Bolivien: 2. Rundbrief von Nussrettin Mutlu

Hola Amigos!

Nun sind weitere zwei Monate vergangen, und es ist hier immer wieder abenteuerlich und es macht Spaß. Ich bin auf dem Weg mich in Santa Cruz einzufinden. Mir wird so langsam bewusst, dass ich hier ein Jahr lang leben werde. Die ersten zwei Monate waren ein Gefühl von „neues Land, neue Stadt, neue Kultur, neue Welt“.img_3614

Ich bin sehr froh darüber, dass ich mit meinem Gastbruder Erick und seiner Familie leben darf, die ich jetzt seit zwei Jahren aus dem bolivianischem Workcamp kenne.

Durch ihn ist es für mich einfacher mich in das bolivianische Leben einzufinden, da wir über alles offen reden können. Wenn es mir mal schlecht geht sind mein Onkel Raul und meine Gastmama Elisabeth immer für mich da. Ich schätze meine Gastfamilie sehr, da sie mir bei allem helfen.

Zudem hat sich mein Alltag so langsam geregelt, jedoch ist es schwierig zu sagen, was hier Alltag ist, denn hier ist jeder Tag neu und spontan. Dennoch versuch ich das mal so ein bisschen zu beschreiben.

Montags um 6.30 Uhr stehen mein Gastbruder und ich auf, um uns fertig für die Schule zu machen. Meistens nehmen wir so gegen 7.15-7.20 Uhr einen „Truffi“ oder einen „Micro“ um in die Schule zu fahren, denn hier gibt es keinen Schulbus (und auch kein Busplan, man wartet einfach). Um 7.30 Uhr fängt die Schule an und Pünktlichkeit ist in der Schule ganz wichtig.

Jeden Montag wird auf der „Cancha“ (Fußballfeld); was unser Schulhof ist, die anstehende Woche mit allen Schülern besprochen. Außerdem wird immer die bolivianische Hymne und die Hymne von Santa Cruz gesungen. Nach alldem fängt der Unterricht an, d.h. für mich gemeinsam mit dem Sportlehrer den Sportunterricht gestalten, unterrichten, vorführen und praktizieren. Um 12:30 Uhr ist Schulschluss für die Secundaria. Danach gehen mein Gastbruder und ich Mittagessen (meistens in einer Pension).

Nach dem Mittagessen muss ich mich schon für die Primaria fertig machen, die für mich um 15:00 beginnt.

In der Primaria unterrichte ich jeden Tag Englisch, und es macht mir Spaß.

Manchmal ist es anstrengend, wenn die Kleinen nicht zuhören und mit anderen Dingen beschäftigt sind, dennoch ist es cool, da ich mich dann an meine Schulzeit erinnere.

So mal nebenbei: Letzte Woche hatten wir eine Englischklassenarbeit und mitten in der Klassenarbeit packt ein Schüler sein „Beyblade“ aus und fängt damit an zu spielen. An sich fand ich es ganz lustig, da „Beyblade“ auch ein Teil meiner Kindheit ist. Aber doch bitte nicht während einer Klassenarbeit. Wenn ich mich daran erinnere, muss ich erneut lachen.

Um 18:15 Uhr endet mein Unterricht und ich mach mich auf dem Weg nach Hause mit dem „Micro“ oder Truffi.

Wobei, das stimmt nicht so ganz, denn es ist immer abwechslungsreich, sodass ich nicht immer direkt nach Hause gehe. Zum Beispiel treffe ich mich mit Freunden am Park neben der Schule, wir gehen ein Eis essen oder ins Kino. Spontanität zählt, und nur so macht es Spaß.

Ja um das ganze wieder auf die Füße zu bekommen, nach der Primaria um 18:15 gehe ich nach Hause, und danach gehe ich mit meinem Gastbruder essen.

Abends bzw. Nachts bereite meinen Unterricht vor.

Dienstags und Mittwochs unterrichte ich Englisch in der Secundaria für Klasse 7,8 und 11.

Donnerstags bin ich im Computerraum, und helfe den Schülern im Fach „Computacion“ (Informatik).

Ich wäre überfordert Computacion alleine zu unterrichten, da bin ich froh, dass der Lehrer da ist, der deutlich mehr weiß als ich. Er studiert gerade Electromechanik an der Universität und arbeitet in der Schule als Lehrer.

Freitags habe ich schulfrei, und Samstags helfe ich wieder in Computacion mit bis 12:30 Uhr. Danach muss ich nicht in die Primaria, denn die Primaria geht nur von Montag bis Freitag, wohingegen in der Secundaria von Montag bis Samstag unterrichtet wird.

In der Primaria unterrichte ich von Montag bis Donnerstag, sodass der Freitag für mich frei bleibt.

Nun hört sich das alles oberflächig, und langweilig an, aber in der Realität ist jede Unterrichtseinheit neu, lustig und macht Spaß. Zudem ist es auch in der Schule abwechslungsreich. Am Samstag werden wir Lehrer zum Beispiel gegen den Abiturjahrgang Fußball spielen.

Zu meinem Freitag kann ich sagen, dass ich die Moschee hier besuche, und abends mit meinen Freunden in der Nähe der Schule auf dem Cancha Fußball bzw. Futsal (was hier Hauptsportart ist) spiele.

Wie einige von euch wissen hatte ich am 10.11 Geburtstag und wurde 19 Jahre alt. Ich wurde oftmals an diesem Tag überrascht und kann sagen es war ein schöner Geburtstag. Insgesamt waren es schöne zwei Monate mit Höhen & Tiefen.

Bei Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung.

Haltet euch Munter liebe Freunde 🙂

Euer Nussi