Ruanda: 2. Rundbrief von Lisa Richertz

Interkulturelle Kommunikation

Ein Begriff, der auf vielen Seminaren verwendet wurde und über den ich mir meine Gedanken  gemacht habe. Ich dachte daran, in ein anderes Land zu reisen dort über meine Kultur zu sprechen und auch viele Eindrücke von einer fremden Kultur zu gewinnen. Ich dachte an neue Menschen die ich kennen lernen werde, konnte mir aber noch nicht so richtig vorstellen wie es sein wird diese auch wirklich zu kennen.

Nun, 6 Monate später, sind es nicht mehr neue Menschen die ich kennen lerne, es sind Freunde, Nachbarn, Lehrer, Bekannte, Kollegen. Es ist alles an Umfeld geworden was ich zurzeit habe.

Interkulturelle Kommunikation zu beschreiben bleibt weiter schwierig, ich finde man sollte interkulturelle Kommunikation erleben.

Menschen aus den verschiedensten Alters- und Berufsgruppen gehören zu meinem Umfeld. Alle mit ihren ganz eigenen Vorstellungen, Träumen und Lebensweisen.

Beispielhaft für die Generation 30 – 50 würde ich gerne von meinen Kollegen in der Schule berichten. Da sie ein Durchschnittseinkommen von circa 50€ haben sind ihre Möglichkeiten was Freizeitgestaltung angeht natürlich anders, als wir es kennen. Was aber nichts an der Herzlichkeit ändert, die sie ausstrahlen. Sie sind im Kontrast zu meinen Eltern und Großeltern sehr konservativ, was ich aber eigentlich sehr gut finde, da auch Diskussionen zu einem interkulturellen Austausch dazu gehören. So hat man viele Gespräche darüber wie man sich am besten medizinisch versorgt, dass man am besten schon jetzt verheiratet wäre und dass es gut ist Kinder mit strenger Disziplin zu erziehen. All dies sind zum Beispiel Dinge, die ich persönlich anders sehe. Allerdings heißt dies keineswegs, dass ich dadurch nicht mit diesen Menschen befreundet sein kann. Im Gegenteil, man entwickelt eine Toleranz und kann gut akzeptieren, dass man nun mal einfach verschiedene Ansichten hat.

Die zweite Generation, die mir aufgrund meines Alters natürlich besser bekannt ist bzw. näher steht sind die Menschen von 20-30. Inzwischen sind es Freunde geworden. Es sind diese kleinen Momente, die ich besonders schätze. Wenn ich beispielsweise morgens die Tür öffne und meine Nachbarn mir guten Morgen sagen, wenn ich keine Lust habe für mich alleine zu kochen und wir das gemeinsam machen können, wenn ein Freund vorbei kommt um einfach mit mir zu reden und Zeit zu verbringen oder wenn ich die Kinder in der Schule sehe mit denen ich mittlerweile richtige Konversationen haben kann und die einen immer größeren Teil in meinem Herzen bekommen.

Zurück zu meinem Umfeld in meinem Alter. Sie sind voller Lebensenergie, die mir oft selbst Kraft und Spaß an dem Leben hier gibt. Musik ist ein sehr großer gemeinsamer Nenner den ich mit ihnen teile. Die meisten die ich kenne sind wirklich sehr extrovertiert, studieren und sind sehr herzlich, wenn auch zurückhaltend mit ihren persönlichen Problemen.

Auch wenn die Kommunikation manchmal etwas schwierig ist, so sind die Begegnungen so herzlich, dass ich manchmal einfach nur pure Zufriedenheit spüre und einfach nur glücklich bin.

Im Anhang habe ich verschiedene Bilder von meinem Umfeld und Menschen die mir hier nahestehen zusammen gefasst und hoffe, dass auch wenn ihr die interkulturelle Kommunikation nicht selbst erleben könnt sie vielleicht nun ein bisschen besser versteht.

 

Ein Freund aus Kigali
Freundinnen aus Musanze und Kigali

 

      Kinder aus meiner Schule                                                          Ein Freund aus Musanze

 

Eine Freundin aus Kampala
Meine Nachbarn

 

10-jährige Marie in Kenia