Uganda: 3. Rundbrief von Judith Kuhn

Hallo meine Lieben,

mein nächster Rundbrief steht an und er handelt von den Monaten Januar, Februar und der Hälfte des Märzes.

Mitfreiwillige besuchen

Am 10. Januar besuchten wir meine Mitfreiwillige und gute Freundin Cecilia in ihrem Projekt. Sie wohnt 1 ½ Stunden mit dem Taxi von Kampala in einem kleinen Dorf namens Buyege. Sie wohnt und arbeitet dort an einer Primary School (Grundschule). Ihr Dorf besteht aus mehreren Boarding Schulen (Internaten), ein paar Häusern, einer Kirche und einem Health Center. Sie hat kein fließendes Wasser und nur eine Latrine, was ein Loch im Boden ist. Cecilia lebt total anders als ich, aber ich freue mich immer wieder sie zu besuchen und zu sehen wie sie dort lebt. Danke für die schöne Zeit Cecilia und danke, dass ich dich kennenlernen durfte!!

Am 12. Januar verabschiedeten wir uns von Maama Louisa und Father Peter, die zurück nach Holland geflogen sind.

Hochzeit

der Ringtausch

Am 14. Januar hatten wir eine Hochzeit, hier bei uns in St. Noas. Ein junger Mann, der in St. Noas aufgewachsen ist, heiratete seine Frau. Wir alle zusammen, meine Mitfreiwillige Cecilia, Sandra, Alba, Albas Freund Matthias und Konstantin und ich machten uns auf den Weg zur Kirche St.Jude, die sich im nächst größeren Ort Wakiso befindet, wo die Trauung statt fand.

Ein Chor hat gesungen, in dem auch viele Mädchen aus St Noas mitgesungen haben.

Die Braut wurde von ihrem Vater zum Altar geführt, begleitet durch den Chor, der das klassische Hochzeitslied gesungen hat, mit Text! Here comes the bride, she is loooking good …

Die Trauung war ähnlich wie in Deutschland, doch einen großen Unterschied gab es, denn das Paar hat sich nach dem Ja-Wort nicht geküsst, sondern nur umarmt. Das ist ganz typisch hier, eben weil Küssen in der Öffentlichkeit nicht gerne gesehen ist.

Nach der Trauung und vielen, vielen Fotos mit dem Brautpaar fuhren wir mit Autos zurück zu St Noas. Dort warteten wir auf das Brautpaar, das als es ankam mit einer Schere ein Seil durchschnitt, als Symbol für das neue Leben, was sie jetzt gemeinsam leben werden. Durch Mädchen aus unserem Heim, welche einen typischen Baganda-Tanz tanzten, wurde das Brautpaar zu seinen Plätzen geführt. Wir hatten mehrere Zelte aufgebaut und Stühle hingestellt. Das Brautpaar saß mt allen wichtigen Gästen allen anderen Gästen gegenüber.

Als auch alle anderen Gäste ankamen, wurden viele Reden gehalten und dann gab es es schon Essen. Viel Matoke (Kochbananen), Reis, Süßkartoffeln, Casava, Fleisch, Kartoffeln und Erdnusssauce. Alle luden ihre Teller voll und auch unsere Kinder haben das Essen sehr genossen. Nach dem Essen wurde dann getanzt und das Brautpaar nahm die Geschenke entgegen. Dann ist es hier üblich, dass das Brautpaar, nachdem es gemeinsam den Hochzeitskuchen angeschnitten hat, sich gegenseitig füttert mit Kuchen und Wein. Das große Pech war dann, dass der Strom ausfiel und da es schon dunkel war, dauerte es lange bis der Generator angemacht wurde. Dadurch haben viele Gäste den nach Hauseweg angetreten und die Stimmung war vorbei.

Doch auch als alle Gäste weg waren, hatten die Kinder und wir riesengroßen Spaß. Wir haben noch sehr lange zur Musik getanzt. Und die Kinder und auch Jugendlichen hatten so viel Freude dabei.

Ausflug

Zusammen mit Sandra, meiner Mitfreiwilligen, Franco (unser Fahrer) und Maama Getuu machten wir uns auf den weg nach Mubende. Dort gibt es einen wunderschönen Baum, der von den Menschen hier angebetet wird. Der Baum soll aussehen wie Gott und die Sage ist, dass der Baum einmal einer jungen Frau Schutz geboten hat.

Der Besuch hat mir vieles über die Kultur hier gezeigt, wie gläubig die Menschen hier sind und dass ihr Glaube oftmals alles ist was ihnen noch die Kraft gibt, weiter ihren Weg zu gehen.

Viele Menschen beten diesen Baum an

Sipi Falls

Am 20.1 machte ich mich mit drei anderen deutschen Freiwilligen, Johanna, Jacky und Cecilia, um 14 Uhr von Kampala aus auf den Weg nach Mbale, in den Osten Ugandas. Nach mehr als 5 Stunden kamen wir im Dunkeln in Mbale an. Und dann haben wir etwas sehr Unverantwortliches gemacht. Wir haben uns einen Fahrer gesucht, der uns jeweils für 10000 Ugx hoch zu den Sipi Falls fährt. Vier Mädels, mit einem Fahrer, der ständig Cocablätter kaute um wach zu bleiben, fuhren mehr als 1 ½ Stunden durch die totale Dunkelheit, über Schotterstraßen ohne zu wissen ob wir heute noch einen Schlafplatz bekommen. Als wir am Hostel ankamen, atmeten wir alle tief auf und die Freude war groß, dass noch Betten frei waren und wir sogar noch was zu essen bekommen haben. Nach Mitternacht lagen wir endlich alle in unseren Betten, in einer kleinen Hütten bei den Sipi Falls.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück machten wir eine vierstündige Tour zu allen drei Wasserfällen. Die Wanderung war zwar sehr anstrengend, aber es hat sich gelohnt, die Wasserfälle sind überragend und einfach wunderschön.

Nach der Wanderung, zurück im Hostel lernten wir einen netten Mann aus Uganda kennen, der aber seit sehr langer Zeit in Amerika wohnt und nun hier ist um seinen Kindern sein Heimatland zu zeigen. Wir brachten ihm MauMau bei und er uns ein anderes Spiel, was er sehr gerne gespielt.

Abends schlugen wir uns die Bäuche voll und am nächsten Morgen machten wir eine Kaffeetour. Wir rösteten uns unseren eigenen Kaffee und ich muss sagen, er war absolut lecker. Danach fuhren wir mit einem anderen Fahrer zurück nach Mbale, von wo aus wir mit einem Bus zurück nach Kampala fuhren.

Das war mein zweites Mal bei den Sipi Falls, aber ich freue mich immer wieder dort zu sein und liebe die Landschaft und Ruhe dort so sehr.

Am 30. Januar mussten wir uns dann alle von Sandra verabschieden, die ebenfalls als Freiwillige 6 Wochen in unserem Projekt war.

Zusammen mit Maama Getuu, Franco und Luca (ein 2-Jähriger Junge, den Sandra praktisch adoptiert hat) fuhren wir zum Flughafen, wo wir uns dann endgültig von ihr verabschieden mussten.

Danke Sandra für die schöne Zeit! Es war mir eine Ehre, dich kennen gelernt zu haben!

Schulanfang

Ende Janaur, Anfang Februar, hieß es Tschüss sagen. Alle Älteren bei uns sind zurück zu den Boarding Schulen oder zu ihren Kursen, also zur Universität gefahren. Und auch die Jüngeren sind jetzt tagsüber bis 17/18 Uhr in der Schule. Am 6. Februar war der erste Schultag für fünf Kleine bei uns. Zwei von ihnen sind jetzt in der Babyklasse und drei von ihnen in der Middle Class. Ich finde es erstaunlich, was die Kinder hier mit vier Jahren schon können sollen: auf Englisch schreiben, wie sie heißen, wie alt sie sind und auf welche Schule sie gehen.

Morgens haben wir nun nur noch 9 Kleine und ab 13 Uhr kommen die fünf aus der Baby und Middle Class zurück. Dann gibt es gemeinsam Mittagessen und dann machen alle Mittagsschlaf und später kommen die älteren aus der Schule und wir machen gemeinsam Hausaufgaben.

die St Henry Mädels gehen zurück zur Schule
erster Schultag

Pfadfinder

Zu Hause bin ich Pfadfinderin, seitdem ich 8 Jahre alt bin und habe hier in Uganda auch nach Pfadfindern gesucht.

An der Mengo Senior School habe ich dann den Scouts Club gefunden. Mit Hilfe meines alten Sprachlehrers, der an dieser Schule Deutschlehrer ist, habe ich dann Kontakt zu den Pfadfindern dort aufgebaut.

Nun gehe ich jeden Montag und Freitag gegen 16 Uhr dort hin um die Pfadfinder zu treffen, die ich schon nach so kurzer Zeit total ins Herz geschlossen habe.

Bei den ersten Treffen haben wir uns sehr viel unterhalten. Sie haben mir gezeigt, wie bei ihnen das Pfadfinderleben ist, wie sie die Flaggen hissen und wieder einpacken und dass eine Flagge niemals den Boden berühren darf. Jeden Morgen singt die gesamte Schulgemeinschaft die ugandische Nationalhymne und die Pfadfinder hissen dabei die Flaggen. Sonst sind die Pfadfinder dafür zuständig, dass der Schulcompound immer sauber ist und helfen sonst oft bei freiwilligen Tätigkeiten.

„meine“ Pfadfinder

Ich hätte auch noch Interesse am Deutschunterricht dort mitzuwirken und das Schulsystem in Uganda noch besser kennenzulernen.

Am 18. Februar stand dann Konstantin morgens vor meiner Tür, der die ganze Nacht mit dem Bus von Kigali nach Kampala unterwegs gewesen war.

In der Zeit, in der Konstantin hier war, haben wir andere Freiwillige besucht, die lecker für uns gekocht haben und mit denen wir tolle Gespräche hatten. Dann waren wir noch einen Tag in Kampala, um ein paar Sachen zu erledigen.

[…]

Dieser Rundbrief wurde gekürzt veröffentlicht. Wenn Sie den Rest des Rundbriefes auch lesen möchten, kontaktieren Sie gerne Judith Kuhn per Email (ju.kuhn@arcor.de).

Ich sende euch viele Grüße aus Kampala und fühlt euch umarmt!

Eure Judith