Ruanda: 4. Rundbreif von Tobias Stoll

Mal etwas anders

Ich habe in meinen letzten Rundbriefen viel von meinem Leben in Nyarurema und meiner Arbeit erzählt. Deswegen möchte ich diesen Brief dazu nutzen, um über etwas anderes, nämlich meine Freizeit, zu sprechen.

Nur zu Besuch

Ende Dezember erhielt ich Besuch von meiner Freundin aus Deutschland. Darüber habeich mich sehr gefreut, denn vor uns lag eine gemeinsame Rundreise mit vielen Abenteuern und Erlebnissen. Ich hatte Ferien und so hatten wir etwas Zeit zum Reisen.

Nachdem sie in Kigali gelandet war, übernachteten wir dort eine Nacht. Am nächsten Tag machten wir uns dann schon früh auf den Weg nach Sansibar, wo wir gemeinsam Silvester feiern wollten. Zusammen mit 10 anderen Freiwilligen wohnten wir in einem kleinen Haus direkt am Strand in Paje. Die Strände dort sind wirklich paradiesisch schön! Der Höhepunkt des Aufenthalts in Sansibar waren die Silvester Feierlichkeiten. Wir gingen abends gemeinsam mit den anderen Freiwilligen in einer Strandbar etwas essen und um Mitternacht wurde ein riesiges Feuer am Strand entzündet. Am anderen Ende des Strandes konnten wir auch einige Raketen sehen, die zum Jahreswechsel gezündet wurden.

Strand auf Sansibar

Zwei Tage später war unser Besuch auf der Insel leider schon vorbei und wir fuhren mit der Fähre nach  Tansania, genauer gesagt nach Daressalam und von dort nach einem dreitägigen Aufenthalt weiter nach Nairobi, die Hauptstadt von Kenia. Nairobi ist eine sehr große Stadt und im allgemeinen Aufbau westlich orientiert. Es gibt dort viele Hochhäuser und Einkaufszentren. Ganz in der Nähe des Zentrums befindet sich der Busbahnhof der Stadt. Dort tummeln sich tausende von Reisenden. Wenn man sich dort nicht auskennt, verliert man sehr schnell den Überblick.

In Nairobi machten wir eine halbtägige Safari im Nairobi National Park, der direkt an die Stadt angrenzt. Dort besuchten wir auch Babyelefanten während der Fütterung im Elefanten-Waisenhaus. Dieser Tag war wirklich ein Erlebnis für uns. Wir hatten sogar das Glück, dass wir einen Löwen ganz aus der Nähe sehen konnten und auch Elefanten werden wir so schnell wahrscheinlich nicht mehr so nah sehen und anfassen können.

Nach drei Tagen fuhren wir dann weiter mit dem Bus nach Kampala (Hauptstadt Uganda) und von dort zurück nach Kigali. Hier angekommen gingen wir mit meiner Gastfamilie gemeinsam essen. Auch das obligatorische „Fotoshooting“ mit der Familie durfte nicht fehlen – in verschiedenen Konstellationen und Posen und mit allen verfügbaren Handys wurden viele Bilder geschossen.

Die letzte Woche verbrachte ich dann mit meiner Freundin in Nyarurema. Ich zeigte ihr wie ich hier lebe, wir besuchten das Pfarrheim, die Schule, die Kirche und auch ein paar Freunde. Die meisten waren zu der Zeit leider nicht da, weil es noch in den Schulferien war. Wir besuchten auch den Markt im Nachbardorf und fuhren in die nächste Stadt, nach Nyagatare.

Als meine Freundin dann wieder zurück nach Deutschland flog, fiel mir das sehr schwer. Die ersten Tage alleine zurück in Nyarurema waren nicht leicht. Ich glaube, dass ich zu der Zeit zum ersten Mal ein bisschen Heimweh verspürte.

Meine Freundin Karina und ich in Nairobi, Kenia

Zwischenseminar Jinja

Anfang März hatten wir ein zehntägiges Zwischenseminar in Jinja (Stadt in Uganda am Viktoria See). Dort trafen wir uns mit 15 weiteren Freiwilligen. Viele kannte ich schon von Vorbereitungs- oder Sprachseminaren, deswegen war die Freude sich wieder zu sehen sehr groß. Das Seminar beinhaltete verschiedene Schwerpunkte und Aspekte zum Freiwilligendienst. Es wurde über positive und negative Erfahrungen gesprochen sowie über Sprachbarrieren. Außerdem haben wir uns persönliche Ziele für den restlichen Dienst gesetzt.

Abends hatten wir Zeit uns außerhalb vom Programm auszutauschen und auch das ein oder andere Bier zusammen zu trinken. Dabei kamen sehr viele gute Gespräche auf und viele Geschichten und auch die Fettnäpfchen des Freiwilligendienstes wurden erzählt.  Die ein oder andere Freundschaft ist hier entstanden.

Am letzten Tag haben wir zusammen einen Ausflug zum Victoriasee unternommen. Wir sind mit zwei Booten über den Victoriasee gefahren und haben anschließend den offiziellen Beginn, d.h. die Quelle des Nils besucht. Die Nilquelle ist allerdings weniger spektakulär, als man sich das vielleicht vorstellt. Es befindet sich an besagter Stelle lediglich ein Schild, welches darüber informiert, dass der Nil dort seinen Ursprung hat.

Die Gruppe vom Seminar
Die Bootstour

Sonstige Unternehmungen

Im ganzen Jahr gab es immer mal wieder Wochenenden, an welchen Treffen stattfanden, z.B.  die Botschaftsfeier in Kigali. Ich war noch nie auf so einer für mich noblen Feier eingeladen. Die Feier fand im Anwesen des deutschen Botschafters statt und alle Anwesenden waren in Anzügen und Abendkleidern gekleidet. Den ganzen Abend wurden Häppchen und andere Leckereien serviert. Dieses Fest war auf alle Fälle ein Erlebnis für mich, ich wieß jedoch nicht, ob ich es noch einmal bräuchte.

Ich war bisher auch schon auf einigen Geburtstagsfeiern, welche natürlich auch ein wenig anders ablaufen als ich es aus Deutschland kenne. Es muss einiges vorher organisiert und besorgt werden. Am Geburtstag selbst wird sehr viel getanzt sogar ich muss dann mittanzen und mittlerweile sieht es auch nicht mehr so schlecht aus wie am Anfang.  Ein Fest ohne tanzen habe ich hier generell noch nicht erlebt.

Gisenyi Hotsprings

Fazit

Ich hoffe ich erwecke jetzt nicht den Eindruck, dass ich den Großteil meines Dienstes hier reise und feiere – so ist es nämlich nicht. Ich arbeite hier genauso so durchgehend, wie in Deutschland auch. Wenn ich auf Reisen war, hatte ich Schulferien. Die Aufenthalte in Kigali mit anderen Freiwilligen beschränken sich auf die Wochenenden. Es ist eine schöne Abwechslung mal wieder untereinander Deutsch sprechen zu können.

Mit diesem Rundbrief wollte ich euch mal nicht über mein Arbeitsleben informieren, sondern auch mal einen Einblick in meine Freizeit geben, auch die Fotos helfen dabei bestimmt.

 

Bis bald, Tobi