Rumänien: 3.Rundbrief von Laura Lechner

Petroşani, den 03.03.2016

Liebe Leserinnen und Leser,

es sind schon wieder einige Monate vergangen, als ihr das letzte Mal von mir gehört habt.
In diesem Rundbrief mache ich erst einmal einen etwas größeren Zeitsprung, und fange ab Ende November an zu erzählen.
Viel Spaß beim Lesen!

Gala Voluntarilor – Freiwilligengala

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Die Gruppe aus Petroșani

Am 21. November fand eine große Freiwilligengala statt, zu der alle Freiwilligen der Caritas Alba Iulia eingeladen wurden. Gefeiert wurde in einem riesigen, festlich geschmückten Saal in Miercurea-Ciuc.
Wir aus Petroşani waren insgesamt eine Gruppe von 13 Personen: 12 Freiwillige und unsere Koordinatorin Ramona.
Schon gegen zehn Uhr Morgens haben wir uns getroffen und mit einem Minibus die Fahrt nach Miercurea Ciuc auf uns genommen.
Nach einer Begrüßung und einer Bilderpräsentation wurden auf der Veranstaltung selbst nach und nach die verschiedenen Städte aufgerufen um sich auf der Bühne zu versammeln. Jedem wurde persönlich ein kleines Geschenk überreicht, ein Kalender für das Jahr 2016 sowie ein kleiner Lebkuchen, als Dank für die ehrenamtliche Tätigkeit. Danach wurde kräftig gefeiert und getanzt. Am nächsten Morgen sind wir nach Sighişoara gefahren, um uns dort für ein paar Stunden die Stadt anzusehen. Sighisoaras Altstadt gehört zum Weltkulturerbe und ist dementsprechend wirklich sehenswert!
Gegen Nachmittag ging es dann wieder zurück nach Petroşani, da wir noch immer eine vierstündige Fahrt vor uns hatten.
Alles in allem war es ein sehr anstrengendes, aber auch sehr schönes Wochenende und ich konnte die anderen Freiwilligen der Jugendgruppe besser kennenlernen.

Weihnachten im Schuhkarton

… bei dieser Aktion werden in Deutschland Weihnachtspäckchen für Kinder in Rumänien, der Ukraine und in Moldawien gepackt und durch deutsche Freiwillige in den einzelnen Städten verteilt. Den Anfang der Aktion, die sich über eine Woche erstreckte, machte nicht die Ankunft der Freiwilligen, denn schon davor gab es einiges zu tun.
Zuerst einmal musste ein Programm für die Woche ausgearbeitet werden; also wann wir genau wohin fahren sollen, um die Päckchen zu verteilen. Nicht nur das Zentrum, in dem ich arbeite, erhielt Weihnachtsgeschenke, auch viele ähnliche Zentren, Schulen, Kindergärten und Vereine in der Umgebung.
Auch im Haus der Caritas gab es einiges zutun: wir haben Matratzen vom Dachboden geholt, die zwei Gästezimmer hergerichtet und ich bin für die Woche in das Büro einer Kollegin „umgezogen“, da in meinem Zimmer auch ein Teil der Freiwilligen geschlafen hat.
Mit Doamnă Cîşlariu habe ich am Vortag hunderte Salmale für die Gäste gemacht. Salmale ist ein rumänisches Essen, was zum Beispiel von vielen Familien an Weihnachten gegessen wird. Dazu kocht man Kohlblätter, die dann mit einer Füllung aus Hackfleisch, Reis, Gemüse und Gewürzen gefüllt und gerollt werden. Dazu isst man Mămăligă, wie hier Polenta genannt wird, und Smântână, eine Art Schmand mit etwas säuerlichem Geschmack. Salmale sind, neben dem Dibbelabbes meiner Oma, zu meinem absoluten Lieblingsessen geworden und: die von Doamnă Cîşlariu, da bin ich überzeugt, sind die besten, die man finden kann.
Sonntagabend kam die Gruppe an und direkt nach der Ankunft haben wir die Päckchen, die in Umzugskartons nach Alter und Geschlecht sortiert waren, ausgeladen und sie in der Stadt in einer Halle verstaut. Dies ging aufgrund der vielen Hilfe von der Jugendgruppe, von Gemeindemitgliedern der katholischen Gemeinde und anderen Helfern erstaunlich schnell.
Innerhalb von drei Stunden waren wir mit dem Ausladen fertig, obwohl noch einige hundert Päckchen im Keller der Caritas unterkommen mussten, da im Lager nicht genug Platz war.
In der darauffolgenden Woche wurde die Gruppe der Deutschen noch einmal geteilt und jede der zwei Gruppen fuhr mit zwei Mitarbeitern der Caritas zu verschiedenen Orten, wo die Päckchen verteilt wurden.
Von Montag bis Donnerstag waren wir dann mit dem Verteilen der

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beim Geschenkeauspacken im Zentrum

Päckchen beschäftigt. Morgens um 7.30 Uhr ging es mit dem Frühstück los und meistens waren wir so gegen 18 Uhr fertig mit dem Programm für den Tag.
Ich selbst wollte in dieser Woche von allem etwas mitbekommen und bin fast jeden Vormittag mitgefahren Geschenke verteilen. Nachmittags war ich im Zentrum und habe dort meine normale Arbeit erledigt.
Auch habe ich morgens im Lager geholfen, Päckchen und Kisten zu schleppen, was von uns nur „Bodybuilding“ genannt wurde, da man entsprechend Muskelkater danach hatte. Dort wurden auch Päckchen von verschiedenen Leuten abgeholt, zu denen in dieser Woche leider nicht fahren konnten, da dafür einfach die Zeit fehlte. Wir haben Autos beladen und viel umgeräumt, damit wir die Päckchen, die abgeholt wurden, nach Alter zusammenstellen und vorsortieren konnten.
Nach sechs Tagen und einer wirklich anstrengenden, aber mindestens genauso ereignisreichen und schönen Zeit, ist die Freiwilligen-Gruppe wieder abgereist und bei der Caritas der normale Alltag eingekehrt.

Im Zentrum haben wir am letzten Tag vor den Schulferien eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet, zu der auch die Eltern eingeladen waren. Die Woche davor haben wir jeden Tag einige Weihnachtsleider geübt und die Kindergartenkinder haben auch ein Gedicht eingeübt, von dem jedes Kind ein Vers vorgetragen hat.
Die Eltern waren wirklich super stolz auf ihre Kinder. Danach sind dann alle noch geblieben und haben „Cozonac“ gegessen, ein Kuchen aus Hefeteig mit verschiedenen Füllungen wie Rosinen oder Nüssen, der in Rumänien vor Weihnachten, Ostern und Neujahr gegessen wird.

Auch gab es im Stadtzentrum einen kleinen Weihnachtsmarkt, bei dem so etwas wie Glühwein verkauft wurde, was hier „vin fiert“, heißer Wein, genannt wird und überall in den Straßen wurde Weihnachtsbeleuchtung aufgehangen. Zwar war ich durch die „Weihnachten im Schuhkarton“-Karton zuerst zu beschäftigt, um in Weihnachtsstimmung zu kommen und das besserte sich nicht unbedingt, da ich wusste, Weihnachten nicht mit meiner Familie zu verbringen, aber trotzdem habe ich besondere Weihnachtsfeiertage erlebt und war im Nachhinein froh darüber, die Entscheidung getroffen zu haben, nicht nach Deutschland zu fahren.
Meine Weihnachts– und Neujahrsfeiertage habe ich zusammen mit Luise, einer anderen SoFiA-Freiwilligen, verbracht. Heiligabend waren wir bei Luise zu Hause in Miercurea Ciuc. Wir sind in die Weihnachtsmette gegangen und danach gemütlich gekocht.
Am Ersten Weihnachtsfeiertag sind wir in unseren kleinen Osteuropa-Rundtrip gestartet. Wir sind über Budapest, wo wir einen Tag verbracht haben, in die Ukraine gefahren. Dort haben wir uns für jeweils zwei Tage Lviv und Kiev angeschaut.
Am Silvestermorgen haben wir den Nachtzug nach Chişinau genommen, wo wir den Silvesterabend mit Leuten aus unserem Hostel verbracht haben und bei – 15 Grad zusammen auf der Straße gefroren und in das neue Jahr gefeiert haben.
Anfang Januar sind wir dann wieder von unserer Reise zurückgekommen und ich war wirklich froh, wieder in Petroşani zu sein und zum Zentrumsalltag zurückzukehren.

Teambuilding intern

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Meine Kolleginnen und Kollegen

Zwar gab es leider dieses Jahr keine Weihnachtsfeier für die Mitarbeiter der Caritas, aber dafür sind wir Ende Januar für ein Wochenende in die Berge gefahren. Wir haben eine kleine, gemütliche Hütte gemietet, die quasi direkt neben der Skipiste war, und dort zwei Tage zusammen verbracht. Dementsprechend waren wir Skifahren, was hier sich hier im Umkreis von Petroşani wirklich anbietet, und haben unsere Zeit mit gemeinsamen Kochen und Activity spielen verbracht. Zwar war das Activity spielen auf Rumänisch nicht unbedingt einfach, aber ich konnte dem Spiel folgen und ich hatte auch das Gefühl, dass die Mannschaft, in der ich war, nicht enorm benachteiligt war, sodass ich auch meinen Spaß daran hatte.
Und was am Wochenende immer wieder von allen betont wurde: Pantomime ist sowohl auf Englisch, Rumänisch und Deutsch dieselbe.

Das war ein Überblick meiner letzten Monate.
Und wie immer gilt: Ich freue mich sehr über Kommentare, Anregungen und Fragen.

Liebe Grüße
Laura