Ruanda: 1. Rundbrief von Konstantin Trapp

Liebe Freunde, liebe Familie, liebe Bekannte, liebe Spender, liebe Freiwillige und auch, wenn ich es kaum auszusprechen wage, liebe ehemalige Lehrer,

Die ersten Tage und Eindrücke

Ich bin nun seit dem 2. August in Ruanda und gleich zu Beginn muss ich euch sagen, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Der Tag meiner Anreise wird mir immer in Erinnerung bleiben. Unser Flieger landete mit einer Stunde Verspätung, nachts um 3:00 Uhr, auf dem Flughafen in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Herzlich wurde ich von meinem Vorgänger Johannes und einigen Priestern empfangen. Auf der Fahrt von Kigali zu meiner Einsatzstadt Musanze, die in der Nordprovinz liegt wurde mir schnell bewusst, warum Ruanda auch das Land der tausend Hügel genannt wird.

Blick auf die Vulkane von Musanze
Blick auf die Vulkane von Musanze

Ich stand im inneren Konflikt mit mir selbst: Schloss ich mal kurz die Augen um mich von dem langen Flug etwas auszuruhen, kam es aufgrund der heftigen Kurven und der rasanten Fahrweise des Priesters zu schubartigem Übelkeitsgefühl. Zwei Stunden später kamen wir dann zum Glück in Musanze an und ich freute mich einfach nur auf mein Bett. Jedoch gehört es hier zur Kultur, Gäste erst einmal gebührend zu empfangen. So musste die Müdigkeit einem frisch aufgebrühten Tee und zwei Bananen weichen. Die ersten zwei Nächte verbrachte ich im Parish, der Ort, in dem die Priester der Diozöse Musanze leben. Hier gibt es fließend Wasser, eine Toilette im Haus und zweimal am Tag warmes Essen. Ein Luxus, den sich in Ruanda nicht viele leisten können. Am zweiten Tag lernte ich dann meinen Mentor Damien kennen. Er war mir von Anfang an sympathisch- und trotz der Tatsache, dass er Lehrer ist- verstanden wir uns von Beginn an hervorragend. Am dritten Tag zog ich dann zu Johannes, meinem Vorfreiwilligen, der nach meiner Ankunft noch drei Wochen in Ruanda war, in mein neues Zuhause.

Einweihungsfeier in meiner Wohnung
Einweihungsfeier in meiner Wohnung

Es ist ein kleines Haus, relativ zentral gelegen, mit fließendem Wasser. Geduscht wird mit kaltem Wasser und einer Tasse, gekocht auf einem Zwei-Plattenkocher und gewaschen mit Seife in einer großen Waschbütte. Ich hatte zu Beginn kleinere Schwierigkeiten mit diesen, für mich doch bis jetzt unbekannten Ritualen, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Nach einer Woche Eingewöhnungszeit ging es mit meinem Vorgänger Johannes, meiner Mitfreiwilligen Lisa und meinem Mentor Damien dann in den Osten Ruandas, zu Damiens Familie. Die Fahrt dorthin dauerte insgesamt 10 Stunden. Für eine Luftlinienstrecke von ca. 120 Kilometern ein unglaublicher Schnitt. Bei Damiens Familie wurden wir sehr herzlich empfangen.

Damiens Familie und Johannes
Damiens Familie und Johannes

Sofort gab es, wie in Ruanda üblich, gutes Essen und kalte Süßgetränke. Diese gibt es üblicherweise nur bei Feiern. Das Essen besteht aus Reis, Nudeln, Bohnen, Kochbananen und manchmal Fleisch. Von Anfang an hat es mir hier gut geschmeckt und ich hatte keine Probleme mit der Umstellung.

Mein Projekt

Meine Einsatzstelle ist die Groupe Scolaire St. Peter in Nyange, einem kleinen Sektor von Musanze. Sie liegt etwa 8 Kilometer von meinem Zuhause am Fuße der Vulkane. Meine Aufgabe in meinem Projekt besteht aus Gitarrenunterricht und Unterstützung der Lehrer/innen. Ich gebe Unterricht in einem Fach, das sich „general studies“ nennt. Hierbei kann ich mir so genannte „topics“ (Themen) aussuchen, die die Schüler bearbeiten sollen. Besonders Politik kritische Themen und Themen, die auf die typische Rollenverteilung von Mann und Frau anspielen, interessieren die Schüler und mich sehr. Für das Fach general studies unterrichte ich drei verschiedene Klassen, für die ich jeweils auch ein Examen aufgesetzt habe. Den Schülern bereitet der Unterricht großen Spaß, auch weil sie, im Gegensatz zu den meisten anderen Schulfächern, den Stoff nicht einfach nur zum Lernen vorgesetzt bekommen, sondern selber überlegen können, wie sie an das Thema herangehen und wie ihre Art der Präsentation auszusehen soll.

Ein anderer wichtiger Teil meines Projekts ist der Gitarrenunterricht. Hier vermittle ich einer Gruppe, bestehend aus sechs Schülern, Kenntnisse im Gitarrenspiel. Dieser Unterricht wird mit Freude besucht und den Jugendlichen bereitet es großen Spaß, Gitarre zu lernen. Gerne würde ich für eine noch größere Zahl an Schülern meinen Gitarrenunterricht anbieten. Da unsere Schule jedoch nur sieben Gitarren besitzt, sind mir, was die Anzahl der Schüler angeht, leider die Hände gebunden. Falls du, liebe/r Leser/in, eine Gitarre hast die du nicht mehr brauchst, so bist du herzlich dazu eingeladen, dich bei mir zu melden und diese gegebenenfalls zu spenden. Das Interesse am Erlernen musikalischer Fähigkeiten ist überwältigend. Ich finde es sehr schade, dass die Teilnehmerzahl aufgrund der Gitarrenanzahl auf sechs Schüler/innen begrenzt ist und ich weiteren Interessent/innen absagen muss. Mein Ziel ist es, Grundkenntnisse so weit zu vermitteln, dass die Schüler in der Lage sind, leichte und mittelschwere, auf Akkorden basierende Lieder zu spielen. Bis dorthin ist es noch ein langer Weg, aber die Gruppe ist motiviert und lernt sehr schnell.

Mein Projekt
Mein Projekt

Meine Freizeitaktivitäten

Oft vergesse ich, dass ich mich im Herzen Afrikas befinde, und bei dem Stress, den ich manchmal habe, meine Augen für das um mich herum zu öffnen. Die Natur ist atemberaubend und so zieht es mich nach einem langen Arbeitstag oft raus in die Natur. Musanze besitzt einen Nationalpark auf dem Gipfel des Vulkans. Auch wenn dieser mit einem Eintrittspreis von 750$ mein Budget leicht übersteigt, so ist es doch immer wieder eine Erfahrung, am Fuße des Vulkanes langzuwandern und die Aussicht über die Stadt und die Natur zu genießen.

Frisurentechniche Klimaanpassung

Eine mehr oder weniger freiwillige Freizeitaktivität ist das Kochen. Da ich keinen Kühlschrank besitze und es keine Supermärkte gibt, muss ich beinahe täglich auf dem Markt einkaufen. Ich sehe darin zwei Vorteile: zum einen ernähre ich mich gesund, und zum anderen werde ich nicht schon ab Mitte August, wie es in deutschen Supermärkten oft der Fall ist, mit Weihnachtsmusik beschallt und mithilfe 20 verschiedener Lebkuchensorten zum fluchtartigen Einkauf gezwungen.

Ihr seht: der Verzicht auf so manchen Luxus birgt auch so manchen Vorteil in sich. So komme ich zum Beispiel mit vielen Menschen in Kontakt. Kommt der Bus Mal wieder nicht, muss ich mir eine Mitfahrgelegenheit per Anhalter suchen. Oft passiert es auch, dass ich aufgrund von Stromausfall meinen Nachbarn besuche und nach einer Kerze fragen muss. Meist sitzen wir dann aber gemeinsam im Dunklen, jedoch mit einem Bier in der Hand. Bei Wasserausfall duscht man bei Nachbarn und fehlt mir etwas an Lebensmitteln, bin ich immer überall willkommen, mir nicht nur das gesuchte Gewürz auszuleihen, sondern gleich zum Essen zu bleiben. Die Gastfreundschaft ist überwältigend und oft stimmt es mich nachdenklich, warum wir in Deutschland, meinen Erfahrungen zufolge, die Türen vor allem Fremden beziehungsweise Neuem eher verschließen und die Menschen hier diese Begegnungen zulassen oder sogar suchen.

Diese Gastfreundschaft wurde mir jedoch nicht nur in Ruanda zuteil, sondern auch in dem Projekt einer Mitfreiwilligen, namens Judith, in Uganda. Es handelt sich um ein Waisenhaus, geleitet von einem weißen Vater namens Father Peter. Die Gastfreundschaft und die Liebe, mit der ich dort für die fünf Tage meines Besuches aufgenommen wurde, werden mir in Erinnerung bleiben.

Projekt der Mitfreiwilligen Judith
Projekt der Mitfreiwilligen Judith

Liebe Familie, Freunde, Mitfreiwillige, Bekannte, Spender und ehemalige Lehrer,

ich fühle mich hier sehr wohl und es geht mir sehr gut. Die ersten drei Monate vergingen wie im Flug. Ich habe Menschen gefunden, die ich ins Herz geschlossen habe und denen ich vertraue. Ich habe gelernt zu teilen und meine Tür zu öffnen und ich werde in Zukunft versuchen, Menschen noch offener zu begegnen. Natürlich gibt es auch Momente, in denen nicht alles perfekt ist.

Oft habe ich realisiert, dass ich mit Problemen selbstständig umgehen muss und nicht immer Menschen in meiner Umgebung habe, die mir helfen oder mir in meiner Muttersprache mit Rat und Tat zur Seite stehen. Da ich in Deutschland bei meiner Familie gewohnt habe und fast immer jemand zu Hause war, wenn ich morgens aufgestanden bin, ist es eine enorme Umstellung, alleine zu wohnen. Mein Organisationstalent lässt es einfach nicht zu, schon abends für das Frühstück zu sorgen oder morgens etwas früher aufzustehen und Brot zu kaufen. Jedoch sind das Aufgaben, die Zeit benötigen und ich denke, dass ich mich weiterentwickeln werde und in meine Aufgaben reinwachsen werde.

Über Fragen zu meinem Projekt und meinem Zustand freue ich mich sehr und bitte um Verständnis wenn die Antwort etwas auf sich warten lässt.

Vielen Dank für euer Interesse und liebe Grüße aus Ruanda!!!

Euer Konstantin!