Uganda: 5. Rundbrief von Judith Kuhn

Liebe Leser/innen,

Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder zurück und muss begreifen, dass ich genau heute auf den Tag nur noch 2 Wochen habe bis meine Familie mich in Uganda besuchen kommt und nur noch 5 Wochen in Uganda habe. Es ist schwer zu begreifen, dass dieses Jahr bald zu Ende ist und ich bald wieder deutschen Boden betrete.

Ich habe mich in dieses wunderschöne Uganda, „Die Perle Afrikas“ verliebt und ich werde es vermissen! Auch nach Anlaufschwierigkeiten am Anfang fühle ich mich richtig wohl hier und ich kann von Herzen sagen, dass ich in Uganda meine zweite Heimat gefunden habe.

Congratulationparty Sarah und Alice

Am 19. Mai hatten Alice und Sarah ihre Congratulationparty. Sarah ist die jüngste Schwester von Maama Getuu und wohnt mit ihren beiden Kindern Felix und Tule auch hier in St Noa‘s und Alice ist die älteste Tochter von Maama Maggie. Die beiden haben einen Kurs zur Hairstylerin gemacht und an diesem Tag ihr Zertifikat bekommen.

Eine solche Congratulation Party sieht so aus, dass sich alle total herausputzen und die Abschlussschüler haben alle diese Uniform und diesen Hut an, wie in all den amerikanischen Filmen.

Es werden lauter Reden gehalten und wenn man denkt „okay, der hält jetzt die letzte Rede“, wird noch jemand aufgerufen und darum gebeten etwas zu sagen. Wenn man dann endlich alle Reden hinter sich hat, bekommen die Abschlussschüler ihre Zertifikate und schneiden zusammen den Kuchen an, der dann auf alle Gäste aufgeteilt wird. Das mit dem Kuchen gibt es auch auf jeder Geburtstagsfeier.

Dann gibt es irgendwann was zu Essen und dann darf getanzt werden, aber meist verabschieden sich den meisten Gäste nach dem Lunch.

Ausflug Jinja

Mit drei anderen Mitfreiwilligen bin ich Ende Mai für ein Wochenende mal wieder nach Jinja gefahren um einfach mal von der lauten Hauptstadt Abstand zu gewinnen und dazu hatte eine von ihnen dann auch noch Geburtstag. Wir haben uns schöne Tage in Jinja gemacht und danach war meine Freude so groß wieder zurück in meinem Projekt zu sein.

Der Märtyrer Tag

Am 3. Juni feiert Uganda seinen größten Nationalfeiertag, den Tag der heiligen Märtyrer. Die heiligen Märtyrer Ugandas sind 22 Märtyrer und werden von der römisch katholischen Kirche Ugandas verehrt.

Sie waren Diener des Königs von Buganda, eines der fünf Königreiche im Süden Uganda. Sie wurden von Missionaren des Kardinals Charles Lavigerie, ein Weißer Vater, zum Katholizismus bekehrt. Als der ehemalige König dann starb kam sein Sohn Mwanga II. An die Macht und unter seiner Herrschaft wurden die 22 Märtyrerr zwsichen dem 15. November 1885 und dem 27. Januar 1887 wegen ihres Glaubens durch Zerstückelung und Vebrennnung beim lebendigen Leibe getötet.
Am 3. Juni wird an den hl. Karl Lwanga und seine Gefährten gedacht.
Am 6. Juni 1920 wurden die 22 Märtyrer durch Papst Benedikt XV. seliggesprochen und 1964 wurden sie von Papst Paul XI. in Rom heiliggesprochen.
Seit 1973 gibt es in Namugongo die Basilika der Märtyrer Ugandas und jeden 3. Juni kommen Millionen von Menschen zu dieser Basilika um den Märtyrern zu gedenken.

Dieses Jahr hatte ich die Ehre, diesen großen Tag Ugandas miterleben zu können. Morgens um 6.30 Uhr machte ich mich von meinem Projekt mit dem Taxi auf den Weg nach Namugongo. Dort fand ich in den großen Menschenmengen andere Freiwillige und wir machten uns auf den Weg Plätze zu finden.

Um die 3 Millionen Menschen feierten dort dieses Jahr den Tag der Märtyrer Ugandas und viele haben einen weiten Weg hinter sich. Viele machten sich schon Tage vorher zu Fuß auf den Weg nach Namugongo und auch viele Gläubige aus Kenia und Tansania waren da. Kein freier Fleck auf dem großen Gelände des Gedenkortes, überall Menschen, die heute zusammen gekommen sind, die mit einem großen Gottesdienst, der jedes Jahr von einer anderen Diozöse geleitet wird, an die Märtyrer Ugandas gedenken.

Ich war beeindruckt von diesen Menschenmengen und von den Menschen mit ihrem unfassbaren Glauben.

Es war wirklich ein schönes Erlebnis, dies einmal miterleben zu dürfen.

der Märtyrer Day

Mein Geburtstag

Meinen Geburtstag in Uganda habe ich nicht groß anders gefeiert als zu Hause. Mit anderen Freiwilligen habe ich samstags in meinen Geburtstag reingefeiert. Am nächsten Tag in meinem Projekt wurde auch groß gefeiert und ich habe Lollis für alle gekauft. Da ist die Begeisterung dann doppelt so groß gewesen, für mich ein Geburtstagsständchen zu singen. Später bekam ich dann noch Besuch von befreundeten Freiwilligen und wir haben zusammen Kuchen gegessen, leckeren Schokoladenkuchen, und uns über unsere Zeit in Uganda unterhalten.

Die Zwillinge Kato und Wasswa

Nach meinem Geburtstag habe ich einen Anruf einer befreundeten Freiwilligen bekommen, die mir erzählte, dass sie heute in ihrem Projekt Hausbesuche machte und dort Zwillinge kennen gelernt hat, die 1 ½ Jahre alt sind, aber so unterernährt und benachteiligt aussahen. Sie fragte mich, ob ich denn nicht mal mit meinem Projekt sprechen könnte und nachfragen, ob die Möglichkeit besteht, dass die beiden zu uns kommen.

Nach vielem hin und her und vielem Bangen kamen die zwei Jungs namens Kato und Wasswa dann tatsächlich zu uns. Und ich war so geschockt als ich die beiden gesehen habe. Sie sahen aus wie 3 Monate alt, hatten so dünne Arme und Beine und sahen so unglücklich aus.

Die Geschichte von Kato und Wasswa ist schrecklich. Die Mutter der beiden ist 19 Jahre alt, hat schon eine 3 jährige Tochter und wurde vergewaltigt und dadurch schwanger mit den beiden. Sie ist dazu noch psychisch krank und ist wie ihre eigene Mutter, also die Oma der beiden, HIV-positiv. Die Mutter war und ist nicht in der Lage sich um die zwei zu kümmern und somit kamen die Zwillinge bei ihrer Großmutter unter, bei Jajja. Doch die lebt mit einigen ihrer eigenen Kinder und Enkelkindern und anderen Verwandten zusammen und das Essen reicht hinten und vorne nicht und darunter haben am meisten Kato und Wasswa gelitten.

Das Projekt meiner Mitfreiwilligen hat sich darum gekümmert, dass die Oma mit den beiden Krankenhaus geht, damit sie dort aufgepeppelt werden. Doch die Oma musste mit den Zwillingen zusammen im Krankenhaus bleiben und somit kümmerte sich niemand um die Kinder zu Hause. Das führte dazu, dass die Oma nach wenigen Tagen mit den beiden das Krankenhaus verließ und wieder nach Hause ging. Somit musste eine Lösung her und die war St Noa‘s Family, mein Projekt.

Nach 2 Wochen hin und her kamen die beiden endlich zu uns. Wir brachten die beiden sobald wie möglich ins Krankenhaus und dort bekamen sie Medikamente und eine Bluttransfusion.

Und schon danach hat man eine kleine aber sichtbare Verbesserung sehen können und das erste Mal lachten die beiden.

Bei uns haben die zwei eine Familie gefunden und viele, viele Geschwister, die sich rührend um sie kümmern. Sie haben durch St Noa‘s eine zweite Chance erhalten und darüber bin ich so glücklich. Jeden Tag bekommen die beiden 3 bis 4 mal am Tag eine besondere Milch, die ihnen helfen soll wieder zu Kräften zu kommen und sonst essen sie ganz normal das, was alle anderen auch essen.

Man sieht jetzt schon eine unfassbare Veränderung. Die beiden lachen, grinsen und pappeln was das Zeug hält, essen alles auf, was man ihnen die Hand reicht und heben immer ihren Arm, wie „Ich will auch, gib mir auch was ab.“ wenn jemand in ihrer Nähe etwas zu essen hat.

Wasswa und Kato

Die beiden haben zuerst angefangen zu krabbeln, bzw, Kato krabbelt und Wasswa zieht sich mit den Händen nach vorne. Und die beiden fangen an zu laufen. Wenn man ihnen nur den kleinen Finger hinstreckt greifen sie nach ihm und ziehen sich hoch und mit Hilfe laufen sie dann, zwar noch sehr wackelig aber das wichtigste ist zuerst einmal dass sie wissen wie man läuft. Einen großes Problem ist aber jetzt der große Bauch der beiden, der ihnen auch erschwert zu gehen und lange stehen zu können und vorallem gerade zu sitzen. Doch ich bin davon überzeugt, dass die beiden das schaffen, mit der Hilfe von St Noa‘s und des Projekts meiner Mitfreiwilligen haben sich die beiden zurück ins Leben gekämpft und dafür bin ich von Herzen dankbar.

Die zwei habe ich absolut und ab dem ersten Moment in mein Herz geschlossen, die beiden sind richtige Kämpfer und ich habe jede freie Minute mit ihnen verbracht.

Morgens bin ich aufgewacht und bin direkt ins Babyhaus getappelt und haben die beiden aus ihrem Bettchen geholt, sie auf die Matte gesetzt und nach kurzer Zeit kommt Maama Juus, die für die beiden die verantwortliche Maama hier ist , und bringt den beiden ihre besondere Milch. Danach habe ich die beiden gebadet und das war immer eine eklige Angelegenheit. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel die beiden scheißen.

Nach dem die beiden dann sauber waren bin ich mit ihnen raus gegangen und habe mit ihnen und den anderen Kinder gespielt und das den ganzen Vormittag lang.

Als die beiden zu uns kamen, wurden sie herzlich von den anderen Kindern aufgenommen und es war so schön für mich zu sehen wie einfach und schnell die beiden von den anderen als neue Familienmitglieder akzeptiert und aufgenommen wurden.

Und schon schnell habe ich den Spitznamen Maama Kato und Wasswa bekommen, weil ich mich so viel um die beiden kümmere und sie liebe und behandle als wären es meine eigenen.

Maama Juus, Kato, Wasswa und ich

Oft scherzten sie, dass ich die beiden in meine Koffer stecken soll und mit nach Deutschland nehmen soll und oft kam auch die schmerzhafte Frage wie es wohl mit Wasswa und Kato weitergehen soll, wenn ich nicht mehr da bin. Und das hat mir die Augen geöffnet, dass meine Zeit hier bald vorbei ist und das heißt, dass ich mich verabschieden muss und immer wenn ich daran denken musste kamen mir die Tränen.

German Culture Festival

Wie ihr ja wisst, bin ich nebenbei auch in einer Schule und unterstütze dort die Lehrer beim Deutschunterricht und zum Abschluss habe ich sie auch dabei unterstützt mit unseren Schülern für das German Culture Festival zu trainieren, wo viele Schule in Uganda, die Deutsch lernen, gegen einander antreten. Wir haben mehr als 3 Wochen dafür trainiert und am 2. Juli war es dann soweit, in der großen Halle einer Schule in der Nähe von Kampala fand das Festival statt. Das Goethe Institute in Kampala ist der Veranstalter dieses Festivals und viele Schülerinnen und Schüler aus der Umgebung Kampala waren gekommen.

Jede Stufe hatte es vorzubereiten, die S1 und S3 mussten ein Gedicht vortragen, ein Junge aus der S2 musste einen Teil einer Rede von Angela Merkel vorlesen ohne den Text vorher mal gelesen zu haben, die S4 musste einen Tanz zum Thema „Gastfreundschaft“ vorbereiten, die S5 hat bei einem Quiz über Angela Merkel teilgenommen und unsere S6 haben einen Rap vorbereitet und ein Theaterstück zum Thema „Gastfreundschaft“ vorgeführt.

Wir haben richtig abgeräumt und da hatte ich seit langem die Bestätigung, dass sich meine Arbeit und mein Jahr lohnt und auch für etwas gut ist.

meine Deutschschüler

[…]

Dieser Rundbrief wurde gekürzt veröffentlicht. Wenn Sie den Rest des Rundbriefes auch lesen möchten, kontaktieren Sie gerne Judith Kuhn per Email (ju.kuhn@arcor.de).

Da mein Jahr nun zu Ende ist und ich wieder im schönen Trier sitze, ist dies nun auch mein letzter Rundbrief.

Ich danke euch für eure Unterstützung und dafür, dass ich es euch zu verdanken habe, dass ich dieses Jahr erleben dürfte.

VIELEN DANK!!

Eure Nakazinde Judithi

meine Nakato und ich