Indien: 1. Rundbrief von Judith Weißenfels

Liebe Freunde, Liebe Familie, Lieber Solidaritätskreis,

hier ist nun mein erster Rundbrief und es gibt viel zu erzählen! Meine ersten drei Monate in Indien waren bunt, aufregend und niemals langweilig.

Indien ist ein riesiges Land mit so vielen Menschen, Sprachen und Religionen. Es gibt von Region zu Region sehr große Unterschiede und gerade der Unterschied zwischen Städten und ländlichen Regionen ist mir sehr aufgefallen. Ich möchte also darauf hinweisen, dass meine Erzählungen nicht auf ganz Indien zutreffen, sondern nur auf einen kleinen Teil. Meine Mitfreiwilligen erleben vieles schon wieder ganz anders als ich, was ich sehr spannend finde. Ich weiß, dass in Deutschland so unglaublich viele Vorurteile bestehen und ich möchte auf keinen Fall dazu beitragen diese unbegründet zu bestärken. Auch ich bin mit einigen Vorurteilen angereist und habe nur sehr wenige bestätigt bekommen.

Meine Ankunft in Cowdalli
Am 3.8.2017 ging es endlich, zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Madita, los. Nach drei anstrengenden Flügen landeten wir am 4.8 in Bangalore. Müde, aber glücklich verließen wir den Flughafen und fanden direkt unsere Projektleiter, die uns herzlichst empfingen. Dann war es auch schon Zeit Abschied zu nehmen von Madita und für mich ging es, zusammen mit Father Christopher (meinem Projektleiter), mit dem Auto weiter nach Cowdalli.

Wir hielten noch kurz für einen Snack und ich wurde zum ersten Mal mit dem scharfen Essen konfrontiert. Ich steckte mir natürlich zu viel in den Mund, anstatt es mit Vorsicht zu genießen und wurde mit einem brennenden Mund belohnt.
Die ganze Autofahrt über starrte ich aus dem Fenster. Wir verließen die Großstadt Bangalore und langsam wurde es ländlicher. Ich war total beeindruckt von der Landschaft und auch ein bisschen überfordert mit den ganzen neuen Eindrücken. Inzwischen kann ich die tollen Ausblicke einfach nur genießen und komme immer wieder ins Staunen. Im Moment ist alles noch sehr grün, weil Regenzeit ist.

In Cowdalli wurden wir von Bernadette (das ist die Köchin von Father Christopher) mit einem leckeren Abendessen empfangen und ich war nach meiner langen Reise sehr froh mein neues Zimmer zu beziehen und endlich angekommen zu sein.

Das obere Stockwerk des grauen Hauses ist mein Zimmer

Mein neues Zuhause ist die St.Anthonys school in Cowdalli. Insgesamt besuchen ungefähr 800 Schüler diese Schule. Ich wohne auf dem Schulgelände, wo auch die Kirche steht. Mein Zimmer liegt über der Schulküche, dort fühle ich mich sehr heimisch und finde genügend Privatsphäre. Gleich daneben ist das Pfarrhaus, wo der Father lebt, der auch gleichzeitig der Schulleiter der gesamten Schule ist. Bernadette und ihr Sohn Pradeeb haben auch dort ihre Zimmer. Ich kann mich in Cowdalli und der Umgebung frei bewegen, was sehr angenehm ist.

Die „gefürchtete“ Anfangszeit
In Deutschland hab ich mich sehr oft gefragt: „Wie wird es am Anfang sein, wenn ich mich noch nicht eingelebt habe?“ Hier wurde ich natürlich damit konfrontiert wie es ist, wenn man keinen kennt und die Sprache nicht spricht und mehrmals dachte ich: „Krass, das ist jetzt meine Realität für ein Jahr.“ Die vielen lieben Menschen in meinem Projekt haben mir den Einstieg aber sehr erleichtert und der Father hat dafür gesorgt, dass ich viel unter Menschen war und nicht zu viel Zeit allein verbracht habe. Das hat mir sehr geholfen und ich habe schnell einen groben Überblick erhalten.

Der wunderschöne Palast in Mysore

Direkt an meinem ersten Wochenende in Indien stand ein Ausflug nach Mysore an, einer größeren Stadt, die etwa drei Stunden entfernt ist. Ich lernte mehrere Schwestern des Fathers kennen und wurde von allen herzlich empfangen. In Mysore kaufte ich auch meine ersten Churidals (lange, weite Hosen, ein langes Oberteil, was über die Knie geht und einen Schal). Inzwischen lasse ich meine Churidals aber schneidern, was hier üblich ist. Mysore war sehr beeindruckend für mich und besonders der wunderschöne Palast ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben.

In Cowdalli wurde ich natürlich zunächst den Schülern und den Lehrern vorgestellt und direkt mit eingebunden. Die Schüler nennen mich alle „Sister“ , Lehrer werden mit Miss/Sir und Vornamen angesprochen. Hier, auf dem Dorf, tragen noch alle Frauen traditionelle Sari oder Churidals, in Städten tragen aber auch viele einfach Jeans und T-Shirt.

Cowdalli ist ein Dorf mit circa 10.000 Einwohnern und nur wenige sind Christen. Es gibt eine sehr feste Gemeinde und jeden Sonntag ist ein Gottesdienst. Ich besuche diesen sehr gerne, auch wenn ich kein Wort verstehe. Alles ist viel lebendiger als in Deutschland und besonders die Lieder gefallen mir sehr. Gerade von jungen Leuten wird der Glaube getragen, was ich aus Deutschland so gar nicht kenne.

In meinen ersten zwei Wochen stand auch noch meine Registrierung bei der Behörde vor Ort an, was schwieriger wurde als gedacht. Insgesamt vier Mal musste ich in die Distrikthauptstadt, die ungefähr drei Stunden entfernt liegt. Ohne die Hilfe des Fathers hätte ich das nicht hinbekommen und war ziemlich froh, als das Thema abgeschlossen war. So kam ich alles in allem gar nicht dazu, wirklich Heimweh zu bekommen. Ich war quasi immer beschäftigt und mitten im Leben.

Generell bin ich froh in einem Dorf zu leben und nicht in einer Stadt. So lerne ich das traditionelle Leben kennen und alles ist so wunderbar familiär. Das nächste größere Dorf, Hanur, ist nur circa 20 Minuten entfernt und alles, was man in Cowdalli nicht kaufen kann, findet man dort.

Hier sind alle Menschen sehr hilfsbereit. Wenn ich also mal wieder (etwas ratlos) an der Busstation stehe und versuche den richtigen Bus auszumachen, findet sich immer jemand, der mir seine Hilfe anbietet. Oft werde ich angesprochen und gefragt, woher ich komme und wo ich wohne. Man sieht hier auf dem Land keine anderen Europäer und inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass ich auffalle.

Die St. Anthony’s school
Die Schule besteht aus drei Gebäuden. In einem Haus sind alle Klassen vom Kindergarten bis zur Stufe 10 ( L.K.G ~ lower kindergarden, U.K.G ~ upper kindergarden, Primary School und High School ). Dort wird auf Kannada unterrichtet, das ist die Sprache, die hier im Bundesstaat Karnataka gesprochen wird. Dann gibt es noch das College (Stufe 11 und 12) und die English Medium School, wo auf Englisch unterrichtet wird . Da dieser Zweig noch relativ neu ist gibt es erst L.K.G, U.K.G und die ersten beiden Klassen, das soll sich aber in den nächsten Jahren ändern.

Das College
Die English Medium School
Die High School

Wie verschaffen sich Lehrer Respekt?
Für mich ist es nicht ganz einfach diesem Thema gerecht zu werden. Ich möchte es nicht unter den Teppich kehren, aber gleichzeitig auch keinen falschen Eindruck von meinem Gastland vermitteln.

In Indien ist Gewalt in Schulen offiziell verboten. Allerdings sieht die Realität manchmal noch anders aus. Auch in meinem Projekt ist das so und es wird noch geschlagen. Für mich ist das ein ernstes Thema, auf das ich nicht wirklich vorbereitet war. Aber hier habe ich sehr schnell den Umgang damit gelernt.

Am Anfang meines Freiwilligendiensts wurde ich gebeten, in Klassen allein Englisch zu unterrichten und bin damit gescheitert, weil die Kinder keinerlei Respekt vor mir hatten. Für sie war ich eher eine Freundin als eine Lehrerin. Das liegt natürlich einmal daran, dass ich selbst noch sehr jung bin und nicht die natürliche Autorität eines Lehrers ausstrahle und ja auch keine Ausbildung habe, zum Anderen aber auch daran, dass ich nicht geschlagen habe. Mehrmals haben mir Kinder den Stock in die Hand gegeben oder meinten, ich solle doch zuschlagen und haben mir sogar teilweise schon die Hände hingehalten. Ich bin natürlich nicht darauf eingegangen und habe ihnen gesagt, dass ich sie nicht schlagen werde. Die Kinder sind daran gewöhnt geschlagen zu werden und so habe ich keine Ruhe in die Klasse bekommen. Dadurch lernten sie nichts und mir machte es auch keine Freude. Nach einigen Tagen hat sich dann geklärt, dass ich nicht mehr alleine unterrichte, weil es bei einer Klasse von 50 Kindern, die teilweise wenig Bewusstsein dafür haben, wie wichtig es ist aufmerksam zu sein und zu lernen, einfach nicht funktioniert.

Teilweise wurden Kinder (ich war in Klassen von Stufe 1-5) richtig respektlos mir gegenüber und waren sprichwörtlich „außer Rand und Band“. Öfters sind andere Lehrer in die Klasse gekommen, haben ein paar Kinder der Klasse geschlagen und sind wieder rausgegangen. Ich muss sagen, ich war teilweise dankbar dafür, weil so wenigstens kurz Ruhe in der Klasse war und ich weiter machen konnte. Gleichzeitig habe ich mich aber auch für den Gedanken geschämt, weil ich doch eigentlich gegen das Schlagen bin. So ging es mir mehrmals. Einmal hat mir ein Kind an den Haaren gezogen und ich habe mich dabei erwischt wie ich dachte: „Eigentlich müsste man sie dafür schlagen“ und wieder habe ich mich geschämt, weil doch das nicht die Art ist wie ich erzogen wurde und wie ich selbst in der Schule gelernt habe.

Aber gerade diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich eine Art Verständnis für das Schlagen gefunden habe. Ich finde es natürlich nicht gut, aber es ist nunmal auch nicht so einfach. Die Schulleiterin der High School erklärte mir, dass viele Eltern der Kinder nur eine schlechte Bildung besitzen und die Kinder zuhause nicht lernen, dass sie in der Schule aufmerksam sein müssen und wie wichtig es ist zu lernen. Außerdem wird auch oft noch zuhause geschlagen und so sind die Schüler schon daran gewöhnt bevor sie in die Schule kommen. In den Klassen sitzen oft über 50 Schüler, was es natürlich schwer macht, alle Schüler unter Kontrolle zu halten. Mein Eindruck im Moment ist: Da die Kinder so daran gewöhnt sind, geschlagen zu werden, würden sie wohl, wenn man von Jetzt auf Gleich damit aufhören würde, überhaupt nicht mehr aufmerksam sein.

Wir hatten über das Thema auch kurz in unserer Vorbereitung, in Deutschland, gesprochen und dort hatte ich noch die ganz klare Meinung: Schlagen ist schlecht und man muss damit sofort aufhören! Inzwischen habe ich gemerkt, dass man das nicht nur so einseitig betrachten kann und ganz viele Faktoren eine Rolle spielen. Ich bin immer noch absolut dagegen, aber man darf bei allen Überlegungen nicht vergessen, dass Entwicklungen einfach Zeit brauchen,grade wenn es darum geht mit Traditionen zu brechen. Außerdem darf man auch nicht vergessen, dass auch in Deutschland lange geschlagen wurde. Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass Indien „rückschrittlich“ sei! Auch in Deutschland war es ja ein längerer Prozess, Schläge als Erziehungsmittel weitgehend abzuschaffen.
Meine Erfahrung ist auch keinesfalls auf ganz Indien anzuwenden. Im Austausch mit anderen Freiwilligen ist aufgefallen, dass bei ihnen viel weniger bis gar nicht geschlagen wird. Ich erkläre mir das so, dass ich wirklich in einer sehr ländlichen Region lebe und hier noch einiges traditioneller ist, als in den Städten.

Ich konnte auch feststellen, dass nicht alle Lehrer mit der gleichen Häufigkeit und Härte zuschlagen. Viele benutzen den Stock nur in Ausnahmen. Genauso ist es bei den Kindern, viele haben Respekt und werden gar nicht geschlagen, aber es gibt viele, bei denen das nicht so ist.

Das ist meine momentane Sicht zu diesem Thema. Vielleicht ändert sich diese in den nächsten Monaten noch, aber für den Moment habe ich den, für mich, richtigen Umgang damit gefunden.

Mein Alltag in Cowdalli
Mein Tag beginnt um 8 Uhr mit dem Frühstück (manchmal helfe ich vorher schon beim Kochen, denn hier gibt es schon zum Frühstück warmes Essen) und einem indischen Tee (Milch und Wasser, mit schwarzem Tee und viel Zucker). Danach öffne ich den Schulkiosk, die Arbeit im Shop macht mir wirklich Spaß. Gegen halb 10 beginnt die Schule und ich schließe den Shop wieder. Oft gibt es dann eine „Assembly“, alle Schüler treffen sich und singen die Nationalhymne. Manchmal wird auch aus der Zeitung vorgelesen, der Schulleiter hält eine Ansprache oder es wird für Geburtstagskinder gesungen. Das haben sich auch für mich gemacht, als ich im September Geburtstag hatte.

Während dem Assembly, ohne die Schüler vom College

Dann gehe ich in die Schule, die meiste Zeit verbringe ich im L.K.G der English Medium School. Dort bin ich sehr gerne, auch wenn es recht streng zugeht und die Kinder nur wenig spielen dürfen. Sie lernen das ABC, kurze Reime, englische Wörter und die Zahlen von eins bis 100. Ich helfe beim Korrigieren, bei Verwaltungsdingen oder zeige den Kindern wie einzelne Buchstaben geschrieben werden. In der restlichen Zeit lerne ich Tamil. Manchmal fragen mich auch andere Lehrer um Hilfe und ich passe mal kurz auf Klassen auf, mache Laufarbeiten und und und. . .

In der Mittagspause öffne ich wieder den Shop, da bekomme ich aber Hilfe von Pradeeb oder Bernadette. Mittags ist der Ansturm einfach zu groß und zwischen den Schülern herrscht total chaotisches Gedrängel. Jeder will zuerst drankommen und alle schreien durcheinander, das kann manchmal sehr stressig sein!

Nach dem Mittagessen mache ich eine kurze Pause und gehe dann wieder in die Schule. In der letzten Schulstunde habe ich Sprachunterricht. Ich setze mich mit meiner Lehrerin in ihre Klasse, die Schüler bekommen eine Aufgabe und sie bringt mir Tamil bei.

Zum Schulschluss öffne ich nochmal den Shop und ab halb fünf habe ich dann Freizeit. Den restlichen Tag verbringe ich oft mit Spaziergängen übers Schulgelände, waschen (ich wasche mit der Hand, was sehr zeitaufwändig ist) oder oder oder. . .

Abends helfe ich beim Kochen und dann ist der Tag auch schon wieder vorbei. Ich bin froh, dass ich schnell meinen Alltag gefunden habe, was mir grade die Anfangszeit sehr erleichtert hat. Bestimmt wird dieser sich auch noch ändern und es werden andere Aufgaben kommen, aber im Moment bin ich froh wie es ist!

„Was sprechen die hier in Indien – Indisch?“
Zunächst einmal: Nein, in Indien wird nicht `Indisch´ gesprochen, diese Sprache existiert nicht. Es gibt sehr viele regionale Sprachen und die Amtssprachen sind Hindi und Englisch. In Cowdalli werden vier Sprachen gesprochen: Tamil (die Sprache des angrenzenden Staates Tamil Nadu), Kannada (diese Sprache wird im ganzen Bundesstaat Karnataka gesprochen), Urdu (hauptsächlich von Muslimen gesprochen) und Telugu (wird auch in einem angrenzenden Teil Indiens gesprochen) . Meine Wahl lag zwischen Tamil und Kannada und ich habe mich für Tamil entschieden, weil das die meisten aus unserer Gemeinde sprechen. Ich hatte keinen Sprachkurs und so habe ich in meinem ersten Monat fast nichts gelernt. Inzwischen habe ich aber jeden Tag Sprachunterricht und ich mache langsam Fortschritte. Tamil fällt mir schwer, weil die Sprache komplett anders funktioniert als europäische Sprachen. Ich lerne auch die über 200 Buchstaben, die ich eher als Bildchen bezeichnen würde. Ein Buchstabe ist immer eine Silbe und alle Buchstaben bauen aufeinander auf. So kapierte ich das System erstaunlich schnell und es macht mir wirklich Spaß auf Tamil zu schreiben. Bernadette spricht nur wenig Englisch und da meine Tamilkenntnisse immer noch sehr beschränkt sind, kommunizieren wir viel mit Händen und Füßen. Aber es wird immer besser und so lerne ich auch viel von ihr.
Oft werde ich draußen angesprochen und verstehe natürlich kein Wort. Ich weiß noch nicht mal welche Sprache ich gerade nicht verstehe und das macht Gespräche mit Einheimischen oft schwierig, aber manchmal auch wirklich lustig. Die meisten können aber doch ein paar Brocken Englisch und so kommen dann doch kurze Gespräche zustande.

Feiertage in Indien
Generell gibt es sehr viele Feiertage in Indien, weil es drei „große“ Religionen gibt (Christentum, Hinduismus und Islam) und alle berücksichtigt werden. Dazu kommen dann noch die Nationalfeiertage.

Mein erster großer Feiertag in Indien war am 15. August. Der indische „independence day“

Die geschmückte Highschool am Independence day

wird hier groß gefeiert und alle Klassen führten einen Tanz oder ähnliches auf, wofür sie vorher Wochenlang geprobt hatten. Viele Eltern kamen, um sich das Programm anzuschauen und ich saß mit den Lehrern auf der Bühne. Danach gab es für alle Lehrer ein gemeinsames Mittagessen, an dem ich auch teilgenommen habe. Es war ein sehr schöner Tag, aber es war erst meine zweite Woche in Indien und so habe ich mich noch nicht so richtig als Teil der Gemeinschaft fühlen können.

Vorbereitung für das Spiel mit den Limetten

Ganz anders sah das am 4. September aus. An diesem Tag wird der „Teachers day“ gefeiert und ich trug zum ersten Mal einen Sari. Ein bisschen gehbehindert (ein Sari ist bodenlang und ich war nicht daran gewöhnt) aber schon bester Laune bin ich zur Feier gegangen. Der Schulleiter der Primary School empfing mich, wünschte mir einen „Happy Teachers day“ und meinte dann, dass ich hier auch eine Lehrerin und Teil des Kollegiums sei.
Die Schüler hatten sich ein Programm aus verschiedenen Spielen ausgedacht, zum Beispiel Sackhüpfen, Reise nach Jerusalem oder Limetten auf einem Löffel im Mund tragen und eine gewissen Strecke laufen. Dabei habe ich den dritten Platz belegt und sogar einen kleinen Preis gewonnen. Alle Lehrer haben sich beteiligt und sich teilweise auch ein bisschen zum Affen gemacht, wie auch ich. Bei dem Spiel „Saritücher falten“  habe ich komplett versagt und für einen Lacher unter den Schülern gesorgt, die so gar nicht verstehen konnten, dass ich das nicht konnte. Ja, es ist schwieriger als es sich anhört, die Tücher sind extrem lang und unhandlich! Alles in allem war das bis jetzt mein schönster Tag, weil die Stimmung so ausgelassen war und ich einfach genießen konnte dabei zu sein und dazu zu gehören.

Ich würde nicht behaupten, dass ich mich schon zu 100% eingelebt habe, aber das kommt mit der Zeit. Cowdalli und die Schule sind für mich mein Zuhause geworden und ich fühle mich sehr wohl. In meinem nächsten Rundbrief werde ich dann ein bisschen mehr über das indische Essen und meine Erfahrungen erzählen und kann euch hoffentlich noch ein paar reflektiertere Eindrücke präsentieren. Ich freue mich sehr auf die nächsten Monate in Indien, die hoffentlich genauso schön und spannend werden wie meine ersten drei Monate!

Liebe Grüße aus Cowdalli, Judith