Bolivien: 4. Rundbrief Julian Hanowski

Liebe Leser und Leserinnen,

Nachdem ich mir beim letzten Rundbrief drei Monate Zeit genommen habe, umfasst dieser nun eher eine kurze, aber mindestens genauso ereignisreiche Zeit.

Seitdem ich im vergangenen Bericht sehr viel von meinen sechs Wochen Sommerferien berichtet habe, bin ich nun wieder mitten im Projekt angekommen. Gegen Ende Januar begann dies mit den Planungen, wie ich den mit der neuen Aufgabe, der Herrichtung, Einrichtung und Ausstattung des Computersaals umgehen soll.

Diese wurden jedoch Anfang Februar durch Besuch aus Deutschland kurzzeitig unterbrochen. Gemeinsam mit Mauricio, dem ehemaligen Cruzeno Freiwilligen in Deutschland, führten wir meine Eltern durch mein Projekt, Santa Cruz, und später auch ein wenig durch das bolivianische Hochland.

Auf Reise

Dabei besuchten wir auch Konrad Lisowski, einen Priester der zurzeit ebenfalls über die Hermandad, bzw. auch über das Bistum Trier, in El Alto (La Paz) arbeitet. Die Tour wurde leider durch Landesweite Straßenblockaden massiv behindert. Mehr als eine Woche lang legten Lkw Fahrer aus Protest gegen zu hohe Steuern ganz Bolivien lahm, indem sie die wenigen Straßen einfach an allen Stellen mit ihren Lkw zustellten. In Santa Cruz soll dies das erste mal gewesen sein, in anderen Landesteilen gehört es aber mittlerweile so fest in den Jahreskreislauf wie Weihnachten und Ostern. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es halt wenige Nebenstrecken, und so kommt es, dass es zwischen Städten und Entfernungen vergleichbar wie Saarbrücken und Köln halt manchmal nur eine einzige Straße gibt und man auch nicht auf die Bahnstrecke ausweichen kann, da es diese auch nicht gibt.

Beim Karneval wurden dann leider einigen Freiwilligen, darunter auch mir, ihre Mobiltelefone teils mit Gewalt geraubt. Zum Glück ist aber niemand wirklich ernsthaft verletzt worden und man muss auch sagen, dass dies nicht alltäglich ist, jedoch ab und zu vorkommt. Mittlerweile habe ich aber dank sehr gutem Service bolivianischer Mobilfunkbetreiber meine alte Nummer wieder, bzw. auch habe ich kaum Daten verloren, da ich mir diese vorher alle gesichert hatte.

Sehr glücklich bin ich auch seit Mitte März nun wieder über ein Handy auf aktuellem Stand der Technik zu verfügen, was diese angeht, ist Santa Cruz uns nämlich um einiges voraus, was Netzausbau z.B angeht.  Hier hat fast jeder ein 4g bzw. LTE Smartphone, weswegen ich mit meinem alten EDGE Ersatzgerät eher alt aussah, da auch die Netze komplett auf LTE ausgelegt sind und man wirklich bis in die entferntesten Ecken vollen Empfang hat.

Zurück in Santa Cruz

Mitte Februar dann kehrten meine Eltern auch schon wieder nach Deutschland zurück, und für mich ging mein Alltag wieder weiter. Ein Techniker richtete den Computersaal ein, da sich herausstellte, dass es doch sehr viel zu tun gab bei dem es sinnvoller war auf einen Fachmann zurückzugreifen. Außerdem gibt es nun einen neuen Computerlehrer welcher den Unterricht leiten wird und ich werde somit die Möglichkeit haben mich auch wieder im Englischunterricht, bzw. meinen eigenen Projekten einzubringen, und nicht nur einzig und allein Computerunterricht zu geben.

Dieser allein würde leider meine Möglichkeiten und Fähigkeiten sehr weit übersteigen, da dies eine sechs Tage Woche bedeuten würde, was mit 35 Kindern pro Kurs definitiv sehr anstrengend ist. Bisher arbeitete ich zeitweise für ein paar Wochen mangels Personal noch als volle Lehrkraft und freute mich deswegen auf Ablösung. Anfang Februar meldete sich auch offiziell mein Nachfolger bei mir und ich freue mich, dass es somit weiterhin Freiwillige an diesem schönen Ort geben wird. Wie ich ja auch vor langer Zeit einmal, ist dieser ebenfalls Schüler des Hochwaldgymnasiums, unserer deutschen Partnerschule. Mitte März wurden von Geldern die in Deutschland im Rahmen der Partnerschaft gesammelt wurden neue Computer für unseren Computerraum gekauft. Dazu gibt es dann vielleicht demnächst auch noch einen ausführlichen Zeitungsartikel in Deutschland.

Ein weiteres erwähnenswertes, aktuelles Ereignis war das Referendum, über eine 4te Amtszeit des Präsidenten, bzw. die Verfassungsänderung um diese zu ermöglichen. Anders als in Deutschland herrscht hier Wahlpflicht, wer nicht wählt wird mit drei Wochen ohne Geld von der Bank bestraft. Ebenso gab es ein Alkoholverbot, sowie ein Verbot sämtlicher Fahrzeuge auf den Straßen, obwohl beide letzteren leider relativ oft missachtet wurden. Das Ergebnis ist sehr knapp, weswegen es lange dauerte bis es veröffentlicht wurde. Die Bevölkerung entschied sich letztendlich mehrheitlich gegen  die Initiative, was in Santa Cruz am Wahlabend bereits freudig gefeiert wurde.

Natürlich gibt es immer Dinge mit denen man nicht so einverstanden ist, Dinge die einem viel Arbeit und viele Sorgen machen,und doch kann ich sagen, dass ich ich trotzdem sehr glücklich bin hier in Santa Cruz zu sein. Die Stadt und die Menschen faszinieren mich einfach jeden Tag aufs neue und ich freue mich über jeden neuen Morgen und jede neue Bekanntschaft.

Schöne Grüße aus dem momentan herbstlichen, eher kühlen und regnerischen.. (also nur zwischen 25 und 31 Grad warmen) Santa Cruz.

 

Julian