Rumänien: 1. Rundbrief von Sina-Lucia Reifenrath

Huhu meine Lieben,

ich habe in meinen ersten Wochen viel erlebt… ich habe neue Freunde gefunden,          Berge erklommen und meine neue Heimat lieben und schätzen gelernt. Die ersten zwei Wochen hatte ich einen Sprachkurs in Bukarest. Diese zwei Wochen waren sehr schwierig für mich. Ich war das erste mal ganz alleine auf Reisen. Es war mein erster Flug alleine und das Schleppen der Koffer mit gefühlten 80 Kilo sehr anstrengend. Ich habe viele verschiedene neue Eindrücke gewonnen. Die Sprache war am Anfang ein sehr großes Problem. Doch inzwischen verstehe so gut wie alles und das mit dem Sprechen kommt so nach und nach.

Petrosani

Die Stadt in der ich lebe heißt Petrosani (ausgesprochen: “Petroschan“). Eine Stadt mit ca. 45 000 Einwohnern.
Landschaftlich gesehen liegt Petrosani im Juil-Tal, einem kleinen Tal in den Südkarpaten, weswegen man überall von Bergen umgeben ist. Der Retezat-Nationalpark bietet Zugang zu den Bergen Valcan, Parang und Retezat. Der Ruf der Stadt ist jedoch nicht der beste. Petrosani ist eine ziemlich arme Stadt und die Arbeitslosigkeitsrate liegt sehr hoch. Der Grund dafür ist, dass Petrosani zu Zeiten des Kommunismus das Zentrum des Bergbaus war und rund 60 % der Menschen in den Kohleminen arbeiteten. Mit dem Zusammenbruch des Bergbaus verloren alle ihre Arbeitsstellen, was wiederum zur heutigen Armut führte.

Mein Alltag

Ich arbeite im “Maria Stein Haus“, das ca. 15 Minuten zu Fuß von dem Haus, in dem ich auch wohne, entfernt liegt. Von Montags bis Freitags kommen ca. 45 Kinder im Alter von 3 bis 15 Jahren in das Zentrum. Neben mir arbeiten fünf Festangestellte (4 Frauen und 1 Mann) dort. Das Maria Stein Haus ist eine Einrichtung der Caritas, für Kinder aus sozial schwachen Familien. Wir legen sehr viel Wert darauf, den Kindern eine gute Entwicklung zu ermöglichen. Viele Kinder sind in der Schule weit hinten, da ihre intellektuelle Entwicklung und Förderung im Elternhaus vernachlässigt wurde. Uns ist die Arbeit mit den Eltern sehr wichtig. Monatlich gibt es Gespräche mit Ihnen und sie werden zudem in Arbeiten für Maria Stein eingebunden.
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Ein normaler Arbeitstag sieht so aus, dass ich etwa gegen 10 Uhr zur Arbeit gehe, dort die Esstische vorbereite und die Küche aufräume (Spülmaschine ausräumen, spülen, etc.). Bis die Kinder gegen 12:15 Uhr aus der Schule kommen erledige ich das, was noch anfällt wie den Müll raus bringen oder Wäsche falten.
Wenn die Kinder dann aus der Schule eintrudeln, wird gespielt bis das Essen kommt. Ich bereite die Tische vor, die Kinder gehen ihre Hände waschen und es wird gegessen. Wenn alle Kinder fertig gegessen haben, gehen die Schulkinder ihre Hausaufgaben machen und die Kids vom Kindergarten gehen in Ihre Räume zum Spielen. Ich säubere die Küche und verstaue das restliche Essen im Kühlschrank. Danach schaue ich, ob ich bei den Hausaufgaben helfen kann. Falls nach den Hausaufgaben noch Zeit bleibt, stehen verschiedene Aktivitäten an. Wir basteln, singen, spielen und lesen. Derzeitig haben wir jeden Tag einen Englischkurs mit den Schulkindern. Es ist sehr schön zu sehen, dass sie jeden Tag dazulernen. Gegen 16 Uhr werden die Kinder dann von den Eltern abgeholt und gehen nach Hause.
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Ich fühle mich hier sehr wohl und die Zusammenarbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Spaß.

Sommercamp in Simeria

Schon in meiner zweiten Woche in Petrosani fuhr ich mit 20 Kindern und meinen Arbeitskollegen in ein Sommercamp in Simeria. Unser erster Stopp war Deva, wo wir den halben Tag damit verbrachten, mit den Kindern bei schönem Wetter im Park zu spielen. Nach einer Essenspause gingen wir rauf zur Burg von Deva. Die Kinder waren sichtlich angetan. Danach fuhren wir mit dem Auto zu unserer Unterkunft in das Kirchenhaus nah Simeria. Den zweiten Tag vormittags verbrachten wir damit, mit den Kindern spazieren zu gehen und wir besuchten ein Baumschutzgebiet. Den restlichen zweiten und auch dritten Tag verbrachten wir im Schwimmbad, da das Wetter sehr gut war und es den Kindern viel Freude bereitet hat. Am zweiten Abend machten wir ein Lagerfeuer mit den Kids. Wir hörten Musik, die Kinder sangen und tanzten und wir aßen alle zusammen Marshmallows, Kekse und Schokolade. Als wir wieder nach Hause fuhren, waren die Kinder ziemlich erschöpft und schliefen fast alle im Zug.

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Teambuilding in Odorheiu

In meiner vierten Woche packte ich wieder meine Sachen und fuhr mit meinen Caritas-Kollegen und meinen zwei Vorgängerinnen Magdalena und Laura auf das diesjährige Teambuilding nach Odorheiu. Das Teambuilding ist eine überregionale Veranstaltung, an der insgesamt über 80 Caritasmitarbeiter/innen aus der Region Alba lulia teilnahmen. Wir verbrachten den grössten Teil der drei Tage mit Gruppenaktivitäten. Wir haben einen Parcours mit 30 Spielen durchlaufen. In einem riesigen Fußballfeld war ein weiterer Parcours mit Spielen wie Riesen Jenga, Menschensoccer, etc. aufgebaut. Am letzten Abend starteten wir einen kleinen “Kochwettbewerb“. Jeder sollte eine für sich typische Spezialität aus seiner Region zubereiten, um sie dann mit den anderen zu teilen.  Danach hatten wir ein großes Lagerfeuer und am nächsten Morgen verließen wir nach dem Frühstück das Teambuilding. Wir machten einen Stopp in Sibiu und schauten uns die Altstadt an.
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Hochzeit einer Kollegin

Als wir den Samstag Nachmittag dann wieder in Petrosani ankamen, hieß es direkt wieder fertig machen und wir fuhren zur Hochzeitsfeier unserer Kollegin. Ich habe noch nie so etwas Verrücktes und Schönes zugleich erlebt. Laute und sehr lange Musik,  verrückte Tänze und und und…

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Projectul Scoala

Beim Projectuel Scoala besuchten wir verschiedene Schulen und berichteten von unseren Aufgaben und unserer Arbeit in der Caritas. Ich habe mich selbst auch vorgestellt und ein Bisschen über mich und meine Arbeit in Maria Stein erzählt.
Die Schüler waren sehr interessiert und haben viele Fragen gestellt.

Un million de stele

Im Oktober hatten wir ein Event der Caritas.
Das sogenannte “Un million de stele pentru nevoiasi“ was soviel bedeutet wie “Eine Millionen Sterne für Bedürftige“. Eine Spendenaktion um Menschen zu helfen. Es war sehr schön zu sehen, dass viele Menschen teilgenommen haben um den Platz in ein strahlendes Lichtermeer zu verwandeln und ein Zeichen für Gemeinschaft und Gerechtigkeit zu setzen.
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Projectul Muntelui

Vor zwei Wochen habe ich an dem Projekt meiner Kollegen teilgenommen:
“Projectul Muntelui“ was soviel heißt wie “ Das Bergprojekt“.
Wir waren zwei Tage mit 37 Freiwilligen von der Caritas, vom Roten Kreuz, mit Leuten vom Konzern OMV Petrom und Leuten aus dem Natur Reservat Retezat in Parang, dem dritt höchsten Berg Rumäniens.
Unsere Unterkunft war “Scoala Sportiva“ die Sportschule. Dort hatten wir verschiedene Gruppenaktivitäten und wir wollten eigentlich zu Parangul Mic (mic = klein) wandern, jedoch hat es angefangen zu schneien und es war so nebelig, dass wir unsere Hände vor den Augen nicht mehr sehen konnten. Wir sind nach einem Fußmarsch von 20 Minuten wieder umgekehrt zu unserer Unterkunft. Wir hatten verschiedene Darstellungen und Präsentationen. Danach haben wir verschiedene Spiele gespielt und später einen Filmabend gemacht ( ach und keine Sorge… Alle Filme sind in Englisch mit Rumänischem Untertitel).
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Ihr seht, es ist immer was los hier…
Ich halte euch weiter auf dem Laufenden.
Eure Sina Reifenrath (: