Uganda: 3. Rundbrief von Julie-Anne Wagner

Hallo liebe Rundbriefleser,

dieses Mal möchte ich euch nur kurz mitteilen, was so Neues passiert ist. Denn dieser Rundbrief dient hauptsächlich dazu, euch ein bisschen etwas über die lokale Küche und den Alltag zu berichten. Seit meinem letzten Rundbrief ist noch gar nicht so viel Neues passiert. Das neue Jahr hat begonnen wie es aufgehört hat: Mit viel Sonnenschein und Dürre. Die Lebensmittelpreise auf den Märkten stiegen, die Tiere erkrankten und starben teilweise. Mir wurde gesagt, es läuft jedes Jahr etwa so ähnlich ab – mit der Ausnahme, dass vergangenes Jahr der Regen im Oktober ausgeblieben ist. Aber nun hat es endlich begonnen zu regnen!

Zusammen mit meiner Mentorin Truus haben wir viele Dinge für die Schule organisiert. Hauptsächlich haben wir Reporte und Kalkulationen für die Sponsoren aufgestellen, aber uns auch selbst Klarheit über dieses Projekt verschafft. Am 28. Januar hatten wir das erste Treffen mit den ausgewählten Kindern und ihren Eltern. Es steht nun fest: Sechs Kinder werden die Schule von montags bis donnerstags besuchen und vier Jugendliche werden zweimal wöchentlich für Vocational Training kommen. Im Vocational Training geht es darum den Schülern Fähigkeiten beizubringen, sodass sie sich damit selbst etwas Geld verdienen können. Zu unserer Überraschung kamen die meisten für das Treffen viel zu früh, sodass Truus spontan für die Kinder und Eltern Mittagessen zubereitet hat und wir mit ihnen einen Film geschaut haben. Aber ich kann behaupten, dass das Treffen ein voller Erfolg war, da alle Eltern glücklich waren, dass ihre Kinder nun eine Chance auf Bildung erhalten. Anfang Februar kam eine Krankenschwester aus Trier, Annika, um ein paar Wochen das Personal im Healthcenter zu unterrichten. Wir hatten eine sehr schöne Zeit gemeinsam und ich wünsche ihr alles Gute für ihre Zukunft! Danke nochmal für all die lustigen Momente, die ich niemals vergessen werde.

Ende Februar hat dann mein Zwischenseminar in Jinja begonnen. Jinja ist eine wunderschöne Stadt direkt am Viktoriasee. Wir, 16 deutsche Freiwillige in ruandischen und ugandischen Projekten, hatten viel Zeit, uns gegenseitig von unseren Erfahrungen zu berichten, aber wir hatten auch die Gelegenheit, einfach mal abzuschalten. Wir sind in den Mabira Forest, den größten tropischen Feuchtwald Ugandas, gegangen und haben anschließend eine Bootstour zur Quelle des Nils gemacht. Abgerundet wurde der Abend mit einem Restaurantbesuch. Dort durfte ich wieder meinen heiß geliebten frischen Tilapia, einen Fisch aus dem Viktoriasee, verspeisen.

Unsere Freiwilligengruppe vom Zwischenseminar

Ich bin mit ein paar anderen Freiwilligen eine Nacht länger in Jinja geblieben und wir haben in einem wunderschönen Hostel direkt am Nil übernachtet. Morgens wurden wir dann von unzähligen Affen begrüßt.

Sonnenaufgang am Nil
Einer von vielen Affen

Wieder in meinem Projekt angekommen, erwarteten mich auch schon die Sisters, Truus, ein Besucher von Truus und drei Zahnmedizinstudenten aus Göttingen, sodass mir gar nicht langweilig werden konnte.
Aber nun zu meinem eigentlichen Anliegen dieses Rundbriefes…. Ich möchte damit anfangen, euch etwas über den Alltag der Menschen hier zu berichten. Natürlich trifft diese Beschreibung nicht auf jeden zu und ist abhängig von Alter, Beruf, Stand etc. Ich kann jedoch versuchen, zu beschreiben, wie der Alltage für die meisten Menschen hier der ländlichen Umgebung Occoccias abläuft. Der Tag startet, sobald die Sonne aufgeht. Das ist etwa um 6 Uhr. Dann werden die Kühe auf die Felder getrieben und es geht in den Garten. Es muss schließlich ausgenutzt werden, dass es noch nicht so heiß ist. Manchmal wird direkt etwas für das Frühstück geerntet. Aber gleichzeitig muss auch schon angefangen werden, das Frühstück zuzubereiten, da das Kochen hier länger dauert. Man kann nicht einfach mal den Ofen anschalten, nebenan in die Bäckerei gehen oder zum Kühlschrank greifen. Hier wird noch über der Feuerstelle oder mit Kohle gekocht. Das bedeutet auch, dass man zunächst Feuerholz suchen muss. Anschließend wird Wasser gekocht, was natürlich wieder mehr Zeit in Anspruch nimmt, weil man für das Trinkwasser zum Brunnen gehen muss. Nach dem Frühstück wird ein wenig gespült, fürs Mittagessen vorbereitet und dann geht es zur Arbeit oder wieder in den Garten. Mir ist jedoch aufgefallen, dass vor allem die Frauen und Kinder in den Garten gehen. Die Kühe werden zum Pflügen benutzt. Traktoren? Fehlanzeige! Dann wird auch schon angefangen, das Mittagessen zuzubereiten, da auch dies wieder STUNDEN in Anspruch nimmt. Danach versammeln sich die Menschen gerne in ihren Dorfzentren, spielen, quatschen und trinken ihr lokales Bier, das aus allem möglichen zusammengebraut wird und für mich keinerlei Ähnlichkeit mit unserem Bier hat. Man geht wieder nach Hause, bereitet sich auf den nächsten Tag vor, erledigt Hausarbeit wie Wäsche waschen. Dann ist auch schon wieder Zeit zum Abendessen. Der Tagesablauf klingt vielleicht nicht wirklich spektakulär und die Menschen gehen den Tag sehr gelassen an, aber man muss auch alle Kleinigkeiten beachten, die den Alltag doch sehr anstrengend machen. Ich frage mich immer wieder, wie die Menschen das schaffen.
Nun habe ich so viel von Kochen gesprochen, doch was essen die Menschen hier eigentlich? Ich lebe im Teso-Gebiet, was sich im Nordosten Ugandas befindet. Zu den Grundnahrungsmitteln zählen Maniok, Süßkartoffeln, Kochbanane, Mais, Reis, Bohnen, „Greens“ (etwas spinatähnlich), Hirse und Erdnüsse. Zum Frühstück gibt es oft gekochten Maniok oder Süßkartoffeln. In der Trockenzeit gibt es besonders oft eine gestampfte Form von getrockneten Süßkartoffeln, da dies über mehrere Monate gelagert werden kann.

Lagerung von Maniok
Süßkartoffeln

Am Morgen sind aber auch bestimmte Teigwaren beliebt, wovon die meisten jedoch ursprünglich aus Indien stammen. Sie zählen eher zu der luxuriösen Frühstücksvariante, aber dennoch kann es sich eigentlich jeder von Zeit zu Zeit leisten: Samosas, Mandazis und Chapattis. Samosas sind frittierte Teigtaschen, meist gefüllt mit Bohnen, wahlweise aber auch mit Fleisch. Mandazis sind in Fett gebratene Teigbällchen und sind unseren Karnevalsmäuschen sehr ähnlich (nur ungezuckert). Und Chapattis sehen unseren Pfannkuchen sehr ähnlich und bestehen aus Weizenmehl, Wasser, Salz und viel Öl. An besonderen Tagen gibt es auch Rolex, was von „rolled eggs“ kommt. Dabei wird einfach ein Omelett in ein Chapatti gewickelt.

Chapatti

Das typische Mittagessen ist Posho und Bohnen. Posho ist ein fester Maisbrei; dazu wird einfach Maismehl unter kochendem Wasser verrührt. Anstelle der Bohnen gibt es auch öfters Linsen, Kohl, Aubergine oder anderes Gemüse.
Dahingegen ist das typische Abendessen „Attapa und Greens“, Attapa ist auch ein fester Brei, jedoch aus Hirse- und Maniokmehl. Das grüne Blattgemüse wird oft mit einer Erdnusspaste gekocht. Abends wird gerne auch mal Süßkartoffeln oder Reis aufgetischt. Freitags gibt es getrockneten Fisch oder Mattfisch, sonntags darf das Hühnchen natürlich nicht fehlen. Das Abendessen ist für die Ugander sehr wichtig und ich wundere mich immer darüber, wie man so spät abends riesige Portionen an schwerem Essen zu sich nehmen kann. Generell können viele Menschen hier große Protionen verspeisen, wenn sie vorhanden sind. Das ist jedoch kein Wunder, wenn man bedenkt, welche körperlichen Arbeiten sie leisten müssen.

Hirse

Liebe Leser, Freunde, Verwandte…

mein Rückflug ist schon gebucht. Das ist echt ein komisches Gefühl! Natürlich freue ich mich sehr alle Menschen, die mir wichtig sind, wiederzusehen. Dennoch ist mir bewusst, dass ich diese Zeit in Uganda lange vermissen werde. Es gibt immer noch Dinge, die mich tagtäglich aufregen. Aber diese sind so klein, dass sie eher im Hintergrund treten. Wenn ich auf die nächsten Monate blicke, merke ich, wie verplant diese schon sind und wie schnell alles vorbei sein wird. Und um ehrlich zu sein: Ich verstehe die Kultur hier immer noch nicht. Ja, für manches kann ich sogar immer noch kein Verständnis aufbringen. Aber man muss eine Kultur nicht immer verstehen, um sie zu leben. Und dafür muss man keine afrikanischen Kleider tragen, Wasserkanister auf dem Kopf tragen oder riesige Portionen an Posho und Bohnen verschlingen. Ich bin mir auch sicher, dass ich nach meiner Rückkehr zu 90% in meine alten Muster verfallen werde, dennoch wird ein Teil dieses Jahres immer auch ein Teil von mir sein. Und dieses Wissen macht mich unglaublich glücklich.