La Paz: Palliri 4. Rundbrief von Gizem Günes

In ein paar Wochen ist schon Weihnachten und ich kann es immer noch nicht fassen, wie schnell die Zeit doch rum geht. Ich weiß noch, wie ich im August nach Bolivien gekommen bin und wir haben schon Dezember. Bald ist mein Geburtstag und ich freue mich schon so darauf dieses Jahr mit meiner Familie hier in Bolivien zu feiern. Das einzige was mir fehlt ist Schnee und Lebkuchen das verbinde ich einfach mit Weihnachten. Danach sehne ich mich wirklich sehr. Bei uns ist nämlich Regenzeit angesagt bis Ende Februar. Es regnet einfach den ganzen Morgen und gegen Mittag scheint wieder die Sonne. Meine Familie und Freunde fehlen mir auch aber meine Familie hier in Bolivien lässt mich ihre Abwesenheit fast nicht spüren. Ich war schon fleißig und meine Weihnachtsgeschenkeliste ist abgehakt. Die Liste hat einige Wochen in Anspruch genommen. Die richtigen Geschenke zu finden war nicht so einfach. Ich muss sagen am Ende war meine Suche erfolgreich und ich hab für jeden was Kleines finden können. Wenn ich diesen Monat zurück blicke, stelle ich fest, dass ich viele Erfahrungen gesammelt habe: vom Model bis zum Regie führen war alles drin. Aber dazu komme ich gleich noch. Diesen Monat haben mich noch andere Freiwillige aus anderen Regionen Boliviens und Projekten besucht. Wir hatten echt eine tolle und angenehme Zeit zusammen. Ich habe auch immer wieder bestätigt bekommen, dass ich viel Glück mit meinem Projekt habe und dass man mir ansieht, dass ich gut angekommen bin. Ich sage ja, für mich ist Palliri das beste Projekt, das man zugeteilt bekommen kann. Ich weiß es sehr zu schätzen und bin auch dankbar dafür.

Mein Alltag im Projekt

beginnt mit einem Frühstück mit den Kindern, danach werden die Hausaufgaben erledigt. Nach dem Mittagsessen wird mit den Kleinen lesen geübt und in der Küche geholfen. Die restliche Zeit bin ich unterwegs. Ich war schon für einen Tag mit meiner Chefin in Cochabamba. Dort haben wir für das „Kindermissionswerk“ in Deutschland eine Großbestellung an Stoffen durchgeführt. Also sagt mir bitte, wie kann einem da langweilig werden in so einem Projekt mit so vielen Fassetten und Abwechslung. Entweder bin ich in der Schule oder im Kindergarten, zwischendurch arbeite ich in der Kleiderfabrik. Zurzeit arbeite ich auch an Samstagen im Kleiderladen. Alles, was wir an Umsatz machen, kommt nämlich den Kindern in unserem Projekt zugute. Das gibt mir eine größere Motivation, die Kleider zu verkaufen. Ich sehe es weniger als Arbeit an, weil es mir Spaß macht, die Kunden zu beraten und mich über Mode und Style zu informieren. Meinem Spanisch schadet es auch nicht. Ich habe schon für „Coconut“ gemodelt, war eine Erfahrung für sich. Jetzt weiß ich, was Models so hinter der Kulisse durchmachen müssen und stundenlang auf hohen Schuhen stehen ist auch kein Kinderspiel. Aber alles in einem hat es mir schon Spaß gemacht, ich würde es wieder tun. Wenn es nur beim Modeln bleiben würde. Ich habe mit meiner Chefin auch Regie geführt, als wir einen Kurzfilm für die Sternsinger gedreht haben.

Die Aktionen vom Dezember

nehmen einfach kein Ende. Mit meinen Kindern waren wir schon schwimmen, da einige noch nicht schwimmen können. Ich kann euch nicht sagen, wie lustig diese Stunden im Schwimmbad waren! Ich hatte vom ganzen Lachen Bauchkrämpfe. So erinnere ich mich immer wieder gerne daran. Auch mehrere Kinobesuche haben wir schon hinter uns gebracht. Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsplätzchen? Tonnenweise haben wir gebacken und mit den Kindern dekoriert, so wie es sich gehört. Das Aufessen von den Plätzchen hat lange nicht so viel Spaß gemacht wie das Backen selbst. Ein großes Dankeschön an mein Team in der Schule. Ich werde immer unterstützt, egal mit was für einer Idee ich ankomme. Sei es Theater, singen, backen oder tanzen.

Ich habe euch ganz vergessen zu berichten, dass wir ein „verde“ Projekt eingeleitet haben. Über hundert Bäume haben wir schon in La Paz gepflanzt und haben noch ein paar hundert vor uns. Es ist einfach ein wunderschönes Gefühl der Stadt mehr Grün zu schenken und den Bäumen „Leben“ zu geben. Vor allem liebe ich diesen Duft von frischer Erde. Das ist nicht das einzige Projekt, das am Laufen ist. Wir haben auch noch vor, einen Friedhof zu restaurieren. Die Gräber sind so alt, dass sie schon auseinander bröckeln. Wir warten auf die Erlaubnis dann legen wir los, ich kann es kaum erwarten. Ich hoffe, das dauert nicht mehr lange. Drückt mir die Daumen, dass das mit der Erlaubnis so schnell wie möglich klappt. Ich habe zurzeit auch eine kleine Mitbewohnerin: die Hündin meiner Chefin. Da meine Chefin während diesen Tagen unterwegs ist, passe ich auf sie auf. Wir haben uns schon super angefreundet und ich hab sie in kurzer Zeit in mein Herz geschlossen. Sie springt mich jedes Mal an und begrüßt mich, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Ich will sie schon gar nicht mehr her geben, wenn ich ehrlich bin. Bald haben wir Ferien, ich werde diesen Monat jedoch nicht reisen. Erst nach unserem Zwischenseminar im Januar in Cochabamba habe ich mir vorgenommen, einige Freiwillige in ihren Projekten zu besuchen.

Das war es von meiner Seite aus, passt auf euch auf und ein schönes Weihnachtsfest wünsch ich euch von Herzen.