Bolivien: 3.Rundbrief Julian Hanowski

3 Monate ist es nun her, dass ich den letzten Brief verfasst habe, seitdem habe ich viel gesehen. Dabei war der November noch weitgehend alltäglich; das Schulleben war jedoch schon ziemlich von den herannahenden Ferien, die im Dezember beginnen sollten, geprägt. Dies zeigte sich vor allem in den Lehrfahrten, wie z.B einem Vormittag in der Nudelfabrik, sowie Aktionen zum Thema gesundes Essen oder wie auch dem Sportfest. Diese Zeit endete dann mit der Promotionsfeier, welche in etwa mit unserer Abiturfeier gleichzusetzen ist, weil man sich mit Erhalt der Promotionsurkunde nach Abschluss der 12- jährigen Schullaufbahn bei der Universität bewerben kann.

Generell gab es Ende November viele Feste, so war ich auf einigen Geburtstagen eingeladen, außerdem gab es ein sehr schönes Fest anlässlich der Vollendung meines eigenen 20ten Lebensjahres.

Die eigentlich spannende Zeit der letzten Monate begann jedoch erst im Dezember: Zuerst bekam ich in den ersten Dezembertagen Besuch von einer Gruppe Mitfreiwilliger. Mit diesen habe ich dann drei Tage lang meine eigene Stadt kennengelernt. Das Umland von Santa Cruz  hat sehr viele Naturschönheiten, von denen ich die allermeisten noch nicht kenne.

Auf Reise

Kurz darauf ging es dann auch für mich auf große Fahrt. Die begann in Richtung Süden, nach Tarija.  Dort verbrachte ich 3 Tage in der in Bolivien vor allem für ihren Wein bekannten Stadt. Begleitet wurde ich dabei von einer dort wohnenden Mitfreiwilligen. Beim gemeinsamen Plätzchenbacken kam zum ersten mal ein bisschen Weihnachtsstimmung bei mir auf. Tags drauf ging es dann zu Freiwilligen nach Sucre, bevor es zwei Tage später auch schon in deren Begleitung wieder nach La Paz weiterging. Dort verbrachte ich dann die Zeit bis Weihnachten. In einer Gruppe die zeitweise sogar aus 13 von 24 Freiwilligen, die wir insgesamt sind bestand, machten wir dann viele Tages- und Mehrtagestouren.

Die wohl Anstrengendste aber zugleich auch schönste und spannendste Tour war eine viertägige Wanderung von La Paz (etwas außerhalb) (~4500 Höhenmeter) über einen Berg (knapp 5000 Höhenmeter) hinunter nach Coroico, welches nur noch auf knapp 2000 Höhenmetern liegt. Wie man an den Zahlen bereits erkennen kann ging es also durch fast sämtliche Klimazonen Südamerikas, und das zu 8, mit zwei Zelten und Lebensmitteln, für knappe drei Tage. Zu unserem Glück konnte man aber alle paar hundert Meter einen Wasserfall finden, dessen Wasser frisch aus der Bergquelle kam und sehr angenehm kühl war. Besonders spannend wurde das ganze auch, weil wir  keinem einzigen anderer Wanderer begegnet sind, was laut den Einheimischen daran liegt, das generell wenige Leute dort wandern, wie aber auch an dem eher regnerischen Wetter. Ein ziemliches Abenteuer also. Interessant fand ich auch die Unterhaltungen mit den dort lebenden Menschen. Wie zum Beispiel dem jungen Bergbauern mit seiner Familie von dem ich viel über Lamas gelernt habe.

Auch abenteuerlich, aber deutlich bekannter und somit auch viel befahren, war die „Camino de la Muerte“ Todesstraße, ebenfalls von La Paz nach Coroico. Diese fuhren wir, wie das sehr viele Touristen tun, mit dem Mountainbike den Berg runter. Ein sehr schöner actionreicher Tag. Die Straße heißt deswegen so, weil sie sehr eng ist, und sehr steil runter geht und vor dem Bau der neuen Straße, dort viele Menschen nicht am Ziel angekommen sind.

Weihnachten

Am Tag vor Heilig Abend trennte sich dann die Gruppe und die meisten fuhren schließlich  zu ihren Projekten oder Gastfamilien um dort Weihnachten zu verbringen. So ging es dann auch für mich zurück nach Santa Cruz de la Sierra um dort bei 30 Grad das Fest der Geburt Jesu zu feiern.

Heiligabend lief hier im Grunde genommen ähnlich wie bei uns ab. Wir gingen in die Kirche, danach gab es ein leckeres Abendessen beim Weihnachtsbaum mit Krippe und anschließend eine Bescherung. Die einzige Sache die mich leicht verwirrte, genauso wie sie auch meine Nachbarn aus anderen Teilen Boliviens verwirrte, war das Feuerwerk gegen Mitternacht, ein Feuerwerk, wie wir es von Silvester kennen. Das scheint aber einzigartig in Santa Cruz zu sein und ist in den meisten Regionen nicht auf Rest-Bolivien übertragbar. Generell ist es ein seltsames Gefühl Weihnachten, dass ich von klein auf immer mit meiner Familie gefeiert habe, plötzlich so weit weg zu verbringen.

Wenige Tage nach Weihnachten ging es dann zusammen mit Freiwilligen und weiteren bolivianischen Freunden nach Sucre. Silvester stand vor der Tür. Dazu trafen wir uns, mit fast 20 Leuten, im Haus der dortigen Freiwilligen. Auf der Busfahrt wurden mussten wir viele Stunden in den Bergen warten, weil ein Hang eine Straße und ein Dorf begraben hatte, auch eine negative Seite Boliviens. Manchmal gibt es Unfälle wegen Mängeln beim Bau von Infrastruktur. Die besagte Bergstraße, ein Straßenneubau der letzten Jahre, wurde an sehr vielen Stellen, mangels Sicherung vor Erdrutschen, beengt oder beschädigt.

Am zweiten Tag des neuen Jahres mussten wir aber auch schon wieder weiter. Nächstes Ziel: Cochabamba. Zwischenseminar: Acht Tage unterhielten wir uns über alle Facetten und Ereignisse unseres Freiwilligendienstes, bzw. machten uns Gedanken wie wir unsere Zukunft im Projekt, und auch darüber hinaus gestalten wollen. Dabei wurde mir erst so richtig bewusst wie lange ich eigentlich schon hier bin, wie viel ich so erlebt habe und dass es bald ja schon wieder nach Hause geht. 6 Monate vergingen wie im Flug. Die nächsten 7 werden es wohl auch.

Und deswegen nutzte ich die Zeit, meine Ferien, um mir das Land in dem ich nun schon so lange lebe, etwas genauer anzuschauen. Dazu ging es nach einem kurzen Aufenthalt im Zentrum von Cochabamba, zusammen mit zwei weiteren Volontarios weiter nach Copacabana. Die wohl bekannteste bolivianische Siedlung am Titicacasee. Der größte See Boliviens und der höchstgelegene schiffbare See der Erde. Dieser bildet auch gleichzeitig eine Grenze mit Peru. Dort schauten wir uns dann ganz klassisch touristisch ein bisschen die Inseln und Umgebung an. Bei einer Bootsfahrt lernte ich  dort auch meine spätere Reisebegleitung kennen.

Leider musste ich mich an diesem Tag auch gleich schon wieder von ihr trennen. Unsere ganze Gruppe dieses Tages löste sich (planmäßig) in viele verschiedene Richtungen auf. Für Peter und mich ging es über die Grenze ins Nachbarland Peru. Mit etwas Glück Geschick und Sprache, gelang es uns, eine vergleichsweise einfache und günstige Tour nach Machu Pichu zu buchen. Preis 80 Euro. Der Normalpreis ist mindestens das Doppelte, für mehr Bequemlichkeit kann man auch das 3-4 fache, bzw. nach oben hin natürlich alles offen kaufen. Die „Touristenfalle“ bekamen wir dann leider trotzdem später zu spüren, als man uns auf dem Rückweg nach Bolivien, bezüglich unseres Busses, auf ganzer Linie betrug. Trotzdem bleibt mir Machu Pichu in sehr schöner Erinnerung, die Stadt ist einfach etwas außergewöhnliches, was man sich auf jeden Fall mal anschauen sollte, wenn man mal gerade in der Nähe ist. Auch in Peru habe ich tolle Menschen kennengelernt, eine Gruppe Chilenen. Wie viele Gruppen auf dieser Reise, inklusive meiner eigenen, haben sich diese Gruppen erst wenige Tage zuvor auf Busbahnhöfen, in Hotels oder Ausflugsbooten ergeben. Dies war für mich einer der schönsten Teile meiner Reise, da ich sehr viele unterschiedliche, aber immer sehr herzliche und abenteuerliche Mitmenschen getroffen habe.

Wie bereits angedeutet habe ich so auch eine junge Argentinierin kennengelernt. Durch etwas Glück und Zufall trafen wir uns kurze Zeit nach meiner Ankunft ein zweites mal. Diesmal in La Paz. Wie der Zufall es wollte bekam ich einen Anschlussbus nicht, und war dadurch angewiesen einen Tag länger zu bleiben. Durch dieses Treffen aber änderten wir beide dann unsere Pläne und begaben uns gemeinsam in die Yungas.  Diese Tage waren für mich besonders erlebnisreich, weil wir es tatsächlich schafften von meist weniger als 10 Euro (statt üblichen 20-30) zu reisen. So fuhren wir mit den Überlandbussen der einfachen Bevölkerung oder per Anhalter und lernten so die entlegensten und ländlichsten Gebiete kennen. Besonders gut in Erinnerung blieb mir der Tag mit dem Kokabauern in den Yungas, der uns alles über Koka und andere Pflanzen seiner Region zeigte, und mit dem und dessen Familie wir anschließend im Wildwasserfluss schwimmen waren. Der Fluss war schneller als der jedes mir bekannten Abenteuerschwimmbades in Deutschlands, nur taten die Steine unter den Füßen auf Dauer etwas weh.

Am 24ten Januar fanden wir uns dann gemeinsam mit  Mitarbeitern der Hermandad sowie Verwandten und Freunden der bolivianischen Freiwilligen in Deutschland, am Flughafen El  Alto ( La Paz) ein, um diese dort bei ihrer Rückkehr in Empfang zu nehmen.

Anschließend setzte ich mich mit meiner argentinischen Freundin in den Bus nach Santa Cruz. Nach einem Monat Reisen, und 6 Wochen Ferien ging es wieder zurück in den Alltag, und für meine Mitreisende ging es ebenfalls über Santa Cruz nach Hause in den Norden von Argentinien. Auch Maurico, der ehemalige Freiwillige des Hochwaldgymnasiums in Wadern steht seit seiner Rückkehr in gutem Kontakt zu mir.

Ich selber arbeite seit der letzten Januarwoche wieder im Colegio Martin Sappl. Zu Beginn des neuen Schuljahres wurde ich dort unter anderem mit einem neuen Projekt, der Herrichtung des Computersaals und der Mitbetreuung des Unterrichtes vertraut, mehr dazu gibt es  aber erst im nächsten Rundbrief.

Zu guter letzt freue ich mich darauf Anfang Februar Besuch aus Deutschland zu bekommen. Darüber werde ich dann auch im nächsten Rundbrief einiges berichten können.

Wie ihr seht ist also sehr viel passiert in den letzten Wochen.

Liebe Grüße:                                                    Julian