Bolivien: 3. Rundbrief von Paul Berens

Liebe Leser,

mal wieder ist es soweit, dass ich meine gesammelten Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen in einem Rundbrief zusammenfasse.

In diesem Rundbrief wird es um den Alltag hier in Cochabamba, dem Verfliegen der Zeit und im Besonderen um die Arbeit mit den Scouts gehen.

Ich habe viele neue Freunde gefunden, neue Orte entdeckt, viele Pfadfinderlager miterlebt, meine Familie war zu Besuch und im Distrikt Cochabamba für mich ein neues Zuhause gefunden. Nun stehe ich 100 Tage vor meiner Heimkehr nach Deutschland.

Familienbesuch

Die Tage vor der Ankunft waren von gemischten Gefühlen beherrscht. Einerseits freute ich mich meine Familie nun nach acht Monaten wiederzusehen, andererseits wollte ich es auch nicht.

Bevor ich davon erzählen möchte, will ich aber festhalten, dass es eine gute Entscheidung war, meine Familie kommen zu lassen. Nun kennen sie meine zweite Heimat, haben einen kleinen Eindruck in die bolivianische Kultur bekommen und haben meine Freunde hier kennengelernt. Ich bin mir sicher, dass sie mich nun, nach meiner Rückkehr nach Deutschland, besser verstehen können.

Hier ein paar Bilder unserer Reise durch Bolivien:

Meine Familie und Ich im Projekt von Johannes

 

Salar de Uyuni

 

Insgesamt verbrachten wir hier in Bolivien drei recht angenehme Wochen, auch wenn sie am ein oder andern Tag auch ein wenig anstrengend für mich waren.                                             Denn ich merkte in dieser Zeit, dass ich mich persönlich schon ein wenig verändert habe und vor allem viel selbstständiger geworden bin. Vielleicht sehe ich mittlerweile einige Dinge aus einer anderen Sichtweise. In wie fern genau wird sich vermutlich erst herausstellen, wenn ich wieder in Deutschland bin. So richtig finde ich auch noch keine Worte dafür.

 

Pfadfinderleben

 Seit der letzten Pfadfinderaktivität, von der ich berichtet hatte, hatten wir einige Lager und Aktivitäten, die ich mitgeplant und auch miterleben durfte. Von Einigen möchte ich nun berichten.

Im März haben wir ein Lager mit meinem Stamm Murray Dickson veranstaltet. Mit dabei waren Wölflinge (Lobatos), Jungpfadfinder (Exploradores), Pfadfinder (Pioneros) und Rover (Rover). Mit insgesamt 50 Personen ging es auf den Nationalzeltlagerplatz in Arani, auf dem ich gelegentlich arbeite.

Es wurde viel gespielt, eine von mir geplante Nachtwanderung durchgeführt und neue Pfadfindertechniken erlernt. Eine der Besonderheiten des Lagers war nur über offenem Feuer zu kochen.

Mein Leiterkollege Mario und meine Pioneros

Ende April stand ein weiteres Lager der Pioneros (Pfadfinderstufe) an. Drei Monate vor Beginn begannen wir mit ca. 20 Leitern (Dirigentes) das Lager zu planen. Es sollte ein „Lucha por sobrevivencia“, ein Survivallager, werden. Als Lagerplatz wurde ein kleines Tal, namens ToroWarkhu, auf ca. 3500 Höhenmetern geplant.

Nach Besichtigung des Lagerplatzes und genauer Planung des Programmablaufs ging es dann am 28. April auf ins zwei Stunden entfernte Tal.

Um drei Uhr nachts kamen die Busse in dem kleinen Örtchen Vacas an. Von dort aus musste dann zum eigentlichen Lagerplatz gewandert werden. 8 Stunden und 10 Kilometer später kamen dann die Ersten in ToroWarkhu an. Hier errichteten dann alle ihre Schlafplätze. Dazu durften lediglich Naturmaterialien und eine kleine Plastikplane genutzt werden.

Die darauffolgenden zwei Tage unternahmen wir Survival Workshops und Spiele.

Beim Survivallager

Am Montag, dem 1. Mai, der hier auch ein Feiertag ist, ging es dann wieder heimwärts in Richtung Cochabamba. Für mich war das Lager eine große Bereicherung in allen Hinsichten. Ich selbst habe für mich Neues gelernt und vor Allem konnte ich viele Ideen sammeln, die ich in meinem Stamm in Deutschland umsetzen möchte.

 

Im Mai habe ich begonnen hier im Distrikt Deutschunterricht für interessierte Leiter und Rover zu geben. Ich habe um die 20 Kursteilnehmer und möchte ihnen eine Grundlage in Deutsch beibringen. Alexander, ein guter Freund, nimmt auch daran teil und bereitet sich so schon mal auf seinen Freiwilligendienst in Deutschland vor. Ende Januar wird er nächstes Jahr ins Bistum Trier kommen und dort, wie ich hier, an Pfadfinderaktivitäten teilnehmen.

Außerdem haben wir des Öfteren einige „Aufräume“ oder „Saubermach Tage“ gehabt. Letztes Wochenende haben wir zum Beispiel das Nationalzentrum der Scouts geputzt und aufgeräumt.

 

Ansonsten arbeite ich nach wie vor hier im Distriktzentrum. Kümmere mich dabei um Reparaturen oder das Putzen des Hauses.

Nachmittags gehe ich seit Mai in das Nationalzentrum, in welchem ich gelegentlich Hausaufgabenbetreuung in einer Bibliothek mitgestalte oder mich auch dort um kleinere Reparaturen oder Vorbereitungen für nationale Pfadfinderaktionen kümmere.

 

In das Kinderheim Mosoj Ph’unchay gehe ich fast gar nicht mehr, da es dort keine wirkliche Arbeit mehr für mich gibt. Mittlerweile gibt es viele bolivianische Freiwilligen, die das Kinderheim regelmäßig besuchen. Somit gibt es für mich dort nicht mehr viel zu tun. Trotzdem schaue ich gerne auf die Zeit dort zurück!

 

Jetzt Anfang Juni wird es etwas ruhiger im Distriktzentrum, da wir demnächst mit Renovierungsarbeiten am Dach anfangen. Insgesamt muss ich festhalten, dass mir hier nie langweilig wird und die Arbeit allgemein sehr abwechslungsreich ist.

 

Leben in Cochabamba und Rückkehr

Ich habe mich in Cochabamba mittlerweile mehr als nur eingelebt. Cochabamba ist für mich heimatlich geworden. Ich habe viele Freunde und mein Bekanntenkreis ist mittlerweile ziemlich groß. Gemeinsam mit meinen engsten Freunden unternehme ich oftmals Ausflüge zu sehenswerten Orten in der Umgebung Cochabambas.

Kleiner Ort in der Nähe von Cochabamba

Die Zeit ist hier in Bolivien unheimlich verflogen und zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir irgendwie noch nicht wirklich vorstellen, dass ich in rund zwei Monaten nach Deutschland zurückkehren muss.

Ich denke, dass mir der Abschied hier aus Bolivien schwerer fallen wird, als es vor ca. einem Jahr in Deutschland der Fall war. Das liegt nicht daran, dass ich hier meine Freunde und Bekannten lieber hätte, als in Deutschland. Vielmehr wird einem bewusst, dass, selbst wenn man später einmal wieder nach Bolivien zurückkehrt, man dann nur noch als „Tourist“ wiederkommt.

Meine Zeit des Freiwilligendienstes und somit auch meine Zeit als „Bolivianer“ verfliegt,

doch kann ich schon jetzt sagen: Die Entscheidung einen Freiwilligendienst zu absolvieren war bisher die beste meines Lebens.

 

Mit bolivianischen Grüßen

Euer Paul