La Paz:“Palliri“ 3. Rundbrief von Gizem Günes

Zuhause… Ich weiß, dass ich wahrscheinlich nach diesem Jahr hier in Bolivien niemals wieder richtig das Gefühl von Zuhause haben werde, dass ein Stück von mir hier sein wird, in Bolivien. Ein Stück von mir wird fehlen, ein Puzzleteil. Es ist sehr merkwürdig, so viele Gefühle gleichzeitig zu haben. Auf der einen Seite vermisst man schrecklich seine Familie, Freunde und die gewohnte Umgebung und auf der anderen Seite will man nicht mehr zurück weil man weiß, man ist angekommen. Mit allem Drum und Dran… zufrieden und glücklich. Doch irgendwann muss man Abschied nehmen. Ich weiß, dass alles einen Sinn hat. Alles was wir erleben, die Leute die wir treffen, die guten und schlechten Erfahrungen die wir sammeln; das alles hat einen Grund. Alles was uns prägt. Das was wir sind, zu dem was wir werden.
Das Glück hört nicht auf mich zu begleiten. Ich habe nicht nur Glück was mein Projekt angeht, sondern auch meine Mitbewohner sind für mich ein Glückstreffer. Wir sind eine bunte Mischung, wie Farben die sich ergänzen. Was mir eine große Freude macht ist, dass alle Charaktere sich nicht nur gut verstehen, sondern auch ergänzen. Es gibt Tage an denen ich abends nach Hause komme zu Abend esse, mich dusche, Sachen für den folgenden Tag vorbereite wie Kleidung und Organisatorisches abhake. Mein einziger Wunsch nach einem langen und anstrengenden Tag ist, nur noch mein Bett zu umarmen und in den Schlaf zu fallen um für Morgen Energie zu tanken. Doch Zeit mit meinen Mitbewohnern zu verbringen, sich auszutauschen, zu lachen und gemeinsam zu kochen lässt mich jedes Mal vergessen, wie anstrengend der Tag war.

Meine Arbeit

Meine tägliche Arbeit besteht darin, zuerst in der Fabrik vorbeizuschauen, die Kleider die bestellt wurden abzuholen und sie zur Boutique zu liefern. Letzte Woche jedoch durfte ich zwanzig neue Designs für unsere Marke entwerfen, von denen in der kommenden Woche eines ausgewählt wird.
Einmal in der Woche unternehmen wir Tagesausflüge zu Orten die unberührt sind und die so gut wie keiner kennt. Mittags machen wir uns auf den Weg. Diese Woche waren wir an einem Stausee und  haben ein Picknick gemacht und danach einen Spaziergang. Am meisten gefällt es mir, dass diese Orte die perfekte Gelegenheit bieten nachzudenken, zu entspannen oder in Ruhe ein Buch zu lesen und ich einfach abschalten kann.

Ich hatte wieder die Ehre an einem weiteren Fotoshooting teilzunehmen. Diesmal nicht als Model sondern als Managerin. Ich muss sagen, es hat mir sogar noch mehr Spaß gemacht als modeln. Jedoch ist die Verantwortung auch größer. Ich musste mich nicht nur um die Models kümmern und welche Kleider präsentiert werden sollen, sondern auch um den Transport, die Location, um die Verpflegung und das Equipment. Viele werden sich jetzt denken, was gibt es schon daran, ein paar Fotos zu schießen und auszudrucken, aber so ist es eben nicht. Ein Tag vorher hatten wir die Generalprobe, damit wir sicher gehen konnten, dass am nächsten Tag alles ohne jegliche Probleme ablaufen wird. Die Models wurden geschminkt, das Equipment und Verpflegung im Bus verstaut, die Kleider aussortiert, die die Models tragen sollten. Nach einer Stunde Fahrt haben wir eine Mine erreicht, in der die die Fotos entstehen sollten. Nach zehn Stunden Arbeit war dann mein einziger Wunsch eine warme Dusche zu nehmen und zu schlafen. Aber das Wichtigste war, dass wir, dank dem tollen Team, die Bilder von den Models nach dem anstrengenden Tag endlich  hatten. Nach meiner Meinung nach hat sich die stundenlange Arbeit gelohnt und die Bilder waren am Ende ein voller Erfolg.