Bolivien: 1. Rundbrief von Malin Schmitt

Hola ihr Lieben,

Ankunft in Bolivien

nun bin ich schon seit 2 Monaten hier und es wird Zeit, euch von meinen ersten Erfahrungen und Eindrücken zu berichten. Am 6. August ging es für mich und 8 andere Freiwillige von Luxemburg aus nach Bolivien.

Nach einer 23-stündigen Reise kamen wir endlich am Flughafen von La Paz an. Dort verbrachten wir die ersten 5 Tage gemeinsam mit den anderen Freiwilligen aus Hildesheim in einem Seminarhaus weil wir ein Einführungsseminar hatten, welches die Comisión de Hermandad(Partnerschaftskommision) geleitet hat. Da La Paz auf 3.600m Höhe liegt und ich von dem gerade mal 89m hohen Mainz komme (:D) war ein Besuch auf der Sauerstoffstation im Flughafen kurz nach der Landung schon vorprogrammiert. Aufgrunddessen hatte ich auch die ersten zwei bis drei Tage leider ziemliche Kopfschmerzen von der Höhe. Dennoch ist La Paz eine unglaubliche faszinierende Stadt, sie liegt in einem Kessel und ist von schneebedeckten Bergen umgeben. Viele denken, dass La Paz die Hauptstadt von Bolivien ist, dabei befindet sich dort nur der Regierungssitz und die historische Hauptstadt von Bolivien ist Sucre. Nach aufregenden 5 Tagen ging es für mich zu meiner Gastfamilie in La Paz für den Sprachkurs.

Sprachkurs in La Paz

Die nächsten 3 Wochen habe ich in einer Gastfamilie verbracht und ein Sprachkurs besucht. Meine Gastfamilie hat mich super lieb empfangen und ich habe mich auf Anhieb wohlgefühlt. Kurz zu meiner Gastfamilie: die besteht aus meiner Gastmutter Alejandra, meinem Gastvater Ariel und meinen Gastgeschwistern Natalia und Nicolas. Wir hatten jeden Tag 4 Stunden Sprachkurs (9-13 Uhr) und danach haben wir oft gemeinsam noch die Stadt erkundigt oder sind was essen gegangen. Der Sprachkurs hat mir unglaublich viel geholfen, da ich in der Schule leider kein Spanisch hatte und deshalb noch gar nichts konnte. Zur Sprachschule bin ich mit dem Minibus gefahren, dem wichtigsten Verkehrsmittel in Bolivien. Was ganz praktisch ist, ist dass man Minibusse einfach an der Straße anhalten kann und einfach aussteigen kann wo man möchte. Es gibt hier auch keine Haltestellen. Der Verkehr in Bolivien ist um es auf den Punkt zu bringen Chaos pur, jeder fährt wie er möchte und statt Rechts vor Links wird hier die Hupe benutzt, wer also zuerst hupt, fährt zuerst. Am Ende des Sprachkurses hatten wir einen Test, den zum Glück jeder von uns bestanden hat :D. Nach den 3 Wochen ging auch für mich die Zeit in La Paz und meiner Gastfamilie vorbei.

El Alto und mein Projekt

Am 4.9. bin ich dann umgezogen in mein neues Zuhause nach El Alto. El Alto heißt auf Spanisch „die Höhe“ was auch nicht verwunderlich ist, denn El Alto liegt auf 4.100m. Da in Bolivien eigentlich alle Häuser keine Heizungen haben ist es leider sowohl tagsüber als auch nachts ziemlich kalt und man friert ziemlich oft. Leider komme ich auch überhaupt nicht gut mit der Kälte klar. El Alto war früher mal ein Stadtteil von La Paz ist aber inzwsichen eine eigenständige Millionenstadt. Ich wohne nun in einer Freiwilligen-WG mit noch einer anderen deutschen Freiwilligen (Marianka) und in den ersten Wochen hat hier noch eine spanische Freiwillige mit uns gewohnt, welche aber inzwischen wieder abgereist ist. Jetzt zu meinem Projekt: Ich arbeite in dem Projekt Palliri, jedoch besteht Palliri aus vielen verschiedenen Einrichtungen. Es gibt einen Kindergarten, zwei Kindertagesstätten, eine Fabrica(die Kleider für die Boutiquen in La Paz herstellt), zwei Boutiquen und einen Bauernhof. Zuerst habe ich in Delicias gearbeitet, der einen Kindertagesstätte. Jedoch arbeite ich inzwsichen in Michme, dem anderen Zentrum für Kinder und Jugendliche. Ich arbeite jeden Tag von 10-17 Uhr. Morgens bin ich im Saal 3 mit den 15 bis 18-Jährigen und Profe Omar und mittags arbeite ich im Saal 2 mit den Kleineren und Profe Fernando. Ich helfe sowohl morgens als auch mittags bei den Hausaufgaben. Gegen 12:30 Uhr gibt es Mittagessen und danach spielen wir meistens auf dem Hof Basketball oder Fußball, was gar nicht so leicht ist auf über 4.000m. Ich bin ziemlich schnell aus der Puste :D. Danach gehen wir wieder zurück in den Saal und die Kinder machen ihre Hausaufgaben. Nach den Hausaufgaben gehen wir meistens wieder nach draußen und gegen 16:30 Uhr gibt es Merienda( Tee oder Kakao mit Brötchen oder Keksen). Um 17 Uhr werden die Kinder dann abgeholt.

Tagesablauf in Michme

Am 21. September war Dia de la Primavera(„Frühlingsanfang“) und das wird hier festlich
gefeiert. Früh am Morgen wurden Marianka und ich, ausgestattet mit Fotoapparat und
Videokamera, zu Delicias gerufen. Was uns genau erwartete, wussten wir nicht. Als wir
ankamen, waren die Vorbereitungen für die Coronacion(„Krönung von Königin und König“)
schon in vollen Gängen. Sobald die Zeremonie begann, wurden nacheinander die
Prinzessinnen-und Prinzenpaare angesagt. In edlen Prinzessinnenkostümen und Anzügen
liefen die Kinder über den roten Teppich zu ihren Plätzen. Was ich als eher kitschig empfand, ist hier völlig normal.   

Am Abend fand dann ein Programm für die Großen in Michme statt. Mit Tanzeinlagen,
Gedichtsvorträgen und Kostümkreativität mussten sie sich der Jury stellen. Marianka und ich
waren Teil der Jury, was zum Teil gar nicht so einfach war, da alle Beiträge sehr gelungen
waren.

 

Am Freitag, den 6. Oktober, haben wir einen Ausflug in den Sajama-Nationalpark gemacht an der chilenischen Grenze mit meiner Chefin(Isa), 2 Spaniern(Rocío&Eddy), Marianka und Jakob. Wir haben eine Lagune mit vielen Flamingos, Vicuñas, viele Lamas, einen wunderschönen Sternenhimmel und unendlich weite unberührte Natur gesehen. Es war wirklich sehr beeindruckend!

Sajama Nationalpark

Am Montag sind wir dann nach Coroico gefahren in die Yungas. Die Yungas sind im Gegensatz zu El Alto warm und ich habe mich noch nie so auf 30 Grad gefreut. Es war sehr schön zur Abwechselung mal wieder im T-Shirt herumlaufen zu können anstatt immer mit 5 Schichten, Schal, Mütze und Winterjacke. Die Yungas sind unglaublich schön und grün. Zum Abschluss sind wir noch den Camino de la Muerte(deutsch: „Todesstraße“)entlang gefahren, welche früher wirklich mal die gefährlichste Straße der Welt war. Aber zum Glück leben wir noch 😀

Todesstraße

Das war’s erstmal. Ich melde mich bald wieder.

Hasta luego,

Eure Malin