Uganda: 2. Rundbrief von Judith Kuhn in Uganda

2. Rundbrief: Judith in Uganda

Hallo ihr Lieben,

nach langer, langer Zeit melde ich mich mal wieder bei euch und möchte euch von den Monaten November und Dezember berichten, in denen wieder einiges passiert ist.

2 Wochen Ruanda

Aufgrund von neuen Visabestimmungen musste ich für zwei Wochen nach Ruanda.

Am 28. Oktober hieß es also Aufbruch nach Ruanda! Mit meiner Mitfreiwilligen Julie-Anne ging es um 5 Uhr in der Früh mit dem Sammeltaxi nach Kampala. Um 7 Uhr fuhr dann unser Bus von Trinity Richtung Kigali, der Hauptstadt Ruandas, los.

Während der Busfahrt veränderte sich nach und nach die Landschaft. Wir hatten großen Spaß, weil auf der Strecke so viele Hubbel sind, die die Autos davon abhalten sollen zu schnell zu fahren. Aber das war unserem Busfahrer egal und dementsprechend flogen wir echt hoch in unseren Sitzen, auch weil wir sehr weit hinten saßen.

An der Grenze angekommen, bekamen wir einen Ausreisestempel auf ugandischer Seite. Auf ruandischer Seite mussten wir dem Grenzbeamten erst mal erklären, was wir überhaupt wollten. Nach vielem Hin- und Hergelaufe hatten wir endlich unseren Stempel im Reisepass. Dann wurden noch unsere Rucksäcke kontrolliert, weil ja in Ruanda Plastiktüten verboten sind. Nach dem auch wir endlich wieder im Bus saßen, fuhr unser Bus weiter in den Nordosten Ruandas. In Nyagatare stiegen wir in einem total anderen Land aus und mir wurde bewusst, dass Ruanda nicht ohne Grund das Land der 1000 Hügel genannt wird. In Nyagatare haben wir dank einer lieben jungen Frau zwei Bodafahrer (oder in Ruanda Motofahrer) gefunden, die uns zum Haus unseres Mitfreiwilligen Tobi gebracht haben. Nach viel Herumtelefoniererei kamen wir dort auch endlich an und nachdem unsere Bodafahrer uns dann auch wieder unser Rückgeld zurückgegeben haben, was sie zuerst behalten wollten, weil die Strecke ja doch länger war als sie dachten, konnten wir endlich unsere Mitfreiwilligen Tobi, Konstantin und Lisa begrüßen.

Nach ausführlicher Begrüßung wurde erst mal viel erzählt, später kam dann auch noch Dominik aus Kigali dazu.

Bei Tobi hatten wir ein wunderschönes Wochenende mit selbstgemachten Brot, Chapatis, Nudelauflauf und mit Hasen essen gehen.

Am Vulkannationalpark in Musanze

 

Schon im Nordosten wurde mir klar wie anders Ruanda doch ist, obwohl es doch so nah zu Uganda liegt.

Sonntags fuhren wir- also Julie-Anne, Lisa, Konstantin und ich von Tobi aus alle zusammen nach Kigali und von dort aus noch zwei Stunden weiter nach Musanze, wo Lisa und Konstantin Freiwillige sind. In Musanze am Busbahnhof haben wir uns dann voneinander verabschiedet, weil Julie-Anne zu Lisa und ich zu Konstantin gefahren sind. Jeder auf einem Boda, mit einem Helm auf dem Kopf (das ist in Ruanda Pflicht) sollte es dann zu Konstantin nach Hause . Leider kamen wir dort erst einmal nicht an. Mein Boda hatte einen Unfall. Mein Fahrer hat einen Fahrradfahrer übersehen und wir sind mit ihm zusammengestoßen. Durch den Aufprall bin ich mit meinem Kopf gegen den Helm des Fahrers gestoßen und hatte eine Platzwunde am Kopf. Ich bin vom Boda gefallen und habe angeblich, wie Konstantin später erzählt hat, ziemlich geschrien. Ich habe nur noch Blut gesehen und wusste nicht woher es kommt. Zusammen mit einem Einheimischen, dessen Namen Kim war, wie wir später erfahren haben, hat Konstantin mich zum Krankenhaus gebracht, das Gottseidank nur 2 Minuten entfernt war. Dort wurden meine Wunden am Kopf und am Bein desinfiziert. Damit die Ärzte mir die Wunde am Kopf nähen konnte, wurden mir dort Haare abrasiert, was ich überhaupt nicht lustig fand. Nachdem ich mich langsam wieder beruhigt hatte und meine Wunden perfekt zugenäht worden waren, musste ich noch eine Stunde im Krankenhaus zur Beobachtung bleiben.

Jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass ich richtig Glück gehabt habe, dass mir nichts Schlimmeres passiert ist als diese zwei Wunden. Ich war unheimlich froh, nicht alleine gewesen zu sein. Danke Konstantin, dass du da warst, dich perfekt um mich gekümmert hast; nicht nur direkt nach dem Unfall, sondern die ganzen 2 Wochen. Danke!!

Durch den Unfall war die erste Woche nichts mit mir anzufangen. Ich habe viel geschlafen und hatte wenig Kraft, mich zu bewegen. Wie sich später dann noch heraus gestellt hat, bin ich schon mit einer bakteriellen Infektion nach Ruanda eingereist, die den Gesundungsprozess noch erschwerte.

Am Wochenende fuhren Konstantin und ich dann nach Kigali, wo wir abends die Stadt erkundeten und am nächsten Tag das Genozid-Museum besuchten. Dieses Museum war das „beste“ Museum, in dem ich bisher war: absolut beeindruckend.

Zurück in Musanze haben wir die nächste Woche gemeinsam genossen, in dem wir zusammen gekocht haben oder einfach in Musanze unterwegs waren. Am 11. November fuhren wir dann nach Kigali, wo wir noch eine Nacht bei anderen Freiwilligen übernachtet haben und am nächsten Morgen ging es für mich und Julie-Anne nach Kampala zurück. Im Projekt wurde ich herzlich begrüßt und war dankbar, dass die Kinder mich über die 2 Wochen nicht vergessen hatten.

Jinjatour

Ausflug zur Nilquelle in Jinja

Eine Woche später ging es zusammen mit Cecilia, Jonas und Pauline übers Wochenende nach Jinja. Jinja ist die zweitgrößte Stadt Ugandas und liegt nordöstlich von Kampala. Wir haben dort zwei Touren über den Nil und den Viktoriasee gemacht und dabei auch die Nilquelle besichtigt. Jinja ist viel kleiner als Kampala und eine schöne Abwechslung.

Sprachkurs

In meinem letzten Rundbrief habe ich euch doch erzählt, dass ich einen Sprachkurs mache um die Sprache Luganda zu lernen. Jeden Dienstag und Donnerstag hatte ich dann also für 10 Wochen Sprachkurs von halb 6 bis 7 im Goethe Zentrum in Kampala. Ich habe doch viel gelernt, was mir dann auch später mein Ergebnis des Abschlussexamens gezeigt hat, welches wir am 6.Dezember geschrieben haben. Mit ganzen 81 % habe ich mein Luganda Examen mit „Good“ abgeschlossen.

Adventszeit

In der Adventszeit haben wir den Kindern einen Adventskalender zusammengestellt. Jeden Tag gab es eine kleine Aktivität entweder für alle zusammen oder klein und groß getrennt.

Jeden Abend haben wir einen Zettel geschrieben, der dann nach dem Prayer (Gebet) aufgemacht wurde und auf dem stand, welche Aktivität wir am nächsten Tag machen.

Wir haben viel Weihnachtsdekoration gebastelt wie Schneekugeln, Engel oder Herzen. Wir haben viele Spiele für draußen aber auch drinnen gespielt. An einem Abend haben wir Spiele mit den Großen gespielt und ich muss sagen, ich habe lange nicht mehr so viel gelacht wie an diesem Abend.

Wir haben Wasserbomben aus Luftballons gemacht und mit den Kindern heiße Kartoffel gespielt, was manchmal mehr und manchmal weniger funktioniert hat.

Ich denke die Kinder hatten viel Spaß mit diesem Adventskalender und so kam einem die Zeit bis Weihnachten auch nicht so schleppend vor.

Ferien

Ab dem 9. Dezember spätestens, wenn nicht sogar schon früher, haben alle Kinder Ferien bekommen und das für 2 Monate. Ein paar unserer Kinder sind über die Ferien und vor allem über Weihnachten zu ihren Familienangehörigen, die sie noch haben, ins Village (Ausdruck für Dörfer auf dem Land) gefahren. An einem Tag hat Maama Getuu mehr als 16 Kinder mit dem Auto nach Gasambya gebracht, das Auto war voll.

Am 12. Dezember kam Konstantin zu uns ins Projekt: Die Kinder haben sich total gefreut als es sogar hieß, dass er mit uns zusammen Weihnachten feiern wird.

Am 20. Dezember kam dann Sandra aus Österreich, die für 6 Wochen bei uns im Projekt bleiben wird.

Am 22. Dezember kam dann noch Maama Louisa aus Holland, die die Vertreterin für den Spendenkreis in Holland ist, die St Noa‘s überwiegend unterstützen.

Mädels aus meinem Projekt, die unbedingt ein Bild machen wollten
Konstantin und ich mit Kindern aus meinem Projekt

Der Alltag in den Ferien ist natürlich ganz anders, als wenn die Kinder alle in der Schule sind. Morgens spielen die Kleinen bis es Chai gibt immer im Sandkasten mit den Sandkastensachen. Nach dem Chai (hier eine Art Porridge) haben die Kleinen dann Unterricht mit der Alba und ich habe mir überlegt, was ich mit den Größeren machen kann, damit sie den Unterricht nicht stören und auch eine Beschäftigung haben. Manchmal habe ich Bälle, Springseile und Frisbies rausgegeben oder Bausteine, seit neustem haben wir auch viele Barbiepuppen, die Alba mit gebracht hat oder wir malen Mandalas, die wir selbst gestaltet haben oder von Vorlagen.

Nach dem Mittagessen wurde öfters ein kleiner Mittagsschlaf gemacht, da die Hitze einem echt zu schaffen macht. Die Monate Dezember und Januar sind die heißesten im Jahr und es regnet auch kaum. Am späteren Nachmittag haben wir mit den Kindern Fangen oder Ball gespielt oder ich habe mich einfach mit den Älteren über Land und Leute unterhalten.

Drei Jungs aus meinem Projekt (von links: Matiya, Luca, Joseph)

Botanischer Garten

Affen im Botanischen Garten in Entebbe

In Entebbe, dort wo auch der Flughafen ist, waren wir (Konstantin, Sandra und ich) einen Tag im Botanischen Garten. Abgesehen von den vielen exotischen Pflanzen und Bäumen haben wir auch ganz, ganz viele Affen gesehen und zwar zwei verschiedenen Arten. Die Affen kamen einem echt nahe. Wir mussten vorsichtig sein, denn es waren viele junge Affen unterwegs, sogar noch ein ganz Kleines, das von der Mutter herumgetragen wurde.Ich fand es echt beeindruckend, was für interessante Tiere Affen sind und dass sie sich durch die Besucher oder durch durchfahrende Autos nicht in ihrer Ruhe stören lassen.Das war ein schöner Tag, jederzeit nochmal!

Weihnachten

Weihnachten wird hier am 25. Dezember gefeiert. Am 24. Dezember abends hatten wir hier bei uns eine eigene Messe, in der Konstantin und ich Maria und Josef spielen durften. Ich hatte einen blauen Gomaz (traditionelles Kleid) an und Father Peter hat mir eine Puppe gegeben, die ich mir unter den Gomez gesteckt habe.

Während Father Peter die Messe gestartet hat, haben wir an die Tür geklopft und uns als Maria und Josef aus Nazareth vorgestellt und um einen Schlafplatz gebeten. Als die Kinder uns erlaubt haben einzutreten, bin ich wie eine Hochschwangere mit Konstantin als Stütze zum Altar gegangen und habe kurze Zeit später das Kind auf die Welt gebracht, welches wenn man es auf den Bauch drückte sogar schreien konnte.

Nach dem Gottesdienst haben wir dann alle zusammen draußen gegessen. Es gab Popcorn, viel Fleisch, Mandazis (frittierte Teigtaschen) und zum Trinken Sodas.

Nach der Weihnachtsmesse (Zwei Mädchen aus meinem Projekt und Felix)
Weihnachtsgruß nach Deutschland
Geschenkübergabe an Weihnachten

Am nächsten Morgen, sind wir dann alle zusammen nach Naluvule zur Weihnachtsmesse gegangen. Zurück zu Hause gab es dann ein riesengroßes Buffet für uns alle. Nach der Verkostung des absolut leckeren Essens war dann Bescherung. Jedes Kind und sogar wir Freiwilligen haben ein Geschenk bekommen. Alle Kinder haben neue Rucksäcke sowie Schuhe und Süßigkeiten bekommen. Danach haben wir alle zusammen getanzt und Spaß gehabt. An dem Montag danach wurde dann viel geschlafen und das ganze Essen verdaut.

Silvester

Es war eigentlich geplant, dass Konstantin und ich Silvester mit anderen Freiwilligen in Mombasa/Kenia verbringen. Doch mein nicht fertiges Work Permit hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also haben wir Silvester hier gefeiert.

Um 21 Uhr am 31.12 hatten wir eine kleine Messe bei uns im Projekt und danach haben wir zusammen am Feuer Popcorn und Fleisch gegessen. Die Zeit bis Mitternacht wurde mit Spielen wie Kuchenwettessen, Reise nach Jerusalem und Sackhüpfen überbrückt.

Vorher hatten wir die Kinder abstimmen lassen wer z.B. derjenige ist, der am meisten isst oder am hilfsbereitesten ist. Wir haben zwischen Mädchen und Jungen getrennt und die Ergebnisse am Silvesterabend verkündet, jedes Kind hat etwas Kleines als Symbol eines Awards bekommen.

Um 24.00 Uhr hatten wir dann ein kleines Feuerwerk vom Beach(ein kleiner See) nebenan. Die Kinder waren entweder beeindruckt oder total verängstigt.

Gegen 1 Uhr in der Nacht war hier dann tote Hose, weil es am nächsten Morgen in die Neujahrsmesse nach Naluvule ging und danach war nochmals ein großes gemeinsames Essen mit allen zusammen im großen Dining (Essraum).

Es war schön zu sehen wie anders Weihnachten hier doch gefeiert wird und was es hier für Bräuche gibt. An Weihnachten als auch an Silvester gab es Kuchen, ich glaube das ist hier so ein Brauch.

Mir geht es wirklich gut und nach mehreren Umzügen innerhalb von St. Noa’s habe ich jetzt auch endlich mein eigenes Zimmer, das ich mir schön eingerichtet habe.

Natürlich ist es nicht immer einfach so weit von zu Hause weg in einem jetzt nicht mehr ganz so fremden Land. Umso wichtiger ist es mir, mich mit den älteren Mädels hier in St. Noa’s zu verstehen und auch Kontakt zu anderen Freiwilligen zu haben, von denen es hier rund um Kampala echt viele gibt.

Besonders Silvester habe ich auf das vergangene Jahr 2016 zurück geschaut und realisiert, dass in dem Jahr wirklich viel passiert ist und ich für alles Gute, aber auch für alles, das nicht so schön oder schwer für mich war, unendlich dankbar bin.

Ich sende euch allen viele Grüße aus dem warmen Uganda.Fühlt euch alle fest umarmt!
Danke an alle, die mich bisher in meinem Freiwilligenjahr und meine Entsendeorganisation SoFIA unterstützen!

Rückweg von der Kirche

Eure Judith