Brasilien: 1. Rundbrief von Sara Peces-Calero

Abschied und Ankunft

Am 12.08.2016 hat meine Reise ins neue Unbekannte begonnen. Meine Mutter, meine beste Freundin und mein Freund haben mich zum Flughafen in Frankfurt gebracht, wo ich zusammen mit den beiden anderen Freiwilligen Daniel und Judith nach Fortaleza (Brasilien) geflogen bin. Der Flug ist soweit gut verlaufen und wir kamen wie erwartet in Fortaleza an. Nach unserer Ankunft haben wir auf eine Brasilianerin gewartet, die uns glücklicherweise beim Ticketkauf für den Bus und bei einer Reservierung eines Hotelzimmers unter die Arme gegriffen hat. Man soll ja nicht pessimistisch sein,  aber wir hätten ohne sie total versagt. Als diese Hürde genommen war, haben wir einen Tag Aufenthalt in Fortaleza gehabt, da der Bus am Ankunftstag schon ausgebucht war. Einen Tag später als geplant, sind wir abends in Fortaleza losgefahren. Da ich als erste aussteigen musste, bin ich ohne die anderen in Piripiri ausgestiegen. Um ca. 3 Uhr in der Nacht bin ich also in Piripiri angekommen. Ich hatte wirklich ein seltsames Gefühl (nicht, weil ich Schussel meinen Koffer im Bus vergessen hatte und nochmal wie eine „Wilde“ zurückgegangen bin), sondern weil ich nicht genau wusste, wie es weiter ging. Ich wusste nur, dass mich jemand von meiner Arbeit abholen sollte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, wie dieser jemand aussehen sollte. Als wir uns dann „endlich“ gefunden haben, fuhren wir zu meiner neuen Heimat Pedro II, welche ca. 30-40 Minuten von Piripiri entfernt liegt.

Mein Einsatzort: Pedro II

Hier in Pedro II, im nordöstlichen Bundesstaat Piauí,  gefällt es mir mittlerweile super und ich fühle mich richtig wohl. Im Stadtzentrum leben ca. 20.000 Menschen und noch mehr in den umliegenden Dörfern (wenn man die Gemeinden als Dörfer bezeichnen kann). Auf portugiesisch werden diese „Interior“ oder „Valle“ genannt. Pedro II ist natürlich etwas anders aufgebaut als eine deutsche Stadt. Die Infrastruktur ist eine ganz andere und mit dem deutschen System nicht zu vergleichen. Es gibt quasi eine Hauptstraße, die durch die Stadt führt und geteert ist. Die anderen Straßen sind entweder gepflastert (eher schlecht als recht) oder man fährt auf  festgefahrenen Sand- bzw. Erdboden. In Brasilien gibt es das Problem, dass viele Menschen ihren Müll einfach auf die Straße schmeiße. Das Resultat davon ist leider nicht zu übersehen. Zu den Einwohnern ist zu sagen, dass ich bisher nur nette Menschen kennengelernt habe. Alle versuchen mir zu helfen.
Im Moment wohne ich im Zentrum der Stadt, bei meiner Ansprechpartnerin Maria Platen. Dort habe ich nun die ersten zwei Monate verbacht. Bald werde ich jedoch umziehen, zu Izabel. Sie wohnt alleine, und nur wenige Straßen weiter, in einem kleinen Haus. Mein bisheriges Zuhause liegt direkt neben der Zentrale meiner Arbeitsstelle. Ein Haus weiter wohnt die Direktorin der Ökoschule „Thomas à Kempis“ mit ihrer Tochter, die in meinem Alter ist. Mit ihr verstehe ich mich super und wir unternehmen auch öfter etwas zusammen. Gernerell kann ich sagen, dass die Leute von Mandacaru auch super nett sind und ich mich im Moment  in meinem Projekt richtig wohlfühle.

Kindergarten „Asa Branca“

Am Anfang meines Aufenthaltes bin ich öfters in den Kindergarten „Asa Branca“ gegangen. Es gibt insgesamt zwei Kindergärten von Mandacaru in der Stadt. Dort gibt es verschiedene Gruppen, die mehr oder weniger nach Alter aufgeteilt sind. Entweder besucht eine Gruppe den Kindergarten vormittags oder nachmittags. Diese Arbeit mit den Kindern gefällt mir sehr gut. Die ersten Tage ist es sehr schwer gewesen, die Kinder zu verstehen, da sie häufig selber Fehler beim Sprechen machen oder undeutlich reden (natürlich hat es auch an meinen ausgefeilten Portugiesischkünsten gelegen). Im Kindergarten lernen die Kinder anders als bei uns in Deutschland schon viele Dinge und es ähnelt einer deutschen Vorschule.

Kindergarten ASA BRANCA - Gruppe 3-4 Jahre
Kindergarten ASA BRANCA ( Gruppe 3-4 Jahre )

Ökoschule „Thomas à Kempis“

Nach einer Eingewöhnungsphase im Kindergarten, war ich in letzter Zeit öfters in der Schule. Die Ökoschule verfolgt das Konzept, nicht nur schulisches Wissen zu vermitteln, sondern gleichzeitig mit der Natur bzw. der Umgebung zu arbeiten. Die meisten Schüler wohnen nicht in der Stadt selbst, sondern im Interior (auf Deutsch „Landesinnere“). Diese Schüler und ihre Familien leben häufig von der Landwirtschaft. Nur wenn Plätze an der Schule frei sind, werden diese an Kinder aus der Stadt vergeben. Die Ganztagsschule versucht den Kindern zu vermitteln, wie sie am besten mit ihren Ressourcen wirtschaften, beispielweise wie sie am besten Beete anlegen, um einen möglichst hohen Ertrag zu erlangen. Die Schule besitzt großangelegte Beete mit Gemüse (z.B. Rote Beete, Lauchzwiebel), Kräuter, Obstbäume/Sträucher etc. .

Speziell angelegtes Beet (Netz, Bewaesserung), um moeglichst hohen Ertrag bei der hohen Sonneneinstrahlung zu erzielen
Speziell angelegtes Beet (Netz, Bewaesserung), um moeglichst hohen Ertrag bei der hohen Sonneneinstrahlung zu erzielen

Die Schule hält außerdem Ziegen, Schweine, Hühner und Bienen, um die sich die Schüler und ich gemeinsam mit den Lehrern kümmern. Im Moment gehe ich auch oft mit den Schülern in den Unterricht, um einen Überblick über die Fächer zu bekommen und um die Sprache noch besser zu lernen. Die Schule bietet weiterhin verschiedene AGs an, wie Theater, Gitarrenunterricht, Herstellung von Papier und Capoeira. Letzteres habe ich vor kurzem auch begonnen.

Freizeit und Essen

Capoeira ist eine tänzerische, akrobatische Kampfsportart, bei der man sich gegenseitig möglichst nicht berührt. Es macht großen Spaß, ist aber auch total anstrengend. Neben dem Capoeira, zweimal die Woche, gehe ich mit Marlene (der Ziehtochter von Maria) ins Fitnessstudio, wo wir verschiedene Kurse (z.B. tanzen) mitmachen. Dies macht mir auch großen Spaß, aber ich weiß nicht, ob ich das weiterführen kann, da ich dann sehr wenig Zeit für andere Dinge hätte. Oft werde ich auch am Wochenende von Lehrern oder Mitarbeitern von Mandacaru eingeladen und verbringe schon mal ein Wochenende bei ihnen. Ansonsten besuche ich in meiner Freizeit gerne Freunde, gehe laufen oder mit Leuten in die Stadt etwas einkaufen oder essen.
Das Essen ist natürlich auch ganz anders als in Deutschland. Hier gibt es jeden Tag (wirklich jeden Tag!) Reis, Bohnen und Fleisch. Es ist echt richtig lecker, aber leider wenig abwechslungsreich. Mir wurden auch schon öfters gekochte Hühnerfüße aufgetischt,  davor konnte ich mich jedoch bisher immer drücken. Sonst probiere ich eigentlich alles, was mir aufgetischt wird. Getrocknete Innereien z.B.. Es wird jetzt nicht mein Lieblingsgericht, aber es war nicht ganz so schlimm.

Auf dem Land

Vor zwei Wochen bin ich mit zwei anderen deutschen Geografiestudenten eine Woche im Interior gewesen. Wir haben bei José,  dem ehemaligen Hausmeister der Ökoschule geschlafen. Er kennt sich bestens mit Tieren und Pflanzen aus und ist in Sao Francisco und Umgebung für die Gesundheit der Gemeinden verantwortlich. Das Dorf besteht aus ca. 20 Familien und liegt sehr abgelegen irgendwo im nirgendwo. José besitzt ein Haus und ein rieeeesiges Grundstück von satten 120 Hektar!!  So etwas habe ich noch nie gesehen. Er hat dort mehrere Quellen (in der sonst so trockenen Umgebung), sodass es ihm möglich ist, viele Dinge anzubauen. Er hat viele Obstbäume (Orangen, Bananenstauden, etc.), Beete und mehrere Fischbecken. Außerdem hat er noch viele Ziegen, Schweine und Hühner. Die meisten Tiere laufen einfach frei vor dem Haus/Grundstück rum und sind nicht eingezäunt. Es kann also schon einmal passieren, dass dir ein Huhn in der Küche begegnet. Der Landwirt hat uns viel gezeigt und wir konnten viel erleben und lernen. Wir sind beispielsweise an einem Fels gewesen, der vor 5000 Jahren mit Zeichnungen versehen worden ist.

Zeichnungen
Zeichnungen

Auf dem Weg dorthin (den Weg kann sich keiner vorstellen-> Sand- und Steinpiste) hat die Kupplung vom Geländewagen den Geist aufgegeben. So mussten wir im ersten Gang ohne Schalten zu können, weiterfahren. Zum Glück konnte man uns, oben am Berg angekommen, weiterhelfen und die Kupplung konnte repariert werden. Das Haus von José ist sehr einfach gehalten und am Abend sind ab und zu auch ein paar Fledermäuse durch  das Haus bzw. durch mein Zimmer geflogen. Aber es ist halb so wild gewesen und ich habe es eher lustig gefunden. Mir hat es super gefallen und die Ruhe  und der Sternenhimmel dort sind überwältigend. Hier in der Stadt ist es meist sehr laut. Es fahren Autos mit riesigen Boxen rum, teilweise sogar mit Anhängern, auf denen die Boxen stehen. Es ist ein schöner Ausgleich gewesen und ich habe dort viel über die Pflanzen und Tiere lernen können. Ich habe dort auch viel Zeit gehabt an meinem Portugiesisch zu feilen.

Auf Wanderschaft
Auf Wanderschaft

Ausflug zum Meer

Wenn ich nicht gerade im Interior rumtrolle, habe ich zweimal in der Woche Sprachunterricht. Mir gefällt der Unterricht recht gut. Eine Englischlehrerin, die noch recht jung ist, gibt die Stunden. Mein Portugiesisch ist auch schon viel besser geworden und ich freue mich, dass ich mich nun endlich  besser unterhalten kann. Ich freue mich aber auf meinen bevorstehenden Umzug in ein anderes Haus, da ich in meinem jetzigen Zuhause viel Deutsch rede.
Letztes Wochende bin ich mit Daniel zu Judith nach Parnaíba gereist, wo wir ein verlängertes Wochenende verbracht haben. Parnaíba liegt sehr  nah am Meer und bietet einen guten Kontrast zu meinem trockenen Zuhause. Dort habe ich bei Judith und ihrer Gastfamilie übernachtet. Am Meer haben wir dann auch viel Zeit verbracht. Wir sind außerdem oft in einem richtig schönen Bistro gewesem, was für uns wie ein zweites Zuhause geworden ist. Chris, die Besitzerin, hat drei Töchter und betreibt dieses „Bio- Bistro“.  Mit ihnen sind wir an den Strand gefahren und haben viele entspannte Abende verbracht. Es ist echt super gewesen aus dem stressigen Alltag mal rauszukommen. Die paar Tage haben sich für uns alle wie echter Urlaub angefühlt, auch wenn es nur ein Wochenende gewesen ist. In den nächsten Tagen werde ich wieder ins Interior fahren und eine Woche dort verbringen. Diesmal aber in einer anderen Gemeinde. Die Anbindung dort ist etwas besser, da es sehr nah an der Stadt liegt. Natürlich gibt es auch dort kein Internet und an wenigen Häusern Telefonempfang.

So Leute.. ich weiß es ist viel auf einmal und ich bin eigentlich noch nicht mal ansatzweise fertig, aber ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick über meine erste Zeit hier geben!
Ich würde am liebsten noch mehr erzählen, doch das würde leider den Rahmen sprengen.
Ich versuche auch noch mehr Bilder von der Schule etc. zu machen und lade zwischendurch welche hoch!

Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr mir gerne schreiben!
Ich freue mich drauf!

Bis dahin 🙂

Eure Sara <3