Kindern der drei Klassenstufen jedoch nur etwa 5-10 auch zu Hause einen Computer haben, ist dieses wohl das beliebteste Fach. Immer wieder mogeln sich immer Kinder hinein, die eigentlich gar nicht in die eingeteilte Gruppe gehören.

Angefangen haben wir mit den wichtigsten Grundlagen (Was ist ein Computer, wie funktioniert die Tastatur,…?) und mittlerweile schreibt schon fast jedes Kind einen kleinen Text über sich und seine Familie am Computer.

Häufige und nicht planbare Stromausfälle geben, wie vielem hier, dem Computerunterricht das gewisse Etwas an typisch afrikanischer Unberechenbarkeit.

Gerade der Unterricht in der 6. Klasse macht mir besonders viel Spaß, weil ich dort immer mit den gleichen Schülern zu tun habe, die ich mittlerweile auch schon ganz gut kenne.

Fast alle Kinder sind sehr motiviert und als Masse ziemlich quirlig. Doch -wie überall- gibt es natürlich auch hier ein paar Desinteressierte, die ihre Zeit vor allem damit verbringen in die Luft zu starren.

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“Meine” Klasse, Standard 6

Da ich mittlerweile schon fast ein halbes Jahr in Malawi bin, hätte ich eigentlich noch viel mehr zu berichten. Weil dies aber mein erster Rundbrief ist, hebe ich mir mal etwas davon für die nächsten auf, die nun hoffentlich etwas regelmäßig folgen werden.

 

Vielen Dank an alle Leser und liebe Grüße aus Malawi,

Johannes