Bolivien: 2. Rundbrief Sarah Sänger

Hallo ihr Lieben!
Jetzt bin ich schon ein halbes Jahr in Bolivien und in der letzten Zeit ist wieder viel passiert wovon ich euch in diesem Rundbrief erzählen möchte.

Im Projekt..
Im Comedor hat sich nach und nach immer mehr ein Alltag entwickelt und dadurch, dass auch das Spielehäuschen geöffnet wurde, welches auf dem Gelände des Comedors steht und in welchem sich viele Spiele und Materialien befinden, blieben auch einige Kinder noch länger. Dort spielen oder malen oder basteln wir nach dem Essen und so vergeht die Zeit immer noch schneller. Vor Weihnachten standen dann ein paar Aktionen an, wie zum Beispiel Weihnachtsbilder malen, Sterne basteln oder backen. Gegen Ende hin haben meine Chefin, die Köchinnen und ich uns an die Vorbereitungen für den letzten Tag gemacht. Wir planten eine Weihnachtsfeier und außerdem wurden alle Geburtstage der Kinder in den Monaten von Juli bis Dezember nachgefeiert. Wir kauften Geschenke für die Geburtstagskinder und nähten Weihnachtsmützen, die wir mit Süßigkeiten füllten und die die Kinder dann bekamen. Außerdem haben wir den Comedor schön hergerichtet, die Tische dekoriert und einen Weihnachtsbaum aus Papierrollen gebastelt und die Geschenke darunter gelegt. Das Essen war natürlich wie immer sehr wichtig, es gab Chicharron (Schweinefleisch im Ofen) mit Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kochbananen und Salat und dazu Limonade. Danach wurden die Geschenke verteilt und dann ging es schon an das Verabschieden in die Sommerferien.

Weihnachtsfeier im Comedor

 

 

 

 

Ein paar Tage später hat noch eine Art Feria (Markt) im Comedor stattgefunden. In Patacamaya gibt es einen Raum, wo Strickmaschinen stehen und wo die Frauen stricken können. Diese Sachen können sie verkaufen und dadurch ein bisschen Geld verdienen. Diese Kleidungsstücke wurden an dem Tag im Comedor ausgestellt. Außerdem durfte ich bei zwei Promociónen (Abschlussfeiern) dabei sein, da zwei Kinder der Köchinnen dieses Jahr die Schule beendet haben. Nach einer Feier in der Schule feierten wir im Comedor weiter.
Kurz vor Weihnachten half ich dann bei den Proben eines Kinderchors und wir haben bolivianische Weihnachtslieder einstudiert, um die Weihnachtsmesse zu begleiten.

Weihnachten und Silvester
In Weihnachtsstimmung kam ich in diesem Jahr leider nicht so wirklich und ich habe gemerkt, dass für mich ein paar Traditionen zu Hause, wie Weihnachtsmärkte, bestimmtes Essen und das Zusammensein mit der Familie eben doch dazu gehören. Trotzdem habe ich schöne Tage erlebt und außerdem war es auch interessant, die bolivianischen Traditionen, das Essen und ein Weihnachten, das nicht im Kreise der Familie gefeiert wird, kennenzulernen.

Am heiligen Abend waren wir in der Messe, die wir mit dem Kinderchor begleitet haben und die ich als sehr schön empfunden habe. Viele Leute haben eine kleine Jesus-Figur vorne vor den Altar gelegt. Damit wird symbolisiert, dass Jesus in dieser Nacht um 12 Uhr auf die Erde kommt und die Menschen nehmen diese Figur mit in ihr Haus, um gesegnete Weihnachten feiern zu können. Danach gab es noch warmen Kakao und Gebäck für alle. Später waren wir mit 2 Priestern und den Schwestern beim Bischof zum Abendessen. Es gab das typische bolivianische Weihnachtsessen, Picana. Das besteht aus Schweine- bzw. Hühnchenfleisch, Kartoffeln, Gemüse und einer Weinsoße. Danach haben wir noch gemütlich zusammengesessen und den Abend ausklingen lassen. Der 25. Dezember ist hier der wichtigere Tag, weil die Menschen daran glauben, dass Jesus um Mitternacht geboren wurde. Der Bischof hat mich an diesem Tag mitgenommen in das Dorf CoroCoro, welches Namensgeber der Prälatur ist und wo er jedes Jahr an Weihnachten und Ostern eine Messe hält. Die Messe ist mir auch sehr fröhlich in Erinnerung geblieben. Danach waren wir noch bei einer Familie zum Essen eingeladen und da
war es dann doch sehr weihnachtlich! Die ganze Familie saß an einem großen Tisch mit sehr viel, sehr leckerem Essen und ich wurde so herzlich aufgenommen, dass ich nicht das Gefühl hatte, das erste Mal dort zu sein. Nach dem Essen haben wir noch lange zusammengesessen, etwas gespielt und viel gelacht. Dieser Weihnachtstag wird mir auf jeden Fall noch lange und gut in Erinnerung bleiben!

Heiligabend mit dem Kinderchor

Silvester habe ich dann zusammen mit vielen Freiwilligen in Sucre verbracht, wo wir gekocht und dann zusammen ins neue Jahr gefeiert haben.

Seminar
Anfang Januar stand dann das Zwischenseminar an, welches in Cochabamba stattfand. Dort waren wir 8 Tage mit allen Freiwilligen und unseren Teamern in einem Seminarhaus. Wir haben über viele Dinge gesprochen, ich habe viel nachgedacht und mir ist nochmal bewusst geworden, wie gut es mir hier in Bolivien geht, aber auch wie schnell die Zeit verfliegt.

Reise
Nach Weihnachten und nach dem Seminar hatte ich dann noch etwas Zeit, zu reisen und noch mehr von Bolivien kennenzulernen. Zusammen mit anderen Freiwilligen haben wir den Titicacasee, den Salar de Uyuni (größte Salzwüste der Erde) und den Dschungel im Nationalpark Madidi kennengelernt. Außerdem waren wir wandern in Toro Toro (ebenfalls ein Nationalpark im Departemento Potosí) und in Coroico in den Yungas. Wir haben viel von Bolivien gesehen und vorallem war von 4000 Metern Höhe und Kälte bis zu tropischen Temperaturen im Tiefland alles dabei. Mir ist wieder mal die Vielfalt dieses Landes bewusst geworden, wie
verschieden die Gegenden und Landschaften sind und wie viel es hier zu sehen und zu entdecken gibt.

Salar de Uyuni

 

Titicacasee

 

 

 

 

 

 

Karneval in Oruro
Das Karnevalswochenende haben wir mit vielen Freiwilligen in Oruro verbracht. Der Karneval in Oruro ist Weltkulturerbe und jährlich kommen ungefähr 450.000 Besucher. Es ist ähnlich wie ein Karnevalsumzug in Deutschland, aber nur mit Tanzgruppen. Der Umzug begann morgens um sieben Uhr und endete nachts ca. um vier Uhr. Das war auf jeden Fall ein beeindruckendes Erlebnis und es gefällt mir immer wieder, mir die verschiedenen Tänze anzugucken. Apropos, ich habe vor kurzem auch angefangen Tinku zu tanzen, auch ein traditioneller bolivianischer Tanz. Momentan üben wir fast täglich und Mitte März ist hier in Patacamaya die Fiesta und da werde ich dann auch mittanzen.

Karneval, Oruro

 

 

 

 

 

 

 

 

Und sonst so…
Ein Ereignis von dem ich euch noch erzählen will, ist eine Feier in einer Comunidad (=kleines Dorf auf dem Land, hat oft auch nur wenige Einwohner). Die Caritas Patacamaya hat mich mitgenommen, da an diesem Tag gefeiert wurde, dass mit Hilfe der Caritas jetzt jedes Haus einen eigenen Wasseranschluss hat. Wir haben Wasseranschlüsse, eine Toilette und den Wassertank mit einem Tontopf, gefüllt mit Bier, der auf den Boden geworfen wurde „getauft“, viel getanzt, gegessen und getrunken. Die Leute in der Comunidad waren natürlich sehr glücklich
darüber, dass jetzt jedes Haus fließendes Wasser hat. Mich hat dieser Tag auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht und mir nochmal gezeigt, wie selbstverständlich es für uns ist, einfach den Wasserhahn aufzudrehen, das Licht anzuschalten oder seine Wäsche in die Waschmaschine zu stecken.
Mir geht es immer noch sehr gut hier, ich fühle mich wohl und der normale Alltag kommt wieder zurück. In den nächsten Wochen stehen wieder einige Sachen an, wie z.B. die Fiesta. Davon dann aber in meinem nächsten Rundbrief mehr! 🙂

Ganz liebe Grüße aus Bolivien und bis bald!

Eure Sarah