Uganda: 4. Rundbrief von Judith Kuhn

Liebe Leser/innen,

In diesem Rundbrief möchte ich unter anderem von Rwanda, meinem Alltag und von Ostern berichten.

Rwanda

Nach dem Zwischenseminar am 3.März fuhr ich mit anderen Freiwilligen über Nacht direkt nach Musanze. Dort war es unglaublich kalt und ich habe seit mehr als einem halben Jahr mal wieder gefroren.

Wir haben viel mit den anderen Freiwilligen dort unternommen. Einen Tag war ich mit Konstantin in seiner Schule und habe ihn bei seinem Schulalltag begleitet.

Dienstags fuhren wir dann 1 ½ mit dem Bus nach Gyseni, dort sind wir zu den heißen Quellen gefahren, die aus einem Berg entspringen. Zuerst kühlt man sich im kalten Kivu Lake ab und dann setzt man sich in ein kleines Becken, welches durch Sandsäcke zusammengehalten wird, hinein. Wenn man möchte kann man sich massieren lassen. Das heißt dann das der ganze Körper richtig gut abgeschrubbt wird und später bekommt man eine warme Dusche.

Nach der heißen Quellen haben wir noch einen Supermarkt besucht, in dem es für rwandische Verhältnisse viel Auswahl gibt, natürlich für einen höheren Preis. Dort haben wir uns mit allem möglichen ein wenig eingedeckt. Ich habe mir zum Beispiel Knuspermüsli gekauft, was ich jeden Morgen wirklich vermisse.

Ich habe die Zeit in Rwanda genutzt um mal richtig ausschlafen zu können, weil bei mir im Projekt ist es für mich nicht möglich. Denn bei mir ist immer etwas los und ich werde immer von irgendetwas geweckt. Bei Konstantin hingegen ist es sehr ruhig, was für mich mittlerweile sehr ungewohnt ist und anfangs auch seltsam war, denn es fiel mir teilweise echt schwer, bei dieser Stille einzuschlafen.

Uganda/Rwanda

In Rwanda , wie auch als ich zurück in meinem Projekt war, wurde mir oft die Frage gestellt, wie sich Uganda von Rwanda unterscheide.

Ich finde einmal ist es die Landschaft, Rwanda wird nicht ohne Grund das „Land der 1000 Hügel“ genannt. Soweit das Auge reicht, siehst du große und kleine Hügel. Während Uganda einerseits flach ist aber andererseits auch Hügel oder höhere Berge hat. Rwanda ist sauber, die Menschen haben ein Gespür für Sauberkeit. Es gibt Menschen, die dafür Sorgen, dass die Straßen sauber sind und es gibt Mülleimer. Jeden letzten Samstag im Monat wird die Bevölkerung von Rwanda dazu aufgerufen, ihr Land sauber zu machen. Außerdem sind in Rwanda Plastiktüten verboten. An der Grenze wird der ganze Bus und das ganze Gepäck nach Plastiktüten untersucht.

Uganda hingegen ist schmutzig. Überall liegt Müll herum, teilweise sind es große Müllberge, die sich am Straßenrand ansammeln und die Menschen stört es nicht sonderlich, dass da Müll herumliegt. Es gibt aber auch keine Mülleimer, wo die Menschen ihren Müll reinschmeissen könnten. Der Müll, der produziert wird, wird einfach auf den Boden fallen gelassen, bzw einfach aus dem Auto geworfen.

Ich denke ein großer Unterschied ist auch, das Rwanda aufgrund des Genozids viel Geld bekommen hat und es sinnvoll genutzt hat. So kommt es mir manchmal vor, wenn du irgendwo in Kigali unterwegs bist, dass du irgendwo in Europa bist und nicht in einem Land in Afrika. Durch den Genozid hat Rwanda viel, viel Geld bekommen und auch weiterhin fließt viel Geld nach Rwanda, auch durch die Partnerschaft zum Bundesland Rheinland-Pfalz. Uganda hingegen ist noch recht unberüht von europäischen Investoren, was nicht heißt, dass wir nicht auch übertriebene Malls haben oder Cafes, die sich für ugandische Verhältnisse nur reichere Ugander leisten können. Aber nach Uganda fließt nicht so viel Geld aus anderen Ländern um dem Land zu helfen. Eher kommen Menschen, um hier Geld zu machen: Indem sie große Malls bauen und die Läden dann vermieten oder sich teure Hotels bauen lassen und mit denen dann eine Menge Geld verdienen. Hier in Uganda sind vorallem viele Inder und Chinesen, die viel Geld mitnehmen.

Ein anderer Unterschied sind natürlich auch die Menschen. Dadurch, dass in Uganda die zweite Amtssprache Englisch ist und es die Kinder ab der Babyklasse lernen, kann hier jeder zumindest so gut Englisch, dass du dich gut mit ihm unterhalten kannst. In Kampala wird man oft mitten auf der Straße oder im Taxi angesprochen und kommt mit den Einheimischen ins Gespräch. Oder wenn du Hilfe brauchst und bspw. Nach dem Weg fragst, erklären die Menschen hier dir nicht den Weg sondern sagen dir, dass sie genau in die selbe Richtung müssen und begleiten dich dann direkt mit zu deinem Ziel. Oft kam es bei mir auch schon vor, dass wenn jemand mitbekam woher ich komme, das dann oftmals ein „Guten Morgen“ oder ein „Wie geht es dir?“ kam.

Mir kam es in Rwanda oftmals so vor, dass die Menschen dort verschlossener sind, vor allem die etwas Älteren. Ich vermute, es ist aufgrund des Genozid so.

Uganda und Rwanda sind meiner Meinung sehr unterschiedlich dafür, dass sie Nachbarländer sind. Jedes Land hat seine guten und schlechten Seite und ist auf seine eigene Art und Weise schön.

Haushaltsalltag

Hier in meinem Projekt mache ich auch öfters Dinge, die einfach anstehen, wie zum Beispiel Kartoffeln oder Matoke schälen. Dann sitzen wir teilweise mit mehreren Leuten in der Küche auf dem Boden und schälen. Es wird sich oftmals lautstark unterhalten und gelacht.

Da es hier keine Waschmaschinen gibt, heißt es hier mit der Hand waschen. Ich versuche jede Woche einmal zu waschen, denn sonst sammeln sich die Klamotten und man wäscht dann einen ganzen Vormittag nur Klamotten.

Zum Waschen benötige ich drei Waschbütten, die ich alle mit Wasser fülle. In die erste kommt normales Waschpulver hinein und dann wird mit viel Seife gut geschrubbt. In der nächsten Bütte wird dann nur noch mit Seife gewaschen und in der nächsten wird dann die Seife ausgewaschen. Anfangs habe ich vom ganzen Bücken heftige Rückenschmerzen beim Waschen bekommen, mittlerweile setze ich mich hin und es klappt wirklich gut. Langsam aber sicher wasche ich wie eine richtige ugandische Frau.

beim Waschen

Das ugandische Schulsystem

Die Schule in Uganda unterscheidet sich von der wie ich sie aus Deutschland kenne. Die Schule beginnt mit der Nursery School, die die Baby Class, Middle Class und Top Class enthält. Mit 4 Jahren kommen die Kinder hier in die Baby Class und lernen dort unteranderem schon, ihren Namen zu schreiben, zu welcher Schule sie gehen und wie alt sie sind. Nach der Top Class beginnt die Primary School, die von P. 1 bis P. 7 geht. Nach der P.7 wechseln die Schüler auf die Secondary School, die von S.1 bis S.6 geht. Wenn die Schüler S.6 abgeschlossen haben sie Abitur und können dann zur Uni gehen. Viele Schüler beenden die Schule auch schon nach S.4 und belegen dann einen Kurs an einem Universitäts- oder Berufsschulähnlichem Institut.

Die Schule hier in Uganda kostet Geld und ist nicht gerade billig. Es besteht die Schulpflicht doch wegen des Schuldgeldes können sich viele Eltern nicht leisten ihre Kinder in die Schule zu schicken. Oft kommt es auch vor, dass die Kinder nur bis zur einer bestimmten Klasse die Schule besuchen und danach ohne Abschluss abgehen, um arbeiten zu gehen.

Mein Zimmer

Seit Anfang Dezember habe ich nun mein Zimmer, das ich auch nicht noch mal verlassen werde. Es ist ein kleines aber schönes Zimmer im Haus der großen Jungs. Ich habe es mir hier gemütlich gemacht und Bilder von Freunden und Familie an die Wand gehängt.

Ich fühle mich richtig wohl hier und bin froh einen Ort zu haben um mich zurückziehen und mal für mich allein zu sein und die Ruhe zu genießen, was ich hier in Uganda wrklich zu schätzen gelernt habe. Alleine bist du hier wirklich selten und deine Ruhe musst du dir teilweise auch echt hart erarbeiten. Still in meinem Zimmer ist es nie, denn mein Fenster besteht aus zwei Fensterläden, die innen sind und einem offenen Drahtschutz, somit höre ich wirklich alles und hinter der Mauer befindet sich die vielbefahrene Hoima Road, wo ständig Autos fahren.

Somit lerne ich die Ruhe und das allein sein wirklich zu schätzen und bin dankbar dafür, mein eigenes Zimmer zu haben.

Schneiderei

Eine befreundete Mitfreiwillige aus Deutschland hat mir eine Schneiderei gezeigt, wo Frauen mit körperlicher Behinderung nähen. Das hat den Anstoß gegeben, dass ich es liebe mir Stoffe zu kaufen, denn die Stoffe hier sind wunderschön, und mir dann etwas Tolles nähen lassen. Ich bin begeistert davon, wie toll die Frauen nähen können und ich freue mich immer wieder wenn ich mal wieder vorbei komme und etwas in Auftrag gebe und mit den Frauen dort ins Gespräch komme.

meine Stofferrungenschaften
das Ergebnis der Schneiderin

Einen anderes Projekt von mir ist, mir meinen eigene Teppich zu weben. Seit Januar sitze ich schon dran und nähe meinen eigenen Teppich und hoffe das er fertig ist bevor ich nach Deutschland zurückfliege.

Maama Maggie hat mir gezeigt, wie das funktioniert und ist ziemlich hinterher, dass ich diesen Teppich fertig mache.

Ein weiteres Projekt ist, mir eine Patchworkdecke nähen. Ich habe die Näherinnen gefragt ob sie Stoffreste haben und habe diese gesammelt. Nun sitze ich schon seit längerem daran, diese ganzen Stoffreste zu zu schneiden und dann zu einer großen Decke zusammen zu nähen.

Das Nähen hier unterscheidet sich von zu Hause, weil unsere Nähmaschinen hier sind nicht elektrisch sondern mit Fußpedal und es fiel mir anfangs schwer, das Gefühl in die Füße zu bekommen, dieses Pedal richtig zu bedienen. Aber langsam habe ich es raus und es macht auch richtig Spaß.

[…]

Dieser Rundbrief wurde gekürzt veröffentlicht. Wenn Sie den Rest des Rundbriefes auch lesen möchten, kontaktieren Sie gerne Judith Kuhn per Email (ju.kuhn@arcor.de).

Somit sende ich euch liebe Grüße aus dem zurzeit sehr verregnetem Uganda, da hier zurzeit Regenzeit ist, und danke euch von Herzen, dass ihr mir dieses Jahr ermöglicht habt.

Danke!

Fühlt euch fest umarmt,

Eure Judith

Sarah und ich