Angekommen.

Nun lebe ich schon einige Zeit hier in El Alto und es wird Zeit euch von meinen ersten Eindrücken zu berichten . Als ich am 06 . August in El Alto gelandet bin, hat die Höhe mir erstmal zu schaffen gemacht . Es ist dann doch schon ein Unterschied auf knapp 4100m Höhe . In der Eingangshalle wurden wir dann auch schon herzlich von unseren Gastfamilien und der Hermandad (Die Partnerschaft zwischen der Diozösen Hildesheim und Trier, die sich hier auch um uns Freiwillige kümmert) empfangen. Anschließend ging es auch schon los in mein neues Zuhause für die nächsten 4 Wochen .

Von dem 4100m hoch gelegen El Alto ging es dann auf nicht so ganz hohe 3600m in den Stadtteil La Paz . Von dem ersten Tag habe ich nicht besonders viel mitbekommen ,da mich der lange Flug ziemlich fertig gemacht hat. Mein Zimmer teile ich mir mit einer Freiwilligen aus Hildesheim. Vielleicht kurz zu meiner Gastfamilie : diese besteht aus meiner Gastmutter Lourdes ihrem Mann Juan Carlos und deren 3 Kinder Sebastian ,Monze und ihrer ältesten Tochter Naira (die Gott sei dank noch aus ihrem Freiwilligendienst in Deutschland  deutsch sprechen kann, das hat mir so oft geholfen ).

Zusammen leben wir in Bajo Llojeta einem Bezirk von La Paz .

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(Ausblick von unserem Haus )                                         (Garten vor dem Haus )

Die nächsten 4 Wochen werde ich in La Paz einen Sprachkurs besuchen ,( um nicht völlig verloren zu sein) , mit dem Minibus geht es um kurz nach 13 Uhr zur Sprachschule. An den Fahrstil der Bolivianer muss ich mich erst noch gewöhnen. Der Verkehr ist um es milde zu beschreiben „Chaos“ pur , jeder fährt wie es ihm gerade passt (aber man kommt sicher an) . Der Sprachkurs geht die erste Woche von 14-19 Uhr ,ziemlich lange vor allem weil man sich gegen Ende nicht mehr konzentrieren kann ,aber auf Sprachlevel A1 werden die Sachen zum Glück eher locker angegangen. Die Wochen danach geht der Sprachkurs nur noch von 14-18 Uhr .(Gott sei dank ) Wir sind eine kleine  Lerngruppe von 5 Schülern , liegt wahrscheinlich an der Größe dass wir so gut harmonieren. Am Ende der 4 Wochen , muss ich ein Examen bestehen um offiziell Level A1 bestanden zu haben .

Zweimal die Woche ,machen wir mit der Sprachschule eher touristische Dinge wie z.B den Hexenmarkt besuchen „Mercado de Brujas“ oder helfen den „Zebras“ einen Tag:

Der „Meracdo de Brujas“ befindet sich hinter der Kirche San Francisco , man merkt direkt dass die Hexenstraße ein beliebter Platz für Touristen ist , man kann viele traditionelle Sachen kaufen wie z.B  Ponchos ,Beutel in bunten Farben, Postkarten , eigentlich fast alles was man haben möchte (Die Märkten sind außerdem ein guter Platz um sich im handeln zu üben , man kann den Preis fast immer etwas drücken 😉 )

Die „Zebras“ regeln in La Paz den Verkehr , da die Autofahrer nicht auf die Fußgänger achten , das kann man sich so vorstellen wenn die Ampel auf Rot umschaltet , „lotzen“ die Zebras die Fußgänger über die Straße und performen nebenbei eine kleine Show. Diese Aufgabe wurde dann an uns übertragen , nach einer langen Initiation(mit Entspannung , Sport und Versetzen in verschiedene Situationen ) wurden wir in die Familie der Zebras aufgenommen , in einem Zebrakostüm , einer anderen Freiwilligen und einem Zebra das mehr Erfahrung hat als wir gingen wir dann zu unserem zugeteilten Ort . Wenn die Ampel auf Rot umgesprungen ist ,liefern Sophie und ich eine kleine Show wie z.B tanzen wir den Macarena ( man macht sich also ziemlich zum Kasper aber da man das Gesicht nicht sieht macht das nicht so viel ) , die „Zebras“ werden hier so respektiert dass die Leute auf sie zu kommen um Bilder von oder mit ihnen zu machen , am süßesten ist es aber wenn die Kinder auf zu kommen und einen anschauen oder einem zu winken.

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Andere Ausflüge mit der Sprachschule waren z.B die Tour mit den Schuhputzern durch La Paz. Die Schuhputzer und Straßenkinder werden von der Organisation„Vamos Juntos“ betreut , in La Paz gibt es ziemlich viele Schuhputzer einmal  die mobilien mit einer kleiner Kiste in der sich alles befindet was sie brauchen (Schuhcreme für die verschieden Schuhe , eine Bürste ,Handschuhe ) und die unmobilien, die an einem festen Platz einen großen Stuhl haben, auf dem sich die Kunden  setzten und ihre Schuhe gesäubert bekommen.

Der Beruf Schuhputzer ist nicht nur mit  vielen Vorurteilen behaftet wie z.B alle Schuhputzer trinken viel Alkohol oder schnüffeln Klebstoff oder nehmen Drogen im Allgemeinen , es herrscht auch eine große Diskriminierung und Feindseligkeit unter den Schuhputzern selbst: die umobilen Schuhputzer mit Stühlen diskriminieren die anderen Schuhputzer, da diese flexibler , mobiler und vor allem günstiger als sie sind als sie selbst. Die Diskriminierung und die Vorurteile gehen so weit, dass die Schuhputzer Masken tragen um ihre Identität geheim zu halten , denn in den meisten Fällen wissen  Freunde und Familie nicht, dass man Schuhe putzt.

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Auf unseren Tour sind wir an vielen Plätzten vorbeigekommen an denen Schuhputzer auf uns gewartet haben, um uns ihre Geschichte zu erzählen. Es war sehr interessant von den Leuten selbst erzählt zu bekommen, wieso sie diesen Beruf ausüben .

(maskierter Schuhputzer auf der Straße )

Essen

(Saltenas sind mit  heißer Suppe gefüllte Teigtaschen. Es gibt die süße Variante mit Hähnchen und Kartoffeln und die scharfe mit Rindfleisch )

Traditionelles Essen gibt es an etlichen Straßenständen. Sehr viel konnte ich davon aber noch nicht probieren da mein Magen dafür noch nicht bereit ist . Ich konnte aber Kuhherz probieren: Kuhherz isst man abends mit einer scharfen Erdnusssoße und Kartoffeln.(Soo lecker !) Außerdem gibt es eine  süße Spezialität, die sich Api nennt (schmeckt wie Glühwein an Weihnachten ). Dazu isst man etwas frittiertes (kann nicht genau beschreiben was aber schmeckt auf jeden fall gut ). Essen bekommt man hier  wirklich überall. Man kann an jeder Ecke etwas zu essen kaufen . In der Nähe unserer Sprachschule ist ein Café mit dem Namen „Kuchenstube“ ( die den besten Kuchen machen , dort gibt es sogar Vanillekipferl oder richtigen  guten Kaffee aus einer Kaffeemaschine ). In Bolivien trinkt man überwiegend Instantkaffee und der schmeckt mir nicht so gut.

Copacabana (Titicacasee)

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(Ausblick vom Boot)

Nach 2 Wochen sind wir über das Wochenende  zu siebt an den Titicacasee gefahren . Endlich angekommen haben wir uns eine günstiges Hostel gesucht, das zum schlafen reicht(mehr musste es für zwei Tage auch nicht sein )  . An der Copacabana gibt es den besten Fisch. Deshalb haben wir zum Mittagsessen direkt Fisch gegessen . Danach sind wir mit einem Boot zu den „Floating Islands „ gefahren.

Es waren zwar schwimmende Inseln aber nicht mit Menschen die darauf wohnen sondern für Touristen gemacht. Wir hatten eher was anderes erwartet. Man konnte etwas essen oder trinken und  Souvenirs kaufen aber das wars dann auch und auf richtigen Schilf schwimmen diese Inseln nicht. Aber der Ausblick war es  wert gewesen. Letztendlich sind wir dann auf einen Fels geklettert und haben uns den Sonnenuntergang angeschaut ,also war der Bootstrip zu den schwimmenden Inseln doch nicht umsonst gewesen.

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Am nächsten morgen sind wir mit einem Boot zur Isa del Sol gefahren (nach 1 Stunde und 30 minuten sind wir endlich angekommen ). Lustigerweise muss man, um die Insel komplett sehen zu können, bezahlen . Während die anderen sich die Insel komplett angeschaut haben , haben wir zu dritt unten am See gewartet .

Am 2. September bin ich dann umgezogen. Jetzt wohne ich in El Alto also wieder auf 4100m in einem Freiwilligenhaus mit dri anderen Freiwilligen ( einem Italiener (Dario) , einer Spanierin(Almudena)  und einem anderen deutschen freiwilligen (Joan) ). Sie sind alle wirklich sehr nett , ab Dezember sind wir nur noch zwei Freiwillige , da Dario im Oktober seine  Freiwilligendienst beendet und Almudena im Dezember auch nachhause fliegt . Bin mal gespannt wie das zu zweit funktionieren wird .

Mein Projekt

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Jetzt vielleicht zu meinem Projekt :

Ich arbeite im Proyecto Palliri was aus 2 Kindertagestätten , einer Kinder & Jugendbetreuung für benachteiligte Kinder ,den Boutiquen (Coconut) und der Fabrica ( die Kleidung für die Boutiquen herstellt) und den Bauernhof . Montags ,Dienstags und Mittwochs arbeite ich normalerweise im „Centro Infantil“(im Sala Amarilla, im gelben Saal)  mit den Kindern von 4 bis 5 Jahren zusammen , Donnerstags und Freitags arbeite ich mit der Sozialarbeiterin aus der Kinder & Jugendbetreuung zusammen . Die nächste Zeit werde ich zweimal die Woche im Kindergarten helfen , 2 Tage in der Kinder und Jugendbetreuung und 1 Tag in der Fabrica mit arbeiten ( wird sehr abwechslungsreich).

Meine Aufgaben im Kindergarten sind : mit den Kindern zu essen um 09 Uhr gibt es Frühstück ( zum Frühstück gibt es z.B Milch mit Brot oder Kakao). Um ungefähr 12 halb 1 gibt es Mittagessen. Zum Mittagessen gibt es als erstes immer Suppe (nach der Suppe bin ich meistens schon satt ). Danach essen wir meistens etwas mit Reis oder Nudeln z.B Salchichas ( Würstchen ) oder Ensalada (Salat). Das Mittagessen geht meistens bis kurz nach 13 Uhr. Danach essen die Kinder ihre mitgebrachten Snacks , danach gehe ich zuerst mit den Mädchen Zähne putzen und das Gesicht waschen , dann bring ich die Mädchen in den Saal zurück und gehe mit den Jungen Zähne putzen und das Gesicht waschen .

Wenn alle in der Klasse sind gibt die Lehrerin (Professora Beatrize) den Kindern Aufgaben wie z.B Flaschendeckel mit bestimmtem Papier zu umwickeln( in dem Fall rot , gelb und grün ) und danach auf ein Papier zu kleben  wenn sie damit fertig sind ist auf dem Papier die Flagge von Bolivien zu sehen . So gegen 15 Uhr gibt es dann wieder Tee oder Kakao , danach ziehen die Kinder sich an ich wasche ihnen das Gesicht ab , creme sie ein und schaue, dass sie ordentlich angezogen sind. Gegen halb 4 werden die ersten auch schon abgeholt . Wenn nur noch wenige Kinder da sind räumen wir zusammen den Saal auf , kehren durch und stuhlen hoch . Um 16 Uhr hab ich dann Feierabend.

Mit der Sozialarbeiterin habe ich bis jetzt leider noch nicht soviel gemacht , deshalb kann ich darüber noch nichts berichten. So langsam aber sicher bin ich angekommen und habe mich eingelebt. Ich melde mich bald wieder und erzähle euch von meinen weiteren Eindrücken. Ich denke an euch und drücke euch ganz fest.

Hasta Luego

Eure Awa