Ruanda: 2. Rundbrief von Jakob Eisel

Da war schon fast die Hälfte meiner Zeit in Ruanda vorbei. Die letzten drei Monate hatte ich Schulferien und es war eine sehr interessante Zeit.

 Schulferien

Ende Oktober und Anfang November war eine schwierige Zeit für mich. Zuerst war ich krank und anschließend war in der Schule Klausurphase und daher konnte ich dort nicht wirklich etwas machen. Und auch generell konnte ich mich nicht so wirklich in das Leben hier einfügen. Zu Ferienbeginn bin ich daher für eine Woche nach Nyarurema, in das Projekt von Tobias, gefahren. Als ich zurückkam, ging es mir wieder viel besser. Ich habe mich mit einigen Leuten getroffen und wir haben verschiede Dinge unternommen. Zum Beispiel war ich nochmal bei Jean in Kagitumba, und wir haben einen lustigen Tagesausflug nach Uganda gemacht. Manchmal besuche ich nachmittags auch Robert. Er arbeitet in einem kleinen Laden nahe der Gemeinde. Dort reden wir meistens etwas, manchmal auch mit Menschen, die dort etwas einkaufen. Mit Beginn der Ferien wurde es ruhiger im Haus, da einige Kinder und Jugendliche, welche hier wegen der Schule gewohnt hatten, nach Hause gefahren sind. Manchmal genieße ich das aber manchmal vermisse ich das volle Haus auch.

Weihnachten

Weihnachten war sehr schön. Wegen der warmen Temperaturen ist bei mir in den Tagen vorher keine wirkliche Weihnachtsstimmung aufgekommen, aber am 24. Dezember selbst schon. Es war sehr entspannt, da ich die Wochen vorher keinen Stress mit Geschenken hatte (was aber auch etwas für sich hat), und wir konnten einfach draußen in der Sonne sitzen. Abends gab es dann einen Gottesdienst, bei dem aber aufgrund der Tageszeit nicht viele Menschen waren. Ich fand es abends aber besser, weil sich die Kirche dann nicht so aufheizt. Außerdem haben  wir mit dem Chor gesungen. Anfangs waren die Leute noch etwas zurückhaltend, gegen Ende haben sie aber energischer mitgesungen. Die Atmosphäre war besonders, vergleichbar mit einem guten Konzert und es wurde, wie im Gottesdienst üblich, auch getanzt. Während der Feiertage waren einige Familienmitglieder zu Besuch, wodurch wieder viel zu Hause los war.

Die Familie am Weihnachtsabend zu Hause: Boy,Baby Mabuno,Mama Boy und Nonsiata

Bohnenernte

Kurz vor Weihnachten hat die Regenzeit aufgehört. Die Temperaturen sind von abendlichen teils 20° C, welche ich jetzt als kalt empfinde, deutlich angestiegen. Hier werden zurzeit Kartoffeln, Bohnen und Erdnüsse geerntet. Bei der Bohnenernte habe ich auch etwas geholfen. Dabei werden die Bohnenpflanzen auf Haufen zusammengelegt. Diese werden dann mit Bananenblättern zusammengebunden, und auf dem Kopf aus dem Feld getragen. Nachdem diese in der Sonne zum trocknen ausgebreitet wurden, werden sie auf Haufen zusammengelegt. Es wird mit einem dicken Ast darauf eingedroschen, um die Bohnen aus den Hülsen zu bekommen. Diese Arbeit ist sehr anstrengend. Am Tag später hatte ich im Rücken einen Muskelkater, der nicht mehr feierlich war.

Baby und ich bei der Bohnenernte

Besuche in anderen Projekten

In der Ferienzeit bin ich auch einige andere Freiwillige in ihren Projekten besuchen gefahren. Zuerst war ich in Nyarurema und habe Tobias besucht. Er versteht sich sehr gut mit den Lehrern an seiner Schule. Wir haben mit den Lehrern gemeinsam den Schuljahresabschluss gefeiert. Dabei haben wir versucht zu tanzen, und gute Gespräche geführt. Auch mit den Nachtwächtern habe ich mich gut verstanden. Dann war die Woche noch Joseph, ein Freund von Tobias, aus Kigali da und wir hatten eine gute Zeit. Später war ich dann etwas mehr als eine Woche bei Dominik in Kigali im Projekt. Wir waren mit anderen Freiwilligen wandern und ich habe viel in Kigali gesehen. Insgesamt ist es sehr interessant sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen und auch mal andere Probleme mitzubekommen. Zum Beispiel habe ich mit Lise gesprochen. Sie ist Belgierin, wurde aber in Ruanda geboren und nach Belgien adoptiert. Sie meinte kurz vor ihrer Ausreise, sie wird die Ruander vermissen, da sie aufgrund ihrer Hautfarbe in Belgien immer angestarrt wird.

Zeitempfinden in Ruanda

Probleme habe ich hier meistens mit dem ruandischen Zeitempfinden. Wenn ich einen Termin habe, kommt es doch eher selten vor, dass dieser pünktlich stattfindet. In einigen Situationen ist das auch ganz gut so, beispielsweise wollten wir uns an Silvester zwei Stunden vor dem Gottesdienst mit dem Chor treffen, um noch einmal zu proben. Es waren wenige Leute da, also haben wir uns noch eine Stunde lang hingesetzt und gemütlich geredet. Einige vor allem jüngere Leute sind aber auch immer pünktlich, da bin ich dann immer zu spät. Manchmal muss ich aber auch noch eine oder zwei Stunden warten. Ein wenig bekomme ich ein Gefühl dafür, wann ich später kommen kann. Oft habe ich nicht wirklich Lust auf das Essen zu Hause, denn es gibt immer das Gleiche. Aber alles in allem komme ich damit auch klar. Das ich auf der Straße „umusungu“ gerufen werde kommt deutlich seltener vor. Besonders bei Dominik in Kigali ist mir das aufgefallen. Es liegt wohl daran, dass wir uns auf der Straße nicht mehr viel umschauen, und wir uns nicht mehr so fremd verhalten. Wir verhalten uns nicht mehr wie Touristen, da wir mit den Umständen instinktiv zurechtkommen.

Armut

Ich habe mir hier viele Gedanken über Armut gemacht. Unsere Familie lebt in sogenannter absoluter Armut, das heißt es stehen weniger als 1,25$ pro Tag und pro Person zur Verfügung. Es gibt viele Schwierigkeiten: wenn es zum Beispiel nicht regnet müssen wir in Matimba Wasser holen. Das kostet 200Rwf (ca. 0,25 Euro) für 20 Liter und manchmal funktioniert die Pumpe, welche das Wasser vom Fluss herpumpt, nicht. Aber die Familie hat Freunde, Bekannte und Nachbarn und wenn jemand etwas braucht, kann man zum Nachbarn gehen und sich etwas ausleihen. Die Menschen helfen sich gegenseitig mit den Herausforderungen des Lebens zurechtzukommen. Hier ist mir nochmal klarer geworden, dass fehlende soziale Kontakte eine wesentliche Ursache von Armut ist. Als ich mit Dominik einmal nachts in Kigali unterwegs war, haben uns zwei ca. zwölfjährige Jungen angesprochen welche uns mehrere Minuten lang nach Geld gefragt haben. Als wir uns ein Motorrad-Taxi nach Hause genommen hatten, sah ich vom fahrenden Taxi nur noch, wie der eine Junge sich eine Zigarette angesteckt hatte, der andere versuchte Dominik das Handy zu klauen. Diese Kinder leben auf der Straße und haben keine Menschen, die sich um sie kümmern.

Ich hoffe es geht euch allen gut.

Hier noch ein paar Fotos:

In Ruanda essen die Menschen oft vom selben Teller,hier esse ich bei Jean gemeinsam mit den Nachbarskindern
Hier bin ich mit Baby im Sonnenuntergang unterwegs um Milch zu holen

 

 

Viele Grüße und bis irgendwann bald mal

Haarald

Jakob