Bolivien: 1. Rundbrief von Teresa Zwick

Liebe Familie, Freunde und Unterstützer,

zwei Monate ist es jetzt her, dass ich mich von Zuhause verabschiedet habe. Gut 60 Tage, in denen mir so manches Gewohnte fehlte. Aber auch über 1440 Stunden, in denen ich eine völlig neue Umgebung und viele Menschen kennenlernen durfte und mehr als 86400 Minuten, in denen ich schon jede Menge erlebt habe. An all dem möchte ich euch jetzt in meinem ersten Rundbrief teilhaben lassen:

 

Die Hinreise
Am Morgen des 5. Augusts versammelten sich acht Freiwillige der Organisation SoFiA e.V. (http://www.sofia-trier.de/) in der Abflughalle A, Z des Frankfurter Flughafens, um sich gemeinsam auf die Reise nach Bolivien zu machen. Eine dieser acht war ich. Nach der Gepäckaufgabe ging es dann gemeinsam mit unseren Familien und Freunden in Richtung Sicherheitskontrolle. Hier hieß es nun wirklich Abschied nehmen, Tränen flossen, es wurde sich ein letztes Mal umarmt und dann verschwanden wir hinter den großen Türen. Es war ein beruhigendes Gefühl, nicht alleine auf diese Reise zu gehen, denn den Anderen ging es  mit ihrem Abschiedsschmerz genauso und so konnten wir uns gegenseitig unterstützen und aus der Traurigkeit wurde schnell die Vorfreude, auf das was kommt.
In Madrid hatten wir zunächst sechs Stunden Aufenthalt. Viel weniger hätten es aber auch nicht sein dürfen. Der Flughafen ist nämlich einfach riesig und bis wir dann unser Gepäck hatten, vom einen Terminal mit dem Bus zum anderen gefahren waren, eingecheckt und etwas gegessen hatten, war es auch schon wieder Zeit zum Gate zu laufen. Auf dem langen Flug über den Atlantik hatte ich einen Fensterplatz, konnte mich also anlehnen und so super acht Stunden durchschlafen.
In Santa Cruz hieß es dann erstmal warten. Wir reihten uns brav bei der Passkontrolle in der Reihe für Nicht-Amerikaner ein. Durch die Sicherheitskontrolle danach kamen wir etwas schneller und saßen dann pünktlich im Flieger zu unserem Endziel. Vorher hatten wir alle nochmal tief eingeatmet, da wir wussten, dass der nächste Flughafen auf über 4000 Metern Höhe lag und dies unsere letzte Gelegenheit sein würde, um ordentlich Luft zu holen.
Nach insgesamt 24 Stunden Reise landeten wir dann in La Paz. Ja, die Luft war dünner. Bei mir zeigte sich das zunächst nur darin, dass ich etwas „Pudding in den Knien“ hatte und jegliche Bewegung wie das Koffer-vom-Gepäckband-holen unheimlich anstrengend war.
Als wir dann durch die Schiebetür in der Ankunftshallte traten, erwarteten uns schon Philipp, Daniel und Patrizia; sie sind Mitarbeiter der „Comisión de Hermandad“, die für die Freiwilligen in Bolivien verantwortlich sind, und natürlich unsere Gastfamilien. Nach einem schnellen Gruppenfoto wurden wir dann alle von Daniel unseren Familien zugeteilt. Gemeinsam mit Sophie durfte ich bei der Familie von Patricia wohnen.
Wir luden unser Gepäck in ein Taxi und fuhren los. Das Gefühl jetzt endlich da zu sein, war gar nicht so komisch. Stattdessen wird lieber auf die Hupe zurückgegriffen. Ich glaube meinen Beobachtungen zufolge läuft das so: Wer zuerst an einer Kreuzung hupt, darf fahren oder halt das größere Auto. Und trotz des Chaos´ habe ich hier bis her noch keinen Unfall mitbekommen.

Der erste Monat in La Paz

Ankunft in der Gastfamilie und Sprachkurs
Für die nächsten vier Wochen würden Sophie und ich in der Ciudad Satelite in El Alto wohnen. El Alto war früher das oberhalb der Stadt gelegene Armenviertel von La Paz, ist heute aber eine eigenständige Stadt mit einer Million Einwohnern. Wir bezogen unser kleines, gemütliches Zimmer und durften uns dann erstmal ausruhen, weil uns die Höhe doch sehr zu schaffen machte. Nachdem ich eine Weile geschlafen hatte, wachte ich auf und mir war total schlecht, sodass ich mich erstmal auf dem Teppich in unserem Zimmer entleerte. Zugegeben, das war etwas peinlich… Das war’s auch an Problemen, die mir die Höhenkrankheit bereitete.
Auch dem Rest der Familie wurden wir am nächsten Tag, als wir schon etwas fitter waren, vorgestellt. Patricia hat noch eine Schwester, Usiel (24), und einen Bruder Ariel (34). Außerdem wohnen im Haus noch die Oma, der Onkel und natürlich die Eltern. Mit dem Vater habe ich mich noch einige Abende über Deutschland unterhalten.

Zur Sprachschule fuhren Sophie und ich mittags immer mit der Teleferico, der Seilbahn, die über ganz La Paz führt und in der man vor allem nachts einen wunderschönen Ausblick auf diese Millionenstadt hat. In der ersten Woche hatten wir von 13 Uhr bis 19 Uhr Spanischunterricht. Wir, das waren zum einen die acht Freiwilligen von SoFiA e.V. und zum anderen die neun Freiwilligen des Bistums Hildesheim, für die die Hermandad ebenfalls verantwortlich ist. (Die Hermandad ist die Partnerschafts-Kommission zur Zusammenarbeit der Bistümer Trier und Hildesheim mit der bolivianischen Bischofskonferenz.) Da wir nicht alle dasselbe Sprachniveau hatten, wurden wir in vier Gruppen eingeteilt, in denen wir Unterricht hatten. Um 16 Uhr kamen alle zu einer tägliche Aktivität zusammen: Darunter waren Spiele wie Verben pantomimisch darstellen, bolivianische Geburtstagsspiele, Stille Post, Karaoke…

In der zweiten Woche hatten wir dann nur noch von 14 Uhr bis 17 Uhr Unterricht. Zweimal in der Woche war außerdem ein kleiner Ausflug vorgesehen. So waren wir gemeinsam in der „Calle de las Brujas“, in der jedes Touristenherz dank der vielen Taschen, Pullis, Armbänder mit südamerikanischen Stickereien höher schlägt. Hier wurde uns gezeigt, wie man die Opfergabe für die „Pachamama“, Mutter Erde, vorbereitet. Auf ein großes Tuch werden allerlei Süßigkeiten mit Symbolkraft ausgebreitet. So ist auf einem z.B. ein Haus abgebildet, auf dem anderen Geld oder ein Auto. Diese Süßigkeiten, sowie Kokablätter, Blattgold, ein Lama-Fötus und Zigaretten, sollen im folgenden Jahr Glück bringen, wenn man alles zusammen im August, dem Monat der Pachamama, verbrennt.

Neben diesem Ausflug verbrachten wir noch einen Tag als Zebras. „Aktion Zebra“ ist eine Initiative der Stadt La Paz, um diese etwas freundlicher und den Verkehr etwas sicherer zu machen. Dazu laufen in der ganzen Metropole junge Menschen in Zebrakostümen rum, die den Bewohnern und Touristen über die Straße helfen oder einfach nur durch eine Begrüßung ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Diese Zebras durften wir nun für einen Tag unterstützen. Naja, eigentlich nur 20 Minuten, denn der Rest der Zeit ging zur mentalen Vorbereitung auf diese Aufgabe drauf. So hatten wir zunächst kleinere schauspielerische Übungen, wie glücklich, traurig,… durch den Raum des Hochhauses, in dem die „Zentrale“ der Zebras liegt, laufen. Irgendwann mussten wir uns dann auf den Boden legen und bekamen von den erfahrenen Zebras unsere Kostüme übergelegt. Als wir fertig gekleidet waren, wurde uns ein anderes Zebra zugeteilt und wir durften diesem dann helfen: Kindern winken, auf der Straße tanzen, während für die Autos rot war, und allen einen „Guten Tag!“ wünschen.

Ich im Zebrakostüm

Erst in der vierten Woche hatten wir wieder Sprachschule. (Die dritte verbrachten wir mit insgesamt 50 deutschen Freiwilligen in einem Seminar.) An unserem vorletzten Tag mussten wir sogar wie in der richtigen Schule einen Test schreiben, über Alles, was wir in den insgesamt drei Wochen Unterricht gelernt hatten. Am nächsten Tag wurde uns dann allen das Ergebnis in Form eines Sprachdiploms ausgehändigt. Damit war unsere Spanischkurszeit schon vorüber. Ab jetzt würden wir also allein auf uns und unsere Sprachkenntnisse gestellt sein.

 

Weltwärts-Seminar
Trotz der ausgiebigen Vorbereitung durch SoFiA e.V. in Deutschland, durften wir unsere dritte Woche in La Paz nochmal mit einem Seminar verbringen. Hier waren nicht nur die Freiwilligen der Hermandad, sondern auch noch rund 35 andere deutsche Freiwillige (u.a. von Arco Iris, Eirene, Soforthilfe La Paz und Vamos Juntos). Die Woche war in verschiede Blöcke unterteilt.  Es gab aber auch neue Einblicke: An einem Morgen besuchten wir z.B. mit einer Freiwilligen von „Vamos Juntos“ ein paar der Schuhputzer von La Paz, die uns von ihrem Leben berichteten. Viele der Schuhputzer werden diskriminiert und tragen daher Masken während ihrer Arbeit. Besonders bewegend war es für mich, dass manche sich so sehr für ihre Arbeit schämen, dass nicht mal ihre Familien und Freunde von ihrer Tätigkeit wissen.
Außerdem statteten uns einige Mitarbeiter der deutschen Botschaft einen Besuch ab. Nachdem sie von ihren Tätigkeiten hier im Land berichtet hatte, bekamen wir noch ein typisch deutsches Gericht serviert: Kartoffelsalat, Siedewurst und Sauerkraut. Einem Freiwilligen schlug dieses deutsche Essen paradoxerweise im Gegensatz zu den ganzen bolivianischen Speisen total auf den Magen. So kann’s gehen…
Die erstaunlichste Info diese Woche war für mich jedoch, wie viel Deutsche, aber vor allem deutsche Freiwillige jedes Jahr nach Bolivien kommen. Schon allein die durch „Weltwärts“ unterstützten Freiwilligen sind insgesamt über 200.

 

Reise an den Titicacasee
An einem Wochenende machte ich mich mit meiner Gastschwester Patricia, Sophie, Sophie, Aaron, Paul und Awa auf den Weg nach Copacabana. Bis dato dachte ich immer das wäre ein Strand in Brasilien, aber jetzt weiß ich, dass so auch eine Stadt am höchstgelegensten, schiffbaren See der Erde heißt. Nach guten drei Stunden Fahrt von La Paz erreichten wir unser Ziel. Die Nacht würden wir in einem kleinen Hostel verbringen, in dem wir erstmal unser Gepäck abstellten. Hungrig von der Reise machten wir uns auf den Weg ans Ufer des Titicacasees, an dem lauter kleine Imbissstände nebeneinander aufgereiht sind. Wenn man diese passiert, kommen aus jedem einzelne die Besitzerinnen und preisen ihren Fisch an. Da alle jedoch den gleichen Preis und eigentlich auch die gleiche „Trucha“ (Forelle) haben, entscheidet man sich dann meistens für die am wenigsten aufdringliche Verkäuferin. So haben wir es jedenfalls gehandhabt. Der „Trucha“ im Imbissstand Nummer 6 war sehr lecker (wahrscheinlich genauso wie bei allen anderen…), weshalb wir auch am darauffolgenden Tag hier einkehrten. Um auch noch etwas unser „Touri-Programm“ abzuarbeiten, machten wir uns am ersten Nachmittag mit einem Boot auf den Weg zu den „Schwimmenden Inseln“. Enttäuscht mussten wir aber feststellen, dass die richtigen, komplett aus Schilf gebauten „Islas flotantes“ auf der peruanischen Seite des Sees schwimmen und daher für uns nicht zu erreichen waren. Wir machten aber das Beste daraus. Denn nahe dieser Touristen-Attrappe von Schilfinsel gab es einen großen Fels am Ufer, auf den wir kletterten, wunderschöne Bilder machen und den Sonnenuntergang am Horizont genießen konnten.

Sonnenuntergang am Lago Titicaca

Da wir im Hostel für Sonntagsmorgens kein Frühstück gebucht hatten, kauften wir uns Empanadas und Salteñas (gefüllte Teigtaschen) bei einem Stand an der Straße. Wenn viel Betrieb an solchen Straßenständen ist, sei dies ein gutes Zeichen für die Qualität des Essens. Die Salteñas waren super lecker. Die schauklige Überfahrt mit dem Boot zur Isla del Sol, die wir als nächstes besuchten, war im Gegensatz zu den Salteñas nicht für jedermann so gut verträglich. Beim Verlassen des Bootes durften wir deshalb über das Endprodukt der Seekrankheit eines Mit-Passagiers klettern. Auf der Insel angekommen, hatten wir Gelegenheit auf den Berg zu steigen. Ich entschied mich dann aber doch dazu, lieber nur die Füße in den See baumeln zu lassen, anstatt den Anstieg auf mich zu nehmen. Schließlich liegt der See auf fast 3900 m ü. NN. Höhe, da kommt man schon schnell mal aus der Puste.
Fast wären wir gar nicht mehr von der Insel runter gekommen, da die Wanderfreudigen unter uns etwas spät am Bootsanleger zurück waren und der „freundliche“ Kapitän schon drohte ohne uns in (Titicaca-)See zu stechen.

Am Vortag wie auch heute durften wir Autos beobachten, die auf dem Weg zur Segnung durch einen Schamanen oder Mönch an der Basilika der Stadt waren. Dies erkennt man immer an dem reichlichem Blumenschmuck der Autos. Die Besitzer fahren dafür Kilometer aus dem ganzen Land her, da diese Segnung zur Unfallfreiheit und Langlebigkeit der Karosserie beitragen soll.

Abschiednehmen
Der erste Monat verging wie im Flug. Um sich erstmal an das neue Land zu gewöhnen, war es sicherlich nicht schlecht, dass ich nicht direkt auf mich allein gestellt war. In Sophie hatte ich auch die perfekte Mitbewohnerin. Abends ist sie genauso früh müde, zum Laufen waren wir beide zu faul, fuhren also alles mit dem Bus, und alleine irgendwo durch die Stadt gehen, trauten wir uns auch noch nicht so recht zu. Es war also echt angenehm, immer jemanden an seiner Seite zu haben. Doch diese Zeit war jetzt wohl vorbei. Langsam hieß es wohl Abschied nehmen. Nicht nur von Sophie, sondern natürlich auch von der Gastfamilie. Zum Dank kochten wir noch eine typisch deutsche Linsensuppe für unsere Familie. Dem Vater schmeckte es so gut, dass er gleich nochmal nachnahm und die Mutter kündigte an, dieses Essen nochmal in Gedenken an uns zu kochen. Das machte uns natürlich mächtig stolz. Ich habe hier wirklich ein zweites Zuhause gefunden und wurde total freundlich und liebevoll aufgenommen.

Die Hermandad hatte für den letzten Abend einen Abschiedsgottesdienst und eine kleine Abschlussfeier organisiert. Hier gab es ein Video mit Bildern des vergangenen Monats zu sehen und die Familien konnten noch ein paar Worte an uns richten. Als unsere Gastmama dann von ihren „Nuevas hijas“ also „neuen Töchtern“ sprach, war es um uns alle geschehen und unsere Gastoma, -Mutter, –Schwestern, Sophie und ich lagen uns weinend in den Armen.

Am nächsten Abend brachte unser Gastpapa uns mit dem Taxi zum Terminal, von dem aus meine Reise nach Sucre bzw. Sophies nach Potosí gehen würde. Auf uns warteten schon Patricia und Daniel, sowie Franziska, eine Freiwillige des Bistums Hildesheim, die mit mir nach Sucre fuhr.
Zunächst mussten wir unsere Tickets kaufen. Dafür gingen wir zum Schalter des Unternehmens „El Dorado“, das den höchsten Komfort in den Bussen bietet. Hier bekamen wir aber gesagt, dass keine Plätze mehr verfügbar seien. Das dies mal vorkomme, sei sehr ungewöhnlich, meinte Daniel. Also gingen wir zum nächsten Schalter, an dem aber auch nichts mehr frei war. Das Phänomen setzte sich an allen Schaltern fort und die Verzweiflung war Daniel schon leicht ins Gesicht geschrieben. Doch auf einmal hörten wir eine Frau, die Fahrten nach Sucre anpries. Hoffnungsvoll gingen wir zu ihr und sie führte uns zu einem Schalter. Ratet mal von welchem Unternehmen! Richtig, „El Dorado“. Und auf einmal gab es auch freie Plätze… Um 20:30 Uhr war es dann soweit und Franziska und ich saßen in der letzten Reihe eines zweistöckigen Busses. Der Komfort hier ist wirklich beeindruckend! In jeder Reihe gibt es nur drei Plätze. Und was für welche! Jeder hat einen riesigen Sessel, den man weit zurückfahren kann, eine Beinlehne und eine Fußablage, sodass man auf der 12 Stunden langen Fahrt durchaus angenehm schlafen kann. Jetzt ging es also nach SUCRE und bald endlich in mein Projekt!

 

Sucre

Ankunft in der Fundación
Nach 12 Stunden sollten wir den Terminal von Sucre erreichen. Es wäre schön gewesen, wenn wir ihn überhaupt erreicht hätten. Stattdessen standen wir nach 13 Stunden am Stadtrand von Sucre und es tat sich nichts mehr. Nach und nach stiegen die Reisenden aus, Taxis fuhren heran und irgendwann standen wir quasi alleine dort. Der Fahrer und ein paar der anderen Mitarbeiter machten sich ans Reparieren des Motors und ich rief bei der Fundación an. Mir wurde gesagt, dass wir einfach dort warten sollten. Nach einigen Minuten kam dann ein Pick-Up angerollte, der Franziska und mich samt Gepäck mitnahm. Im Auto lernten wir dann Herlan, der bei der Fundación Treveris tätig ist, und eine Schwester, die im Projekt von Franziska arbeitet, kennen. Als wir die beiden anderen an einer Schule abgegeben hatte, fuhr Herlan mit mir noch etwas frühstücken. Ich bekam zwei Salteñas und einen Orangensaft.

Danach wurde ich zum Gebäude der Fundación Treveris gebracht, in dem sich auch mein Zimmer und eine Küche und ein Wohnzimmer für die Freiwilligen befinden. Für die, die nicht wissen, was die Fundación Chuquisaca-Treveris ist: Hierbei handelt es sich um eine Stiftung, die sich für die Bildung der Landbevölkerung in Chuquisaca einsetzt. Sie betreibt mehrere Schulen, Internate und Bildungszentren. In eines dieser Internate würde ich dann auch bald endlich gehen. Die Stiftung wird durch den BDKJ des Bistums Trier unterstützt und es hat sich eine langjährige Freundschaft zwischen den beiden Institutionen entwickelt (für mehr Infos: http://www.bdkj-trier.de/bolivienpartnerschaft/partnerorganisationen/). Herlan verabschiedete sich mit den Worten: „Hasta lunes!“ (also: „Bis Montag!“) und damit war ich erstmal alleine. Wir hatten erst Samstag. Aaron, der andere Freiwillige, der mit mir bei der Fundación dieses Jahr arbeiten wird, würde erst am Montag nachkommen. Das war ja kein ganz so schöner Start. Nichts im Kühlschrank, keine Ahnung, wo ich war, wo ich etwas einkaufen konnte, niemand den ich kenne.

Doch gleich am nächsten Tag wurde ich von der Nichte von Selsa, einer Bolivianerin, die seit Jahren in Neuwied-Gladbach lebt, zum Essen eingeladen. So kam ich dann etwas unter Menschen. Nach dem leckeren Mittagessen zeigte Gretel mir noch etwas die Stadt und wir aßen noch einen Kuchen.
Am nächsten Morgen traf dann auch Aaron ein. Gemeinsam mit einem ehemaligen Freiwilligen, der für ein Jahr in Deutschland war, machten wir uns auf den Weg zum größten Markt der Stadt, dem „Campesino“. Hier besorgten wir alles, was wir für die ersten Tage bräuchten.

Täglich um 17 Uhr versammeln sich die Mitarbeiter der Fundación zum Teetrinken. Auch Aaron und ich durften dabei sein. Wir erfuhren nun auch den Grund, wieso wir zunächst noch eine Woche in der Stadt bleiben sollten: Am Wochenende würde das Fest der Jungfrau von Sucre gefeiert, der Guadalupe. Dieses Spektakel sollten wir noch miterleben, bevor wir in unsere Projekte fuhren.

Donnerstags bekamen wir Zuwachs in der Wohnung. Manuel, ein Freiwilliger, der 2009/2010 schon in der Fundación tätig war und seine Freundin Caro kamen von ihrer Peru-Reise zurück. Die beiden hatten in den vergangenen Monaten im Projekt von Aaron ausgeholfen und konnten ihm daher schon einiges von dem erzählen, was ihn erwartete. Außerdem brachte Caro mir Macramé-Armbänder-Knüpfen bei und zeigte mir auch, wo ich die Materialien dafür kaufen kann. Es war sehr angenehm mit den Beiden zu wohnen, da wir uns zu viert jetzt immer gut mit dem Kochen und Saubermachen etc. abwechseln konnten.
Am Wochenende sollte es in der ganzen Stadt kein Wasser geben, weil irgendeine Zuleitung kaputt war. Wir füllten also Wasser in alle verfügbaren Kannen und Töpfe. Unsere schlimmste Befürchtung war es, von donnerstags bis montags kein Wasser zu haben. Letzten Endes reichte das Wasser im großen Tank auf dem Dach noch bis sonntagsabends und montagsmorgens kam dann schon wieder Wasser aus den Hähnen. Also alles halb so schlimm.

Feier für die Guadalupe von Sucre
Die Jungfrau Guadalupe ist die Schutzpatronin der Stadt Sucre. Einmal jährlich, am Wochenende nach dem 08. September, feiert die ganze Stadt zu Ehren dieser Heiligen ein großes Fest. Donnerstags gab es deshalb zum Beispiel ein Konzert der „Masis“, die auch schon auf Deutschlandtour waren und Freitag und Samstag riesige Umzüge in den Straßen. Schon Wochen vorher treffen sich die einzelnen Gruppen, um Tänze einzustudieren, die sie während des gesamten Umzuges aufführen. Dies muss einfach ungeheuer anstrengend sein, manche Gruppen sind am Tag der Umzüge bis nachts um 3 Uhr auf der Straße. Aber nicht nur die Tänze alleine sind beeindruckend, die Teilnehmer tragen aufwändige Kostüme mit Masken, Perlen und Pailletten. Da steckt sicherlich einige Arbeit und Geld drin drin.

 

Pampa Huasi

Hinreise
Am Morgen des 15. Septembers ging es los. Da meine anderen drei Mitbewohner schon zwei Tage zuvor abgereist waren, war es an mir, noch ein wenig aufzuräumen und alles abzuschließen, bis ich mein Gepäck dann um 6:30 Uhr in einen der Pick-Ups lud und wir losfuhren. Nachdem wir die Maut-Station kurz nach der Stadtgrenze Sucres passiert hatte, hielt Jimmy, ein Mitarbeiter der Fundación, der den Wagen fuhr, nochmal am rechten Seitenstreifen an und sprach ein Gebet, damit Roxana (eine von Jimmys Kolleginnen), er und ich eine gute Reise hätte und es uns und unseren Familien auch in Zukunft gut ginge. Nun konnte also nichts mehr schief gehen. Bis Tarabuco fuhren wir auf einer asphaltierten Straße. Hier hielten wir für eine kurze Frühstückspause an. Diese bestand aus einem Brötchen mit einem großen Würfel Käse und einem Apí, einem traditionellen Getränk aus rotem Mais. Mich erinnern die Gewürze darin immer an Weihnachten. Danach ging es auf einer aus Steinen gepflasterten Straße weiter bis Icla. Von dort aus führte dann nur noch ein Schotterweg bis nach Pampa Huasi. Von Zeit zu Zeit kreuzten Esel, Ziegen und Hühner unseren Weg. Zwischen den einzelnen Dörfern, durch die wir fuhren, war meilenweit einfach nichts. Kein Mensch, kein Tier, kein Auto, kein Geräusch. Und wenn wir dann doch mal an einer Person vorbeifuhren, war diese überglücklich uns zu sehen, winkte uns, damit wir anhielten und bat, hinten auf unserem Pick-Up auf der Ladefläche mitfahren zu dürfen. Bis wir dann das Dorf erreichten, wo sie wieder ausstiegen, verging manchmal über eine Stunde Fahrtzeit. Und diese ganze Strecke hätten sie sonst zu Fuß laufen müssen. Unvorstellbar für uns in Deutschland, wo eigentlich überall ein Bus oder sonst bei Bedarf auch ein Taxi fährt.

Mein erster Tag im Internat
Pampa Huasi ist Quechua und heißt so viel wie „Nichts“ und „Haus“. Was stellt man sich als vor? Eigentlich nichts. Na gut, vielleicht ein Haus in mitten vom Nichts. Aber wie das so mit Erwartungen oder vielleicht sogar Vorurteilen ist, bestätigen sie sich meistens nicht. Denn nach guten sechs Stunden Fahrt, erreicht wir ein Dorf (ja, mehr als nur ein Haus), das wir schon aus der Ferne gut mit seinen blauen Dächern in der kahlen, hügeligen Landschaft sehen konnten.
Wir hielten am Dorfplatz und bevor ich ausstieg, musste ich Roxana und Jimmy noch erzählen, wie aufgeregt ich doch sei. Wir klopften laut gegen ein großes, braunes Stahltor und warteten, bis eine Frau dahinter erschien. Das war also meine Projektleiterin Otiliana, eine Frau, etwas kleiner als ich mit großem dunklem Hut, einer karierten Fleece-Jacke, darüber eine Weste und einem Rock, den im Dorf eigentlich alle Frauen rund um die Uhr tragen. Das erste was sie sagte: „Ich habe eigentlich erst morgen mit dir gerechnet, aber jetzt bist du halt da!“ und drückte mich an sich. Dann rief sie laut nach den Mädchen, die hier im Internat leben. Auch da wurden meine Erwartungen nicht bestätigt. Ich hatte mit zirka 40 Bewohnerinnen gerechnet, stattdessen waren es nur neun und zwei davon momentan bei ihren Familien. Die sieben Mädchen, Otiliana, Jimmy, Roxana und ich versammelten uns um einen großen Tisch im Nähzimmer. Als erstes ergriff Jimmy das Wort, kündigte mich als neue Freiwillige für dieses Jahr an und bat mich, mich vorzustellen, was ich natürlich gerne tat. Bei den Mädchen sah das schon etwas anders aus. Sie waren so furchtbar schüchtern, dass sie kaum ihre Namen über die Lippen brachten. Eine der ehemaligen Freiwilligen hatte mir zwar erzählt, dass sie hier sehr schüchtern sein, aber dass sie so wenig sagen würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Dies verunsicherte mich dann auch ein bisschen, weil ich nicht recht damit umzugehen wusste. Aber nachdem Otiliana dann drei Mädchen mit mir schickte, um das Dorf kennenlernte, fing das Eis langsam an zu tauen.

Bei meinem ersten Rundgang durch das Dorf fiel ich natürlich allen auf. Ein Mädchen mit blonden Haaren, blasser Haut, das zudem keinem Rock trug, hatten viele noch nie gesehen. Die Kinder, die gerade noch fröhlich auf der Straße spielten und lachten, wurden ganz still, drehten sich um und starrten mich alle an, als ich an ihnen vorbeilief. Das war schon ein unangenehmer Moment, ich kam mir vor wie von einem anderen Stern. Mittlerweile kennen mich aber die meisten zumindest vom Sehen, sodass dies nicht mehr vorkommt.
Was mich außerdem etwas irritierte, war, dass hier eigentlich kaum jemand Spanisch spricht. Die meisten verstehen zwar Spanisch, können auch (etwas) sprechen, aber untereinander reden alle Quechua und ich verstehe folglich gar nichts.

Was heute auch noch anstand: Zimmeraussuchen. Ich entschied mich für ein kleines Zimmer mit einem Hochbett, einem Einzelbett und zwei kleinen Tischen. Die Matratzen vom Hochbett wurden auch noch weggeräumt, sodass ich dieses jetzt als meinen Kleiderschrank nutzen kann. Außerdem bekam ich noch mein eigenes Bad hergerichtet. Es befindet sich, wie auch mein Zimmer im selben Gebäude, wie die Kirche. Um dorthin zu kommen, muss ich allerdings immer aus meinem Zimmer raus, am Dorfplatz entlang und zwei Türen weiter wieder ins Gebäude rein. Vor allem nachts, wenn man dringend auf die Toilette muss, ist das echt ein bisschen nervig , aber man gewöhnt sich an alles. Und den Luxus eines eigenen Bades sollte man auch nicht unterschätzen. Mein Zimmer liegt zudem zwar Tür an Tor des Internates, nachts wird dieses Tor jedoch abgeschlossen, sodass ich nicht ins Internat komme und auf mich alleine gestellt bin. Bis jetzt war das aber kein Problem. Das einzige, was mich nachts stört, sind die Straßenhunde, die mich mit ihrem Gebelle wachhalten. Hunde sind hier auch keine Haustiere. Dann schon eher Schafe. Ein Junge im Dorf hat z.B. ein Schaf, das auf seinen Namen hört und ihm permanent auf Schritt und Tritt folgt.

Mein neuer Alltag
Morgens stehe ich pünktlich zum Frühstück um 7:30 Uhr auf. Dieses besteht immer aus Tee oder Kakao und einem Brötchen. Danach geht es für die Bewohnerinnen ans Nähen, das ihnen die Internatsleiterin Otiliana beibringt. Außerdem kommen noch ein paar Frauen und Mädchen aus dem Dorf dazu. Eine Siebzehnjährige bringt immer ihren 13 Monate alten Sohn mit, der dann auf einer großen Decke auf dem Boden spielt, während sie arbeitet. Hier auf dem Land ist es alltäglich, das die Mädchen früh Kinder bekommen. Doch die Väter kümmern sich häufig gar nicht um das Kind und die jungen Mütter sind auf sich alleine gestellt.
Um 11:30 Uhr gibt es einen kleinen Snack z.B. Milchreis, manchmal aber auch Kartoffeln mit Nudeln und Fisch. Als es das gab, fragte ich mich schon, warum wir so früh aßen, bis dann um 12:30 Uhr wie gewohnt wieder Mittagessen serviert wurde. Essen bekomme ich also quasi rund um die Uhr. Um 17 Uhr gibt es Tee und abends gegen 21 Uhr nochmal ein warmes Abendessen. Daran musste ich mich auch erstmal gewöhnen, zweimal am Tag warm zu essen.
Nachmittags beschäftigen sich die Mädels auch mit Handarbeit, manche stricken, andere häkeln oder weben. Das Projekt ist also genau mein Ding, an diesen Handarbeiten habe ich nämlich riesigen Spaß. Ich habe auch schon angefangen, eine Sitzunterlage mit Blumenmuster zu häkeln. Zwischendurch mache ich auch häufiger die Macramé-Armbänder, die ich von Caro gelernt hatte. Die sind dann immer heiß begeht, sodass ich von ca. 20 Stück bis jetzt drei für mich behalten konnte. Ein Armband habe ich auch für meine kleine Freundin Jaqueline gemacht. Sie ist die Tochter von einer Frau aus dem Dorf, die nachmittags zum Stricken kommt. Jaqueline kommt nach der Schule vorbei und packt dann öfter mal ihr Quechua-Heft aus und übt mit mir Lesen auf Quechua. Manchmal spricht sie mit mir sogar etwas Spanisch, das sie auch in der Schule lernt. Wir verstehen uns oft aber auch ohne Worte super und haben lustige „nonverbale Unterhaltungen“.
Neben Handarbeiten ist am Nachmittag auch Zeit für Hausaufgaben (bei denen ich ab und zu helfe) oder fürs Spielen: Mittlerweile können die Mädels schon Mau-Mau und Mensch-Ärgere-Dich-Nicht.
Abends gehen die Mädchen um 18 Uhr bis 20:30 Uhr zur Schule. Die ersten zwei Male bin ich noch mitgegangen. Jetzt bleibe ich währenddessen immer im Internat und unterhalte mich mit Otiliana oder helfe ihr bei ihren Tätigkeiten. Nach dem anschließenden Abendessen gehe ich dann meistens schon gegen halb 10 übermüde ins Bett und schlafe sofort ein. Die fremde Sprache und die vielen neuen Eindrücke strengen mich schon noch sehr an.

Neben den alltäglichen Aufgaben, gibt es manchmal aber noch Extra-Arbeiten zu tun. Zum Beispiel müssen die Kartoffeln auf dem Feld gegossen werden. Da es tagsüber aber kein fließendes Wasser aus dem Hahn gibt, müssen wir dazu mit Eimern und Kanistern an einen kleinen Bach laufen, diese füllen und anschließend auf dem Feld entleeren. Außerdem muss Unkraut gejätet werden, das dann mit Schubkarren zu einer von den Dorfbewohnern selbst angelegten Müllkippe gebracht wird. Die freilaufenden Schweine dort freuen sich immer sehr über das frische Grün.
Sonntags wird Brot gebacken. Dazu wird immer eines der Mädels eingeteilt. Ich durfte beim Kneten und Ausrollen helfen. Und das frische Brot schmeckt, so schon gut, aber wenn man es dann noch selbst gemacht hat, natürlich erst recht.
An einem Morgen beauftragte mich Otiliana damit, Fotos von den Mädels während der Näharbeiten zu machen, diese anschließend auszudrucken und in ein Heft mit vielen Infos zum Nähen und Zuschneiden von Klamotten zu kleben. Also machte ich die Fotos. Weiter kam ich aber nicht, da der Drucker zum Ausdruckend der Bilder nicht mehr genug Tinte hatte. Die Patronen mit Spritzen wieder aufzufüllen war vielleicht eine Mantscherei. Für ein Bild lohnte sich die Arbeit zwar, aber danach machte die Patrone aufs Neue schlapp. Und am nächsten Morgen konnte ich dann ohnehin nicht weitermachen, da ein Bagger am Marktplatz nicht nur ein Haus, sondern gleich noch eine Stromleitung abgerissen hatte. Nach 36h war alles wieder repariert.

Neben Problemen mit dem Strom gibt es wie gesagt tagsüber häufig auch kein fließendes Wasser. Da es aber nachts zu kalt zum Duschen ist und die Haare nicht trocken werden, greift man am Tag auf Eimer zurück. Ich bekomme also einen mit heißem Wasser, einen mit kaltem Wasser, eine Schüssel und einen Messbecher. Das kalte und heiße Wasser mische ich dann in der Schüssel und gieße es mit dem Becher über mich. So habe ich sogar eine warme Dusche.

Und sonst so in Pampa Huasi
Freitags abends kommt das ganze Dorf zum Fußballspielen in der Halle am Marktplatz zusammen. Erst sind die Männer dran, dann die Frauen. Hier ist es ganz normal, dass die Frauen in Rock und Schürze spielen. Am Schluss des Abends gibt es dann besondere Auszeichnungen, wie Torschützenkönig/in etc., für die dann z.B. große Plastikschüsseln als Preise verteilt werden.
Samstags kommen aus dem Umland des Dorfes Leute zur „Feria“, also zum Markt, nach Pampa Huasi, um ihre Produkte zu verkaufen oder einzukaufen. Da ich mir das gerne ansehen wollte, ging ich mit Otiliana den Wocheneinkauf für das Internat machen. Wir liefen zur „Tienda“ einer Frau und redeten eine Weile mit ihr. Sie war sehr interessiert an mir und Deutschland, wollte aber natürlich auch wissen, wieso ich noch keinen Rock trüge und wann ich denn Quechua zu lernen anfinge. Ich meinte nur, sobald wie möglich und dass ich ja fast noch ein Jahr hier sei. Dass ich wirklich für ein Jahr bleiben würde, glauben die meisten hier aber erstmal eh nicht, wenn man ihnen das erzählt. Ich werde dann immer gefragt: „Meinst du nicht einen Monat?“. Aber nein, ein Jahr…

Dia del Estudiante
Der 21. September ist in Bolivien ein großer Festtag. Man feiert den Tag des Frühlingsbeginns, der hier aber auch als Tag der Freundschaft, Tag der Liebe oder Tag des Schülers, also „Dia del estudiante“ ist. Schon am Vortag fingen wir mit den Vorbereitungen an. Zunächst wurde ausgelost, wer der Mädels aus dem Internat und der Dorffrauen für welche Aufgabe zuständig sei. Die ein Los mit Kuchenbacken gezogen hatten, fingen gleich darauf an, den Teig zu machen und ich durfte helfen.
Am nächsten Morgen ging es dann weiter mit Plätzchen ausstechen, Hühnchen für den Ofen vorbereiten und den Raum herrichten.
Um 16 Uhr war es dann so weit und die Feier begann. Zunächst aßen wir „Pollo al horno“ (also Ofen-Hühnchen) mit Kartoffeln, Salat und Käsereis. Zum Nachtisch gab es dann den Kuchen, Plätzchen und Wackelpudding. Das waren aber so riesige Portionen, dass ich gar nicht alles essen konnte.
Danach hielt die Lehrerin aus der Dorfschule noch eine kurze Ansprache und Otiliana ging rum und beglückwünschte uns alle, indem sie uns Konfetti auf den Kopf rieseln ließ. Vor der Tür wurde noch ein gemeinsames Gruppenfoto geschossen. Das war es dann auch mit den Feierlichkeiten. Denn ausgerechnet an dem Tag hatten wir keinen Strom (dank des Baggers…) und folglich kein Licht und keine Musik. Spaß gemacht hat es trotzdem und es war schön mit allen zusammen zu kommen und hierbei auch nochmal willkommen geheißen zu werden.

Gruppenfoto am „Dia del Estudiante“ (Tag des Schülers) mit den Bewohnerinnen des Internats und Frauen aus dem Dorf

Zurück in Sucre
Von Pampa Huasi nach Sucre gibt es Mittwochs- und Sonntagsmorgens um 6:30 Uhr einen Bus.  Glücklicherweise war ich früh genug aufgestanden, sodass ich um 6:15 Uhr fertig war, als der Bus schon hupend vor meiner Tür stand und losfahren wollte. Nach sieben Stunden Fahrt kam ich dann mit Otiliana, deren Sohn hier in Sucre lebt und die hier ein Haus hat, an und wir liefen zur Fundación. Hier war ich dann den Rest des Tages erstmal alleine. Am nächsten Tag lud sie mich zum Mittagessen zu sich nach Hause ein. Es gab „Pique Macho“, ein sehr leckeres bolivianisches Gericht, mit Rindfleisch, Paprika, Zwiebeln und frittierten Kartoffeln.
Am darauf folgenden Tag holte sie mich ab, um mit mir zum Campesino zu fahren. Für Pampa Huasi brauchte ich nämlich noch einen Spiegel und einen Sonnenhut. Was ein Zufall, dass ihre Schwester einen Hut-Laden hat. In diesem wurde ich dann auch fündig. Dann gingen wir noch zu einem Wollladen, in dem Otiliana Stammkunde ist. Wir spazierten also quasi direkt in das kleine Lager hinter der Ladentheke durch und suchten uns die Farben, die wir brauchten, aus einem meterhohen Berg aus Wolle raus.
Jetzt werde ich erstmal für eine gute Woche in Sucre bleiben und meine erste Reunión mit der Fundación haben. Das ist ein monatliches Treffen, bei dem alle Mitarbeiter aus Sucre zusammenkommen, um sich auszutauschen.
Fortsetzung folgt…

So jetzt habt ihr es erstmal geschafft, das waren meine ersten zwei Monate in Bolivien. Ich wollte euch gerne an allem so genau wie möglich teilhaben lassen und ich hoffe, das ist mir gelungen. Im nächsten Rundbrief versuche ich es dann, mich etwas kürzer zu fassen. Bis dahin wünsche ich euch alles Gute aus der Ferne und dass in Deutschland auch alles rund läuft. Über Rückmeldungen, Fragen und Anregungen jeder Art freue ich mich sehr. Herzliche Grüße Teresa